So mal wieder geschehen, als kürzlich ein recht interessantes Paper veröffentlicht wurde. Es wird genügen, hier aus dem abstract zu zitieren:
"Es ist nicht der Standpunkt einer naturalistischen Makro-Evolutionstheorie, welcher leicht dazu führen kann, dass völlig überzogene oder gar falsche Aussagen gemacht werden. Vielmehr ist es eine gewisse Kreationismus-Feindlichkeit, ein nichtunterdrückbarer Drang, Strohmänner zu basteln, diese mit dem "K"-Wort zu beschriften und sie unter lautem Siegesgeschrei zu verbrennen, weil man - möglicherweise aus ideologischen Gründen? - geradezu versessen darauf ist, jede (angebliche) Meinung "der Kreationisten" zu falsifizieren."
"Owing to the great morphological diversity of domestic dogs (Canis familiaris), the study of historical shape change in dog skulls provides an excellent opportunity for investigating the dynamics of morphological evolution. Breed standards make known which features were selected by breeders. Here we use the methods of geometric morphometrics to study change of skull shape in a series of purebred St Bernard dogs spanning nearly 120 years. A regression of shape on time was highly significant and revealed a consistent trend of shape change that corresponded to the features deemed desirable by the breed standard. Historical shape change in St Bernards involves a broadening of the skull and a tilting of the palate and upper jaw relative to the rest of the skull. This trend appears to be linear throughout the entire period and appears to be continuing. Allometry was ruled out as a contributing factor to this change because there was no consistent trend of historical change in skull size and because neither the patterns of static nor ontogenetic allometry corresponded to the historical shape change. The dramatic modification of the St Bernard skull demonstrates that selection can achieve sustained and substantial change and can completely overcome constraints such as allometry."Ich bin es Leid, immer wieder wiederholen zu müssen, dass weder ich noch IDler im Allgemeinen, noch Behe im Speziellen und erst recht nicht Kreationisten im Absurden etwas gegen solche Ergebnisse haben. Ich setze das daher mal als bekannt voraus.
Was macht man nun aus der oben zitierten Arbeit, wenn man zwar eigentlich gebildet und alles andere als dumm ist, auf der anderen Seite aber eine wahnwitzige Paranoia vor allem hat, was mit "K" beginnt? Genau, man macht sich lächerlich. Am besten auf der Seite einer bekannten Universität - so lange es Kreationisten-Bashing ist, stören schlimme Fehler ja nicht.
Schon die Überschrift - St Bernard study casts doubt on creationism - ist nun ja wohl eher kontraproduktiv ... damit etwas bezweifelt werden kann, muss es erstmal akzeptiert sein. Und wenn es dann auch noch solche Zweifel sind, die man nun wirklich in zwei Minuten ausgeräumt
Doch es geht gleich lustig weiter:
"Biologists at The University of Manchester say that changes to the shape of the breed's head over the years can only be explained through evolution and natural selection."
Durch Evolution und Natürliche Selektion? Nicht schlecht. Noch mehr interessiert mich jedoch die Frage, woher der Autor dieser News-Nachricht das "natural selection" hernimmt, kommt es doch im Gegensatz zu Bezeichnungen wie "systematic breeding" kein einziges mal im ganzen Paper vor! Wäre ja auch recht verwunderlich gewesen ... die Aussagen bezüglich der natürlichen Selektion werden dann später selbst ad abdurdum geführt, wenn der Team-Leiter Chris Klingenberg zitiert wird:
"We discovered that features stipulated in the breed standard of the St Bernard became more exaggerated over time as breeders selected dogs that had the desired physical attributes." (Hervorhebung nicht im Original)
Desweiteren heißt es in dem Text, das Team habe "examined the skulls of 47 St Bernards spanning 120 years, from modern examples to those of dogs dating back to the time when the breed standard was first defined". (Hervorhebungen nicht om Original)
Es wird zwar nicht klar gesagt, aber aus dem Kontext scheint hervorzugehen, das auch die daran angeschlossenen Kommentare von Klingenberg stammen:
"Intelligent Design" ist eben kein Mechanismus, Schöpfung durch "ID" (die Anführungsstriche zeigen ja wohl eindeutig, dass man sich hier auf den feststehenden Begriff für diesen Standpunkt zur Ursprungsfrage bezieht) ist somit eine Bezeichnung, die in diesem Zusammenhang erahnen lässt, dass der Verfasser nicht wirklich weiß, wovon er überhaupt redet und dringend diesen Artikel lesen sollte. Dass dabei die Natürliche Selektion "abgelehnt" werden müsste, ist ein Schwachsinn, von dem ich nicht begreifen kann, dass er von einem promovierten Biologen geäußert worden sein soll und auf einer öffentlichen Seite einer Universität wiedergegeben wurde. Es heißt weiter:“Creationism is the belief that all living organisms were created according to Genesis in six days by ‘intelligent design’ and rejects the scientific theories of natural selection and evolution."
Der Mann scheint keine Ahnung zu haben, dass "this case" viel eher unter "Intelligent Design" fällt, als seine Falschaussagen, die ich zuvor zitierte. Traurig, dass gebildete Menschen derart ungebildert agieren können, wenn es darum geht, Kreationismus-Bashing zu betreiben. Traurig, dass dies als öffentlicher Beitrag geschätzt wird.“But this research once again demonstrates how selection – whether natural or, in this case, artificially influenced by man – is the fundamental driving force behind the evolution of life on the planet.”


4 Kommentare:
Das Problem der meisten Kreationismus-Basher ist wahrscheinlich, dass sie etwas verurteilen und versuchen niederzumachen, was sie gar nicht kennen. Eigentlich ist doch bekannt, dass Kreationismus Mikroevolution keineswegs dementiert. Aber die Erkenntnis, dass sich die Form von Hundeköpfen verändern lässt, ist gleichzusetzen mit der Hühner- oder Getreidezucht oder der Entwicklung des Eis- und anderer Bären aus einem gemeinsamen Vorfahr.
Makroevolution konnte allerdings bisher niemand nachweisen.
@Christoph:
""Intelligent Design" ist eben kein Mechanismus, Schöpfung durch "ID" (die Anführungsstriche zeigen ja wohl eindeutig, dass man sich hier auf den feststehenden Begriff für diesen Standpunkt zur Ursprungsfrage bezieht) ist somit eine Bezeichnung, die in diesem Zusammenhang erahnen lässt, dass der Verfasser nicht wirklich weiß, wovon er überhaupt redet"
Zunächst mal gibt es keinen "feststehenden" ID-Standpunkt zur Ursprungsfrage, ID ist einfach nur ein Platzhalter für jeden existierenden (und jeden denkbaren) Schöpfungsmythos. Wenn für dich der Designer eine Art transzendenter Hundezüchter ist, der die Evolution der Arten durch gelegentliche Eingriffe in eine bestimmte Richtung gelenkt hat, dann hast du in der Tat keinen Grund common descent und die Selektionstheorie vollständig abzulehnen. In diesem Fall war aber konkret von "Creationism" die Rede und Kreationisten müssen die Deszendenztheorie vollständig und die Selektionstheorie teilweise ablehnen (und noch viele weitere Theorien mehr wenn sie denn konsequent sind) - ich verstehe also nicht wirklich weshalb du Klingenberg hier totale Ahnungslosigkeit unterstellst...
"Der Mann scheint keine Ahnung zu haben, dass "this case" viel eher unter "Intelligent Design" fällt, als seine Falschaussagen, die ich zuvor zitierte."
Bei artifizieller und natürlicher Selektion handelt es sich um den gleichen Mechanismus - was soll das mit ID zu tun haben ?
@jakob:
"Makroevolution konnte allerdings bisher niemand nachweisen"
1. Ist die Grenze zwischen Makroevolution und Mikroevolution willkürlich (vergleichbar mit der Grenze zwischen Tag und Nacht - hier gibt es auch keine exakte Grenze wann das eine aufhört und das andere anfängt).
2. Du hast wahrscheinlich einen direkten Nachweis im Sinn, so etwas gibt es in den modernen Naturwissenschaften aber praktisch überhaupt nicht mehr. Kein Mensch hat je ein Photon gesehen oder eine Krümmung der Raumzeit, aber trotzdem sind die Quanten- und Relativitätstheorie allgemein anerkannt - weil diese Theorien überprüfbare Aussagen machen und bislang (fast) jeder Überprüfung standgehalten haben.
Ich habe gerade praktisch keine Zeit, aber zwei Sachen muss ich dann doch kurz kommentieren:
1 Wenn für dich der Designer eine Art transzendenter Hundezüchter ist, der die Evolution der Arten durch gelegentliche Eingriffe in eine bestimmte Richtung gelenkt hat, dann hast du in der Tat keinen Grund common descent und die Selektionstheorie vollständig abzulehnen. In diesem Fall war aber konkret von "Creationism" die Rede und Kreationisten müssen die Deszendenztheorie vollständig und die Selektionstheorie teilweise ablehnen (und noch viele weitere Theorien mehr wenn sie denn konsequent sind) - ich verstehe also nicht wirklich weshalb du Klingenberg hier totale Ahnungslosigkeit unterstellst...
Weil er - wie anscheinend sogar du - davon ausgeht, dass es im kreationistischen Weltbild kein Platz für Selektion und Deszendenz gibt. Und das ist bereits seit Linné und Blyth quatsch!
Darwin wusste das btw auch nicht. Er hätte seine Evolutionstheorie möglicherweise nie entwickelt, wenn er über Linnés Standpunkt besser informiert gewesen wäre. Es gab schon Historiker, die annahmen, Darwin hätte einfach große sprachliche Probleme gehabt und wusste deswegen nichts von dieser allgemeinhin bekannten Tatsache. Wie Darwin unterstelle ich auch Klingenberg totale Ahnungslosigkeit, ja. Wenn du das anders sehen solltest - bitte. Aber dann bringe bitte Beweise dafür, dass Kreationisten annehmen, Hunderassen hätten sich nicht durch Züchtung entwickelt.
genau! Kreationismus lehnt nämlich keineswegs die Selektionstheorie ab - das fällt unter Mikroevolution.
Du meinst also, die Grenze wäre willkürlich oder nicht exakt? Es gibt aber eine klar definierte Grenze, ich möchte es mal an einem einfachen Beispiel erklären.
Du kannst Jahrhunderte oder Jahrtausende lang Hunde züchten, um die Kopfform zu ändern, so dass irgendwann der Kopf aussieht wie der Kopf einer Katze, und der restliche Körper vielleicht auch. Dieses Wesen wäre aber immer noch ein Hund (auch wenn es exakt wie eine Katze aussieht), würde evtl. bellen, aber keinesfalls miauen, würde nicht auf Bäume klettern, sondern ranpinkeln. Es ist nicht möglich, aus einer Rasse etwas vollkommen anderes zu züchten.
im Übrigen bin ich der Meinung, ID ist deshalb so allgemein und wenig konkret gehalten (v.a. in Bezug auf die Ursprungsfrage), damit eigentlich niemand behaupten könnte, der Grundgedanke von ID wäre "I think the designer is God" (wie in einem anderen Artikel gelesen, hat es trotzdem jemand gemacht nach einem Interview - das fand ich ziemlich hinterhältig)
In Wirklichkeit geht es ja darum, wissenschaftlich herauszufinden, ob die Schöpfung wirklich auf einen Schöpfer(Designer) hinweist oder eher auf zufällige Entstehung (das erforschen die anderen)
Übrigens, Photonen können wohl nachgewiesen werden, und zur Relativitätstheorie - es wurden ja schon Zeitabweichungen von mehreren Sekunden gemessen.
Im Gegensatz dazu kann die Evolutionstheorie eben nicht all zu vielen Überprüfungen standhalten.
Kommentar veröffentlichen