Montag, Oktober 27, 2008

BIONIK

Kai-Uwe Kolrep, Autor des Buches "Schöpfung oder Evolution: Eine kritische Einführung", hat einen lesenswerten Aufsatz mit dem Titel "Design in Natur und Technik" veröffentlicht (hier, Erstveröffentlichung in Factum 06/08).

"Ist es nicht sogar so, dass Bionik nur dann betrieben werden kann, wenn man den biologischen Untersuchungsobjekten eine Zweckmässigkeit unterstellt? Aus Erfahrung wissen wir zweifelsfrei, dass jegliche Art von Technik nur unter Einsatz von Intelligenz erzeugt werden kann. Der Schluss liegt deshalb nahe, eben nicht nur in menschlicher Technik intelligentes Design zu sehen, sondern auch in biologischen Konstruktionen: intelligentes Design in Technik und Natur."

3 Kommentare:

darwin upheaval hat gesagt…

"Aus Erfahrung wissen wir zweifelsfrei, dass jegliche Art von Technik nur unter Einsatz von Intelligenz erzeugt werden kann. Der Schluss liegt deshalb nahe, eben nicht nur in menschlicher Technik intelligentes Design zu sehen, sondern auch in biologischen Konstruktionen: intelligentes Design in Technik und Natur."

Das ist ja nun ein lupenreiner circulus vitiosus: "Technik kann nur unter Einsatz von Intelligenz erzeugt werden, biologische Konstruktionen sind Technik, ergo sind biologische Konstruktionen designt." Das wäre ungefähr so, als würde ich Folgendes behaupten: "Wir wissen, dass Sterne explodieren, in Asimovs Roman steht geschrieben, dass rosarote Dämonen Sterne zum explodieren bringen, ergo existieren rosarote Dämonen."

Gewiss, man kann hier natürlich wieder SETI, die Archäologie oder andere menschliche Disziplinen als Vergleichsmaßstab heranziehen. Aber diese Beispiele wurden ja nun schon zu Genüge kritisiert, weil sie eben nicht das zeigen, was gezeigt werden soll.

Marco hat gesagt…

"Aus Erfahrung wissen wir zweifelsfrei, dass jegliche Art von Technik nur unter Einsatz von Intelligenz erzeugt werden kann."
Halt, Stop, aufhören! Man kann doch nicht im ersten Satz schon das Ergebnis der Argumentationskette vorwegnehmen! Richtig ist: Die Erfahrung und die empirischen Wissenschaften zeigen, dass neue biologische "Technik" in der Regel durch Evolution entsteht und nur ganz selten und in begrenztem Umfang durch menschliche Technik.

Findet man also ein neues biologisches Objekt (sagen wir: Rodhocetus), dann ist in der Regel davon auszugehen, dass es evolviert ist. Kein Mensch würde sagen: "Oha, das ist ja eine ausgefeilte Technik, dieser Rodhocetus da! Ist bestimmt von einem erstaunlich tollen Biologieingenieur erstellt und dann hier mal schwimmen gelassen worden, vor 45 Millionen Jahren oder so. Das sagt mir meine Erfahrung!"

BIOnick hat gesagt…

"Die Erfahrung und die empirischen Wissenschaften zeigen, dass neue biologische "Technik" in der Regel durch Evolution entsteht",

sagt Marco.

Das ist aber genau der Knackpunkt, der eben nicht faktisch ist, dass "biologische Technik durch Evolution entsteht", sondern DER Diskussionspunkt ist. Dass biologische Systeme mikroevolutiv optimiert werden können, ist unstrittig - es geht aber um den URSPRUNG des Systems. Das kann man herausfinden, wenn man den Artikel liest.

Marcos obiger Satz ist ein reiner Glaubenssatz, der dann stimmt, wenn die Evolution TATSÄCHLICH zielorientiert wie ein Konstrukteur konstruieren sollte. Wenn ein inhärenter Drang in der Materie das Leben hervorbrächte (beim Ursprung des Lebens). Wenn es Mechanismen gäbe, die ein System in einem Schritt (und nicht schrittweise) erzeugen könnten - was noch zu klären ist, vielleicht findet man noch so etwas. Jedenfalls geben die derzeit bekannten Evolutionsmechanismen das nicht her.

Also macht Marcos in seinem Satz eben dass, was er bemängelt: das Ergebnis wird vorausgesetzt - biologische Technik evolviert, weil es die Evolution zustande bringt.

Wenn man Kolreps Artikel im Ganzen liest, und nicht nur ein Sätzchen herausnimmt, merkt man, dass er an dieser Stelle von menschlicher Technik ausgehend, das altbekannte Analogieargument bemüht - nicht mehr und nicht weniger.

"Findet man also ein neues biologisches Objekt (sagen wir: Rodhocetus), dann ist in der Regel davon auszugehen, dass es evolviert ist",

sagt Marco.

Hätte Marco den Artikel gelesen, dann würde er erkennen, dass nicht argumentiert wird, ein fertiger Gesamtorganismus (wie der Vorfahr der Wale, den Marco nennt) sei analoge "Technik", sondern à la Behe, einzelne Systeme wie der Rotationsmotor oder die Kaskade der Blutgerinnung - also auf kleinster molekularer Ebene. Marco würde merken, dass er danebenargumentiert.