Dirac und die Antimaterie
Unabhängig davon ob man Zahlen (nicht ihr Formalismus, die Ziffern) als menschliche Erfindungen ansieht, oder als etwas, was Menschen nur als Abstraktion von gegebenen Verhältnissen (Anzahl von materiellen Objekten) gefunden haben, weil Zahlen an sich den grundlegenden Bauplan der Natur bilden, so kann man diese analysieren.
So zeichnet sich die 9 aus, weil sie eine Ganzzahl als Wurzelausdruck besitzt. Jedoch scheint das nur künstlich konstruiert zu sein, denn die gefundnen/erfundenen Rechenoperationen liefern scheinbar unnötigen Ballast, denn es ist nicht nur 3*3 = 9, sondern auch (-3) * (-3) = 9.
Quadratzahlen kann man sich in der Berechnung von Grundstückflächen sehr gut vorstellen, jedoch fragt man sich unweigerlich, was denn ein 9 Quadratkilometer großes Grundstück sein soll, das aus negativen Seitenlängen etwa (-3) * (-3) = 9 gebildet wird?
So betrachtet haben wir wieder einmal eine der typischen Modellfehlkonstruktionen. Wirklich? Ähnlich erging es Paul Dirac der bei seiner Formulierung der Vereinigung von spezieller Relativitätstheorie und Quantenmechanik physikalisch bis dato nicht sinnvolle Lösungen erhielt. Neben den bekannten Teilcheneigenschaften gab es auch solche, die bei der Ladung ein umgekehrtes Vorzeichen besaßen (bei gleicher Masse). In unserem Bild also negative Seitenlängen. Nur gut, dass Paul Dirac 1928 seine Theorie dennoch verteidigte. Er hatte ein sehr großes Vertrauen in die Mathematik und meinte, dass es für diese Lösungen auch eine sinnvolle Entsprechung in der Natur geben muss. Sonst, so seine Überlegung, würde die Mathematik diese Lösungen einfach nicht anbieten.
Dirac kam zu dem Schluss, dass es zur bekannten Materie eben auch eine Art von Anti-Materie geben müsste. Selbstverständlich wurde dies als pure Spekulation von den Physikern damals abgelehnt. Doch glücklicherweise dauerte es in diesem Fall nicht lange, dass Anti-Materie mit dem angegebenen Vorzeichenwechsel bei der Ladung gefunden werden konnte, was Dirac den Nobelpreis einbrachte.
Doch nicht immer hat man soviel Glück, dass eine rein mathematische Vorhersage eine schnelle Bestätigung findet. Das hängt auch vom Gegenstand der Betrachtung ab.
Sind wir aber wie Dirac der Meinung, dass Lösungen, die uns die Mathematik in einem entsprechend konsistenten Rahmen anbietet, auch Entsprechungen in der Natur haben sollten, eben weil wir von der Mathematik als Fundament der Welt, von einer inneren Logik des Aufbaus, ausgehen, dann können wir entsprechende Erwartungshaltungen formulieren und gelassen den Messungen zukünftiger Forscher entgegensehen.
Vervollständigung der physikalischen Symmetrien als Designsignal
In der Physik betrachtet man unter anderem Raum-Zeit-Symmetrien. Darunter versteht man die Koordinatenunabhängigkeit bezüglich grundlegender Bewegungen. So darf keine gleichförmige Bewegung zu einer beschleunigten Bewegung werden, nur weil wir eine Änderung des Referenzsystems, in dem wir die Bewegung beschreiben, vornehmen.
Man unterscheidet in diesem Sinne drei Raum – Zeit – Symmetrien:
- Verschiebung des räumlichen Koordinatenursprungs: Wenn ich das Koordinatensystem um einen Betrag delta verschiebe, dann ändert sich nichts an den Naturgesetzen.
- Drehung des räumlichen Koordinatensystems: Eine Drehung des Koordinatensystems um den Ursprung mit einen Winkel alpha ändert auch nichts an den Naturgesetzen.
- Verschiebung des Nullpunkts der Zeitachse: Eigentlich, wenn wir mit Minkowski von der Einheit von Raum und Zeit in einer Raumzeit ausgehen, ist dieser Punkt schon in der Verschiebung des Koordinatenursprungs enthalten, wenn wir raumzeitliche Koordinaten betrachten. Es soll aber hier noch einmal verdeutlicht werden, dass eine Änderung der Zeitachse keine Auswirkung haben dürfen. Wenn ich meine Uhrzeit umstelle, dann ändere ich natürlich nicht meine Naturgesetze. Ich habe nur eine neue Uhrzeit.
Gibt es noch mehr Symmetrien? Ja! Neben diesen äußeren Symmetrien gibt es noch die inneren Symmetrien der Teilchenwelt {1}. Im Jahre 1967 wurde bewiesen, dass die äußeren und inneren Symmetrien nie gemischt seien {2}. Doch dieser Beweis galt nur unter bestimmten Voraussetzungen und es zeigte sich, dass diese Voraussetzung zu speziell war {3}.
Bei Berechnungen zur Stringtheorie, wenn man statt Punktteilchen nun Teilchen mit eindimensionaler Ausdehnung verwendet, entdeckte 1971 Pierre Ramond die rein mathematische Möglichkeit einer weiteren Symmetrie {4}, die später so genannte Supersymmetrie, die aber bislang nicht experimentell beobachtet wurde. Es stellte sich heraus, dass diese Supersymmetrie auch auf Punktteilchen anwendbar war {5}, wenn auch nicht mit der gleichen Notwendigkeit wie bei der Stringtheorie {6}.
Wenn wir der Mathematik genauso vertrauen, wie Dirac dies tat, dann neigt man zu der Annahme, dass es aus Gründen der mathematischen Vollständigkeit eben auch diese noch ausstehende Symmetrie in der Natur geben muss. In der Konsequenz bedeutet das nichts weniger als ein Kriterium zur Falsifizierung des Prinzips, dass die Natur einem mathematischen Design unterliegt.
Max Tegmark bezeichnet ein solches Design als mathematisches Universum, das als abstrakte Struktur unabhängig vom Menschen (oder anderer außerirdischer Intelligenz) existiert:
I explore physics implications of the External Reality Hypothesis (ERH) that there exists an external physical reality completely independent of us humans. I argue that with a sufficiently broad definition of mathematics, it implies the Mathematical Universe Hypothesis (MUH) that our physical world is an abstract mathematical structure. I discuss various implications of the ERH and MUH, ranging from standard physics topics like symmetries, irreducible representations, units, free parameters, randomness and initial conditions to broader issues like consciousness, parallel universes and Gödel incompleteness. I hypothesize that only computable and decidable (in Gödel’s sense) structures exist, which alleviates the cosmological measure problem and may help explain why our physical laws appear so simple. [1]
Sind alle mathematisch möglichen Lösungen im genannten konsistenten Rahmen der MUH, so auch bei den Symmetrien, verwirklicht, dann haben wir es mit einem mathematischen Designsignal zu tun. Ist diese mögliche Symmetrie nicht Bestandteil der Natur, dann wäre dieses Universum mathematisch unvollständig, wir können dann nicht von einem mathematischem Design {7} des Universums sprechen, sondern müssen uns mit einem Flickenteppich aus realisierten und nicht realisierten Teillösungen begnügen, was immer man daraus auch philosophisch schließen möchte.
Drehimpuls und Spin
Schauen wir uns die Grundlagen dieser Supersymmetrie genauer an. Im quantenmechanischen Rahmen gibt es bezogen auf die Teilchen Symmetrieeigenschaften. Es gibt Symmetrie bezüglich von Translation in Raum und Zeit und auch bei Rotation. Hier müssen wir aber Drehimpuls und Spin unterscheiden.
Stellen wir uns den Drehimpuls mittels eines Pfeils parallel zur Rotationsachse vor. Die Ausrichtung der Pfeilspitze wählen wir so, dass von ihrem Ende aus gesehen das Objekt entgegen dem Uhrzeigersinn rotiert. Die Länge des Pfeils zeigt den Betrag des Drehimpulses an, der zur Drehgeschwindigkeit des Objektes und seines Trägheitsmomentes proportional ist. Der Drehimpuls eines rotierenden klassischen Objektes (zum Beispiel eines Planeten) bleibt ohne einwirkende Drehkräfte unverändert.
Wir geben nun eine beliebige Richtung im Raum vor und erhalten so die senkrechte Projektion des Drehimpulspfeils auf diese Raumrichtung. Wir erhalten einen kürzeren oder gleichlangen Komponentenpfeil, der entgegen oder in der vorgegebenen Raumrichtung zeigen kann. Diese Komponente erhält ein negatives Vorzeichen, wenn der Pfeil entgegen der vorgegebenen Richtung ausgerichtet ist. Nennen wir die Länge des Drehimpulspfeils L und die Länge der Drehimpulskomponente K inklusive Vorzeichen, so kann K kontinuierlich alle Werte zwischen -L und L annehmen, je nach gewählter Raumrichtung. Die Drehimpulskomponente ist dann am größten, wenn die vorgegebene Richtung mit der Richtung des Drehimpulspfeils übereinstimmt (K = L) oder entgegengesetzt ausgerichtet ist (K = -L).
Gehen wir genauso bei einem Elektron vor, so erleben wir eine Überraschung. Statt kontinuierlicher Werte zwischen -L und L messen wir für die Komponente nur zwei Werte, entweder den Wert L oder –L. Dabei hat L den Wert ½ {8}. Das Elektron besitzt somit den Spin ½. Generell lässt sich feststellen, dass die maximale Spinkomponente eines jeden Teilchens ein ganzes Vielfaches von ½ beträgt, kurz: n/2 mit n als eine positive ganze Zahl einschließlich Null.
Damit sind aber nun auch Spin-Werte möglich, wie 0 (bei n=0) oder 1 (bei n=2) oder aber auch 3/2 (bei n=3) usw {9}.
Supersymmetrie
Es gibt also vom Spin her betrachtet zwei große Teilchensorten. Solche mit ganzzahligem Spin (0, 1, 2, …) und solche mit halbzahligem Spin (1/2, 3/2, 5/2, …). Diese Unterscheidung ist so wichtig, dass man eigene Namen diesen beiden Teilchensorten gab. Die Teilchen mit ganzzahligem Spin nennt man Bosonen {10} und den Teilchen mit halbzahligem Spin Fermionen {10}.
Bosonen treten in der Natur als Wechselwirkungsteilchen auf. Sie übertragen eine Kraft. Die Lichtteilchen – Photonen – zum Beispiel haben den Spin 1 und die – noch nicht direkt nachgewiesenen – Gravitonen als Träger der Gravitationskraft haben den Spin 2.
Hingegen bilden Fermionen die Materieteilchen. So haben wir im Beispiel des Elektrons schon gesehen, dass es den Spin ½ besitzt. Dies gilt auch für die Quarks, auch sie haben den Spin ½. Aus den Quarks bestehen wiederum die bekannten Protonen und Neutronen.
Warum die Natur diese Zweiteilung von Materie- und Wechselwirkungsteilchen vornimmt, blieb ein Mysterium. Die Supersymmetrie zeigt nun, dass jedem Boson ein Fermion zugeordnet ist und umgekehrt. Zwischen Bosonen und Fermionen besteht also eine Symmetrie. Wechselwirkungsteilchen und Materieteilchen sind somit zwei Seiten einer Medaille.
Das Bild der Medaille veranschaulicht uns auch sehr schön, warum in diesem Zusammenhang bestehende Symmetriebrüche in der Physik unschädlich sind. Bei physikalischen Symmetrien kommt es darauf an, dass man zeigt, dass zwei verschiedene Seiten - hier Bosonen und Fermionen - zu einer Medaille gehören.
Selbstverständlich müssen die sogenannten Superpartner der bestehenden Elementarteilchen um einiges mehr Masse besitzen, weil man sie ja sonst schon gesehen hätte. Diese Asymmetrie bezüglich der Massen tut aber der Supersymmetrie der Fermionen - Bosonen - Verbindung keinen Abbruch. Die beiden Seiten der einen Medaille dürfen, um im Bild zu bleiben, unterschiedliche Prägungen tragen und auch aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Die physikalische Symmetrie besteht darin, dass sie zu der einen Medaille gehören {11}.Zumindest bezüglich der Symmetrie erscheint die Natur mit der Supersymmetrie als wie aus einem Guss {12} mathematisch designt.
Vertiefende Anmerkungen
{1} Diese sind mit den inneren Eigenschaften der Elementarteilchen verknüpft. So gibt es Gruppen von Teilchen (Nukleon, Pion, Kaon, …) mit jeweils fast gleicher Masse aber verschiedener elektrischer Ladung. Dieser Massenentartung liegt die Isospin - Symmetrie der Gruppe SU(2) zugrunde. Eben weil Hadronen aus Quarks zusammengesetzt sind. Wir müssen den Isospin der Quarks berücksichtigen.
{2} Das Coleman – Mandula Theorem. Beispielsweise tragen die in {1} genannten Quarks nun so genannte Farbladungen („rot“, „grün“, „blau“), die sich zu „weiß“ addieren. Es gibt nun keine Abhängigkeit von etwa Farbladung und der Drehrichtung des Hadrons.
{3} Gemeint ist die Voraussetzung, dass innere wie auch die Raum-Zeit-Symmetrie durch eine Lie Gruppe darstellbar sind. Die Raum-Zeit-Symmetrien (als Poincaregruppe) und die Eichsymmetrien genügen dieser Anforderung. Nun gibt es aber verschiedene Lie Gruppen, die dieselbe Lie Algerba haben. Somit ist in der Quantentheorie weniger die Lie Gruppe sondern die Lie Algebra entscheidend. Kurz: Man darf die ursprüngliche Voraussetzung fallen lassen, in dem man neben den antisymmetrischen Kommutatoren nun auch symmetrische Antikommutatoren zulässt. Die Poincaregruppe wird somit erweitert und damit auch die Raum-Zeit-Symmetrie. Diese Erweiterung ist eine mathematisch mögliche Symmetrie der Quantentheorie.
{4} Tatsächlich ging man der Frage nach, ob man nicht gleich noch weitere mögliche Symmetrien übersehen hatte. Aber es ist diesbezüglich bewiesen, dass es keine weitere Symmetrie der Quantentheorie geben kann. Die Supersymmetrie würde die Symmetrien der Quantenmechanik abschließend vervollständigen.
{5} Dabei handelt es sich um das bahnbrechende Modell von Wess und Zumino aus dem Jahre 1973.
{6} Das Standardmodell mit seinen Punktteilchen kommt auch ohne die Supersymmetrie aus, sie verbietet diese aber nicht. Hingegen würde die Superstringtheorie sofort falsifiziert, wenn man beweisen könnte, dass die Supersymmetrie auf Teilchenebene nicht in der Natur vorkommt. Genau darum geht es bei den Messungen am LHC vom CERN. Die Stringtheorie war bis 1971 zwar ein interessantes Modell, doch hatte es den Schönheitsfehler, dass man die eindimensionalen Fadenteilchen nur auf Bosonen anwenden konnte. Erst die Berechnungen von Ramond 1971 zeigten, dass sie auch für Fermionen über die Verknüpfung mit den Bosonen durch eine mögliche Supersymmetrie gelten kann. Die Supersymmetrie wurde daher erstmals durch Berechnungen im Rahmen der Stringtheorie als physikalische Möglichkeit erkannt. Für die Stringtheorie ist sie eine physikalische Notwendigkeit.
{7} Wie auch auf meiner Blog-Seite im Untertitel zu sehen präferiere ich stets den Begriff des mathematischen Designsignals. Ob man sich ein mathematisches Design nur als Ausdruck einer persönlichen Intelligenz vorstellen kann oder doch andere Ursachen bevorzugt, hängt wohl von der philosophischen Prägung ab. Mathematisches Design ist eine unabhängige Abstraktionsstufe. Somit kann man mich fachlich in erster Linie als Anhänger der MUH – Mathematical Universe Hypothesis – (s.[1]) betrachten. Dennoch will ich nicht verhehlen, dass ich persönlich den Ursprung des mathematischen Designs stets als von einem Logos kommend betrachte (Evangelium nach Johannes, Kapitel 1 Vers 1).
{8} Das Plancksche Wirkungsquantum als Faktor mit der doppelten Kreiszahl pi lässt man weg, um es nicht immer mitschreiben zu müssen. Der exakte Wert wäre eigentlich ½*(h/(2 pi)).
{9} Die Messwerte können auch negative Werte annehmen, was ja mit der Ausrichtung des Drehimpulspfeils zusammenhängt.
{10} Bosonen sind nach indischen Physiker Satyendra Nath Bose benannt. Fermionen sind nach dem italienischen Physiker Enrico Fermi benannt.
{11} Gleiches gilt auch bezüglich der CP-Verletzung, die ja nur für die schwache Wechselwirkung gilt. Für die starke wie auch für die elektrische ist die Symmetrie vollständig verwirklicht. In der kombinierten CPT-Symmetrie gilt sie sogar auch für die schwache Wechselwirkung. Was die mathematischen Gleichungen im konsistenten Rahmen (siehe [1]) zulassen, ist verwirklicht. Das gilt für die Symmetrien, wie auch für ihre partiellen Verletzungen.
{12} Interessant ist, dass erst durch die Supersymmetrie auch eine exakte Vereinigung von starker und schwacher Kernkraft mit der elektromagnetischen Kraft möglich wird.
Weiterführende Literatur
[1] The Mathemtical Universe, Max Tegmark, 2007, arXiv:0704.0646v1.pdf
[2] Memoirs of an early string theorist, P. Ramond, 2007, arXiv:0708.3656v1.pdf
[3] An Introduction to Supersymmetry, J. Lykken, 1996, hep-ph/9612114


16 Kommentare:
Warum zählt die verletzte CP-Symmetrie nicht als Gegenbeispiel zur These des vollständig symmetrischen Universums?
Symmetriebruch bedeutet nicht Symmetrielosigkeit, wo Symmetrie möglich ist. Die CP-Verletzung ist ja letztlich dafür verantwortlich, dass es ein Überschuss von Materie zu Anti-Materie gibt, sonst hätte sie sich gegenseitig aufgehoben. Dennoch gibt es Anti-Materie, die Symmetrie existiert, nur eben in einem gebrochenem Zustand (das gleiche gilt offenschtlich für die SUSY, sonst hätte man ja die Superpartner längst gefunden, sie haben aber eine viel größere Masse).
Aber: Wenn auch die CP-Symmetrie verletzt ist, so ist doch die kombinierte CPT-Symmetrie nach wie vor gültig. Bei dem mathematischem Design ist also die grundsätzlich mögliche zur vorhandenen Symmetrie ausschlaggebend. Aus welchem Grunde sozusagen die Symmetrieachse verzerrt wurde (aber immer noch vorhanden ist), ist eine andere Frage:
Das Haus wurde nach symmetrischen Gesichtspunkten wunderbar konsistent gebaut, warum aber später ein Baum aufs Dach gefallen ist und somit die Dachsymmetrie verletzt, ändert nichts an der symmetrischen Grundausrichtung des Daches. Anhand der anderen Dachseite lässt sich die ursprüngliche Symmetrie gedanklich rekonstruieren und erkennen, dass auch das beschädigte Dach im Grunde der Symmetrie gehorcht.
Ich denke nicht, dass Deine Analogie greift.
Die CP-Symmetrie ist nicht erfüllt. Materie und Antimaterie hätte es auch ohne diese Asymmetrie gegeben, und auch noch in schön symmetrischer Zahl, jedenfalls solange sie sich nicht gegenseitig vernichtet hätten...
Das allgemeine Design-Prinzip eines mathematisch symmetrischen Universums ist also nicht haltbar (sonst sähe es wohl ganz anders aus, oder wäre nicht vorhanden, was dann schon wieder ein recht symmetrischer Zustand wäre ;-) !)
Irgendwie wirkt Dein Gegenargument dadurch etwas willkürlich: Wir erwarten überall Symmetrie, außer da, wo wir sie aus bestimmten Gründen halt nicht erwarten!?
Was ist eigentlich mit der Zeit? Wären nicht Universen mit zeitlicher Symmetrie und einer entsprechenden Thermodynamik zumindest denkbar?
Mein Argument ist schon sehr stichhaltig wenn es um das Vorhandensein einer physikalischen Symmetrie geht. Ist diese Symmetrie mathematisch möglich und dann auch physikalisch real vorhanden, ist es ein mathematisches Designsignal.
Das solche physikalischen Symmetrien verletzt sein dürfen steht der Existenz des Symmetrieprinzips ja nicht entgegen.
Die physikalische Symmetrie ist wie das Vorhandensein zweier Seiten einer Münze. Auch wenn jede Seite eine andere Prägung hat ist die Münze dennoch symmetrisch (Du kannst auch einen Würfel nehmen etc.).
Kommen wir auf die SUSY zurück. Ist eine Symmetrie, also eine Dualrelation, zwischen Bosonen und Fermionen mathematisch möglich? Ja! Ist sie realisiert? Unbekannt. Wenn ja, dann ist diese einzig noch ausstehende Symmetrie ein Signal für mathematisches Design i.S. eines mathematischen Universums (hast Du die angegebene Arbeit von Max Tegmark gelesen? Zum besseren Verständnis ist das eine Pflichtlektüre).
Deine Gegenposition ist im Sinne der SUSY dann: Naja, die sind ja nicht wirklich symmetrisch, die SUSY-Partner haben ja viel größere Massen. Und? Du argumentierst mit der unterschiedlichen Prägung auf den beiden Seiten der Münze. Ich arguemntiere fundamentaler mit der Tatsache, dass diese beiden Seiten überhaupt zwei Seiten einer Münze sind. Darin besteht das Wesen einer physikalischen Symmetrie und meine Argumentation. So auch bezüglich der CP-Verletzung, die ja als fundamentale Symmetrie in der kombinierten CPT Symmetrie doch zeigt, dass sie vorhanden ist.
Es geht um die physikalischen Symmetrie-Fundamente des Universums. Eben dass es neben Materie auch Antimaterie ohne wie auch mit dieser Symmetrieverletzung gibt, wie ich schon sagte, zeigt die Gültigkeit der Symmetrie trotz der Verletzung. Nur durch die Verletzung haben wir eben den Materie-Überschuss, was uns den Grund gibt, warum wir aus Materie und nicht aus Anti-Materie bestehen, auch das habe ich ausgeführt. Die grundlegende Existenz der Symmetrie ist also mathematisch möglich und auch physikalisch real. Das ist das mathematische Design darin. Die minimale Verletzung von CP ist für diesen Aspekt der Symmetrie-Existenz unschädlich.
Meine Analogie ist konsistent. Dein Einwand trifft nicht den Kern meiner Ausführungen im Rahmen des mathematischen Universums und wie man dieses erkennen kann.
Ok, noch mal von vorne, Zitat:
"Sind alle mathematisch möglichen Lösungen, so auch bei den Symmetrien, verwirklicht, dann haben wir es mit einem mathematischen Designsignal zu tun."
Die CP-Symmetrie ist mathematisch möglich und physikalisch nicht verwirklicht. Für die Zeit gilt das gleiche (soweit ich weiss...).
Da also nicht alle mathematisch möglichen Symmetrien physikalisch realisiert werden, ist dieses Designargument hinfällig. Wie gesagt, es wirkt sehr seltsam, wenn Du Dir die möglichen Symmetrien, die Du betrachtest scheinbar nach Belieben auswählst (immerhin gibt es diese teilweise symmetrischen Teilchen und Antiteilchen, immerhin gibt es die CPT Symmetrie usw...).
Wie auch immer. Ich denke noch nicht mal, dass es ein Designsignal wäre, wenn tatsächlich alle Symmetrien verwirklicht wären. Was spräche dagegen, dass das Universum aufgrund innerer Zusammenhänge, die wir noch nicht kennen, nur genau symmetrisch aufgebaut sein kann? Oder was ist, wenn sich nur in Universen, die entsprechenden Gesetzen gehorchen Leben ausbilden kann, welches sich dann irgendwann über so was Gedanken machen kann? Genausowenig denke ich übrigens, dass es gegen Design spricht, wenn man nicht verwirklichte Symmmetrien findet, da der Designer ja schließlich auch gewissen Zwängen unterworfen gewesen sein könnte. Im Grunde genommen kommen wir da auf den Punkt zurück, den Christoph hier unlängst diskutiert hat: Du schreibst dem Designer eine bestimmte Art von Design zu (alles symmetrisch), ohne dass Du dafür eine Grundlage hast.
Brauchbar wäre folgende Argumentation:
Hypothese: Der Designer hat alles perfekt symmetrisch designed, mathematisch mögliche Symmetrien sind physikalisch verwirklicht.
Dies kannst Du dann an der Realität testen und so Dein Modell stärken/widerlegen. Das funktioniert hier, weil man so einen spezifischen Designer postuliert hat!
Was Du aber machst, ist folgendes:
Hypothesen:
1. Wir nehmen an, dass ein Universum, in dem mathematische Symmetrien physikalisch verwirklicht sind, eher für Design sprechen.
2. Wir nehmen zusätzlich an, dass das Universum designed ist.
Offensichtlich untersucht man durch die Analyse von realisierten Symmetrien nicht Hypothese 1! Diese ist völlig willkürlich und nur wenn diese gültig ist, was unabhängig zu zeigen wäre, ist ein Test auf Symmetrie ein Test von Hypothese 2.
In einem hochsymmetrischen Universum ist Leben nicht möglich. Erst durch fortschreitenden Symmetriebruch bekommt das Universum Struktur. Daher halte ich den Versuch, Symmetrien als Design-Signal zu interpretieren, für eine schiefe Angelegenheit. Mal ganz davon abgesehen, dass hier eigentlich nur Zahlenmystik betrieben wird. Ich könnte auch Dein Geburtsdatum so auseinander klamüsern, um zu "zeigen", dass darin "göttliche Zahlen" versteckt sind.
Die letzten beiden Kommentare wären nicht möglich, wenn man sich mit der Arbeit von Max Tegmark beschäftigt hätte.
Zum Symmetriebegriff. Das eine verletzte Symmetrie als nicht-realisierte Symmetrie aufgefasst wird, zeigt mir nur, dass auch hier der physikalische Symmetriebegriff nicht nachvollzogen wurde:
Die CP Symmetrie ist möglich und realisiert, wenn auch in einem heute gebrochenen Zustand. Die heute bestehende Verletzung der CP Symmetrie, die aber nunmal vorhanden ist, wird sogar in Kombination der CPT Symmetrie auch heute noch vollständig gewahrt.
Schließlich ist die mathematische Möglichkeit der Verletzung bestehender Symmetrien auch realisiert.
Meine Kommentare brauche ich deswegen nicht zu wiederholen.
Noch einmal: Um adäquat auf meinen Artikel reagiern zu können, muss man wissen, was ein Mathematisches Universum denn sein soll, um Designsignale davon besprechen zu können. Dazu muss man eben die Arbeit von Tegmark gelesen haben.
Die hier vorgtragenen Erwiderungen beziehen sich nicht auf diesen Kern.
Ich habe mit meinen Antworten Deinen Beitrag diskutiert, nicht das Buch von Tegmark, dass Du nur an einer Stelle eher nebenbei erwähnst. Was ein mathematisches Universum sein soll, hast Du, wie ich zitiert habe, ja auch eigentlich genau definiert. Und darauf habe ich mich bezogen.
Also, halten wir fest: Realisierte und nicht realisierte (gebrochene) Symmetrien sind ein Designsignal! Schwer zu widerlegen, nicht schlecht!
Etwas ähnliches gilt dann wohl auch für die Zeit: Sie ist symmetrisch, weil es zwei Zeitrichtungen gibt. Dass diese Symmetrie tatsächlich fundamental gebrochen ist (obwohl das mathematisch nicht "nötig" wäre), ignorieren wir und voila, schon wieder ein Designsignal.
Wo wir gerade dabei sind: Sogar die Parität alleine verhält sich bei Elementarteilchen nicht symmetrisch. Aber immerhin können wir zwei realisierte (wenn auch unsymmetrische) Paritäten definieren und zack, schon wieder ein Designsignal.
Sehr überzeugend!
PS: Was meinst Du mit einem "heute" gebrochenen Zustand? Gab es irgendwann mal eine Zeit ohne CP-Verletzung?
"Um adäquat auf meinen Artikel reagiern zu können, muss man wissen, was ein Mathematisches Universum denn sein soll, um Designsignale davon besprechen zu können. Dazu muss man eben die Arbeit von Tegmark gelesen haben. Die hier vorgtragenen Erwiderungen beziehen sich nicht auf diesen Kern."
Da Marco schon das Wesentliche gesagt hat, fasse ich mich kurz.
Es geht um die Logik Deiner Argumentation. Um sie zu kritisieren, braucht man ganz sicher nicht Tegmark gelesen zu haben. Zum einen ist die Zuordnung Symmetrie -> Design rein willkürlich. Ebenso gut könnte ich auch Asymmetrien als Design-Signale bezeichnen, ohne Gefahr zu laufen, jemals widerlegt zu werden. Andererseits gibt es im Universum nicht nur Symmetrien, sondern auch Symmetriebrüche. Dein Argument zu Ende gedacht, würde das dann *gegen* ein Design sprechen. Dein Argumentationsansatz läuft letztlich auf das hinaus, was Rammerstorfer als "Epi-Teleologie" bezeichnen würde. Man deutet einfach irgendwo ein Design hinein, weil man aus subjektiv-ästhetischen Gründen es gerne so haben möchte.
Die Logik der Argumentation kann man erst analysieren, wenn man die Sachzusammenhänge kennt.
Mit jemandem, der nicht zwischen "nicht-realisierter" Symmetrie und "realisierter, aber verletzter Symmetrie" unterscheiden will und auch nicht weiß, dass das in der Physik selbstverständlich ist, auch wenn man das erklärt, mit dem lässt sich eben nicht lohnend diskutieren.
Ich erwarte schon, dass man die grundlegenden Prinzipien in der Physik beherrscht, wenn man sich hier äußert, oder doch zumindest die gegebe Erklärung als solche anerkennt, was Symmetrien in der Physik bedeuten. Ntürlich verstehe ich meine Äußerungen zu den realisierten Lösungen auf dieser Grundlage. Das ist selbstverständlich.
Allein die Bemerkung über die Zeit legt ja so einiges offen: Was ist denn Anti-Materie? Mathematisch ist sie äquivalent mit Materie, die in der Zeit rückwärts läuft.
Soviel zur Zeitsymmetrie...
Daher noch einmal ausführlich:
P und C Symmetrien existieren in unserem Universum. Sie sind nur für die schwache Wechselwirkung verletzt. Daher spricht man eben von der realisierten Symmetrie, die aber bezüglich der schwachen Wechselwirkung verletzt ist. Für die starke und elektrische Wechselwirkung gilt diese Verletzung nicht. Somit sind beide, die Symmetrie und ihre Verletzung, mathematisch im konsistenten Rahmen möglich und diese Möglichkeiten sind auch realisiert.
Warum das so ist, ja darüber kann man verschiedener Meinung sein. Dass das Universum zumindest bezüglich der Symmetrien mathematisch ist, ist aber vollständig dann gegeben, wenn die Supersymmetrie, die auch mathematisch möglich ist, realisiert ist. Das ist ein physikalisch falsifizierbares Designsignal für ein mathematisches Universum.
Mathematisches Design ist an sich kein intelligentes Design. Wo mathematisches Design herkommt, worin es seine Grund hat, bleibt zunächst offen.
Ich denke beide "Kritiker" geht es in erster Linie um das Wort "Designsignal". Ich behalte es für das mathematische Universum bei.
Übrigens: Zu einem Artikel gehören natürlich auch die vertiefenden Anmerkungen in den Fußnoten, die der Übersichtlichkeit halber aus dem Maintext genommen wurden. Darin oute ich mich als Anhänger der MUH. Die MUH stammt nun einmal von Max Tegmark.
"Mit jemandem, der nicht zwischen "nicht-realisierter" Symmetrie und "realisierter, aber verletzter Symmetrie" unterscheiden will und auch nicht weiß, dass das in der Physik selbstverständlich ist, auch wenn man das erklärt, mit dem lässt sich eben nicht lohnend diskutieren."
Weil Du konstant dem Begründungsproblem ausweichst. Dass es physikalische Sachverhalte gibt, die sich durch Symmetrien auszeichnen, bestreitet niemand. Du kannst nur nicht begründen, warum man Deine These, Symmetrie habe etwas mit "Design" zu tun, ernst nehmen sollte. Deine These ist willkürlich und schlichtweg nicht falsifizierbar. Da hilft es Dir auch nicht, allen hier zu zeigen, was Du alles über Physik weißt.
@ Marco:
PS: Was meinst Du mit einem "heute" gebrochenen Zustand? Gab es irgendwann mal eine Zeit ohne CP-Verletzung?
Vermutlich herrschte für den Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall tatsächlich CP-Invarianz. Während der Baryonen-Synthese muss es dann einen "Bruch" gegeben haben, der die heutige Ungleichverteilung von Materie/Antimaterie im Universum erklärt.
Es ist schon kurios, wie hier versucht wird, eine Symmetrie, die ein Leben im Universum unmöglich gemacht hätte, als "Design-Signal" zu interpretieren. Um wieviel mehr müsste man dann den Symmetrie-Bruch als Teil der Schöpfung interpretieren! Man ersieht daraus wieder: Alles deutet auf Design hin, ein Sachverhalt und mithin das genaue Gegenteil.
@Klaus
Ich wiederhole mich (und Du Dich auch), lassen wir es also einfach dabei. Dir reicht es, dass mathematisch mögliche Symmetrien manchmal realisiert sind. Ok...
Bei der Zeit wollte ich übrigens auf etwas anderes hinaus: Die Richtung der Zeit ist nicht umkehrbar. Wäre das in einem schön symmetrischen und mathematischen Universum nicht denkbar? Warum hat uns der Designer da so eine hässliche Asymmetrie spendiert? Muss es Entropie geben?
Aber wie gesagt lassen wir das.
Nur nochmal abschließend, weil es für diesen Blogeintrag wohl entscheidend ist:
"Ich denke beide [sic] "Kritiker" geht es in erster Linie um das Wort "Designsignal". Ich behalte es für das mathematische Universum bei."
... und Du tust das mit welcher Begründung?
Da sich auch für den unvoreingenommenen Leser die Frage nach dem Symmetriebruch stellen könnte, was an sich ja vollkommen in Ordnung ist, habe ich meine Diskussionsbeiträge hier anhand der Analogie der unterschiedlichen Prägungen zweier Seiten einer Medaille im Haupttext aufgenommen.
Auch mein Verweis auf Max Tegmarks Arbeit ist im Anmerkungsteil nun deutlich vorgenommen.
Insofern möchte ich mich für die Diskussion als Anregung diese beiden Punkte ausführlicher zu behandeln gerne bedanken.
@Marco: Die Designer-Frage stellt sich bei der Beurteilung eines mathematischen Designs gar nicht. Habe ich im Anmerkungsteil aber auch von vornherein klargestellt. Nur um den Eindruck zu vermeiden, ich wollte mich wegducken, habe ich dort noch mein persönliches Bekenntnis zu Joh.1,1 gegeben.
Kommentar veröffentlichen