Montag, Januar 14, 2008

ID und abduktive Erklärungen in der Ursprungsforschung

Beim ID-Ansatz geht es um Geschichte. Welche Erklärungen sind diesem Gegenstand angemessen? Der Forschungsgegenstand bestimmt die Forschungsmethode. Wie „funktionieren“ Erklärungen in der Ursprungsforschung?
In den Naturwissenschaften erfolgen Erklärungen gewöhnlich
deduktiv-nomologisch nach dem sogenannten Hempel-Oppenheim-Schema (H-O-Schema; nach HEMPEL & OPPENHEIM 1948). Der zu erklärende Sachverhalt (das Explanandum) wird aus Gesetzen und Randbedingungen (Explanans) gefolgert. Das H-O-Schema kann auch umgekehrt in der Art und Weise angewendet werden, dass aus bekannten Gesetzen und bekannten Randbedingungen Schlussfolgerung als Voraussagen formuliert werden, die anschließend überprüft werden (so z. B. bei der Vorhersage einer Sonnenfinsternis).


Gesetze
Randbedingungen, Beobachtungen
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Zu erklärender Sachverhalt


In Ursprungsfragen ist dieses Erklärungsschema kaum anwendbar. Problematisch ist vor allem das Fehlen von „Ursprungsgesetzen“. An die Adresse von ID wird oft der Einwand gerichtet, es mache keine Gesetzesaussagen und könne daher auch nichts erklären. Das stimmt zwar, wenn „Erklären“ im Sinne des H-O-Schemas gemeint ist, doch trifft diese Kritik jedes Ursprungsmodell, auch makroevolutionäre (zum Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution siehe hier). Denn welches Evolutionsgesetz soll man unter „Gesetze“ vorgeben? Es gibt keine Evolutionsgesetze, aus denen man zusammen mit Randbedingungen zum Beispiel das Auftreten eines neuen Grundtyps erklären könnte (zur Grundtypenbiologie siehe hier). Man kennt wohl Variationsmechanismen, diese sind aber nicht als Evolutionsgesetze fassbar. Gesetze wie die Mendelschen Gesetze oder das Hardy-Weinberg-Gesetz bilden lediglich den zu berücksichtigen Rahmen. Allenfalls im mikroevolutiven Bereich (der in Ursprungsfragen unstrittig ist) kann von Gesetzmäßigkeiten gesprochen werden, es gibt aber keine Gesetze, aus denen die Entstehungsweise von evolutiv Neuem hergeleitet werden könnte. Dazu kommt, dass die Randbedingungen in ferner Vergangenheit nur mehr oder weniger hypothetisch oder gar nur spekulativ sind oder – wenn nicht durch Indizien begründbar – evolutionsfreundlich gewählt werden (was die Gefahr von Zirkelschlüssen impliziert). Dazu kommt, dass seitens der der Evolutionsbiologen häufig darauf hingewiesen wird, dass die Frage nach den Evolutionsmechanismen von der Frage der Deszendenz zu trennen sei. „Das Scheitern von Erklärungen, um zu erklären was geschehen ist, hat keine Auswirkung darauf, ob ein Geschehen sich ereignet hat oder nicht. Dieses Scheitern reflektiert nur die Grenzen unseres gegenwärtigen Wissens. Ein historischer Fakt kann wahr sein, ob wir ihn erklären können oder nicht“ (WAGNER 2005, 179f.). Daraus folgt, dass Makroevolution nicht aus Gesetzen und Randbedingungen erschlossen wird, sondern anhand von Indizien. Man kann also eine Ursprungstheorie auch dann begründet vertreten, wenn man keinen Mechanismus präsentieren kann. Das darf dann aber auch der ID-Ansatz für sich beanspruchen. Die Existenz separater Grundtypen muss folglich ebenfalls nicht aus Gesetzen und Randbedingungen erschlossen müssen (was hier natürlich prinzipiell nicht geht), sondern es werden Indizien zusammengetragen, die diese Sicht bestätigen.
Aufgrund dieser Situation können in aller Regel weder eindeutige Vorhersagen gemacht werden noch eindeutig zu evolutionstheoretisch zu erwartende Beobachtungsergebnisse festgelegt werden.
Vielmehr müssen hypothetische Szenarien entworfen werden, die auf Stimmigkeit mit den Daten und mit bekannten Ursachen geprüft werden können. Doch identische Daten passen nicht selten zu widersprechenden Szenarien (Beispiele hier; PDF, 1,9 MB; dort Abschnitt 5.2). Nur in diesem Sinne sind in der Naturgeschichte Erklärungen möglich, etwa indem aus der Annahme einer allgemeinen Evolution bestimmte Erwartungen abgeleitet werden, die geprüft werden können. An der Spitze des H-O-Schemas steht somit kein Gesetz, sondern eine hypothetische Organismengeschichte, also z. B. „Makroevolution“:


Makroevolution
Randbedingungen
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Vielfalt der heutigen Lebewesen


In dieser Art und Weise kann man auch im Rahmen des ID-Ansatzes verfahren. Statt „Makroevolution“ steht am Anfang des H-O-Schemas „zielorientierte Planung“ oder der Einfachheit halber „Schöpfung“. Diese Vorgabe muss dergestalt konkretisiert werden, dass Kennzeichen von Planung zusammengestellt werden. Wie man diese Kennzeichen nachweisen kann, ist nicht Thema dieses Artikels (siehe dazu beispielsweise hier.). Ob solche Kennzeichen nachweisbar sind, muss eine naturwissenschaftliche Untersuchung zeigen. Kehren wir zur Evolutionsforschung zurück. Deren Praxis sieht das so aus, dass je nachdem, welche Befunde an den Lebewesen (rezent oder fossil) gemacht werden, die inhaltlichen Ausformulierungen des Explanans entsprechend modifiziert werden, das heißt sowohl die Vorstellungen über Evolution als auch die Randbedingungen werden der gegenwärtigen Realität angepasst. Beispielhaft ist das der Fall bei der Zusammensetzung der simulierten Uratmospäre in Experimenten zur präbiotischen Chemie (hier). Unter solchen Umständen ist das H-O-Schema nicht anwendbar. In der Ursprungsforschung kann daher weder streng induktiv noch streng deduktiv geschlossen werden. Vielmehr wird dort ein anderes Schlussverfahren verwendet, das im folgenden dargestellt wird.

In den historischen Wissenschaften versucht man, vergangene Ursachen von gegenwärtigen Auswirkungen herzuleiten. Die Geschichte soll und kann nur von ihren Resultaten erschlossen werden (GOULD 1986, 62). MEYER (2006, 216) greift den von WHEWELL (1857) geprägten Begriff „Palaetiologie“ auf, um damit den anderen Charakter der Erforschung vergangener Abläufe zu kennzeichnen im Vergleich zur naturwissenschaftlichen Methode, mit der Gesetzmäßigkeiten ermittelt werden. Palaetiologie versuche demnach vergangene Bedingungen zu ermitteln. „Palaetiological sciences explain present effects („manifest effects“) by reference to past (causal) events rather than by reference to general laws (though laws sometimes play a subsidiary role)” (MEYER 2006, 217). In historischen Fragen werde daher anders geschlossen als in der Naturwissenschaft sensu stricto; das Schlussverfahren kann in Anlehnung an C. S. Peirce als „abduktives Schließen“ bezeichnet werden – dieses ist also weder induktiv noch deduktiv. „[A]bductive reasoning infers unseen facts, events or causes in the past from clues or facts in the present” (MEYER 2006, 217). Es wird ausgehend von einem Resultat auf eine Regel und einen Anwendungsfall geschlossen. Der abduktive Schluss ist jedoch nicht eindeutig.

Beispiel:

Wenn es regnet wird die Straße nass (Regel)
Resultat:
Die Straße ist nass
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Daher hat es geregnet (Fall)


Es ist klar, dass man nur schließen kann, dass es geregnet haben könnte. Die Nässe könnte auch andere Ursachen haben. Beispielsweise steht man in der Geologie oft vor Problemen dieser Art, etwas wenn bestimmte Sedimentstrukturen auf verschiedene Prozesse zurückführbar sein, z. B. auf Ablagerung durch Wasser oder Wind. Man hat dabei das Vorbild heute beobachtbarer Prozesse, kann damit aber keine Entscheidung fällen.
Wenden wir den abduktiven Schluss in der Ursprungsfrage am Beispiel der Deutung von Ähnlichkeit an:


Aus Makroevolution folgt eine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen
Resultat:
Es gibt eine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen (enkaptisches System)
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Makroevolution hat stattgefunden


Abgesehen davon, dass ein enkaptisches System nur teilweise vorliegt (s. z. B. DOOLITTLE & BAPTESTE 2007), gilt auch hier, dass der Schluss nur möglich, aber nicht zwingend ist. Denn das Schema kann nämlich auch wie folgt formuliert werden:

Schöpfung impliziert eine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen
Es gibt eine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen (enkaptisches System)
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Es gab Schöpfung


Dem Einwand, dass Schöpfung gar keine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen impliziere, kann entgegnet werden, dass dies auch für Evolution zutrifft. Manche Evolutionsbiologen halten diese Erwartung heute für sogar für unbegründet und formulieren andere Erwartungen oder von Fall zu Fall unterschiedliche Erwartungen (DOOLITTLE & BAPTESTE 2007). Es gibt auf der anderen Seite durchaus Argumente für die Erwartung einer abgestuften Ähnlichkeit der Lebewesen; dabei muss allerdings z. T. auf theologische Aspekte Bezug genommen werden. Aber selbst, wenn man bestreitet, dass aus der Annahme einer Schöpfung bestimmte prüfbare Erwartungen an die Realität gefolgert werden können, kann man doch ähnlich verfahren wie im Falle von Makroevolution: Je nachdem, welche Befunde an den Lebewesen (rezent oder fossil) gemacht werden, wird die inhaltliche Ausformulierung des Explanans (der Regel, hier Schöpfung) entsprechend modifiziert, das heißt die Vorstellungen über Vorgehensweise des Schöpfers werden der beobachteten Realität angepasst.


Wir stehen also in Ursprungsfragen vor der Situation, dass verschiedene Ursachen zum selben gegenwärtigen Befund führen können. Es besteht aber die Möglichkeit, eine abduktive Hypothese zu stärken oder zu schwächen, dann nämlich, wenn eine Hypothese einen Befund erklären kann, dies eine andere Hypothese jedoch nicht leistet. Zur Veranschaulichung nennt Peirce, dass niemand deshalb ernsthaft an Existenz Napoleons zweifle, weil es keine andere gute Hypothese gebe, die die Spuren erklären, die auf seine vergangene Existenz hindeuten.
Wenden wir dieses Verfahren nun auf die ID-Thematik an. Das kann beispielsweise so aussehen:


Nichtreduzierbare komplexe Apparate entstehen durch Einsatz von Intelligenz (Regel) (1)
Resultat:
Der Bakterienmotor ist nichtreduzierbar komplex
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Der Bakterienmotor ist durch Einsatz von Intelligenz entstanden (Fall)


Man beachte, dass nichts über die Natur der Intelligenz gesagt wird und auch nicht gesagt werden muss. Man beachte weiter, dass dieser abduktive Schluss zum einen widerlegt werden kann, nämlich durch Nachweis, dass der Bakterienmotor ohne Funktionsverlust in kleinen Schritten abgebaut werden kann (also durch Widerlegung des Resultat); zum anderen kann er geschwächt werden durch den Nachweis, dass nichtreduzierbar komplexe Apparate auch ohne Einsatz von Intelligenz entstehen können (Regel). Tatsächlich wurden beide Widerlegungs- oder Schwächungsversuche oftmals unternommen (Siehe dazu hier).
Im Rahmen des Evolutionsparadigmas könnte das abduktive Schema so aussehen:


1. Variante

Nichtreduzierbare komplexe Apparate entstehen durch Variationsmechanismen (Regel) (2)
Resultat:
Der Bakterienmotor ist nichtreduzierbar komplex
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Der Bakterienmotor ist durch Variationsmechanismen entstanden (Fall)


Hier liegt alles am Nachweis, was Variationsmechanismen zu leisten vermögen.
Oder man weist ein anderes „Resultat“ nach:

2. Variante

Nur reduzierbar komplexe Apparate entstehen durch Variationsmechanismen (Regel) (3)
Resultat:
Der Bakterienmotor ist reduzierbar komplex
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Der Bakterienmotor ist durch Variationsmechanismen entstanden (Fall)


Aus den vorstehenden Überlegungen folgt: Trifft (1) zu und treffen sowohl (2) als auch (3) nicht zu, ist der Schluss auf einen intelligenten Ursprung zwar nicht zwingend, aber der naheliegendste. MEYER (2006, 218) nennt dieses Schlussverfahren den „Schluss auf die beste Erklärung“. In der Ursprungsforschung ist ein anderes Verfahren in der Regel nicht möglich. Meyer erwähnt in diesem Zusammenhang den Geologen Thomas Chamberlain, der für sein Fachgebiet eine „Methode der Vielfalt von Arbeitshypothesen“ als angemessen betrachtete, wenn als Erklärung für einen geologischen Befund verschiedene Ursachen (verschiedene vergangene Zustände oder Prozesse) in Frage kommen. (Als Begleiter geologischer Exkursionen habe ich diese Situation oftmals live erlebt.) Historische Wissenschaftler versuchen solche Ursachen für den zu erklärenden Sachverhalt zu ermitteln, von denen bekannt ist, dass sie ihn erklären können oder am ehesten erklären, weil Alternativen weniger oder gar nichts erklären.


(1) kann man auch wie folgt allgemein fassen:


Intelligente Steuerung schafft alle möglichen Ereignisse12 (4)
Natürliche Prozesse ermöglichen nur einen Teilbereich davon
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Durch natürliche Prozesse nicht erklärbare Befunde gehen auf einen intelligenten Eingriff zurück

Hier wird wieder deutlich, dass der Knackpunkt die Leistungsfähigkeit natürlicher Prozesse ist. Die Nichterklärbarkeit wird dabei freilich nie demonstrierbar sein. Die Forschung kann aber eine Tendenz aufzeigen: Kommt man durch den Fortschritt der Forschung einer Erklärung näher oder entfernt man sich von ihr? Der Fortschritt der Forschung sollte die Erklärungsprobleme bezüglich der Entstehung vergrößern (mindestens nicht nennenswert verringern). Andernfalls würde sich ID als überflüssig erweisen.
Wendet man diese Vorgehensweise auf ID an, steht man allerdings vor dem Problem, dass man nicht weiß, wie ein
übernatürlicher Schöpfer Dinge ins Dasein bringt (Die Bibel sagt, dass Gottes Wort die Kraft habe, Dinge hervorzubringen). Daher ist ein abduktiver Schluss auf einen übernatürlichen Schöpfer nicht möglich. Da nur menschliches Design bzw. die Wirkung menschlicher Intelligenz bekannt ist, kann auf diesem Wege nur geprüft werden, ob Indizien für Intelligenz von der Art nachweisbar sind, wie wir sie von Menschen kennen. Und da der abduktive Schluss ein möglicher und kein sicherer Schluss ist, kann es auch nur um Indizien, nicht aber um Beweise gehen.
Die Identität des Schöpfers herauszufinden erfordert eine Grenzüberschreitung in den theologischen Bereich. Eine solche Grenzüberschreitung würde dann gemacht werden, wenn angenommen wird, dass das intelligente Wirken des Schöpfers mit menschlicher Intelligenz in verschiedener Hinsicht vergleichbar ist.
Ein weiteres Problem ist, dass die Tätigkeit menschlicher Intelligenz vor allem im technischen Bereich beobachtet wird und bisher nur in Ansätzen in der Biochemie – jedenfalls im Vergleich zur Komplexität lebender Zellen
nur in Ansätzen. Kennzeichen von Intelligenz können daher nur via Analogieschluss auf die Lebewesen angewendet werden.


Reinhard Junker


Literatur


DOOLITTLE WF & BAPTESTE E (2007) Pattern pluralism and the Tree of Life hypothesis. Proc. Natl. Acad. Sci. 104, 2043-2049.

GOULD SJ (1986) Evolution and the triumph of homology: Or, why history matters. Am. Sci. 74, 60-67.

HEMPEL CH & OPPENHEIM P (1948) Studies in the Logic of Explanation. Philosophy of Science 15, 135-175.

MEYER SC (2006) A Scientific History – an Philosophical Defense – of the Theory of Intelligent Design. Religion • Staat • Gesellschaft 7, 203-241.


18 Kommentare:

Christoph Heilig hat gesagt…

Ich hoffe, es finden sich hier noch ein paar Beiträge ein, ich mache mal den (verspäteten) Anfang:
“Beim ID-Ansatz geht es um Geschichte. Welche Erklärungen sind diesem Gegenstand angemessen? Der Forschungsgegenstand bestimmt die Forschungsmethode. Wie „funktionieren“ Erklärungen in der Ursprungsforschung?“
Ich denke, man muss hier aufpassen: Was meint Ursprungsforschung? Forschung innerhalb eines Paradigmas (Evolution) oder über deren Grenzen hinweg? Ich denke, das ist eine wichtige Frage, die Meyer m.E. nicht genügend erörtert. Denn: Seine Analyse trifft sicherlich im ersten Fall zu, geht es aber um den zweiten, dann haben wir das Problem, dass je nach Subjekt eine der möglichen Optionen von vorne herein keinen oder kaum Erklärungswert hat. Ich werde darauf später nochmal genauer eingehen.

„In Ursprungsfragen ist dieses [HO]-Erklärungsschema kaum anwendbar.“
Auch hier wieder meine Anfrage: Um was für eine Ursprungsfrage geht es? Durch welchen nicht-teleologischen Prozess das Leben entstand oder ob es überhaupt durch einen nicht-teleologischen Mechanismus dazu kam?`So wie ich das sehe, übernimmt Meyer hier ein für den ersten Bereich angemessenes Erklrungsscheme für einen anderen Bereich, bei dem diese Methodik m.E. nur schwerlich zum Erfolg führen kann.

„Problematisch ist vor allem das Fehlen von „Ursprungsgesetzen“. An die Adresse von ID wird oft der Einwand gerichtet, es mache keine Gesetzesaussagen und könne daher auch nichts erklären. Das stimmt zwar, wenn „Erklären“ im Sinne des H-O-Schemas gemeint ist, doch trifft diese Kritik jedes Ursprungsmodell, auch makroevolutionäre (zum Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution siehe hier). Denn welches Evolutionsgesetz soll man unter „Gesetze“ vorgeben? [...]“
Das ist vollkommen korrekt. Deswegen ist es ja auch legitim, die abduktive Argumentation zu verwenden, wenn wir herausbekommen wollen, welche Gesetzmäßigkeiten + Randbedingungen für eine nicht-teleologische Evolution des Lebens verantwortlich sind. Dieser Vorgang ist hierbei jedoch bereits vorausgesetzt und wir suchen nur innerhalb dieses akzeptierten Rahmens nach Optionen. Und das ist der große Unterschied zur Frage nach einem nicht-teleologischen oder teleologischen Ursprung der Welt (s.u.).


“In den historischen Wissenschaften versucht man, vergangene Ursachen von gegenwärtigen Auswirkungen herzuleiten. Die Geschichte soll und kann nur von ihren Resultaten erschlossen werden (Gould 1986, 62). Meyer (2006, 216) greift den von Whewell (1857) geprägten Begriff „Palaetiologie“ auf, um damit den anderen Charakter der Erforschung vergangener Abläufe zu kennzeichnen im Vergleich zur naturwissenschaftlichen Methode, mit der Gesetzmäßigkeiten ermittelt werden. Palaetiologie versuche demnach vergangene Bedingungen zu ermitteln. „Palaetiological sciences explain present effects („manifest effects“) by reference to past (causal) events rather than by reference to general laws (though laws sometimes play a subsidiary role)” (Meyer 2006, 217). In historischen Fragen werde daher anders geschlossen als in der Naturwissenschaft sensu stricto; das Schlussverfahren kann in Anlehnung an C. S. Peirce als „abduktives Schließen“ bezeichnet werden – dieses ist also weder induktiv noch deduktiv. „[A]bductive reasoning infers unseen facts, events or causes in the past from clues or facts in the present” (Meyer 2006, 217). Es wird ausgehend von einem Resultat auf eine Regel und einen Anwendungsfall geschlossen. Der abduktive Schluss ist jedoch nicht eindeutig.“

Das Problem ist in meinen Augen, dass er nicht nur nicht eindeutig ist, sondern für die Frage ob Evo oder ID gar nicht anwendbar. Sondern nur für die Frage, welcher spezielle Evolutionsmechanismus zur Rekonstruktion des vorausgesetzten Rahmens am besten ist (==> Gutmann).

Ich möchte jedoch auch noch kurz darauf hinweisen, wie sehr Meyer hier eigentlich Dembski entgegensteht, der ja durchaus der Meinung ist, einen intersubjektiven Schluss auf Design gefunden zu haben.

Beispiel:
Wenn es regnet wird die Straße nass (Regel)
Resultat: Die Straße ist nass
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Daher hat es geregnet (Fall)

Es ist klar, dass man nur schließen kann, dass es geregnet haben könnte.

Und da ist m.E. das Problem: Das selbe lässt sich nämlich nicht über die Ursprungsfrage in ihrem breitesten Sinne sagen: Dort kann nämlich nicht einfach vorausgesetzt werden, dass eine Intelligenz designt haben könnte. Je nachdem, ob das denkende Individuum an einen pot

“Wenden wir den abduktiven Schluss in der Ursprungsfrage am Beispiel der Deutung von Ähnlichkeit an:

[...]
Schöpfung impliziert eine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen
Es gibt eine abgestufte Ähnlichkeit der Lebewesen (enkaptisches System)
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Es gab Schöpfung“

Es ist Meyers Ziel, ID als gleichwerten Ansatz zur Evolution herauszumodellieren. Anstatt herauzustellen, dass beide im gleicehn Maße auf außerwissenschaftliche Bezüge angewiesen sind, versucht er zu zeigen, dass ID auf der selben wissenschaftlichen Ebene liegt, welche er bei der Evo damit voraussetzt. Allein schon diese hier zitierte Aufstellung widerlegt ihn aber doch, oder nicht? Er möchte ID ja gerade als Ursprungsoption etablieren, die ohne metaphysische Bezüge auskommt. Aber genau diese Ausformulierung hier zeigt doch, dass der dafür vorgeschlagene Schluss eh nur innerhalb von bestimmten weltanschaulichen Gruppen funktioniert: Ein Theist wird dieser Aufstellung zustimmen, so lange er eine vergleichbare für die nicht-teleologische Alternative vorliegen hat, und hierin enthalten ist, dass es keine solche Alternative zum momentanen Zeitpunkt gibt. Geben wir dieses System aber mal einem Atheisten. Was wird der wohl dazu sagen? Ihn wird das wenig beeindrucken, die noch ausstehende nicht-telologische Problemlösung. Denn er wird die hier zitierte Aufstellung btrachten und für einen Faktor eine „Null“ einsetzen, die das ganze nutzlos werden lässt – er wird ganz einfach fragen: „Welche Schöpfung?!“ Schließlich nimmt er keinen potentiellen Designer an, lehnt ihn ab! Welchen Schöpfer?! Die Alternative ist für ihn keine und kann auch keine sein.
Deswegen ist der abduktive Schluss bei der Frage nach Design oder nicht m.E. nicht möglich, sondern nur immer innerhalb dieser beiden Gebiete. Wir kommen nicht drumrum, dass unsere Weltanschauung für die erste, grundlegende Frage, einfach eine ganz bedeutende Rolle besitzt und bei konsequenter Denkweise auch das Resultat unseres Entscheidungsprozesses vorgibt

“Wir stehen also in Ursprungsfragen vor der Situation, dass verschiedene Ursachen zum selben gegenwärtigen Befund führen können.“
Ja. Und zwar immer innerhalb eines teleologischen und eines nicht-teleologischen Denkrahmens.
Für die Wahl einer dieser beiden übergeordneten Optionen ist der abduktive Schluss jedoch m.E. nicht geeignet.

Wenden wir dieses Verfahren nun auf die ID-Thematik an. Das kann beispielsweise so aussehen:

Nichtreduzierbare komplexe Apparate entstehen durch Einsatz von Intelligenz (Regel) (1)
Resultat: Der Bakterienmotor ist nichtreduzierbar komplex
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Der Bakterienmotor ist durch Einsatz von Intelligenz entstanden (Fall)

Man beachte, dass nichts über die Natur der Intelligenz gesagt wird und auch nicht gesagt werden muss.“

Das Problem ist: Auch wenn die nicht-teleologische Option absolut unplausibel ist (das steckt in der Regel: es geht ja letztendlich auch darum, dass sie unserer Erfahrung nach nur vor diesem Hintergrund bestimmen, bzw. nicht ohne) folgt noch nicht der „Fall“. Die Frage, die wir nämlich immer stellen ist auch, ob zum gegebenen Zeitpunkt ein potentieller Designer also eine Intelligenz existierte („beim ID-Ansatz geht es um Geschichte“ - also auch um einen geschichtlichen Kontext). Ich glaube nicht, dass die Design-Erkennung unabhängig von der Frage nach einem potentiellen Designer betrieben werden kann. Steinwerkzeuge, die wir auf der Erde finden, und hier als solche anerkennen, würden wir – wären sie vom Mars – sicher viel lieber auf Erosions-Prozesse zurückführen, es sei denn wir haben ein Fabel für Aliens. Und Steinwerkzeuge im Kambrium können noch so designt wirken, also noch so unplausibel nicht-teleologisch entstanden sein, man wird sie im gegensatz zu Funden aus dem Paläolithikum wohl nicht als Produkte intelligenter Agenten anerkennen, es sei denn, man hat eine gewisse Schwäche für den biblischen Gott. Ob der Schluss oben funktioniert hängt davon ab, ob wir Theisten oder Alien-Fans sind oder nicht – damit wäre aber genau das Element wieder integriert, das Meyer ja unbedingt raushaben wollte.



“Meyer (2006, 218) nennt dieses Schlussverfahren den „Schluss auf die beste Erklärung“. In der Ursprungsforschung ist ein anderes Verfahren in der Regel nicht möglich.“
Eben. Die beste Erklärung für einen bestimmten Sachverhalt. Dabei muss also sowhl der Sachverhalt geklärt sein, als auch die Erklärungen auf einer Ebene liegen. Also: 'Welcher nicht-teleologische Mechanismus liefert die beste Erklärung für eine nicht-teleologisch entstandene Welt.' Oder: 'Welche teleologische Erklärung ist die beste Erklärung für eine teleologisch entstandene Welt.'
Erklärung und zu erklärender Sachverhalt müssen auf der selben Ebene liegen. Der zu erklärende Sachverhalt ist nach Ansicht der Evolutionsbiologen eben eine nicht-teleologisch entstandene Welt. Man kann in die möglichen Erklärungen jetzt nicht einfach teleologische Optionen miteinfügen. 'Design' ist für einen konsequenten Atheisten nicht die beste erklärung, es ist gar keine und kann auch gar keine sein.


Intelligente Steuerung schafft alle möglichen Ereignisse12 (4)
Natürliche Prozesse ermöglichen nur einen Teilbereich davon
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Durch natürliche Prozesse nicht erklärbare Befunde gehen auf einen intelligenten Eingriff zurück


Was aber, wenn dieser Steuer-Mann abgelehnt wird? Dann ist es nur logisch, darauf zu warten, dass zukünftige Forschung zeigen wird, dass der Teilbereich noch größer wird – denn nachweisen, dass er so klein ist, können wir nicht.
.
“Die Identität des Schöpfers herauszufinden erfordert eine Grenzüberschreitung in den theologischen Bereich. Eine solche Grenzüberschreitung würde dann gemacht werden, wenn angenommen wird, dass das intelligente Wirken des Schöpfers mit menschlicher Intelligenz in verschiedener Hinsicht vergleichbar ist.“
Eine ähnliche Grenzüberschreitung liegt jedoch vor, wenn wir für uns entscheiden, ob es einen möglichen (wie auch immer gearteten) potentiellen Designer geben kann oder nicht.

Reinhard Junker hat gesagt…

Diskussion Heiligs Blog

Ein paar Kommentare:

Was meint Ursprungsforschung? Forschung innerhalb eines Paradigmas (Evolution) oder über deren Grenzen hinweg?

Eigentlich beides. Mir gehts natürlich um Letzeres.

Das Problem ist in meinen Augen, dass er [der abduktive Schluss] nicht nur nicht eindeutig ist, sondern für die Frage ob Evo oder ID gar nicht anwendbar. Sondern nur für die Frage, welcher spezielle Evolutionsmechanismus zur Rekonstruktion des vorausgesetzten Rahmens am besten ist.

Es wird doch auch in anderen Fällen abduktiv auf ID geschlossen wie z. B. bei der Bestimmung von Faustkeilen als Artefakte. Auch da geht es um die Alternative teleologisch/nicht-teleologisch und nicht um Alternativen innerhalb der beiden Sichtwiesen.

Das selbe lässt sich nämlich nicht über die Ursprungsfrage in ihrem breitesten Sinne sagen: Dort kann nämlich nicht einfach vorausgesetzt werden, dass eine Intelligenz designt haben könnte.

Wieso nicht? In Deinem Text fehlt hier was;der Satz bricht ab. Vermutlich wolltest Du sagen, dass man an die Möglichkeit eines Designers glauben muss. Es wäre aber reine Willkür, diese Möglichkeit auszuschließen.

Er [Meyer] möchte ID ja gerade als Ursprungsoption etablieren, die ohne metaphysische Bezüge auskommt.

Wenn er für ID keinen übernatürlichen Designer nimmt, ist das auch der Fall.

RJ: “Wir stehen also in Ursprungsfragen vor der Situation, dass verschiedene Ursachen zum selben gegenwärtigen Befund führen können.“
CH: Ja. Und zwar immer innerhalb eines teleologischen und eines nicht-teleologischen Denkrahmens.


Das sehe ich am hier genannten Beispiel der Ähnlichkeit nicht. Ähnlichkeit kann telelologisch verursacht sein oder (empirisch nachvollziehbar allerdings nur in Grenzen) auch durch Abstammung. Der abduktive Schluss verläuft hier nicht innerhalb der Grenzen der beiden „Lager“. Daher teile ich Dein Grundargument hier nicht. Es geht m. E. beim abduktiven Schluss auch um die Alternative teleologisch/nicht-teleologisch, nicht nur bei der weltanschaulichen Vorentscheidung.

Und Steinwerkzeuge im Kambrium können noch so designt wirken, also noch so unplausibel nicht-teleologisch entstanden sein, man wird sie im gegensatz zu Funden aus dem Paläolithikum wohl nicht als Produkte intelligenter Agenten anerkennen, es sei denn, man hat eine gewisse Schwäche für den biblischen Gott.

In einem solchen Fall würde ich ganz klar sagen, dass man die Augen vor gewissen Realitäten verschließen würde. Hier wäre die „andere Seite“ in der Begründungspflicht. Alles andere wäre ein Verweis aiuf etwas Unbekanntes - was wir ja an anderer Stelle durchaus auch machen. Die „andere Seite“ müsste sowas als starke Anomalie im Gepäck mitschleifen.

'Design' ist für einen konsequenten Atheisten nicht die beste erklärung, es ist gar keine und kann auch gar keine sein.

Aus rein weltanschaulichen Gründen.

Anonym hat gesagt…

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"'Design' ist für einen konsequenten Atheisten nicht die beste erklärung, es ist gar keine und kann auch gar keine sein."

Aus rein weltanschaulichen Gründen.
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Nein, eine wissenschaftliche Erklärung beschreibt eine Beobachtung und ihre Ursachen. "ID" kann das prinzipiell nicht leisten ohne eine konkrete Beschreibung der Designer und ihrer Methoden, an Erklärungen für die Ursache der Beobachtung fehlt es also völlig. Damit ist ID so überflüssig wie ein Kropf, es trägt zum Verständnis der Natur nichts bei.

Christoph Heilig hat gesagt…

@anonym:
Zu diesem Einwand haben sich Leute wie Meyer ja schon zu Genüge geäußert, ich würde stark dafür plädieren, dass wir hier beim eigentlichen Thema (Ermöglicht der abduktive Schluss den Rückgriff auf Design als Ursprungsoption?) bleiben. Ich Stimme dieser These durchaus zu.


Was meint Ursprungsforschung? Forschung innerhalb eines Paradigmas (Evolution) oder über deren Grenzen hinweg?

Eigentlich beides. Mir gehts natürlich um Letzeres.


Gut, ich muss gleich mal eingestehen, dass ich bei der Definition der beiden Bereiche ungenau war. Sie schreiben ja später auch: „Es wird doch auch in anderen Fällen abduktiv auf ID geschlossen wie z. B. bei der Bestimmung von Faustkeilen als Artefakte. Auch da geht es um die Alternative teleologisch/nicht-teleologisch und nicht um Alternativen innerhalb der beiden Sichtwiesen.“
Offensichtlich hatte ich die Kontraste hier nicht genügend dargestellt. Es geht nicht um die Gegensätze teleologisch und ungerichtet, wie Sie richtig anmerken, ist der abduktive Schluss durchaus in der Lage Design zu unterstützen. Es geht darum, ob wir den Schluss innerhalb eines Rahmens anwenden, in dem ein potentieller Designer angenommen bzw. abgelehnt wird, oder ob wir durch den Schluss eben zwischen diesen beiden übergeordneten Möglichkeiten wählen sollen. Was Meyer schließlich möchte ist nichts anderes, als einen Schluss auf die Existenz eines Designers. Und das ist in meinen Augen das große Problem, finde ich. Denn das klappt immer nur, wenn ein potentieller Designer angenommen wird. Beispielsweise auch bei den von Ohnen genannten Steinwerkzeugen. Es macht einen Unterschied, ob wir sie im Holozän oder im Karbon finden. Intelligente Ursachen werden hier nur akzeptiert, wenn man sie voraussetzen kann. Und zwar nicht nur für kleine Gruppen mit weltanschaulichen Präferenzen, sondern wenn man hier einen intersubjektiven Geltungsanspruch hervorbringen kann. Selbst in der biologischen Evolution kann Design dann einen Platz haben. Wir wissen, dass der Mensch die letzten paar tausend Jahre lebte, es ist also durchaus eine Möglichkeit, dass er die Evolution des Hundes maßgeblich mitbestimmt hat.
Im Karbon gab es aber nach Ansicht des Mainstreams keine Menschen. Aus diesem Grund werden auch die von Cremo/Thompson vorgestellten Funde heute abgelehnt. Wir sehen dabei wieder, dass es eben nicht nur um die Unplausibilität der ungerichteten Hypothese geht, sondern auch um die Plausibilität der Design-Hypothese, sprich: Wie plausibel (oder: ohne weltanschauliche Voraussetzungen nachvollziehbar) ist es, die Existenz einer intelligenz (potentieller Designer) vorauszusetzen? Klar: Wenn wir ein Fahrrad im Karbon finden, ist die Sache ein wenig anders. Ich denke durchaus, dass ab einem gewissen Grad Unwahrscheinlichkeit alleine Intersubjektivität gebären könnte, ich denke auch, dass Dembskis Ansatz hier gar nicht so verkehrt ist. Ich bestreite jedoch, dass wir die von ihm geforderte Situation tatsächlich eindeutig in der Natur nachweisen können. Deswegen gilt auch hier: Design für die Ursprungsfrage kann nur für diejenigen Personen eine Option sein, die kein Problem damit haben, dass zur Zeit der Entstehung der Schichten des Kambriums Aliens oder ein Gott existierten.


Wieso nicht? In Deinem Text fehlt hier was;der Satz bricht ab. Vermutlich wolltest Du sagen, dass man an die Möglichkeit eines Designers glauben muss. Es wäre aber reine Willkür, diese Möglichkeit auszuschließen.
Ich spreche hier immer lieber von einem potentiellen Designer, weil allein die Existenz einer Intelligenz noch nicht automatisch impliziert, dass die auch designte, nur weil sie es könnte (hier muss dann der auf der Tagung ebsprochene Input kommen). Aber ansonsten: ja, genau so sehe ich das. Inklusive der Willkür. Aber: Die Voraussetzung dieses potentiellen Designers ist ebenso naturwissenschaftlich nicht belangbar, das ist eben eine Glaubensentscheidung. Beide Positionen sind okay, aus beiden folgen verschiedene Konsequenzen für den Umgang mit der Unplausibilität der ungerichteten Option (falls diese angenommen wird). Beide Paradigmen, die sich ergeben, sind in meinen Augen vollkommen okay und können (müssen) parallel existieren, da hier keine Intersubjektivität zu erzielen ist. Diese Situation gilt zumindest so lange, bis ein nicht-teleologischer Evolutionsmechanismus das Konstruktionsproblem zufriedenstellend erklären kann, oder die Unwahrscheinlichkeit im Bereich der Biologie tatsächlich derart eindeutig festzumachen wäre – aber ich zweifle daran, dass das jemals möglich sein wird.

“Er [Meyer] möchte ID ja gerade als Ursprungsoption etablieren, die ohne metaphysische Bezüge auskommt.

Wenn er für ID keinen übernatürlichen Designer nimmt, ist das auch der Fall.

Das entscheidende am „Metaphysisichen“ ist ja nicht, dass es den Bereich des Materiellen verlässt, sondern die Eigenschaft, dass hier die Intersubjektivität flöten geht. Das gleiche gilt ja wohl für Aliens – deren Existenz anzunehmen oder abzulehnen ist eine Entscheidung, die nur schwerlich weniger willkürlich sein dürfte (als Christ, denke ich sogar, sie ist es in vermehrtem Maße).


Und Steinwerkzeuge im Kambrium können noch so designt wirken, also noch so unplausibel nicht-teleologisch entstanden sein, man wird sie im gegensatz zu Funden aus dem Paläolithikum wohl nicht als Produkte intelligenter Agenten anerkennen, es sei denn, man hat eine gewisse Schwäche für den biblischen Gott.

In einem solchen Fall würde ich ganz klar sagen, dass man die Augen vor gewissen Realitäten verschließen würde. Hier wäre die „andere Seite“ in der Begründungspflicht. Alles andere wäre ein Verweis aiuf etwas Unbekanntes - was wir ja an anderer Stelle durchaus auch machen. Die „andere Seite“ müsste sowas als starke Anomalie im Gepäck mitschleifen.

Ich denke nicht, dass das so stimmt: Nur aufgrund des Wow-Signals glaube ich noch nicht an Aliens. Und es müssten schon erdrückend schwere Unplausibilitäten sein, damit ich hier meinen Standpunkt ändern würde – ohne dass ich deswegen einer Begründungspflicht nachkommen müsste. Aber klar: Es könnte schon entsprechend extreme Unwahrscheinlichkeiten geben (s.o.). Aus verschiedensten Gründen glaube ich jedoch nicht, dass wir diese Situation momentan in der Biologie haben, noch dass wir sie je haben werden. Ich bin mir da nahezu sicher, auch wenn ich es natürlich nicht ausschließen möchte.

“'Design' ist für einen konsequenten Atheisten nicht die beste erklärung, es ist gar keine und kann auch gar keine sein.

Aus rein weltanschaulichen Gründen.

Natürlich. Aber das gilt für die teleologische Option auch. Und beide Positionen sind in sich schlüssig. Das Problem ist, dass Meyer aber eben gerade vorgibt, eine Methodik gefunden zu haben, um zwischen diesen beiden Rahmen zu entscheiden. Ich akzeptiere ja, dass der „Schluss auf die beste Erklärung“ funktioniert! Aber es ist nunmal so, dass der Wert dieser Erklärung ganz stark vom Individuum abhängt und die Weltanschauung mithineinfließt. Den obigen Aufstellungen fehlt im Grunde immer noch die Zeile („Für mich kommt die Existenz eines potentiellen Designers in diesem Kontext in Frage“ und dahinter ein Kästchen „Ja“ und „Nein“ zum ankreuzen. Der Schluss ist gut, aber er kann den von Meyer aufgestellten Anspruch nicht erfüllen.

Anonym hat gesagt…

@Christoph:
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Zu diesem Einwand haben sich Leute wie Meyer ja schon zu Genüge geäußert
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Eben nicht, das einzige was ihm dazu einfällt ist dass es ja vielleicht "Design" gegeben hat (was auch immer das überhaupt konkret bedeuten soll) und es daher falsch wäre diese Option von vornherein auszuschliessen.
Den Punkt das "Design" gar keine Erklärung ist hat noch kein IDler vernünftig addressiert. Diesem Einwand gehen IDler genauso konsequent aus dem Weg, wie sie dem Vorwurf das der Schluss auf übernatürliches Design prinzipiell nur ein Argumentum ad ignorantiam sein kann aus dem Weg gehen (siehe z.B. die Diskussion zu diesem Beitrag von Markus Rammerstorfer auf deinem Blog http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2007/11/vererbungs-schwche-und-ignoranztheorie.html
bis heute gibt es keinen Beitrag der sich zu dem Vorwurf äussert und auch keinen Verweis auf einen prominenten IDler der irgendwas substanzielles zum Argumentum ad ignorantiam - Vorwurf zu sagen gehabt hätte...)

Was die Weltanschauung betrifft:
Im Rahmen des Evolutionsparadigmas zu forschen ist jedermann, unabhängig von seiner persönlichen Weltanschauung, möglich (ausser diese Weltanschauung "verbietet" so etwas wie eine Evolution der Arten).
Und egal welche Weltanschauung man nun vertritt: "Es gab "Design"" ist eine völlig inhaltsleere Aussage, daraus folgt nichts für irgendein konkretes Schöpfungsmodell, ID kann niemals "der Schluss auf die beste Erklärung" sein weil es gar keine Erklärung ist.

Christoph Heilig hat gesagt…

Und du hast Meyer gelesen?
Du gibst seinen Standpunkt in ungefähr so wieder, als würde ich behaupten, ein Evo-Biologe deiner Wahl könnte nur das Argument hervorbringen: "Na, so ist' halt mal..."

Ich möchte trotzdem - und ich mache das selten, aber hier halte ich es für angemessen - beim abduktiven Schluss bleiben. Es macht in meinen Augen wenig Sinn, hier einer Verästelung bis in alle Details nachzugehen, wir diskutieren zumindest hier nur über eine Abzweigung, momentan.

Anonym hat gesagt…

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Und du hast Meyer gelesen?
Du gibst seinen Standpunkt in ungefähr so wieder, als würde ich behaupten, ein Evo-Biologe deiner Wahl könnte nur das Argument hervorbringen: "Na, so ist' halt mal..."
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Soll das eine Antwort sein ? Ich betrachte das mal als Bestätigung dafür das ich Meyers Standpunkt akkurat wiedergegeben habe.

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Ich möchte trotzdem - und ich mache das selten, aber hier halte ich es für angemessen - beim abduktiven Schluss bleiben. Es macht in meinen Augen wenig Sinn, hier einer Verästelung bis in alle Details nachzugehen, wir diskutieren zumindest hier nur über eine Abzweigung, momentan.
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ok, tu das.

Christoph Heilig hat gesagt…

Die Antwort bestand in meiner Nachfrage, was du von ihm bisher gelesen hast. Wir können die von dir aufgeworfene Problematik gerne per Mail erörtern.

El Schwalmo hat gesagt…

@Christoph Heilig

=== schnipp ===
Die Antwort bestand in meiner Nachfrage, was du von ihm bisher gelesen hast. Wir können die von dir aufgeworfene Problematik gerne per Mail erörtern.
=== schnapp ===

ich fände es besser, wenn das hier öffentlich erörtert würde.

Meiner Meinung nach hat es Anonym gut auf den Punkt gebracht: auch Meyer mogelt sich um die eigentlichen Probleme herum.

Solange ID weder konkret ausführt, wer oder was der Designer ist, und dazu prüfbar formuliert, wie er schafft, kann ID prinzipiell keine Erklärung liefern.

Das ist das Provozierende an ID: es meint, 'angreifen' zu können, und das ohne jegliche Belege, die über ein 'ad ignoratiam' und eine Analogie zu menschlichem Design hinausgehen.

In den Wissenschaften gilt:

'You cannot refute something with noting'

Und die Aufgabe von ID muss dringendst das something sein, denn bisher ist es ziemlich exakt beim 'nothing': Aufzeigen einer Erklärungsgrenze. Das ist für die ID-Position in etwa zielführend wie keine Position.

Längelang über abduktive Schlüsse etc. zu diskutieren ist den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.

Christoph Heilig hat gesagt…

Gut, aber dann bitte in nem anderen Thread, meinetwegen unter dem dritten Teil der Videos. Ich vertrau noch darauf, dass sich hier endlich die von mir penetrant darauf hingewiesenen W+W-Wissenschaftstheoretiker noch lebhaft beteiligen ;-).

Lamarck hat gesagt…

Hi Christoph Heilig,


schön, das Idler es auch einmal mit Wissenschaftstheorie versuchen. Der Vortrag von Reinhard Junker – den mir doch schon an anderer Stelle untergekommen ist ;-) - ist allerdings indiskutabel:


(1) Gewisse Intentionen werden schon in der Überschrift erkennbar. Selbstverständlich gibt es keine "abduktiven Erklärungen" – Abduktion ist nichts anderes als Mittel zum Zweck, also Methodik. Damit ist selbstverständlich nichts über die lautere Anwendung auch in einer Ursprungsforschung gesagt.


(2) Entgegen der Darstellung von Reinhard Junker gibt es sehr wohl "Evolutionsgesetze", etwa das algorithmische Prinzip von Versuch & Irrtum – diese Heuristik ist in der Biologie als Mutation & Selektion bekannt. Und dies ist nun gewiss ein Variationsmechanismus.


(3) Die angeführten theoretischen Grundlegungen sind mehr als mangelhaft. So ist "evolutiv Neues" bsw. doch schon eindeutig mit jeder Punktmutation oder den Verlust einer Borste gegeben. Eine entsprechende Definition von "Neu-1" und "Neu-2" steht auch nach Kenntnisnahme von weiteren Texten bsw. von Reinhard Junker noch aus; einem quantitativen "Neu" ein qualitatives "Neu" gegenüberzustellen, bildet hier den Ausgangspunkt eines sattsam bekannten Fehlschlusses.


(4) Offenbar besteht grundlegende Unkenntnis über den Unterschied von Ereignis und Prozess. Warum nochmal ist das Prinzip der Kausalität so überaus erfolgreich?


(5) Folglich tun Biologen gut daran, den zur Deszendenz führenden Mechanismus von dem konkreten Deszendenzereignis zu trennen: Wenn ich weiß, warum es regnet, muss es deswegen aber noch lange nicht regnen … .


(6) Das folgende steht nun nicht in Abrede: Ja, es lässt sich eine Theorie auch dann begründet vertreten, wenn man keinen Mechanismus präsentieren kann. Was präsentiert werden muss, ist aber der Inhalt und der Definitionsgegenstand der Theorie. Und selbstverständlich die Indizien, wenn das Hypothesenstadium verlassen werden soll. Die Detektion entsprechender Mechanismen ist übrigens ein gewaltiges Indiz. Kennt jemand eine Schöpfungshypothese?


(7) Wo kann mittels H-O-Schema streng induktiv oder streng deduktiv geschlossen werden? ;-) Selbstverständlich ist das H-O-Schema auch hier anwendbar (Der Begriff der "Randbedingung" (Obersatz) scheint hier noch nicht ausreichend rezeptiert worden zu sein…). Es mag allerdings sein, dass hierzu hinreichendes nicht vorliegt.


(8) Und dann kommt auch noch Reinhard Junkers Lückenbüßer zur Selbstimmunisierung: "Ob es den Weihnachtsmann tatsächlich auch gibt, muss eine naturwissenschaftliche Untersuchung zeigen. Hierzu mein Link, da steht aber auch nicht viel mehr. Nun wieder zurück zu Kritik, bevor sich jemand Gedanken macht."

Solange hier auch nicht der geringste Versuch zur Aufstellung einer Schöpfungshypothese gemacht wird, schlägt das Axiom GIGO (Garbage In, Garbage Out) zu. Dabei ließe sich der Schluss vom Explanans zum Explanandum beispielsweise sehr schön beispielsweise an den den Eingang zum Paradies bewachenden Cherubim erörtern … .


(9) Eine "abgestufte" Ähnlichkeit allein impliziert rein gar nichts, weder deduktiv, noch induktiv, noch abduktiv … . Das ändert sich, wenn hier Bezug genommen wird auf weitere Indizien, wie etwa der Fossilbefund. Auch der Begriff der Ähnlichkeit bedarf hier näherer Untersuchungen (vgl. oben: "evolutiv Neues").


(10) Es mag sein, dass auf einen gegebenen Wissensstand verschiedene Ursachen für ein bestimmtes Ereignis in Frage kommen. Selbstverständlich finden in diesem Fall nur plausible, nicht jedoch beliebige Ursachen Berücksichtigung. Plausibilität hat in jedem Fall Gründe und ist damit nicht beliebig. Im genannten Abschnitt 5.2 findet sich nichts, was auch annähernd hiermit im Bezug stehen könnte. Auch bei Annahme einer Schöpfung kann selbstverständlich auf die Forderung der Nachprüfbarkeit nicht verzichtet werden – dies wäre gleichbedeutend mit Unwissenschaftlichkeit.


(11) Zu IC (Bakterienmotor etc.): Die Eigenschaft 'ROT' ist ebenso wie eine Eigenschaft 'FUNKTION' "nichtreduzierbar" komplex. Dies betrifft ebenso alle Eigenschaften - auch die Eigenschaft 'INTELLIGENZ' … . Mit anderen Worten: Das angeblich "nichtreduzierbar" Komplexe ist zwar nicht reduzierbar, aber damit auch nicht komplex. Reduzierbarkeit (Vorhandensein von Elementen) ist notwendige Eigenschaft (sic!) von Komplexität. Der Begriff der Kardinalität gibt hier näheren Aufschluss über die notwendige Perspektive.


(12) Nichterklärbarkeit gibt es nicht (Verstoß gegen das Kausalitätsprinzip). Es gibt ungelöste Probleme und es gibt prinzipiell nicht lösbare Probleme (vgl. bsw. NP-Vollständigkeit).


(13) Ich will es einmal so ausdrücken: Die Formen des Schließens, die Reinhard Junker hier anwendet, erkenne ich nicht wieder. Aber wie wäre es, wenn erst einmal die Hausaufgaben gemacht werden und die "Indizien für einen Schöpfer" als Schöpfungshypothese dargestellt werden? Weder Lee Strobel noch sonst jemanden ist da bisher entsprechendes gelungen. Und für Indizien ist das Überschreiten von Grenzen weder möglich noch nötig. Für Hypothesen auch nicht.



Cheers,

Lamarck

Christoph Heilig hat gesagt…

Mich würde interessieren, was du zu meiner Kritik am abduktiven Schuss sagst.

Reinhard Junker hat gesagt…

@ Christoph

Der Knackpunkt ist, so wie ich ihn verstehe, eine Offenheit für ID. Klar, wenn man die nicht hat, wird man nie abduktiv auf ID schließen. Das ist dann aber rein weltanschaulich begründet und hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Und genau das sollte dann auch klar gesagt werden und wenn das nicht gemacht wird, aufgedeckt werden.

El Schwalmo hat gesagt…

@Reinhard Junker

=== schnipp ===
Der Knackpunkt ist, so wie ich ihn verstehe, eine Offenheit für ID. Klar, wenn man die nicht hat, wird man nie abduktiv auf ID schließen.
=== schnapp ===

der Knackpunkt, so wie ich ihn sehe, ist, dass ID bisher noch nicht zeigen konnte, warum man offen dafür sein soll.

Ich kenne nur zwei Argumente: ein Designer, den man nicht einpreist, wird übersehen und als Theist vertritt man ID.

Zum ersten Punkt: ein Designer, den man auch übersehen kann, ist es eigentlich nicht wert, dass man ihn findet, denn er macht keinen großen Unterschied. ID-'Signale' sind in diesem Weltbild Ostereier, die man findet oder auch nicht.

Zum zweiten Punkt: für Naturalisten ist das kein Argument.

ID muss also, bevor es den Anspruch erheben darf, beachtetet zu werden, zeigen, wie es in der Forschung was weiter bringt. Was kann man besser erforschen, wenn man von ID ausgeht (Hint: weder über den Designer noch seine Art zu schaffen wird etwas gesagt, was weiß ich dann mehr, wenn ich 'ID' sage?)?

=== schnipp ===
Das ist dann aber rein weltanschaulich begründet und hat mit Wissenschaft nichts zu tun.
=== schnapp ===

Doch, das hat explizit mit Wissenschaft zu tun, genauer: mit der Frage, wie man Wissenschaft betreibt. Und da sogar ID-ler den methodischen Naturalismus anerkennen, muss ID sich die Frage gefallen lassen, was denn wohl ein wesensfremder metaphysischer Überbau in so einem Weltbild zu suchen hat.

Als Person kann man an eine beliebige Anzahl welcher Göttinnen oder Götter auch immer glauben, solange man methodisch sauber arbeitet, ist das okay. Aber ID in die Wissenschaft einführen? Das macht keinen Sinn.

=== schnipp ===
Und genau das sollte dann auch klar gesagt werden und wenn das nicht gemacht wird, aufgedeckt werden.
=== schnapp ===

Dann sage ich es klipp und klar: ID ist meilenweit davon entfernt, den Anspruch erheben zu können, dass man es ernst nimmt. Das ist Standard, und muss nicht klar gesagt werden. Wenn man im üblichen Sinn wissenschaftlich ist, ist ID kein Thema. Bevor ID den Anspruch erheben kann, dass man es berücksichtigen muss, ohne sich irgendeinem Vorwurf auszusetzen, muss es noch sehr viele Hausaufgaben machen.

Vor allen anderen Überlegungen muss die zentrale Frage geklärt werden: was weiß man mehr, wenn man statt 'ich weiß es nicht' oder 'das, was ich mit den bekannten naturalistischen Mechanismen nicht erklären kann, wird wohl durch bisher unbekannte naturalistische Mechanismen bewirkt' durch 'ein Designer mit unbekannten Eigenschaften hat das auf wunderbare Weise gemacht' sagt?

Im ersten Fall sucht man eine Antwort auf offene Fragen, im zweiten Fall hofft man, dass es keine Antworten gibt, weil sonst ein Designer obsolet würde.

Menschen, die ein bestimmtes Weltbild mit klaren Aussagen vertreten, sollten die Finger von ID lassen, und das vertreten, was dieses konkretere Weltbild, das ja prüfbare Aussagen enthält, beinhaltet. Dann kann man echte Diskurse über entscheidbare Fragen führen.

Lamarck hat gesagt…

Hi Christoph Heilig!


"Mich würde interessieren, was du zu meiner Kritik am abduktiven Schuss sagst."


Bitteschön. Zunächst: Den abduktiven Schluss als solches kannst Du hier – da Methodik – nicht kritisieren, sondern nur die Adäquatheit der Anwendung. Eine besondere "abduktive Argumentation" gibt es also nicht. Allerdings sei hier erneut auf das GIGO-Axiom verwiesen: Dort, wo Unsinn hineingesteckt wird, kann halt auch nur Unsinn herauskommen. Das gilt selbstverständlich auch für einen Designer … . ;-)


Demzufolge erscheint es hilfreich, zur Begriffsklärung auf das entsprechenden Lemma bei Wikipedia zu verlinken, das für unsere Zwecke hier hinreichend ist: Abduktion

A. a. O. findet sich im Abschnitt 'Vergleich der Schlussweisen' – als (ich betone: handwerklich einwandfreie) Abduktion folgendes:

(P1) Alle Kugeln in der Urne sind rot
(P2) Alle Kugeln auf dem Tisch sind rot
--------------------------------------------------
(S) Alle Kugeln auf dem Tisch stammen aus der Urne

Mithin: Stammen also tatsächlich alle Kugeln aus der Urne? Wohl nicht unbedingt. Der "abduktive Schluss" ist folglich kein Schluss im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Vermutung – und zwar auf das Nahe liegende [sic!].

Insofern hattest Du hier zumindest die halbwegs richtige Perspektive. Was allerdings nicht mehr erforderlich ist, ist die Ideenfindung; die Idee von ID ist ja vorhanden. Mit anderen Worten:

Abduktionen sind nunmehr überflüssig – jetzt gilt es, eine ID-Hypothese zu produzieren, die der Überprüfbarkeit überstellt wird.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was genau hat MEYER SC (2006) in seinem Aufsatz verteidigt … ?

Bei der Verwendung des Begriffs Paradigma - der von Reinhard Junker und Siegfried Scherer gern in einem bestimmten Kontext verwendet wird – sollte bedacht werden, dass sich Thomas Samuel Kuhn davon 1984 verabschiedet hat. Es ist nicht nötig, Rahmen und Erklärungsschemata zu akzeptierten oder Grenzüberschreitungen zu begehen. Gerade hier ist der Verweis auf W. F. Gutmann auch vollkommen abwegig.

Und selbstverständlich sind jegliche "Schlüsse", die von weltanschaulichen Voraussetzungen abhängig gemacht werden, Fehlschlüsse!

Das Ptolemäischen Weltbild wurde eben doch auf ganz andere Weise überwunden … .


Cheers,

Lamarck

Lamarck hat gesagt…

Hi Reinhard Junker!


"Der Knackpunkt ist, so wie ich ihn verstehe, eine Offenheit für ID. Klar, wenn man die nicht hat, wird man nie abduktiv auf ID schließen. Das ist dann aber rein weltanschaulich begründet und hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Und genau das sollte dann auch klar gesagt werden und wenn das nicht gemacht wird, aufgedeckt werden."

Ad nauseam: Es ist vollkommen ohne Belang, wie nun eine Hypothese zustande kommt – relevant ist nur, ob diese dann auch einen Falsifikationsversuch standhält.

Ich habe Dir ja oben den einen oder anderen Punkt aufgeführt, wo es hakt und empfehle doch erst einmal die Abarbeitung. Deine Äußerung erinnert übrigens einigermaßen stark an den metaphorischen Fehlschluss (AKA: "Um zu sehen, muss man mit dem Herzen sehen … .").



Cheers,

Lamarck

Christoph Heilig hat gesagt…



"Mich würde interessieren, was du zu meiner Kritik am abduktiven Schuss sagst."


Bitteschön. Zunächst: Den abduktiven Schluss als solches kannst Du hier – da Methodik – nicht kritisieren, sondern nur die Adäquatheit der Anwendung. Eine besondere "abduktive Argumentation" gibt es also nicht.


Nunja, ich dachte, es sei eigentlich klar, was ich erfragte... Allein schon aus dem was ich schrieb - worauf zu beziehen ich dich gebeten hatte - geht ja wohl hervor, dass ich mit meiner Aufforderung nicht das implizieren wollte, was du hineinliest. Ich mein: Sowas solltest du eigentlich gewohnt sein - sagt jemand, er kritisiere ID, dann ist ja auch klar, dass er es nicht für zutreffend hält, er es aber in dem Sinne kritisiert, dass es ihm nicht "gefällt". Von demher denke ich, wäre es durchaus möglich gewesen meine sprachlich unsaubere Formulierung richtig aufzufassen, aber wie auch immer: Nachdem du (auch noch es hervorhebend!) diese Aussage gemacht hast, wundert mich jetzt eh nichts mehr:
Und selbstverständlich sind jegliche "Schlüsse", die von weltanschaulichen Voraussetzungen abhängig gemacht werden, Fehlschlüsse!

Lamarck hat gesagt…

Hi Christoph Heilig!


" Nunja, ich dachte, es sei eigentlich klar, was ich erfragte... Allein schon aus dem was ich schrieb - worauf zu beziehen ich dich gebeten hatte - geht ja wohl hervor, dass ich mit meiner Aufforderung nicht das implizieren wollte, was du hineinliest. Ich mein: Sowas solltest du eigentlich gewohnt sein - sagt jemand, er kritisiere ID, dann ist ja auch klar, dass er es nicht für zutreffend hält, er es aber in dem Sinne kritisiert, dass es ihm nicht "gefällt". Von demher denke ich, wäre es durchaus möglich gewesen meine sprachlich unsaubere Formulierung richtig aufzufassen, aber wie auch immer: […] "

In der Tat ist es klar, was Du erfragt hast. Möchtest Du nicht noch einmal über meine Antwort nachdenken, auch wenn es nicht das war, was Du erwartet hast? ;-)

Würdest Du Deine Kritik so stehen lassen, wenn der Blogger mit kaum ins Gewicht fallenden Änderungen zu dem "abduktiven Schluss" käme, Lamarck ist ein außerirdischer Osterhase?


" Nachdem du (auch noch es hervorhebend!) diese Aussage gemacht hast, wundert mich jetzt eh nichts mehr:
Und selbstverständlich sind jegliche "Schlüsse", die von weltanschaulichen Voraussetzungen abhängig gemacht werden, Fehlschlüsse! "


Zum besseren Verständnis: Es besteht ein gravierender Unterschied zwischen Wunschdenken und theoriegeleiteter Beobachtung; ebenso zwischen Dogmatik und Axiomatik. Wenn Du bei der Tätigkeit des Schließens das, was eigentlich geprüft werden soll (hier: Weltanschauung) schon hineinsteckst, dann kommt genau dieses auch wieder heraus. Ein solcher Zirkel ist selbstverständlich ein grober Fehler. Und weil hierzu gerne unzulässige Vermengungen stattfinden: Das hat nicht im Geringsten etwas damit zu tun, dass der Schöpfungsgedanke nicht zugelassen wird. Hypothesen darfst Du aufstellen, wie Du lustig bist - eine ganz andere Frage ist es jedoch, welche Haltbarkeitszeiten nun diesen Hypothesen beschieden ist.



Cheers,

Lamarck