Sonntag, September 14, 2008

BAP-Das Biologische Anthropische Prinzip

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass ich mich für eine teleologische Perspektive auf die Ursprungsfrage interessiere und diese gerne als fruchtbares Forschungsprogramm etabliert sähe. Ich habe auf diesem Blog auch schon dargelegt, weshalb die "Teleologisten" jedoch noch weit von einem solchen Erfolg entfernt sind, und was eine notwendige Bedingung für diesen wären.

An dieser Stelle möchte ich - nur kurz, vielleicht habe ich später mal mehr Zeit für eine detailliertere Kritik - auf einen Argumentationsstrang für "intelligentes Design" in der Natur eingehen, der meines Erachtens problematisch ist. Gerne lasse ich mich jedoch von Vertretern des ID-Ansatzes, die diesen Blog lesen, eines besseren belehren und überzeugen…

Die Argumentationslinie, die ich meine, wird von Mike Gene in seinem Buch "The Design Matrix" wohl am besten dargestellt. Reinhard Junker gibt sie in einer Rezension für diesen Blog wie folgt wieder:

"Schon die Existenz eines Codes kann eher als Hinweis auf Design denn als Hinweis auf eine nicht-teleologische Entstehung gewertet werden (Niemand würde sagen: ‚Weil es einen genetischen Code gibt, ist das Leben vermutlich ohne intelligente Ursache entstanden', S. 74)."

Generell ist das eine recht moderate Argumentationsweise, die mir daher weitaus sympathischer ist, als die Bekundigungen eines transsubjektiven Teleologie-Nachweises in der Biologie nach dem Muster Dembskis. Andererseits kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit dieser Aussage im Grunde gar kein Argument vorliegt.

Ein solches ID-Argument im Sinne Genes wäre ein abduktiver Schluss, wie ihn Reinhard Junker in einem Beitrag vorgestellt hat. Was ist nun das Problem mit dieser a posteriori-Folgerung? Das "Resultat" (Junker), also der Code, ist nach allem, was wir wissen, eine notwendige Voraussetzung für das Leben, und damit auch für den Wissenschaftler, welcher mit dem Phänomen dieses Codes konfrontiert wird. Wie soll nun dieses Resultat ("Code") als Argument für eine teleologische Ursprungssicht herangezogen werden, wenn ohne dieses Resultat überhaupt keine Überlegungen zu eben diesem Ursprung gemacht werden könnten? Es stimmt, niemand würde sagen: "Weil es einen genetischen Code gibt, ist das Leben vermutlich ohne intelligente Ursache entstanden." Aber ebenso wenig macht der Satz Sinn: "Weil es einen genetischen Code gibt, ist das Leben vermutlich durch intelligente Ursache entstanden."

Es gibt schließlich keine andere mögliche Beobachtung (kein Code), die zumindest prinzipiell möglich wäre. Also ist es schon deshalb
unmöglich , dass wir ein anderes Resultat als "Code" beobachten können.

Wirkliche Design-Argumente müssten doch viel mehr so strukturiert sein, dass sie sich auf Eigenschaften beziehen, deren Existenz unter der Vorgabe einer ateleologischen Entstehung der Welt nicht zu erwarten sind, unter der Vorgabe eines teleologischen Ursprungs jedoch möglich, beziehungsweise unter der Voraussetzung eines spezifischen Designers sogar zu erwarten sind. Außerdem darf es jedoch nicht sein, dass diese Eigenschaft vorliegen muss, damit wir überhaupt existieren können.

Als ich das erste mal "The Privileged Planet" sah, hatte ich denselben intuitiven Einwand: Da wurde von "Details" berichtet, was mich natürlich prinzipiell ansprach. Dann jedoch wurde die entscheidende Frage gestellt: Würde sich herausstellen, dass all diese Details – die uns ein Leben jenseits der bloßen Zweckmäßigkeiten, Forschung und vieles mehr ermöglichen – mit Parametern verbunden sind, die für die Existenz von Leben unerlässlich sind, oder nicht?

Beide Beobachtungen sind sicher mit einer teleologischen Perspektive kompatibel (nicht unbedingt mit jedem SD-Modell), aber als Argument für diese Ursprungssicht gegenüber der ateleologischen, hätte in meinen Augen nur die Beobachtung gegolten, dass wir Menschen astronomisch gesehen "verwöhnt" sind, mit Details, die genauso gut auch nicht vorliegen könnten. Stattdessen aber stellte sich heraus, dass diese Details sich aus lebensnotwendigen anderen Faktoren ergaben. Wo bleibt da das Argument? Wäre die Realität gegensätzlich gestaltet, dann läge doch eher ein Argument für Design vor: Angenommen, unsere Welt ist voller Details, die aber nicht da sein müssten, nur weil wir sie beobachten können, also existieren, dann stellt sich doch viel eher die Frage nach deren Herkunft, als wenn die Welt nur dann ohne sie sein könnte, wenn dadurch auch auf uns verzichtet würde.


 


 


 

10 Kommentare:

Klaus Lange hat gesagt…

Christoph, Du zeigt auf den entscheidenden Punkt, aber nimmst dann auch nicht die wirklichen - schon existenten - Argumente in Augenschein.

Die Frage ist doch aus der Wissenschaftsgeschichte heraus zu beantworten:

Haben denn Darwin und Co. damals aus ihrer Sicht überhaupt erwartet, dass es so etwas wie einen Code geben könnte, der die Lebensabläufe (sehr allgemein ausgedrückt) steuert?

Genau das wird doch von Behe mit "Darwin's Black Box" als Schlagwort ausgedrückt. Darwin wusste damals nicht nur noch nichts von einem Code, sondern sowas war auch nicht in seinem Erwartungshorizont. Rein mathematisch waren solche Codes aber damals schon prinzipiell bekannt, nur nicht in der Natur (So seien die Arbeiten von Leibniz zum Binärcode genannt. Leibniz argumentierte von Gott her).

Darwin selbst hatte ja auch in Anbetracht des Auges - also noch nicht auf Code-Ebene - ein Falsifikationskriterium genannt, das Du kennst. Heruntergebrochen auf einen nun nachgewiesenene Code in den Zellen lassen sich IDler ja gerade auf dieses Kriterium ein und führen so ihre Gegenthese an.

Aus der Wissenschaftsgeschichte kann man also ziehen, dass die damalige apriori Erwartung bei Evolutionisten nicht auf einen Code schließen ließen, bei Leute die eine planvolle Schöpfung vertraten, aber schon.

Vor diesem Hintergrund sind Aussagen von Gene/Junker in der Tat Argumente. Bei allen Detailfragen, die Du behandeltst vergiss bitte nicht den Kontext, sei es in der Geschichte oder in aktuellen Diskussionen.

Markus Rammerstorfer hat gesagt…

@Christoph

"Es gibt schließlich keine andere mögliche Beobachtung (kein Code), die zumindest prinzipiell möglich wäre. Also ist es schon deshalb
unmöglich, dass wir ein anderes Resultat als "Code" beobachten können."

Klaro ist es _technisch_ unmöglich, dass da kein Code ist, sonst würden wir nicht existieren. Zumindest wissen wir das heute - Klaus Lange hat diesen Gedanken verfolgt. Es kommt aber in dem Fall weniger auf die Beobachtung sondern auf die Denkmöglichkeit an. Immerhin wäre es _denkmöglich_ dass kein Code existiert. Wir können uns also sehrwohl verschiedene Szenarien überlegen und sie teleologischen oder nicht-teleologischen Ursprungskonzepten gegenüberstellen, Muster: 'Wenn ungerichtete Abläufe, wie ist dann der Ursprung von etwas möglich, für das man in unserem Erfahrungsbereich viel Intelligenz benötigt...? Wie hätte dieses und jenes Problem überwunden werden sollen...?" Und dann kommt man sehr schnell in die Richtung der Aussage von Reinhard Junker.

Wenn Du mit Gedächtnisverlust auf dem Mond aufwachst und entdeckst, dass Du Ausrüstung zum Überleben mit hast (Sauerstoff, Nahrung etc.), wirst Du vermutlich nicht argumentieren: "Ok, die Tatsache, dass ich all dieses Zeug mit habe, ist kein Argument für Intentionalität, weil hätte ich die Sachen nicht, wäre ich schon tot und könnte die Frage nicht stellen. Es ist also eh nur die Beobachtung möglich, dass ich die Ausrüstung habe... - no big deal, kein Argument dafür, dass mich jemand absichtsvoll hier ausgesetzt hat oder ich mich selbst vor dem Verlust des Gedächtnis mit Absicht in die Situation gebracht habe"

Im Gegenteil würdest Du in dieser Situation wohl erkennen, dass das denkmögliche Szenario wo Deine sterblichen Überreste die Mondoberfläche zieren, logischerweise zu a-teleologischen Herkunftszenarien passt. Dass Du dann nicht existieren würdest um darüber nachzusinnen ist irrelevant. Das tatsächlich eingetroffene Szenario passt in dem krassen Beispiel dagegen zur teleologischen Ursprungssicht.

"Außerdem darf es jedoch nicht sein, dass diese Eigenschaft vorliegen muss, damit wir überhaupt existieren können."

Damit würdest Du also Deine Überlebensausrüstung auf dem Mond nicht als Evidenz für Intentionalität werten, den kleinen überflüssigen Gameboy mit dem Spiel Super Mario Brothers schon?

"hätte in meinen Augen nur die Beobachtung gegolten, dass wir Menschen astronomisch gesehen "verwöhnt" sind, mit Details, die genauso gut auch nicht vorliegen könnten"

Nach meiner Auffassung hat 'Privileged Planet'übrigens genau das gezeigt. Oder haben die wirklich argumentiert, dass die Faktoren, die nützlich für die Forschung sind, sich zwingend aus den Gegebenheiten ergeben, die allgemein für intelligentes Leben notwendig sind? Vielleicht hab ich das übersehen, hab nur die DVD mal schnell angesehen und das Buch nicht gelesen. Kosmologische Design-Argumente hatten nie meine Hauptaufmerksamkeit.

Wenn Dein Anliegen ist, zu argumentieren, dass aus einer teleologischen Perspektive heraus konkrete Vorhersagen getätigt werden sollten, stimme ich überein.

Marco hat gesagt…

@Klaus
"Aus der Wissenschaftsgeschichte kann man also ziehen, dass die damalige apriori Erwartung bei Evolutionisten nicht auf einen Code schließen ließen, bei Leute die eine planvolle Schöpfung vertraten, aber schon."

Welche Leute haben vor Darwin und basierend auf dem Glauben an einen planvollen Schöpfer auf eine Art genetischen Code (o.ä.) geschlossen?

Christoph Heilig hat gesagt…

Klaus:

„Christoph, du […] nimmst dann auch nicht die wirklichen - schon existenten - Argumente in Augenschein.[…] Bei allen Detailfragen, die Du behandeltst vergiss bitte nicht den Kontext, sei es in der Geschichte oder in aktuellen Diskussionen.“

Mir geht es vor allem um eines: Inwiefern ist der Verweis auf eine lebensnotwendige Struktur ein besseres Argument für Design, als der Verweis auf eine uns gefällige – aber nicht lebensnotwendige – Einrichtung?

Markus:
„. Immerhin wäre es _denkmöglich_ dass kein Code existiert.“
Nicht, so lange Du dein Gehirn, mit dem Du das denkst, auf diesen Code als notwendige Bedingung zurückführst.
Zum Mond-Beispiel: Trifft das die Situation wirklich? Wieso nicht so: Du wachst auf dem Mond auf (wieder ohne Erinnerung) und bist von einer Blumenwiese umgeben. Was ist nun das stärkere Argument für einen spezifischen Designer nach deinem eigenen Bilde: Die Blumenwiese versorgt dich mit Sauerstoff, ohne die Wiese hättest du also gar nicht aufwachen können. Oder: Sauerstoff existiert da aus irgendeinem anderen Grund, aber du hast dennoch diese Wiese da, die dich mit ihrem Duft und ihren Farben erfreut.

„Damit würdest Du also Deine Überlebensausrüstung auf dem Mond nicht als Evidenz für Intentionalität werten, den kleinen überflüssigen Gameboy mit dem Spiel Super Mario Brothers schon?“
Das Beispiel hinkt ein wenig, weil ich besagte Ausrüstung so wie deren Urheber ja kenne, aber generell: Ja. Mir geht es vor allem um eines: Ist der Gameboy ein schlechteres Argument?

darwin upheaval hat gesagt…

@ Christoph:

Kompliment zu Deinem Text. Nicht schlecht!

Es ist in der Tat so, wie Du schreibst: Aus dem "anthropischen Prinzip" folgt nichts hinsichtlich der Bedingungen eines Schöpfungsaktes. Wir sind auf dieser Welt, WEIL es einen "genetischen Code" gibt, das ist natürlich völlig trivial. Gäbe es keinen Code, wären wir nicht hier. Die Folgerung, dass all diese Dinge existieren DAMIT es uns gibt, muss dagegen immer als unbegründete Anfangsbedingung vorausgesetzt werden.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass dies gleichermaßen für die "Feinabstimmung" der Naturkonstanten in diesem Universum gilt. Auch der Begriff "genetischer Code" ist, wenn man ihn wörtlich nimmt, eigentlich irreführend. Es ist ja kein Code im kryptografischen Sinne, sondern eine Funktions-Struktur-Beziehung. So einfach, wie Junker sich das vorstellt, nämlich allein schon aus der Homonymie des Begriffs "Code" auf die Plausibilität einer Planung des genetischen "Codes" zu schließen, ist es nun wirklich nicht.

Andreas hat gesagt…
Dieser Post wurde vom Autoren entfernt.
Andreas hat gesagt…

"Haben denn Darwin und Co. damals aus ihrer Sicht überhaupt erwartet, dass es so etwas wie einen Code geben könnte, der die Lebensabläufe (sehr allgemein ausgedrückt) steuert?"
- Beeindruckend. Darwin, der nicht einmal wissen konnte was ein Gen ist, hat den genetischen Code nicht vorhergesagt, wenn das mal nicht ein schlagendes Argument ist...

"Rein mathematisch waren solche Codes aber damals schon prinzipiell bekannt, nur nicht in der Natur (So seien die Arbeiten von Leibniz zum Binärcode genannt. Leibniz argumentierte von Gott her)."
- Aha. Leibniz war zufälligerweise Christ und hat als erster die Effizienz von binärer Arithmetik demonstriert. Wenn man dann noch einfach ignoriert das der genetische Code und binäre Arithmetik nicht das geringste miteinander zu tun haben folgt dann daraus selbstverständlich folgendes:
"Aus der Wissenschaftsgeschichte kann man also ziehen, dass die damalige apriori Erwartung bei Evolutionisten nicht auf einen Code schließen ließen, bei Leute die eine planvolle Schöpfung vertraten, aber schon."
Ernsthaft, merkst du eigentlich nicht das deine Argumentation völlig willkürlich ist ?

"Darwin selbst hatte ja auch in Anbetracht des Auges - also noch nicht auf Code-Ebene - ein Falsifikationskriterium genannt, das Du kennst. Heruntergebrochen auf einen nun nachgewiesenene Code in den Zellen lassen sich IDler ja gerade auf dieses Kriterium ein und führen so ihre Gegenthese an."
- Noch so ein Hammerargument, aus einer falsifizierten Evolutionstheorie folgt natürlich "Design"!
Um es sich ganz einfach zu machen ignoriert man dabei dann einfach den Stand der Forschung und falsifiziert die Ansichten von vor 150 Jahren, wenn Wissenschaft nur auch so einfach wäre...

Reinhard Junker hat gesagt…

@ Darwin Upheaval:

"So einfach, wie Junker sich das vorstellt, nämlich allein schon aus der Homonymie des Begriffs "Code" auf die Plausibilität einer Planung des genetischen "Codes" zu schließen, ist es nun wirklich nicht."

Sie wissen ja, dass ich ein schlechtes Gedächtnis habe und nicht mehr weiß, was ich schon geschrieben habe ;-) Helfen Sie mir auf die Sprünge und sagen mir, wo ich das oben Zitierte geschrieben habe?

Reinhard Junker hat gesagt…

Also:
Ich habe geschrieben und dabei Mike Gene referiert:
"Im folgenden Abschnitt II.4 geht es um den genetischen Code als konkretes Beispiel. Schon die Existenz eines Codes kann eher als Hinweis auf Design denn als Hinweis auf eine nicht-teleologische Entstehung gewertet werden (Niemand würde sagen: „Weil es einen genetischen Code gibt, ist das Leben vermutlich ohne intelligente Ursache entstanden“, S. 74)."

Lamarck hat gesagt…

Hi Christoph Heilig!

»Es stimmt, niemand würde sagen: "Weil es einen genetischen Code gibt, ist das Leben vermutlich ohne intelligente Ursache entstanden." Aber ebenso wenig macht der Satz Sinn: "Weil es einen genetischen Code gibt, ist das Leben vermutlich durch intelligente Ursache entstanden."«

Schaue Dir einmal den "Tanzcode" der Honigbienen an - lässt sich dadurch behaupten, dass, wenn es einen "Tanzcode" der Honigbienen gibt, dann das Leben durch intelligente Ursache entstanden ist?

Schaue Dir weiters das Handicap-Prinzip von Zahavi & Zahavi an - lässt sich dadurch, das bsw. ein potentielles Beutetier in der Lage ist, durch sein Verhalten einem entsprechenden Beutegreifer "signalisieren" zu können, dass dessen "beabsichtigtes" [sic!] Unterfangen aussichtslos ist, behaupten, dass dann das Leben durch intelligente Ursache entstanden ist?

Schaue Dir nun einen Programmierer an - lässt sich dadurch behaupten, dass, wenn ein Programmierer in der Lage ist, zu coden, dann das Leben durch intelligente Ursache entstanden ist?




Cheers,

Lamarck