Das Video "Beware the Believers ist...

Donnerstag, Mai 15, 2008

Bankrotterklärung...

Im Jahr 2009 soll ein sehr spannend klingendes Buch erscheinen - der bisher vorgesehene Artikel "What Darwin Got Wrong".

Der Autor denkt, dass die Theorie der Natürlichen Selektion sei “wrong in a way that can’t be fixed”. Prinzipiell erkennt er natürlich an, dass Natürliche Selektion ein real existierendes Phänomen darstellt, wie es in kreationistischen Kreisen schon seit Blyth (und damit schon vor Darwin) eher die Regel als die Ausnahme ist:

"Of course, there is natural selection all around us (just think of the flu virus, mutating and adapting every year, to our detriment) and inside us (just think of our antibodies and our synapses and the pancreas cells and the epithelial cells)." Der Motor makroevolutiver Veränderungen könnte Natürliche Selektion jedoch nicht sein: "The point is, however, that organisms can be modified and refined by natural selection, but that is NOT the way new species and new classes and new phyla originated."
Und "Darwinism" sei lediglich Zuständig für "the refinement and tuning of existing forms".

Aufgrund der folgenden Aussage wird manch einer vielleicht vermuten, dass es sich bei dem Autor um Richard von Sternberg handelt:

"I think that there are fundamental physical and chemical principles operating inside all living systems and partially responsible for the forms of living organisms. Only partially, of course, but at a very fundamental level.
More and more papers, from different quarters (laboratories and researchers still that remain for the most part isolated from one another), show that there are physical principles of optimization, and of optimal compromise, acting on biological forms.
For instance, Christopher Cherniak and colleagues at the University of Maryland have computed literally millions of alternatives to the way the nervous system is organized, from the ganglia of the earthworm (the nematode) to the auditory cortex of macaques, and found that none of these can improve to what we have in reality. Nature has found an optimal solution for the density of connections that is better than the most advanced engineered chips we find on the market today. [...] Now, it just cannot be the result of natural selection that biological forms show the same forms we also witness in spiraling minerals and in spiral galaxies. And when we find a “solution” in living beings that turns out to be optimal with respect to many millions of conceivable (and computable, these days, with fast computers) alternatives, it cannot have been selected out of random trials. There have not been dozens of millions of generations of macaques trying out all sorts of cortical patterns of connections, such that only the best survived. That’s ridiculous."

Ob es wirklich Sternberg ist, oder doch ein "richtiger" ID-Vertreter wird am Ende dieses Beitrags aufgelöst. Auf jeden Fall wurde er gefragt:
"Why has American science been slow to accept a reduced role for natural selection in evolution? Is it the physics that people just can't grasp?"

Die Antwort:

"It’s not just American science, but rather Western science, though indeed France has, in this respect, a different story, not quite a noble one.
Some consider Darwinism to be quintessentially 'Britannique' and they had Bergson suggesting a different approach to evolution, then the mathematician Rene’ Thom and his school, stressing the role of topological deep invariants. They may have come to anti-Darwinian conclusions for rather idiosyncratic reasons."

Diese Unfähigkeit, die Natürliche Selektion als Motor der Evolution über Bord zu werfen, sei auch den neusten Ergänzungen der Synthetischen Evolutiosntheorie zueigen:

"[E]ven if we take the many, many biologists in many countries who have contributed to the new rich panorama we have today of non-selectionist biological mechanisms (including the masters of the Evo-Devo revolution), they are reluctant, in my opinion, to steer away from natural selection. They declare that the non-selectionist mechanisms they have discovered (and there are many, and very basic) essentially leave the neo-Darwinian paradigm only modified, not subverted."

Der hier Zitierte "is advancing front loading with a side comment" (Mike Gene):

"Look, when Sherman stresses that the sea urchin has, in-expressed, the genes for the eyes and for antibodies (genes that are well known and fully active in later species), how can we not agree with him that canonical neo-Darwinism cannot begin to explain such facts?"
Auch sagt er:
"[I]nsects had evolved at least ten elaborate forms of mouthpieces, uniquely adapted (one would say) to their feeding upon flowers, one hundred million years before there were any flowers on Earth."

Auf die Frage, wie lange es wohl dauern würde, bis die von ihm vertretene Ursprungssicht in der Scientific Community akzeptiert wäre, antwortete er (im Gegensatz zu Dembskis Schätzungen von wenigen Jahren bzgl. ID):

"Well some 20 years for the elite of the scientific community. Maybe 50 before it becomes high-school textbook material."

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Wer ist nun der miese Kreationist, der solche Dinge sagt?

Er heißt Massimo Piattelli-Palmarini und was er als Alternative zum Neo-Darwinismus sehen möchte, hat so gar nichts mit ID zu tun. Er sagt sogar:

"I think that abandoning Darwinism (or explicitly relegating it where it belongs, in the refinement and tuning of existing forms) sounds anti-scientific. They fear that the tenants of intelligent design and the creationists (people I hate as much as they do) will rejoice and quote them as being on their side. They really fear that, so they are prudent, some in good faith, some for calculated fear of being cast out of the scientific community."
Die hier zitierten Aussagen sind einem Interview entnommen, das ich jedem Leser nur empfehlen kann! Da Piattelli-Palmarini kein ID-Vertreter ist, hat er natürlich auch viele Dinge gesagt, die oben nicht zitiert wurden - die sollte man unbedingt nachlesen. Entscheidend sind jedoch auch die Dinge, die hier zitiert und von ihm ja tatsächlich gesagt wurden.

Ich würde ds von Piattelli-Palmarini gesagt gerne mit zwei Zitaten kontrastrieren, die man - in ähnlicher Form - als ID-Vertreter immer wieder zu hören bekommt.

"No phenomenon has ever been found in organic nature that cannot be interpreted within the framework of the modern, synthetic theory of evolution." (Ernst Mayr, 1959).

Und beinahe 50 Jahre später:

„Also die Diskussion der letzten 150 Jahre sagen, wir mal so grob, seit dem Darwin sein Buch veröffentlicht hat, hat eigentlich ganz eindeutig ein Ergebnis gebracht: Dass eine Idee wie ein göttlicher Plan oder ein Intelligent Design - oder sogar eine Richtung in der Evolution - dass die zum einen überflüssig ist, zum andern falsch ist und zum dritten unwissenschaftlich ist. Ich will das ganz kurz erläutern: Warum ist sie überflüssig? Weil wir die Selektionstheorie haben, seit Darwin, die kann eigentlich alle Phänomene, die wir erklären wollen in der Biologie, die in den Bereich fallen, erklären.“ (Thomas Junker)






Mittwoch, Mai 14, 2008

Der Zweck heiligt das Mittel?

Man kann über den Film "Expelled - no Intelligence allowed" mit Ben Stein sicher einiges denken und auch ich habe da einige Anfragen - viel größere jedoch an diejenigen, die zu meinen scheinen, angesichts der Schlechtigkeit von ID im Allgemeinen und dem Film im Speziellen sei eine sachlich korrekte Berichterstattung gar nicht mehr nötig. Ist es tatsächlich so, dass der Zweck hier das Mittel heiligt, der Kampf gegen pseudowissenschaftliche Demokratie-Gefährdung aus dem Mittelalter den Rückgriff auf einen Journalismus, wie man ihn sonst in keinem Bereich tolerieren würde und der ohne jegliche Recherche oder gar Wahrheitsgehalt auskommt? Lügen für die gute Sache? Nicht zuletzt genau das machen, was man Stein et al. vorwirft?

Es ist traurig, aber auch der SPIEGEL lässt sich zu Derartigem herab. Nun ist noch ein weiteres Beispiel in Form einer Besprechung des Films im DLF ausgestrahlt worden - völlig faktenfrei wird da "berichtet":

"[Es gibt] mittlerweile eine Internetseite, die sich 'Expelled Exposed' nennt, also etwa ''Expelled' entblößt' und zum Beispiel auch die Lebensgeschichten näher beleuchtet von jenen Wissenschaftlern, die angeblich Opfer des atheistischen Wissenschaftsbetriebes geworden sind. Zum Beispiel Richard Sternberg, der als Herausgeber eines wissenschaftlichen Magazins eine kreationistische Facharbeit veröffentlicht hat. Angeblich hat ihn das seinen Job gekostet. Offenbar ist es aber doch so gewesen, dass sein Drei-Jahres-Vertrag ohnehin ausgelaufen wäre, und die Arbeit als Herausgeber hat er ohnehin unentgeltlich geleistet, und seine Brötchen hat er tatsächlich irgendwoanders verdient."
Dazu nur einige kurze Anmerkungen (die angesichts des Niveau eines solchen Berichtes eigentlich schon zu viel der Aufmerksamkeit sind):

1) Die genannte Webseite ist vom NCSE ...

2) In einer gespiegelten Situation wäre es sicherlich undenkbar, die Stellungnahme z.B. von der SG W+W zu den Falschaussagen beispielsweise eines Kutscheras zu berücksichtigen - nur hier wird unkritisch darauf verwiesen. Wie gesagt: Andersrum undenkbar!

3) Es handelt sich bei Meyers Paper nicht um eine "kreationistische Facharbeit". Derart undifferenzierte Aussagen sind eine Schande für ein Medium, das allen ernstes vorgibt, "die hörbare Alternative für alle, die gründlicher und umfassender informiert werden wollen" zu sein.

4) [*]Niemand hat behauptet, Sternberg hätte seinen Job verloren! Er hat im Gegenteil öfters darauf hingewiesen, dass zwar auch an den NIH Anrufe eingingen, die seinen Rausschmiss forderten, er dort aber recht fair behandelt worden wäre. Die Diskussion drehte sich stets um die Diskriminierung an seiner Forschungsstelle am Smithsonian Institute.



Arndt Reuning, der obige Aussage machte, hat sich mit seinen Aussagen in die traurigerweise sehr lange Liste derer eingereiht, die kein Problem darin zu sehen scheinen, absolut ungenügend informiert rufschädigende Aussagen über andere Menschen zu verbreiten, so lange dies dem Feindbild "Intelligent Design" schaden könnte.


[*]Nachtrag:
Es ist wohl so, dass Ben Stein selbst soetwas behauptet hat:

"There are a number of scientists and academics who've been fired, denied tenure, lost tenure or lost grants because they even suggested the possibility of intelligent design. The most egregious is Richard Sternberg at the Smithsonian, the editor of a magazine that published a peer-reviewed paper about ID. He lost his job."
--Ben Stein (Newsweek, April 14, 2008)

Für ihn gilt das hier gesagte mit derselben Schärfe. Wundern muss ich mich über Reuning dennoch: Gerade auf der Expelled-Exposed-Seite (seiner Quelle) wird doch ganz genau darauf hingewiesen, wie sein Arbeitsverhältnis war, dass er keinen Job verloren hat und was die eigentlichen Vorwürfe sind...

Dienstag, Mai 06, 2008

Irreduzible Komplexität update

In der Diskussion um „Intelligent Design“ (ID) spielt nichtreduzierbare Komplexität („irreducible complexity“, IC) molekularer Maschinen in den Zellen eine besondere Rolle. Die Auffassung, viele Strukturen in der Organismenwelt seien nichtreduzierbar komplex, ist zwar in ihrem Grundgedanken keineswegs neu, wurde aber durch Michael Behes vielbeachtetes Buch „Darwin’s Black Box“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und ist aus der Diskussion um „ID“ nicht mehr wegzudenken. Ein System ist nichtreduzierbar komplex, wenn es notwendigerweise aus mehreren fein aufeinander abgestimmten, interagierenden Teilen besteht, die für eine bestimmte Funktion benötigt werden, so dass die Entfernung eines beliebigen Teils die Funktion restlos zerstört. Ein solches System wird als „IC-System“ bezeichnet. Daran anknüpfend wird als IC-Argument formuliert: Es ist nicht möglich, ein IC-System kleinschrittig durch ungerichtete graduelle evolutive Prozesse aufzubauen. Allgemeiner lautet das IC-Argument: Es ist nicht möglich, IC-Strukturen durch irgendwelche ungerichtete evolutive Prozesse aufzubauen. Darüber hinaus gilt das IC-Argument für viele ID-Befürworter auch als Hinweis auf das Wirken eines Schöpfers. Man muss also drei Ebenen der Argumentation mit IC unterscheiden:
  1. Die Behauptung, es gebe IC-Strukturen,
  2. die Behauptung, die Evolution (bzw. allgemeiner: eine natürliche Entstehung) von IC-Strukturen sei ungeklärt (d. h. das IC-Argument ist nicht widerlegt), und
  3. der Schluss von IC auf das Wirken eines Designers.


Häufig wird behauptet, ID sei unwissenschaftlich oder pseudowissenschaftlich, weil es keine Testmöglichkeit gebe. Diese Kritik ist in ihrer pauschalen Formulierung nicht berechtigt. Das wird schon daran ersichtlich, dass eine große Zahl von Argumenten und Befunden vorgebracht wurden, um entweder die Existenz von IC-Strukturen zu bestreiten (1. Ebene) oder das IC-Argument (2. Ebene) zu widerlegen.
Im stark erweiterten und gründlich überarbeiteten Artikel Irreduzible Komplexität (PDF-Datei, 1,1 MB) von Reinhard Junker wird zunächst das IC-Argument ausführlich erläutert und auf fehlerhafte Rezeptionen des Arguments eingegangen. Im Hauptteil wird anschließend gezeigt, dass die vorgebrachten zahlreichen Kritikpunkte das IC-Argument nicht entkräften. Gegenüber der früheren Version werden weitere Kritikpunkte diskutiert. Unter anderem werden folgende Themen behandelt:

  • Von redundanter zu nichtreduzierbarer Komplexität
  • Von einem nützlichen zu einem unentbehrlichem Teil
  • Mit Hilfe eines Gerüsts zu IC?
  • Multifunktionalität
  • Computermodell von S. Sadedin
  • Genduplikation
  • Kooption und Funktionswechsel
  • Der TTSS-Apparat als Vorstufe des Bakterienmotors
  • Experimenteller Nachweis der Entstehung einer IC-Struktur?
  • Modularität und „exploratives Verhalten“
  • Sprunghafte Entstehung einer IC-Struktur?
  • Belousov-Zhabotinsky-Reaktion
  • Vergleichende Biologie


Folgendes Fazit wird gezogen:

„Es kann festgehalten werden, dass die Versuche, das IC-Argument zu widerlegen,
bislang gescheitert sind. Das Argument kann gegen viele Einwände behauptet
werden. Vorgeschlagene Entstehungswege sind unrealistisch, spekulativ oder
führen nicht zu IC.“

Abschließend wird auf wissenschaftstheoretische Aspekte im Zusammenhang von nichtreduzierbarer Komplexität und „Intelligent Design“ eingegangen. Auch dieser Teil wurde gegenüber der früheren Version stark überarbeitet; manche Argumente wurden modifiziert oder sind ganz entfallen. Der Schluss auf das Wirken eines Designers kann nicht stringent gezogen werden. Doch das IC-Argument ist widerlegbar: sowohl die Reduzierbarkeit eines (vermeinlichen) IC-Systems als auch seine Evolvierbarkeit würden dieses Argument zunichte machen.


Autor dieser News: Studiengemeinschaft Wort und Wissen

Montag, Mai 05, 2008

Intelligent Design - ein Kommentar




Siehe auch hier.

Dienstag, April 22, 2008

Biologic Institute und Richard Sternberg

Das von mir nicht gerade glimpflich kritisierte Institut hat nun endlich einen richtigen Internetauftritt. Auch interessant die neue Seite von einem der Mitarbeiter, Richard Sternberg. Besonders empfehlenswert ist dieser Artikel. Ich bin schon sehr gespannt, wie gewisse Schwarz-Weiß-Maler mit einem so differenzierten Standpunkt klarkommen werden... sehr gespannt.

Samstag, April 19, 2008

Die Erde ist rund?!

Als bitterböser Hintlerwälder-Kreationist war ich natürlich sehr schockiert, als ich diese Debatte sah.



Wie, "KUGEL"?!?!

Donnerstag, April 17, 2008

Na sowas...

Kürzlich las ich folgenden Artikel:


Lönnig, W.-E., K. Stüber, H. Saedler and J. H. Kim:
Biodiversity and Dollo’s Law: To What Extent can the Phenotypic Differences Between Misopates orontium and Antirrhinum majus be Bridged by Mutagenesis?
In: Bioremediation, Biodiversity and Bioavailability 1, 1-30 (2007).


Um es gleich vorwegzunehmen und in diese Richtung gehenden Einschätzungen egal von welcher Seite vorzubeugen: Es handelt sich hierbei nicht um ein ID-Artikel.
Interessant ist er dennoch. In einem Abschnitt wird dann ID auch erwähnt. Die Art und Weise, wie der Ansatz vorgestellt wird ist in meinen Augen absolut angemessen. Dass hier ID erwähnt wird, sagt aber natürlich nichts über den wissenschaftstheoretischen Status von Intelligent Design aus [1] ... - aber, wie ich meine, eine ganze Menge über die Situation in der sich ID befindet... :

On the other hand it should be noted that even most critics of the modern synthesis accept direct phylogenetic connections within almost all of the lower systematic taxa at least up to the tribus or family level of the plant and animal kingdoms (for further points, see Lönnig and Saedler 2002; Meyer 2004). Yet for various rational reasons they reject the extrapolation from the mode of origin of the lower taxa to that of the higher systematic categories – i.e. usually the origin of the tribus or families and/or higher taxa themselves (for discussions of the details, see Lönnig 2002; Campbell
and Meyer 2003). For our purposes we will refer to these three groups of researchers as representing viewpoints A, B, and C in the following text: A: modern synthesis, B: genomic potential hypothesis, and C: tendency to postulate a discontinuous origin of higher taxa either in combination with purely naturalistic interpretations (C1: Margulis and Sagan 1997; Schwartz 1999; Erwin 2000, 2004; Jablonski et al. 2000; Gould 2002; Müller and Newman 2003; Valentine and Jablonski 2003; Valentine 2004; Theißen 2005; and last but not least, Dollo himself) or, from a more or less typological vantage point, often including ID (C2), the hypothesis that, for example, irreducible complexity in certain organs and physiological processes (not to be discussed here) is real and not only apparent and is best explained by intelligent design. The latter, in turn, can be grouped into researchers postulating phylogenetic connections to putatively preceeding taxa (C2a) (Behe 1996; Denton 1998; Berlinski 2003a, 2003b; Conway-Morris 2003a, 2003b), and those doubting additional evolutionary links on a macro-evolutionary scale (C2b) (Dembski 1998, 2002, 2003, 2004; Junker and Scherer 2001; Junker 2002; Swift 2002; and many further authors, in part already quoted above – see Campbell and Meyer 2003; Meyer 2004)."
Ich finde, dass dieser - anfür sich wie bereits gesagt zu empfehlende Aufsatz - zum Teil etwas ungeschickt Quellen anführt (wie etwa die falsche Zuordnung Conway-Morris'). Der Fall von Berlinski ist jedoch in meinen Augen besonders misslungen: Berlinski ist kein ID-Vertreter.

Doch nicht nur das - ein kurzer Blick in das Quellenverzeichnis offenbart Folgendes:
Berlinski D (2003a) A scientific scandal. Commentary 115, 29-36
Berlinski D (2003b) Controversy: David Berlinski and critics. Commentary 116,
10-26
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Berlinski durchaus unterhaltsam. Aber (davon abgesehen, dass er - wie fälschlich angegeben - kein ID-Vertreter ist) es handelt sich hier um Beiträge in einem politischen Magazin...
Wenn das die wissenschaftlichen ID-Publikationen sind, an denen Menschen wie Dembski festmachen, dass ID bis nächstes Jahr Standard sein wird, dann steht es schlecht um ID.
Warum nicht einfach mal zurückrudern und den Anspruch runterschrauben? Dann wirken Verweise, wie etwa der auf Dembskis populärwissenschaftliches Werbestück für ID nicht mehr so fehlplaziert.
Sollte der Artikel von Lönnig et al. je verwendet werden, um zu beweisen, welche großartige Rolle ID in den Naturwissenschaften spielt, sei ganz schlicht auf die Berlinski-Referenz verwiesen. Das sagt alles....

Wichtiger Nachtrag:
Bei so langen Sätzen kann man durchaus mal die Orientierung verlieren. Herr Lönnig war so freundlich, mir hier mein kurzsichtiges Textverständnis aufzuzeigen:

"C: tendency to postulate a discontinuous origin of higher taxa either in combination with purely naturalistic interpretations [...] or, from a more or less typological vantage point, often including ID (C2), the hypothesis that, for example, irreducible complexity in certain organs and physiological processes (not to be discussed here) is real and not only apparent and is best explained by intelligent design. The latter, in turn, can be grouped into researchers postulating phylogenetic connections to putatively preceeding taxa [... Berlinski 2003a, 2003b; Conway-Morris 2003a, 2003b), and those doubting additional evolutionary links on a macro-evolutionary scale [...]."

"The latter" bezieht sich eben nicht, wie ich meinte auf "intelligent design"! Dieser Nebensatz ist schließlich nur eine eingeschobene Definition! In Wirklichkeit wird auf "a more or less typological vantage point, often [also nicht immer ] including ID" Bezug genommen. Unter diesem Gesichtspunkt macht der Verweis auf Berlinksi natürlich mehr Sinn.
Also nochmals: Lesen wir den interessanten Artikel, freuen uns, dass ID ganz unverzwungen angeführt wird, wie es in meinen Augen selbstverständlich erlaubt sein sollte und machen daraus keinen "ID-Artikel" (s.o.), dann wird eine solche Erwähnung (es wird ja nicht mal dafür geworben) hoffentlich eines Tages so normal werden, wie sie auch wirklich ist.


[1] Das bloße Auftauchen des Begriffs "Intelligent Design" in einem Wissenschaftsjournal macht es nicht zur naturwissenschaftlichen Theorie - genau so wenig, wie man der Seitenzahl "23" diesen Status auf derselben Grundlage zusprechen würde...!

Sonntag, April 13, 2008

Lönnig vs. Gutmann/Warnecke - "Vierte" Runde.

Die ersten drei Runden wurden in einem Journal ausgetragen, die (so wollen wir mal annehmen) letzte Runde im Internet. Rekapitulieren wir zuerst, was zu den ersten drei Runden zu sagen wäre:

"Frieder Meis und Dr. Wolf-Ekkehard Lönnigvertreten [ die ID-Seite], während JProf. Dr. Dr. Mathias Gutmann und Willem Warnecke die Gegenseite übernehmen. Gutmann und Warnecke
sind (neben Prof. Dr. Comes, dessen Beitrag aber wie gesagt gar nicht gegen ID argumentiert, da er nicht versucht, die naturalistische Makroevolutionzu stärken) die einzigen ID-kritisch eingestellten Autoren dieses Bandes – in diesem Kontext muss das Format, in dem man sie auftreten lässt, gelobt werden, da die drei Diskussionsrunden ihnen nun wahrlich ein großes Spektrum an Möglichkeiten zugestehen, ihre Kritik zu äußern. Ich denke jedoch nicht, dass sie diesen Platz gut genutzt haben. Zu den – nicht nur von ihnen selbst verschuldeten –
Gründen später mehr. Bereits zu Anfang der ersten Diskussionsrunde machen Gutmann und Warnecke deutlich, wie sie gedenken, vorzugehen:

„Wir werden dabei von vornherein eine Sorte von Einwänden vermeiden, die immer wieder gegen das ID-Argument stark gemacht werden: biologische Widerlegungen sollen im vorgelegten Text keine zentrale Rolle spielen. Und zwar zum einen, weil solche schon von anderer Seite sehr umfassend und gründlich vorgebracht
wurden (der interessierte Leser sei auf die einschlägige Literatur verwiesen; (s. dazu etwa Kutschera 2004, Bayer 2006, Dupre 2003, Miller 2003, Shanks 2004). Zum anderen wollen wir diese Kritikstrategie vermeiden, weil sie [...] zu der unerfreulichen und vor allem unergiebigen Situation beigetragen hat, in der die Debatte seit einigen Jahren in sich selber kreist.“

Mit diesem Abschnitt liegt ein weiteres Musterbeispiel für die Art der Argumentation vor, die m.E. (!) „zu der unerfreulichen und vor allem unergiebigen Situation“ geführt hat: am entscheidenden Punkt wird einfach auf andere Publikationen verwiesen.
Schlägt man dann aber den angegebenen „Streitpunkt Evolution“ von Kutschera aus dem Jahr 2004 auf, findet man hier nichts in dieser Richtung, keine „biologischen Widerlegungen“! Der durchschnittliche Leser, welcher das Buch nicht zum Nachschlagen bereit hat, vertraut jedoch darauf, dass in der angegebenen Quelle die biologischen Sachfragen entsprechend behandelt werden. Zu dieser irreführenden und nicht ganz fairen Vorgehensweise siehe auch HEILIG (2007a).
An einer Stelle gehen Gutmann/Warnecke dann aber doch auf die biologische Realität ein, als sie sich zur Bakteriengeißel äußern:

„Entgegen der Vermutung sind zunächst für wichtige Einzelbauteile ‘der’ Eukaryoten-Geißel Einzelfunktionen nachweisbar, die z.T. jener im ‘Gesamtgefüge’ entsprechen, z.T. (zumindest direkt) damit nichts zu tun haben). Es wäre also möglich, über eine klassische Funktionswechselsequenz gerade jene Aggregation im Sinne einer Funktionsveränderung und evtl. -verbesserung (in einer bestimmten Hinsicht) als sukzessive Reihe zu begründen. Ganz ähnlich scheinen die Verhältnisse bei ‘der’ Bakterien-Geißel zu liegen (dazu Miller 2003, sowie im cytologischen Detail Musgrave 2004). Auch konnte für das von Behe bemühte Beispiel der Mausefalle eine einfache(re) technische Alternative (mit weniger als der als notwendig behaupteten Zahl von Teilen) angegeben werden (s. Miller 2003, Young 2004).“

In diesem Absatz ist so ziemlich jede gemachte Behauptung falsch, was den Verdacht aufkommen lässt, Gutmann/Warnecke hätten Behes Buch „Darwin’s Black Box“ nicht einmal im Original gelesen und kennen von ihm nicht viel mehr als die
Definition für nichtreduzierbar komplexe Struktur („IC-Struktur“ nach dem englischen „irreducible complexity“). Denn sonst müssten sie wissen, dass Behe nie behauptet hat, Einzelteile der IC-Strukturen dürften für sich genommen in einem anderen Kontext keine Funktion erfüllen. Ebenso wäre den Autoren bekannt, dass Behe mehrfach darauf hingewiesen hat, dass es natürlich einfachere Versionen von Mausefallen gibt, als die von ihm vorgestellte! Seiner Ansicht nach wäre ein Klecks Kleber wohl das beste Beispiel – nur erklärt sich damit eben noch nicht, wie man von diesem Klecks zu einer handelsüblichen Schnapp-Mausefalle gelangt.
BEHE (2000) schreibt beispielsweise dazu:

„One can catch mice with a glue trap, which has only one part. One can prop up a box with a stick, hoping a mouse will bump the stick and the box will fall on top of it. That has two parts. And so forth. There is no end to possible variation in mousetrap design. But, as I tried to emphasize in my book, the point that is relevant to
Darwinian evolution is not whether one can make variant structures, but whether those structures lead, stepby-excruciatingly-tedious-Darwinian-step, to the structure I showed.“

Und wie er im Anschluss klarmacht, hat er das auch bereits in „Darwin’s Black Box“ (BEHE 1996) herausgestellt, wo es heißt:

„To feel the full force of the conclusion that a system is irreducibly complex and therefore has no functional precursors we need to distinguish between a physical precursor and a conceptual precursor. The trap described above is not the only system that can immobilize a mouse. On other occasions my family has used a glue trap. In theory at least, one can use a box propped open with a stick that could be tripped. Or one can simply shoot the mouse with a BB gun. However, these are not physical precursors to the standard mousetrap since they cannot be transformed, step-by-Darwinian-step, into a trap with a base, hammer, spring, catch, and holding bar.“

Noch dazu liegt mit der von Gutmann/Warnecke zitierten Ausgabe von „Darwin’s Black Box“ im Anhang eine detaillierte Erwiderung auf die Gegenargumente
von Miller vor welche die beiden jedoch komplett ignorieren.
Es muss jedoch angemerkt werden, dass Warnecke später beteuerte, meine Lesart des oben beschriebenen Abschnittes sei ein „gewichtiges (dennoch ‘bloßes’) Missverständnis“ gewesen, verschuldet hätten „dieses Missverständnis leider Gutmann und ich mit unserer Formulierung bei der Darlegung des IC-Arguments (RSG S. 279) durchaus selbst“. Die Begründung findet sich bei HEILIG (2007b). Wie
auch immer, es ist falsch, dass von ID-Befürwortern behauptet werde, „die Einzelfunktionen der Komponenten dieser [IC-]Systeme ergeben sich nur und genau aus der Gesamtfunktion der Systeme“ und „die Komponenten könnten nicht für sich allein funktionieren bzw. hätten für sich allein keine Funktion“.
Meis/Lönnig haben daher an dieser Stelle ein Leichtes, im Folgebeitrag in der Diskussion um die Flagelle Punkte zu machen (S. 297ff.). Auch sonst widmen sie sich hier nahezu nur biologischen Phänomenen: Entstehung des Lebens, Synorganisationsproblem, kambrische Explosion, Gesetz der rekurrenten Variation, und kaum den von Gutmann & Warnecke thematisierten wissenschaftstheoretischen Fragen. Lediglich auf den letzten Seiten wird dann „Intelligent Design als komplementärer Ansatz“ genannt. Hier werden durchaus korrekt Thesen der ID-Bewegung wiedergegeben, der Anspruch des Titels des Artikels wird jedoch nicht erfüllt, dass ID nämlich „wissenschaftliche Erklärungen“ liefern würde. Es ist aber gerade die Hauptthese von Gutmanns/Warneckes erstem Beitrag, dass ID keine biologische Erklärung im eigentlichen Sinne liefern könnte. Damit haben sie in meinen Augen durchaus Recht – ID ist vielmehr die Behauptung, dass es keine biologische Erklärung für ein Phänomen gibt. Wissenschaftlich vertretbar ist dieser Standpunkt m.E. dennoch: Zwar kann die „Nicht-Erklärung“ nicht in wissenschaftlichem Sprachspiel formuliert werden, aber die vergeblich versuchten biologischen Erklärungen durchaus. Dies ist jedoch ein Thema, das in dieser Buchbesprechung nicht weiter vertieft werden kann. Eine solche Stelle wäre beispielsweise die Antwortvon Lönnig/Meis auf Gutmann/Warnecke gewesen: Inwiefern kann innerhalb des ID-Paradigmas wissenschaftliche Arbeit geleistet werden? Was ist der wissenschaftstheoretische Status von ID? Was liefert ID, wenn doch keine mechanismischen „Erklärungen“ gegeben werden? Und inwiefern macht das ID zur besseren der zwei vorliegenden Optionen zur Erklärung der Ursprungsfrage? Lönnig/Meis thematisieren dies leider nicht weiter, sondern bleiben bei ihrer – dennoch interessanten – Erläuterung von einzelnen biologischen Details. Während ich mir von Gutmann/Warnecke gewünscht hätte, dass sie ID nicht nur in seinem angeblichen Anspruch als „naturwissenschaftliche Theorie“ kritisieren, hätte ich mich gefreut, wenn Lönnig/Meis oben geäußerte Fragen thematisiert hätten. Dies wäre auch eine in mancherlei Hinsicht angemessenere Reaktion auf die Ausführungen Gutmanns/Warneckes gewesen. So drängt sich dem Leser ein wenig der Eindruck eines misslungenen Dialogs auf. Dabei soll keiner der Parteien besondere Schuld zugesprochen werden. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass zwei auf erkenntnistheoretische Überlegungen ausgerichtete Akademiker in dieser Debatte einem praktizierenden Naturwissenschaftler und einem ebenfalls aus der Praxis kommenden Softwareprogrammierer (?) gegenüberstanden. Ein aneinander Vorbeireden war somit geradezu vorprogrammiert (dennoch ist die Lektüre durchaus lehrreich). Gutmann/Warnecke müssen sich des weiteren den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten sich in mancherlei Hinsicht nicht richtig über die Gegenseite informiert. Zumindest legen dies einige Passagen ihres ersten Beitrags nahe: Sie zitieren einmal Behe für die Definition einer IC-Struktur und scheinen ansonsten nur Dembskis „Intelligent Design“ gelesen zu haben. Darüber hinaus scheinen sie das ID-Konzept lediglich aus den Büchern der Kritiker dieses Paradigmas zu kennen, welche gut die Hälfte ihres gesamten Quellenverzeichnisses ausmachen! Dass dabei das Lehrbuch von „Juncker & Scherer“ [sic!] nur in einer alten Auflage aufgelistet wird und einer der Autoren dabei auch noch falsch geschrieben wird, fällt da kaum noch auf. Dies mag tatsächlich an unterlassener Recherche liegen oder einfach nur auf unglückliche Fehler zurückgehen, am daraus hervorgehenden Eindruck ändert es wenig. Entsprechend des bereits diagnostizierten misslungenen Dialogs gestaltet sich dann auch die zweite Diskussionsrunde: So steigen Gutmann/Warnecke mit einem „verwunderte[n]Vorwort“ ein und verwenden gut vier Seiten auf die Klärung von „Mißverständnisse[n] und Fehlinterpretationen“. Auf die von Lönnig/Meis in der ersten Runde genannten biologischen Sachverhalte gehen sie nicht ein und begründen dies mit der vollkommen anders gestalteten Ausrichtung ihrer Argumentation, da sie „das faktische Zutreffen der von ID-Vertretern genutzten biologischen Prämissen sowie der daraus gezogenen Schlüsse gar nicht beurteilen“ wollen, brauchen und können, da sie als Wissenschaftstheoretiker auftreten würden. Auch Lönnig/Meis verwenden in ihrer Antwort ganze vier Seiten auf „Nebenschauplätze der Auseinandersetzung“. Im Anschluss rütteln sie m.E. zu Recht am „Absolutheitsanspruch des methodologischen Reduktivismus“. Was, wenn wirklich designt wurde? Unabhängig von allen wissenschaftstheoretischen Einwänden: Was folgt, wenn das ‘offensichtliche Design’ gar keine Illusion ist, sondern ‘echtes Design’? Wie gesagt: Das Rütteln an diesem Absolutheitsanspruch ist in meinen Augen durchaus angebracht – nur: Gutmann/Warnecke bestehen gar nicht auf diesem! Sie versäumen es in der Tat eine Alternative zu nennen, zu erläutern, inwiefern die Fragestellung „Design“ überhaupt in den Wissenschaften eine Rolle spielen könnte, wenn schon nicht als naturwissenschaftliche Theorie – sie behaupten aber nicht, „dass Organismen nicht designt wären, sondern ‘lediglich’ (in Anführungszeichen, weil das eine durchaus wichtige Erkenntnis ist), dass keine empirische Überprüfung – also keine naturwissenschaftliche Forschung! – die Frage nach der Designtheit beantworten kann“ (siehe HEILIG2007b). Nach dem Abstreiten des Absolutheitsanspruchs des methodischen Reduktivismus wägen Lönnig/Meis jedoch nicht verbleibende Alternativen ab, sondern bleiben unbeirrt dabei, dass ID als „wissenschaftliche Theorie“ – wie es schon im Titel ihres Beitrags zur zweiten Diskussionsrunde heißt – aufzufassen sei. Dieser Linie bleiben Lönnig/Meis auch in der abschließenden Diskussionsrunde treu, indem sie feststellen, die „ID-Theorie“ sei „testbar und falsifizierbar“ (S. 345). Dies halte ich für falsch. Wenn es ID als naturwissenschaftliche Theorie mit mechanismischem Erklärungswert nicht geben
kann, dann kann ID auch nicht im Sinne einer „Theorie“ falsifiziert werden. Dies gilt allerhöchstens für Einzelhypothesen wie das IC-Konzept. Gutmann/Warnecke hingegen attestieren der Diskussion endgültig ihr Scheitern, wenn sie auf Seite 343 erneut ausführen: „Als Wissenschaftstheoretiker haben wir, wie schon mehrfach explizit, von Anfang an ‘nur’ einen Metadiskurs führen wollen und können“ und damit ihrem Gefühl Ausdruck verleihen, gründlich missverstanden geworden zu sein. Hier kann allerhöchstens noch angemerkt werden, dass Gutmann durchaus auch über biologisches Fachwissen verfügt, in diesem Bereich auch promovierte und somit wohl durchaus in der Lage gewesen wäre, auf der biologischen Ebene der Diskussion einzusteigen."
Die dritte Runde hatte Lönnig durch diesen Text eröffnet und nun haben Gutmann/Warnecke hier geantwortet.

The Design Matrix

Abstract of a review of Gene's The Design Matrix by Dr. Reinhard Junker:



The concept of frontloading, as presented by Mike Gene, is doubtless an original interpretation of evolution – which Gene does not question the reality of. He offers strong evidence of intelligent design in biology, especially with regard to the equipage of cells (the genetic code, error checking, machine-like character, etc.). In order to determine whether the concept of frontloading is substantive or not, further research is required. For example, I'm skeptical of whether directed co-option is a plausible mechanism, as Mike Gene asserts on p. 226. In my opinion, known processes of variation couldn’t supply the many big steps necessary simultaneously. It goes against my intuition that a selection process which is mainly engaged in eliminating more or less negative mutations should be capable of creating the immense diversity of life from neatly pre-programmed, one-celled organisms– but, of course, that’s not what counts in science.

Gene manages, at the least, to moderate some of the counter-arguments. However, what IS or ISN’T possible can only be decided by research. It’s altogether possible that tight limits of evolutionary changes will become evident. The arguments for design would remain untouched by such findings, because they can also be interpreted in the context of the 'basic-type-concept' (with polyvalent and flexible ancestors), and may also be tested in this context. This would mean: Frontloading within basic types, equipped with potential complexity as polyvalent ancestors.

The applicability of the Design-Matrix in the context of basic types works for the hallmarks analogy, discontinuity and rationality- and, as anyone can easily recognize, for the hallmark of “foresight“, too. However, in the context of the basic type model, this foresight would be much shorter than in a model of universal common descent. Foresight here would only include mechanisms of adaption and flexibility within a changing environment – but not extending far into the future.
As it were, however one thinks of the theories of Evolution, Creation and ID: Reading this book is certainly worthwhile for anyone with a serious interest in the ID-idea.”

More about “basic types” and “polyvalent ancestors” (in English) can be found in:

SCHERER S (1998) Basic Types of Life. In: Dembski WA (1998) [Ed.] Mere Creation: Science, Faith & Intelligent Design. Inter Versity Press, Illinois. p.195 – 211.

SCHERER S (1993) [Ed.] Typen des Lebens. Pascal-Verlag, Berlin.

The editor Prof. Siegfried Scherer to the English reader of “Typen des Lebens”:

Concerning the delimitations of taxonomical categories, no general agreement was yet reached: biologists do not have exact definitions for the categories they use in their daily work. The authors of Typen des Lebens (Basic Types of Life) use interspecific hybridization for classification purposes, an idea which has only very rarely been used in taxonomy. It is proposed that (i) the basic type taxon can be delimited experimentally by hybridization studies, (ii) it is not equivalent to any taxonomic category commonly used but is located between genus and family and (iii) the ancestral populations of basic types may not have been primitive but, rather, genetically polyvalent.

In order to introduce the English-speaking reader to the ideas presented, the first article which summarizes the basic type concept as well as the articles on the history of the species definition and the description of the basic type of canids are written in English. All articles conclude with an English summary to which in some cases extended figure legends are added.“


Dienstag, April 08, 2008

Dysteleologie...



Ab 3: 20 geht's ums Dysteleologie-Argument... ich hab mich weggeschmissen....

Atheistische Wettergötter: "Wir überlassen nichts dem Zufall"

In einem Newseintrag der AG Evolutionsbiologie (21.01.2008) wurde beklagt, dass evolutionskritischen Einwänden häufig keine einfachen Antworten mehr entgegengehalten werden können. Doch glücklicherweise konnte man ankündigen: "Der Weltanschauungsbeauftragte der ev. Landeskirche Württemberg H. Hemminger entlarvt die Absurdität evolutionskritischer Argumentationsstrukturen mithilfe einer stringenten wie verblüffend einfachen Allegorie." Es lohnt sich, den Beitrag "Entsteht unser Wetter zufällig, oder kommt es von Gott?" zu lesen (hier) und zu überlegen, ob zugunsten einer "einfachen Antwort" nicht kritische Aspekte ausgelassen wurden. Vereinfachen ohne zu simplifizieren ist bekanntermaßen die hohe Kunst. Meine Überlegungen hier beziehen sich auf ID. Hemmingers spezifische Anspielungen auf kreationistische Argumentationen lasse ich weg, auch da ich nicht sehe, wo der Witz liegt, wenn man zeigt, dass eine fiktive absurde Exegese zu fiktiven absurden Konsequenzen führt.


1) Meteorologische Wissenschaft macht Wettergötter nicht arbeitslos Wetterereignisse allgemein sind heute wissenschaftlich sehr gut erklärbar und vorhersagbar. Dennoch gibt es unzweifelhaft Wetterereignisse, die mit einer Intelligenz in Zusammenhang stehen. Atheistische Wettergötter üben bekanntermaßen Wetterkontrolle aus und lassen es je nach Plan regnen oder nicht. Sie erhören zwar keine Gebete und erfreuen sich nicht an Regentänzen, aber ihre Intelligenz erlaubt es ihnen Einfluss auf lokale Wetterereignisse zu nehmen. Ihre Mittel sind Raketen, Flugabwehrkanonen und Silber-Jodid. In einem Pressetext wurde berichtet (Eckelsberger 2007):

"Während sich andere Veranstalter damit zufrieden geben, auf schönes Wetter zu hoffen, überlassen die Gastgeber der Olympischen Spiele 2008 in Peking nichts dem Zufall. Am Tag des Eröffnungsfestes werden Mitarbeiter des chinesischen Weather Modification Program für wolkenlosen Himmel über der Stadt sorgen. Wurde künstlicher Regen früher eingesetzt, um Dürre zu verhindern und die Ernte zu verbessern, wird die Technologie in China heute auch im Kampf gegen Waldbrände, Sandstürme oder schlicht unpassendes Wetter verwendet."

Derartige Wundertaten sind von der Wissenschaft Meteorologie nicht vorherzusagen. Wenn eine Wolke, die zwar genügend H2O gespeichert, aber keine Tropfen bilden kann, von einer mit Silber-Jodid beladenen Rakete getroffen wird und daraufhin abregnet, ist das ein einmaliges Ereignis, welches über ihren Horizont hinausgeht. Meteorologie schließt intelligentes Eingreifen bei Wetterereignissen methodisch aus, kann aber das nötige Hintergrundwissen über Wetterprozesse liefern um Design erkennen zu können. Wenn wir z.B. Wolken in bestimmten Farben oder Formen sehen, vermuten wir aus Erfahrung begründet, dass diese wahrscheinlich von einem Kunstflieger in den Himmel gesprüht wurden. Dieser Vermutung wird dann von Hintergrundwissen über natürliche Wetterabläufe bestätigt (oder auch nicht).

Hemmingers allegorische Konstruktion verliert dadurch einiges an Witz, da sich offensichtlich sogar bei Wetterphänomenen die Frage nach Planung stellt, unabhängig von der Kraft meteorologischer Wissenschaft. Dass es Menschen sind, die Wetterphänomene absichtsvoll hervorrufen können nimmt nur ideologische Brisanz, aber trifft Hemmingers Ausführungen trotzdem. Denn inhaltlich basiert Hemmingers Argumentation darauf, einen offensichtlich scheinenden teleologischen Fehlschluss anzuführen. Der ganze Witz (und Inhalt) einer solchen Argumentation ist es, dabei ein Beispiel zu wählen, welches teleologische Schlüsse besonders absurd erscheinen lässt (in diesem Fall das Wettersystem) - dank der "atheistischen Wettergötter" wird dieser Absudität die Spitze genommen. Aber selbst wenn intelligentes Design bei Wetterereignissen nicht bekannt wäre, hätte Hemminger kein wirkliches Argument: Denn nur weil einzelne teleologische Schlüsse widerlegt sind, bedeutet das nicht, dass alle teleologischen Schlüsse falsch oder oberflächlich sind (dazu weiter unten). Genausowenig bedeutet die Widerlegung einzelner naturwissenschaftlicher Konzepte keineswegs, dass alle unzutreffend oder pauschal zweifelhaft sind.

Problem: Die Übertragung auf Wetterereignisse bietet grundsätzlich kein sicheres Refugium vor der Frage nach Planung.


2) Der Trick mit der Epi-Teleologie Hemminger baut in seiner Kritik von ID auf eine Strategie, die ich "Tanz mit der Epi-Teleologie" nenne. Wie in 1) bereits gezeigt, wäre es absurd vom Versagen einzelner teleologischer Schlüsse auf das Versagen oder die Minderwertigkeit aller teleologischen Schlüsse zu schließen. Hemminger bringt z.B. folgendes Beispiel:

"Und unstreitig habe das Wetter in vielen Fallen eine spezifische Funktion, für die Natur ebenso wie für das menschliche Leben. Als der junge Martin Luther in freiem Feld von einem Gewitter überrascht wurde, änderte dieses Wetterereignis sein ganzes Leben. Er gab das Studium des Rechts auf und wurde Mönch. In einem solchen Fall, so sagt die PW, ist eine Absicht oder Planung logisch notwendig, um das Wetterereignis zu erklären."


Wie ich schon öfter (Rammerstorfer 2006, p.33-41) eingeräumt habe, ist es möglich beliebig eine Art "übergeordnete Zielgerichtetheit" zu postulieren - immer und überall (selbiges funktioniert übrigens mit Dysteleologie...). Wenn irgendetwas geschieht das zum persönlichen Nutzen oder auch Nachteil gereicht, kann man z.B. immer Absichten oder Pläne dahinter postulieren. Oder ein Beispiel aus der Biologie: Ist der Schnabel des Finken für das Picken bestimmter Körner "gerichtet", oder frisst er sie nur deshalb, weil sein Schnabel dafür zufällig gerade gut geeignet ist? Schwer zu entscheiden? "Epi-Teleologie" zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine bloße Zuschreibung ist. Lässt man sie weg, ist nichts verloren. Sie ist völlig austauschbar und trägt nichts zum Verständnis einer Sache bei. Wenn man nun auf Basis einer solchen "Epi-Teleologie" - mithin beliebig austauschbarer teleologischer Zuschreibungen - auf Planung schließt, ist das nicht überzeugend oder sogar völlig unsinnig. Hans-Dieter Mutschler (2002, p.74) schreibt dazu passend:


"Wenn Teleologie nur im Akt der Zuschreibung bestünde, müssten wir imstande sein 1) alles, auch z.B. das Sonnensystem oder eine Molekülkonfiguration, teleologisch zu beschreiben, was in Phantastereien ausarten würde und wir müssten 2) imstande sein, alle Artefakte hinreichend zu begreifen indem wir von den in sie eingebauten Zwecken absehen, was noch nicht einmal bei einer Beißzange möglich ist."


Das ist der kritische Punkt: Nur weil es absurde (epi-) teleologische Zuschreibungen gibt, bedeutet das noch nicht, dass man immer und überall auf Teleologie verzichten kann (Details und Dokumentation: Rammerstorfer 2006). Ganz speziell trifft das auf Lebewesen zu, dazu nur ein Zitat aus dem Nachschlagewerk "Herder" (Vollmer 1994):

"In der Biologie ist das Problem komplizierter. Keine Naturbeobachtung, und erst recht keine Wissenschaft vom Leben, ist vollständig, die nicht auch die unverkennbare Zweckmäßigkeit organismischer Systeme beschreibend und erklärend in ihre Überlegungen einbezieht. (...) Tatsächlich stellt sich auch die moderne Biologie – im Gegensatz zur Physik – noch regelmäßig und mit Erfolg die Frage „Wozu?“ und sucht sie zu beantworten."


Teleologische Denkweisen und Ansätze haben sich in der Physik (und damit natürlich auch in der Meteorologie als deren Teilgebiet) als verzichtbar oder unsinnig herausgestellt, in der Biologie aber "ist das Problem komplizierter". Man hat es also nicht mit "billiger" Epi-Teleologie zu tun, sonst gäbe es kein solches Problem. Natürlich wird (auch im "Herder") betont, dass die Teleologie nur eine scheinbare sei - nur eine Kurzfassung kausaler Formulierungen. Es handle sich um Teleologie ohne Telos, Zweckmäßigkeit ohne Zweck "und erst recht ohne Zwecksetzer". Diese Statements werden allerdings auf Basis evolutionärer Ansätze getätigt, also einer speziellen Erklärung (- die sich natürlich auch kritisieren lässt und der nicht immer zugestimmt wird.) Für Epi-Teleologie benötigt man keine spezielle Erklärung, sondern nur den Verzicht auf eine Zuschreibung. All das fällt bei Hemminger komplett unter den Tisch und damit werden die eigentlichen kritischen Fragen umgangen: Ist der teleologische Anschein bei Organismen tatsächlich nur Illusion? Liefern Evolutionstheorien eine hinreichende Begründung ihn als Illusion einzustufen?

Problem: Die Übertragung auf Wetterereignisse begünstigt eine Karikatur teleologischer Ansätze als "Epi-Teleologie" unter Umgehung wesentlicher Fragen.


3) Gegenwart und Vergangenheit In Punkt 1) hat sich gezeigt, dass sich die Frage nach Planung grundsätzlich auch bei Wettereignissen stellen kann. Die Meteorologie sucht nach Gesetzmäßigkeiten im Wettergeschehen (was Vorhersagen möglich macht) stellt aber nicht die Frage nach Planung, wenngleich sie für eine Beantwortung dieser Frage nötiges Wissen über Naturabläufe liefert. Bei Hemminger liest es sich hingegen so, als gäbe es einen notwendigen Konflikt zwischen der (erfolgreichen) Wissenschaft der Meteorologie und der Frage nach Planung, bzw. als würden Spekulationen über Design einfach in den (natürlich schrumpfenden) Wissenslücken der Meteorologie nisten. Natürlich kann man Blitze auf eine Absicht zurückführen, man kann Organismen irgendwelche mysteriösen Kräfte zuschreiben und diese in den Erklärungslücken der Biologie ansiedeln, auch kann man unverstandene Zustände eines Computers mit dem "Gespenst in der Maschine" erklären. Es gibt vermutlich keine absurde These teleologischer oder auch a-teleologischer Herkunft, die nicht ihre Vertreter hat. Üblicherweise stellt sich jedoch die Frage nach Design nicht, wenn es darum geht Lücken in der Naturwissenschaft zu schließen (Biologie, Meteorologie) oder das Verhalten von auf physikalisch-chemischen Gesetzen basierenden Gerätschaften zu erklären (Computer). Die Frage nach Design ist meist in den historischen Wissenschaften beheimatet, also dort wo man nicht gezwungen ist eine bestimmte (naturgesetzliche) Erklärung für bestimmte Ereignisse und Sachverhalte zu finden sondern eine angemessene Ursprungserklärung (die jedoch eine naturgesetzliche sein kann). Carol Cleland (2001, 2002) hat gezeigt, dass historische Wissenschaft die Evidenz rund um ein bestimmtes Ereignis untersucht. Daraufhin werden verschiedene Szenarios entwickelt, welche die Ursachen des jeweiligen Ereignisses erklären sollen. Danach wird die nach gegenwärtigem Wissenstand beste Erklärung gewählt. Optimalerweise geschieht dies durch Entdeckung einer "smoking gun", also Spuren die eine klare Entscheidung zwischen den verschieden denkbaren Szenarios herbeiführen. Naturgesetze sind dabei relevant, aber nicht unbedingt eine hinreichende Erklärung. Wenn es darum geht, die Herkunft eines spezifischen Wetterphänomens zu klären ist eine genaue Kenntnis meteorologischer Zusammenhänge wichtig. Sie bietet sozusagen den "Rahmen". Das Event an sich kann jedoch auf nicht reproduzierbare Faktoren zurückgehen, inklusive der Absicht eines (menschlichen) Designers.


Der Meteorologe als Meteorologe würde an einer Silber-Jodid-Ladung verzweifeln, die seine Regenwolke trifft. Auch die absolute Kenntnis aller für sein Fachgebiet relevanter Gesetze und die darauf basierenden bestmöglichen Modelle könnten das unmotiviert scheinende Abregnen der Wolke nicht vorhersagen. Aber der Meteorologe als Geschichtswissenschaftler wird sein Hintergrundwissen als Meteorologe nutzen um zwischen verschiedenen Denkmöglichkeiten für das Event zu entscheiden. So hat er zumindest eine Chance zu entdecken, dass das spezielle Event von einer Intelligenz hervorgerufen wurde. Und falls er es entdeckt, hat er danach trotzdem keine Probleme meteorologische Wissenschaft zu betreiben. Denn als Meteorologe kümmert ihn die Frage nach ID nicht; nur als Geschichtswissenschaftler stellt es ein denkmögliches Szenario dar.


Problem: Die Übertragung auf die Meteorologie als Gegenwartswissenschaft ist dem Charakter der Fragestellung nach Planung nicht angemessen.



Fazit

Hemmingers Allegorie hat einen gewissen Wert als anregende Polemik. Doch Hemmingers Anspruch ist weit höher und er behauptet:

"Die skizzierten Positionen, die natürlich fiktiv sind, entsprechen bis in die Details der Begründung hinein denen, die von Kreationisten und Vertretern eines intelligenten Designs vorgetragen werden."


Hemminger scheitert an diesem Anspruch. Es gelingt ihm nach meiner begründeten Einschätzung nach nicht, einen komplexen Diskurs in eine einfache Allegorie zu übersetzen. Vielmehr gehen bei der Übersetzung entscheidende Merkmale verloren. Interessanterweise immer genau nach einem Muster, welches Intelligent Design-Vertretern und Kreationisten zum Nachteil gereicht. Deshalb liegt nahe, dass Hemmingers Beitrag nicht als sachlich erhellender Beitrag mit guter allgemeiner Verständlichkeit in die Annalen der Ursprungsdebatte eingehen wird, sondern eher Personengruppen bedient, die sich in einem Kulturkampf sehen.


Literatur:

Cleland, Carol E. (2001): "Historical science, experimental science, and the scientific method" Geology, v.29; no.11: 987-990

Cleland, Carol E. (2002): "Methodological and Epistemic Differences between Historical Science and Experimental Science" Philosophy of Science, 69: 474-496

Eckelsberger, G (2007): "Wetterkontrolle: Klarer Himmel für Olympia 2008" pressetext.austria URL: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=070716032

Hemminger, H. (2007): "Entsteht unser Wetter zufällig, oder kommt es von Gott?" In: Hemminger, H. (2007) "Mit der Bibel gegen die Evolution" S. 68-70. EZW-Text 195, Berlin; Abrufbar unter: http://www.evolutionsbiologen.de/atheistische_wetterlehre.html

Mutschler, H.-D. (2002): "Naturphilosophie" Grundkurs Philosophie, Band 12; Kohlhammer, Stuttgart

Rammerstorfer, M. (2006): "Nur eine Illusion? Biologie und Design" Tectum, Marburg

Vollmer, Gerhard (1994): "Teleologie-Teleonomie" Herder-Lexikon der Biologie




Dienstag, April 01, 2008

Mein letzter Arztbesuch...



(Siehe gegen Ende)


"Die Naturwissenschaften sind per Definition atheistisch. Meine Position ist: Halten wir Wissen und Glauben auseinander. Stellen Sie sich vor, Sie haben Bauchschmerzen und gehen ins Krankenhaus. Nun kommt der Oberarzt und sagt: Ich bin strenggläubiger Christ, Gottes Inspiration leitet meine Hand, und in der Bibel fand ich etwas, das sich eindeutig auf Blinddarmoperationen beziehen muss. Also schneiden wir mal gemäß meinem Glauben Ihren Bauch auf.

Da würden Sie sagen: 'Herr Oberarzt, wissen Sie das denn nicht genau? Was sagt die medizinische Forschung? Welche empirischen Studien haben gezeigt, wie man wissenschaftlich fundiert operiert?' Dann würde er antworten: 'Vertrauen wir auf Gott und starten die Operation!' Würden Sie sich diesem Chirurgen anvertrauen? Wohl eher nicht." --- U. Kutschera


Folgender Dialog entstand nicht wie in der Überschrift behauptet, bei meinem letzten Arztbesuch sondern wurde von mir und Christian Passon geschrieben. Ich möchte ihn hier unkommentiert in den Raum stellen. Kommt irgendwem etwas an der Argumentation des Patienten merkwürdig vor? Ich freue mich auf Äußerungen dazu ...


Patient betritt den Untersuchungsraum:

Patient: Herr Doktor, ich bin krank!
Arzt: So, woran fehlt es Ihnen denn?
Patient: Naja, eigentlich fühle ich mich wohl...
Arzt: Keine Krankheitssymptome?
Patient: Nein, nicht, dass ich wüsste...
Arzt: Nunja, ich werde Sie mal untersuchen, aber wenn wir nichts finden, sollten wir wohl davon ausgehen, dass Sie gesund sind?
Patient: Ich bin krank!

Arzt nach Routine-Untersuchung:

Arzt: Sie sind gesund.
Patient: Haben Sie mich schon auf alle denkbaren und undenkbaren Krankheiten untersucht?
Arzt: Das nicht, aber...
Patient: Das ist ein typisches Argumentum ad ignorantiam. Solange sie nicht ALLE möglichen Krankheiten ausschließen konnten, kann ich auch gleich als Krank gelten.
Arzt: Ich kann keine Krankheit erkennen.
Patient: Ihr gesundheitsfeindliches Verhalten könnte mir das Leben kosten!
Arzt: Mein Vorgehen ist doch nur logisch...
Patient: Quacksalber! Kurpfuscher!!!
Arzt: Ich muss doch sehr bitten! Immerhin haben wir doch auch das Indiz Ihres "Wohlseins" - das passt doch gut zu der Vorstellung, dass Sie nicht krank - sprich gesund - sind?
Patient: Ad ignorantiam! Health of the Gaps! Tun Sie endlich ihre verdammte Arbeit bis Sie was finden! Sie können mich nicht einfach für gesund erklären, nur weil Sie zu faul sind, weiter zu suchen!