Dienstag, Oktober 14, 2008

Teleologisten diskutieren: "Bin ich ein 'ID-Vertreter'?"

Mein neulich geposteter Beitrag hat auch intern für Diskussionen gesorgt. Da ich ungern mehrere Male dasselbe schreibe und im Laufe der internen Kommunikation Fragen behandelt wurden, die aufgrund unklarer Formulierungen meinerseits vielleicht auch bei einigen Blog-Lesern entstanden, sollten diese Anmerkungen hier auf den Blog. Da es als Beitrag übersichtlicher ist, als nur als Kommentar, stelle ich das hier so ein. Ich wünsche mir sehr, dass dieser Thread nicht vom Thema abweicht und besonders auch den bisherigen Diskutanten genügend Raum und Struktur lässt, dass diese sich weiter austauschen können. Also bitte eher mal zurückhalten, bis sich eine Art "Ergebnis" abzeichnet und dann dazu sich erst äußern. Es würde mich sehr enttäuschen, wenn sich die Entscheidung, das auf dem Blog und nicht intern auszudiskutieren als Fehlentscheidung herausstellen würde. Also: Erstmal mehr mitlesen und die guten Gedanken für den Schluss aufheben! ;-) Außerdem: Wir haben ja noch den anderen Thread, in dem jeder nach herzenslust beitragen kann!


Der Diskussion könnte man (aus meiner Sicht!) einige grundlegende Punkte entnehmen:



  1. Künstlichkeit nachzuweisen wäre eine große Sache - aber eben noch kein Design.


  2. Der Nachweis von Künstlichkeit legt Design in diesem Fall zumindest nahe und kann die Frage nach Design motivieren.


  3. Der Nachweis von Künstlichkeit ist aber zumindest ein Indiz, dass irgendwo ein Design-Prozess lief, in dessen Kontext das möglicherweise nicht-designte, aber künstliche Objekt entstand: Wenn das Objekt "Abfall" ist, wurde dabei ja etwas anderes designt. Das liegt wie gesagt nahe, muss aber so nicht sein. Künstlichkeit könnte auch ganz losgelöst von irgend einem verwirklichten Design entstehen. Aber:


  4. Der Nachweis von Künstlichkeit entspricht dem Nachweis einer Intelligenz. Wer in ID nur eine Möglichkeit zum Gottes(bzw. Intelligenz)-Beweis sucht, kann sich daher mit dem Nachweis von Künstlichkeit zufrieden geben und braucht kein SD.


  5. Im Rahmen der teleologischen Perspektive (und auch dem konventionellen ID) wird aber ein wissenschaftlich bedeutsamer Anspruch angestrebt: Man will wissen, was genau designt ist. Dafür braucht es dann wieder SD.


  6. Was dem einen Verursacher Intention abverlangt, muss es dem anderen noch lange nicht tun. Neben der Komplexität des in Frage stehenden Gegenstandes ist auch immer die Komplexität des mutmaßlichen Designers gefragt (SD).

Zur leichteren Übersichtlichkeit sind Worte von Markus blau, die von Theresa rot, Martins grün und meine lila.


Markus:

Kommentare zum Beitrag 'Bin ich ein ID-Vertreter?' (http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2008/10/bin-ich-ein-id-vertreter.html)
Christoph argumentiert dort, dass man durch die Überprüfung (und den Ausschluss) natürlicher Erklärungsmöglichkeiten für einen Sachverhalt X höchstens schließen kann, dass X künstlicher Natur ist, nicht aber, dass X absichtsvoll geschaffen ('designed') ist.
Der Unterschied zwischen 'Künstlichkeit' und 'Design' macht durchaus Sinn. So ist es beim SETI-Programm sicher die 'Künstlichkeit' eines Signals, welche die Frage nach einer Verursachung durch eine Alien-Intelligenz des betreffenden Signals hervorruft. Eine Intelligenz wäre ganz einfach eine angemessene Ursache.
So hat man die regelmäßigen Signale von Pulsaren als möglicherweise 'künstlich' eingestuft, weil man keine natürlichen Quellen für ein solches Signal kannte. Damit war aber noch nicht gesagt, dass dieses Signal eine Botschaft trägt oder gar mit dem Ziel andere Intelligenzen zu kontaktieren abgestrahlt wurde. Das Signal hätte genausogut ein nicht beabsichtigtes Abfallprodukt einer Alien-Intelligenz sein können. In dem Sinne hat Christoph recht, wenn er schreibt:

Durch die Evaluation natürlicher Prozesse kann höchstens auf Künstlichkeit, nicht aber auf Design geschlossen werden.

Für etwas problematischer halte ich aber den Schluss:

Solange wir nichts über die Eigenschaften eines Urhebers eines künstlichen Produktes wissen, können wir unmöglich wissen, ob er es designte, oder nur "aus Versehen" (also ateleologisch) produzierte.


Meiner Meinung nach ist die Suche nach Hinweisen auf intelligentes Eingreifen immer mit gewissen Vorannahmen über die verursachende Intelligenz verbunden. Es ist unsere Erfahrung als Intelligenzen, die uns das Wirken anderer Intelligenzen erkennen lässt. ('Nur eine Illusion' p.100).
Christoph argumentiert, dass Designer theoretisch etwas aus Versehen machen können (Metall-Klotz im Garten). Somit könnte der Klotz im Garten zwar (wie das Radio-Signal) künstlich sein, nicht aber beabsichtigt – wenn man keine für menschliche Intelligenzen aktuellen Maßstäbe anlegt.
Ich denke, dass Problem liegt hier in der Komplexität des jeweiligen Objekts. Ein regelmäßig wiederkehrendes Radiosignal ist genauso wie ein Metallklotz extrem simpel (wenngleich jeweils Abfall?-Produkt einer komplexen Technologie). Wenn wir postulieren, dass Radiosignal sei stattdessen Träger eines komplizierten Codes und der Metallwürfel Behälter für einen Roboter, sieht die Sache anders aus. Sowohl Radiosignal als auch Roboter würden durch ihre innere Teleologie nahelegen, dass sie an irgendeinem Punkt das Produkt eines absichtsvollen, intelligenten Urhebers waren – mithin ein 'intelligentes Design' darstellen. Dabei ist zu beachten, dass weder der Empfänger des Radiosignals noch die Positionierung des Roboter-Behälters im
Garten geplant sein müssen. Allein die Analyse des Radiosignals bzw. des Roboters zeigt in welchem Ausmaß Intentionalität und Intelligenz bei deren Entstehung involviert gewesen sein müssen: MINDESTENS soviel wie der Analyst benötigt um Radiosignal und Roboter nachzubauen ('reverse Engineering').
Wenn Christoph daher schreibt...

Wenn ich nur postuliere, der Urheber sei intelligent, aber sonst nichts, kann ich auch nicht ausschließen, dass er ein übernatürliches Wesen ist (oder ein hochentwickeltes Alien), das andauernd unbeabsichtigt Bakterienflagellen, DNA-Sequenzen und Eisen-Quader produziert.

... kann ich dem nicht folgen. Bakterienflagellen und DNA-Sequenzen besitzen eine innere Teleologie die von Absicht zeugt – egal ob das für die dahinter stehende Intelligenz ein 'Klacks' ist oder nicht. (Das alles ist weder eine Frage der Macht noch der Höhe der Intelligenz.) Bakterienflagellen und DNA-Sequenzen werden in der Natur übrigens ständig 'unbeabsichtigt' erzeugt, allerdings nicht ohne komplexe Maschinerie im Hintergrund. Die Absicht liegt also im Programm. Sogar Eisen-Quader wären streng genommen auch nicht unbeabsichtigt, benötigen sie doch irgendeine Technologie, die sie erzeugt – selbst wenn sie nur unbedeutendes Abfallprodukt dieser Technologie wären.
IMHO ist also die Unterscheidung zwischen 'Künstlichkeit' und 'Design' im Prinzip sinnvoll, aber mit der Einschränkung, dass man zügig vom einen auf das andere kommt (wenn das Untersuchungsobjekt dies zulässt) ohne mehr als die üblichen spezifischen Annahmen über den Designer zu machen – dass er mindestens so viel können muss, wie der Mensch kann: Kreativität, Motivation, Absicht, Intelligenz, Macht. Eine Intelligenz die das nicht kann, produziert auch keine Bakterienrotationsmotoren bzw. wird keinerlei Spuren im Universum hinterlassen – muss uns also nicht kümmern. Eine Intelligenz, die unvorstellbar anders tickt als der Mensch muss uns auch nicht kümmern, weil wir dann keine 'Verbindung' zu ihr herstellen können, ergo keine Hinweise auf sie erkennen können.
Zudem bezweifle ich, dass der Weg immer 'Künstlichkeit' -> 'Design' ist. Das Wirbeltierauge ist alleine schon ob seiner komplexen teleologischen Struktur Kanditat für intelligentes 'Design' obwohl seine 'Künstlichkeit' heftig umstritten ist.
Teleologie spricht nun deshalb für ID, nicht nur weil sie erfahrungsgemäß nicht durch ungerichtete Prozesse entsteht, sondern weil Teleologie ein Paradoxon darstellt, welches nur durch Intentionalität gelöst werden kann: Das Spätere begründet das
Frühere. Die Chance ist freilich Teleologie als durch ungerichtete Mechanismen erzeugte Illusion zu entlarven. Die Vereitelung dieser Chance stärkt die 'Künstlichkeit'. Soweit meine Gedankensplitter zum Thema.


Theresa:

Sogar Eisen-Quader wären streng genommen auch nicht unbeabsichtigt,
benötigen sie doch irgendeine Technologie, die sie erzeugt – selbst wenn sie nur unbedeutendes Abfallprodukt dieser Technologie wären.



So hat man die regelmäßigen Signale von Pulsaren als möglicherweise 'künstlich' eingestuft, weil man keine natürlichen Quellen für ein solches Signal kannte. Damit war aber noch nicht gesagt, dass dieses Signal eine Botschaft trägt oder gar mit dem Ziel andere Intelligenzen zu kontaktieren abgestrahlt wurde. Das Signal hätte genausogut ein nicht beabsichtigtes Abfallprodukt einer Alien-Intelligenz sein können.


Meiner Meinung nach widersprechen sich diese beiden Zitate.Wenn die Aliens irgendwelche Sachen produzieren, ist es doch egal ob dabei als Abfallprodukt Eisen-Quader, Signale oder Flagellen entstehen. Die Aliens beabsichtigen diese nicht. Darauf kommts doch an.Oder ich hab da was nicht verstanden...?



Markus:

Das Produkt an sich mag nicht beabsichtigt sein, aber auch als 'Abfall' weist es doch auf einen größeren Prozess oder Mechanismus hin, der absichtsvoll konstruiert ist. Die Gestaltung eines solches Mechanismus geht zudem mit der Entscheidung über die Art des produzierten 'Abfalls' einher. Vom Menschen konstruierte Fabriken produzieren Unmengen Ausschuss. Auch wenn der nicht das eigentliche Ziel der Produktion ist, so trägt er doch Hinweise auf Art und Ziel des Produktionsablaufes. Der Ausschuss ist so gesehen ein intelligentes Design für sich. Noch besser, wenn der 'Abfall/Ausschuss' es über eine innere Teleologie wie etwa das Flagellum verfügt.



Theresa:

Also sind jetzt die Signale aus dem All und die Abschläge auch Design, oder?Ansonsten bleibt für mich der Widerspruch bestehen.

Das Produkt an sich mag nicht beabsichtigt sein, aber auch als 'Abfall' weist es doch auf einen größeren Prozess oder Mechanismus hin, der absichtsvoll konstruiert ist.

Das stimmt. Aber der Prozess ist nunmal konstruiert worden, um etwas anderes als diesen Abfall zu produzieren. Die Späne die beim Sägen entstehen sind auch Abfall. Ich weiß, dass sie durch Sägen (oder etwas ähnlichem) entstehen können. Trotzdem will ich ja nur ein schönes, gerades Brett sägen. Mein Brett ist designt, ich wollte es so. Was mit den Spänen ist (wie sie aussehen usw.) ist mir egal. Oder würdest du meinen die seien designt?


Die Gestaltung eines solches Mechanismus geht zudem mit der Entscheidung über die Art des produzierten 'Abfalls' einher.


Das mag sein, aber wenn der Abfall wirklich nur Abfall ist, dann hat sein Produzent ihn auch nicht gewollt bzw. ohne Intention produziert und damit auch nicht designt.

Noch besser, wenn der 'Abfall/Ausschuss' es über eine innere Teleologie wie etwa das Flagellum verfügt.

Wenn es wirklicher Abfall ist, dann ist es auch egal ob dieser komplex, schön o.ä. ist.



Markus:


Also sind jetzt die Signale aus dem All und die Abschläge auch Design,
oder?

Sie sind zumindest Hinweise auf Design.

Wenn es wirklicher Abfall ist, dann ist es auch egal ob dieser komplex,
schön o.ä. ist.

'Abfall' zu dessen Herstellung Planung nötig ist, ist kein 'Abfall' mehr - welche Rolle er auch in den Plänen des ursprünglichen Designers spielt. Es macht einfach keinen Sinn ein komplexes Organisationsgefüge als 'Abfall' zu bezeichnen. Wenn ein Nachbau des Flagellums Intelligenz und absichtsvolle Planung benötigt, dann kann man das als absolute Untergrenze auch für den ursprünglichen Designer annehmen. Es macht keinen Sinn so zu tun als wären Sägespäne dasselbe wie ein Flagellum. Oder so, als wäre Ausschussprodukt gleich Ausschussprodukt. Eine komplizierte aber während des Produktionsprozesses funktionslos gewordene Klammer ist nicht vergleichbar mit einem Sägespan. Ein regelmäßiges Signal - selbst wenn es nur das Produkt komplizierter Technologie sein kann und niemals in der Natur vorkommt - ist anders zu bewerten als ein Signal, welches eine Nachricht überträgt. Sogar wenn diese Nachricht nur eine Spam-Email mit unbestimmten Empfänger ist, also Quasi den Status von 'Abfall' hat.



Martin:

Ähnliche Gedanken hatte ich auch. Wenn man davon ausgeht, dass 'artifiziell, aber ohne Absicht entstanden' unterscheidbar ist von 'durch reine blinde Naturgesetze entstanden', dann wär das doch schon ein Riesenschritt, oder? Bei SETI würde man schon das als Durchbruch feiern.[...]


Christoph:


Okay, ich habe wohl für einige Unklarheiten [gesorgt, edit], denen ich mich jetzt widmen werde. [...]

Zu Markus‘ erstem Beitrag:

Christoph argumentiert dort, dass man durch die Überprüfung (und den Ausschluss) natürlicher Erklärungsmöglichkeiten für einen Sachverhalt X höchstens schließen kann, dass X künstlicher Natur ist, nicht aber, dass X absichtsvoll geschaffen ('designed') ist.

Ja. Das ist das Entscheidende, das ist das Unbestreitbare und das einzige, worum es geht. Wenn wir die Definitionen wie gehabt beibehalten (Design= purposeful arrangement), dann ist an diesem Satz nicht die allerkleinste Bohne zu rütteln.

Der Unterschied zwischen 'Künstlichkeit' und 'Design' macht durchaus Sinn. So ist es beim SETI-Programm sicher die 'Künstlichkeit' eines Signals, welche die Frage nach einer Verursachung durch eine Alien-Intelligenz des betreffenden Signals hervorruft. Eine Intelligenz wäre ganz einfach eine angemessene Ursache.

Beziehungsweise: Die natürlichen Ursachen sind unangemessen. Auf Künstlichkeit schließen wir in der Regel negativ.

So hat man die regelmäßigen Signale von Pulsaren als möglicherweise 'künstlich' eingestuft, weil man keine natürlichen Quellen für ein solches Signal kannte. Damit war aber noch nicht gesagt, dass dieses Signal eine Botschaft trägt oder gar mit dem Ziel andere Intelligenzen zu ontaktieren abgestrahlt wurde. Das Signal hätte genausogut ein nicht beabsichtigtes Abfallprodukt einer Alien-Intelligenz sein können.

Exakt. Bei allem, was jetzt kommt, möchte ich auf eines hinweisen: Versteift euch nicht auf die Beispiele – da vergisst man schnell, was als logisches eigentlich dahintersteckt. Es gilt:

Christoph argumentiert dort, dass man durch die Überprüfung (und den Ausschluss) natürlicher Erklärungsmöglichkeiten für einen Sachverhalt X höchstens schließen kann, dass X künstlicher Natur ist, nicht aber, dass X absichtsvoll geschaffen ('designed') ist.

Und deduktiv können wir daraus schließen, dass es so auch mit dem Signal ist (und auch bei allen anderen Sachen!).

In dem Sinne hat Christoph recht, wenn er schreibt:

Durch die Evaluation natürlicher Prozesse kann höchstens auf
Künstlichkeit, nicht aber auf Design geschlossen werden.

Ich denke nicht, dass es nur „in dem Sinne“/Beispiel so ist. Es gilt generell und steht a priori und per Definition fest. Siehe den zitierten Satz oben – es leitet sich alles aus den Defintionen heraus ab. Da kann man nichts dran rütteln. Theresa hat darauf ganz richtig hingewiesen.


Für etwas problematischer halte ich aber den Schluss:

Solange wir nichts über die Eigenschaften eines Urhebers eines künstlichen Produktes wissen, können wir unmöglich wissen, ob er es designte, oder nur "aus Versehen" (also ateleologisch) produzierte.

Moment. Im Grunde ist das dasselbe wie oben – beziehungsweise, hier ist ein kleines Element mehr dabei: Ich sage hier wieder, dass allein auf der Ebene der Betrachtugn natürlicher Prozesse kein „Design“ identifizierbar sei. Dem hast Du ja zugestimmt. Des Weiteren postuliere ich nun, dass das möglich sein könnte, wenn man auch Eigenschaften über den Designer voraussetzt. Darüber können wir gerne diskutieren. Das ändert aber nichts an der Gültigkeit der ersten Feststellung.

Meiner Meinung nach ist die Suche nach Hinweisen auf intelligentes Eingreifen immer mit gewissen Vorannahmen über die verursachende Intelligenz verbunden. Es ist unsere Erfahrung als Intelligenzen, die uns das Wirken anderer Intelligenzen erkennen lässt. ('Nur eine Illusion' p.100).


Ein absolut gültiges SD-Argument.

Christoph argumentiert, dass Designer theoretisch etwas aus Versehen machen können (Metall-Klotz im Garten). Somit könnte der Klotz im Garten zwar (wie das Radio-Signal) künstlich sein, nicht aber beabsichtigt – wenn man keine für menschliche Intelligenzen aktuellen Maßstäbe anlegt.

Ich „argumentiere“ eigentlich nicht, ich bringe lediglich Beispiele für einen Satz, dessen Richtigkeit einzig und allein von den Definitionen für „Design“, „Künstlichkeit“ und „nätürlich“ abhängt. Da ich diese Definitionen vorgegeben habe, kann man mir eigentlich nur widersprechen, indem man für sich beschließt, andere Defintitionen zu verwenden (ich sagte früher beispielsweise: „Design ist, was design-fähige Agenten produzieren“), oder zeigt, warum der Satz nicht aus den Definitionen folgen sollte.

Ich denke, dass Problem liegt hier in der Komplexität des jeweiligen Objekts.

Ja. Das ist ein Parameter – der andere ist aber immer der Verursacher: Struktur X ist für Verursacher A nur durch Absicht zu verwirklichen, für Verursacher B jedoch auch „nebenbei“. Die komplexere Struktur Y erfordert vllt. Auch bei B absichtsvolles handeln. Man kann nun die Komplexität der Struktur beliebig steigern, du wirst niemals zu einem Punkt kommen, wo kein Denkbarer Verursacher modellierbar ist, der zu ihrer Produktion nicht designen müsste. Das sollte uns auch nicht verwundern – schließlich ist der Satz oben gültig. Unabhängig von den Beispielen, die wir
dazu finden.

Ein regelmäßig wiederkehrendes Radiosignal ist genauso wie ein Metallklotz extrem simpel (wenngleich jeweils Abfall?-Produkt einer komplexen Technologie). Wenn wir postulieren, dass Radiosignal sei stattdessen Träger eines komplizierten Codes und der Metallwürfel Behälter für einen Roboter, sieht die Sache anders aus.


Nein, nein, nein und nochmals nein. Es ist exakt dieselbe Sache, nur dass es nun schon einen sehr komplexen Verursacher bräuchte, der sowas „aus Versehen“ macht. Du weißt schon: So ein unendliches Wesen vom Typ ich-nies‘-mal-und’s-gibt-nen-big-bang. Sowas hälst Du für unplausibel? So nen Verursacher nimmst Du nicht an? Das schmeckt dir nicht? Klar – Du darfst das ausschließen! Mache ich auch. Aber dann bin ich eindeutig im Bereich von ID! Deshalb schrieb ich:

Wenn ich nur postuliere, der Urheber sei intelligent, aber sonst nichts, kann ich auch nicht ausschließen, dass er ein übernatürliches Wesen ist (oder ein hochentwickeltes Alien), das andauernd unbeabsichtigt Bakterienflagellen, DNA-Sequenzen und Eisen-Quader produziert. Niemand kann im Rahmen von lediglich intelligentem Design so etwas ausschließen. Und daher ist auch niemand in der Lage von Künstlichkeit ausgehend auf bloßes intelligentes Design zu kommen.

Bedenke mal, du schreibst:

Wenn ein Nachbau des Flagellums Intelligenz und absichtsvolle Planung benötigt, dann kann man das als absolute Untergrenze auch für den ursprünglichen Designer annehmen.

Das halte ich für komplett falsch. Damit setzt du voraus, dass die "teleologische Quelle" nicht mehr Dinge unbeabsichtigt produzieren kann, als dein hypothetischer Molekularbiologe - SD in Reinform! Nur weil eine nahezu gelähmte Person viel Absicht aufbringen müsste, um mit einem Stift auf ein Blatt Papier etwas zu kritzeln, weil es sie sehr anstrengt, heißt das doch nicht, dass das auch für mich durchdachtes Handeln erfordert...

Sowohl Radiosignal als auch Roboter würden durch ihre innere Teleologie
nahelegen, dass sie an irgendeinem Punkt das Produkt eines absichtsvollen, intelligenten Urhebers waren – mithin ein 'intelligentes Design' darstellen.

Nur, weil Du bereits Eisnchränkungen zum Designer machst, die in den logischen Kategorien nicht enthalten sind.

Dabei ist zu beachten, dass weder der Empfänger des Radiosignals noch die Positionierung des Roboter-Behälters im Garten geplant sein müssen.

Das ist ein ganz anderes Thema. Darauf werde ich an anderer
Stelle eingehen.

Allein die Analyse des Radiosignals bzw. des Roboters zeigt in welchem Ausmaß Intentionalität und Intelligenz bei deren Entstehung involviert gewesen sein müssen: MINDESTENS soviel wie der Analyst benötigt um Radiosignal und Roboter nachzubauen ('reverse Engineering').

Was immer Du für eine Struktur anführst (ob DNA, Flagelle, Auto, Universum, Bewusstsein………………, wirklich ganz egal!) kannst Du auf negativem Weg (was können natürliche Prozesse) bestimmen, dass es künstlich ist (mit eine Einschränkung, die später mal kommt, aber theoretisch geht es). Darauf aufbauend kannst Du ne ganze Menge SD betreiben: Du hast Design-Erfahrungen, Menschen können keine Bakterien bauen, bisher. Das ist ne wichtige Info. Menschenähnliche Designer-Kandidaten sind daher keine guten, für ein tragfähiges SD-Modell. So kann man zwischen SD-Modellen vergleichen. Auf der anderen Seite können wir auch sagen: Wenn der Designer in etwa uns ähnlich ist (vllt. Ein bisschen voraus), dann ist er auch nicht SOOOO extrem hochentwickelt, dass er Flagellen und Autos aus Versehen produzieren könnte. Dein Reverse Engineering ist daher eine erstklassige
SD-Methodik. Aber ansonsten gilt hier exakt das gleiche, wie für das einfache Radio-Signal. Die Künstlichkeit ist natürlich bei einem Roboter schneller zu erkennen, keine Frage. Aber die Designtheit ist ohne Vorgabe eines Designers nicht beantwortbar. Meistens geben wir ganz intuitiv einen Verursacher vor – wenn ich in meinem Garten was finde, denke ich, es war ein Mensch. Wenn aus dem All was kommt, denken gewissen Leute, es waren Aliens. Sie denken dabei an diverse Filme über Außerirdische und ihnen ist klar: Wenn der Verursacher aussah, wie E.T., dann hat er nicht „aus Versehen“ die Kreiszahl Pi bis auf 100 000 Stellen gefunkt. Bei wahsninnig komplexen Strukturen (Roboter usw.) kann es sein, dass deine Vorgabe wirklich nur ist, dass Du nicht annimmst, der Verursacher sei unendlich (oder nahezu unendlich mächtig; du kennst ja sicher diese Argumente; was in extrem fortschrittlichen Zivilisationen geschähe, wäre für uns – vllt. Sogar prinzipiell!!! – nur als Magie erkenntlich). Aber das ist SD – so wie jeder Schluss auf Design letztendlich SD ist, weil er das per Definition sein muss, da es per Definition per ID nicht sein kann. Du machst den Fehler, dass Du annimmst - wie weiter oben schon dargelegt - dass verschiedene Designer gleich viel Intentionalität benötigen würden. Das ist aber ganz einfach deswegen nicht richtig, weil die Designer nicht gleich sein müssen. Was für dich eine riesen Plan-Aktion braucht, kann für ein wahnsinnig komplexes Alien etwas sein, was es ganz ohne Überlegen hinbekommt.

Wenn Christoph daher schreibt...

Wenn ich nur postuliere, der Urheber sei intelligent, aber sonst nichts, kann ich auch nicht ausschließen, dass er ein übernatürliches Wesen ist (oder ein hochentwickeltes Alien), das andauernd unbeabsichtigt Bakterienflagellen, DNA-Sequenzen und Eisen-Quader produziert.

... kann ich dem nicht folgen. Bakterienflagellen und DNA-Sequenzen besitzen eine innere Teleologie die von Absicht zeugt – egal ob das für die dahinter stehende Intelligenz ein 'Klacks' ist oder nicht.

Wenn es für sie ein „Klacks“ ist, dann kann sie das ganze auch ohne Intention gemacht haben – sonst denkst du dir offensichtlich bereits einen Designer, für den das eben kein Klacks ist…

(Das alles ist weder eine Frage der Macht noch der Höhe der Intelligenz.)
Bakterienflagellen und DNA-Sequenzen werden in der Natur übrigens ständig 'unbeabsichtigt' erzeugt, allerdings nicht ohne komplexe Maschinerie im Hintergrund.

Das führt nun sehr weit vom Thema weg. Es ist selbstverständlich auch Counterflow, wenn das intelligente Wirken nicht im Resultat oder Prozess, sondern in den Ausgangsbedingungen steckt.

Die Absicht liegt also im Programm.

Nicht unbedingt. Das Künstliche liegt im Programm. Ob auch Absicht darin liegt kannst Du nur entscheiden, wenn du etwas bekannt gibst über den/die/das, der/die/das das Künstlich eproduziert haben soll(en).

Sogar Eisen-Quader wären streng genommen auch nicht unbeabsichtigt, benötigen sie doch irgendeine Technologie, die sie erzeugt – selbst wenn sie nur unbedeutendes Abfallprodukt dieser Technologie wären.

Doch. Gemäß der Definitionen sind sie unbeabsichtig. Ich denke, du hast das gemacht, wovor ich vorher schon gewarnt habe: Du hast die Definitionen und den Satz um den es ging aus den Augen verlassen und hast dich so sehr auf der Beispiel-Ebene bewegt, dass du dabei plötzlich aus diesen induktiv neue Definitionen hergeleitet hast.

Zudem bezweifle ich, dass der Weg immer 'Künstlichkeit' -> 'Design' ist. Das Wirbeltierauge ist alleine schon ob seiner komplexen teleologischen Struktur Kanditat für intelligentes 'Design' obwohl seine 'Künstlichkeit' heftig umstritten ist.

Das habe ich nie behauptet! Ich denke, dass im Rahmen von SD auch Design festgestellt werden kann, wo nichtmal die Künstlichkeit zwingend zu sein scheint. Ich habe dafür sogar ein Beispiel genannt – die Craig-Sequenz:

Die Sequenz ist so wenig spezifiziert-komplex, dass man sie allein auf dieser Grundlage wohl nicht mal als künstlich ausweisen könnte.

Zu Markus‘ zweitem Beitrag:

Das Produkt an sich mag nicht beabsichtigt sein, aber auch als 'Abfall' weist es doch auf einen größeren Prozess oder Mechanismus hin, der absichtsvoll konstruiert ist. Die Gestaltung eines solches Mechanismus geht zudem mit der Entscheidung über die Art des produzierten 'Abfalls' einher. Vom Menschen konstruierte Fabriken produzieren Unmengen Ausschuss. Auch wenn der nicht das eigentliche Ziel der Produktion ist, so trägt er doch Hinweise auf Art und Ziel des Produktionsablaufes. Der Ausschuss ist so gesehen ein intelligentes Design für sich.
Noch besser, wenn der 'Abfall/Ausschuss' es über eine innere Teleologie wie etwa das Flagellum verfügt.

So, jetzt sind wir endgültig vom Thema abgekommen. :-) Was Du gerade sagst Markus ist so viel, wie: „Wenn wo was Künstliches ist, dann weiß ich, dass es irgendwo auch was Designtes geben muss, sonst gäbe es dieses Beiprodukt nicht“. Das klingt ja sehr plausibel: Und wenn es nur das gewollte Kratzen des übernatürlichen Wesens an seiner Nase ist, durch die nebenbei, irgendwie, eben die Welt entstand. (Wer würde sagen, das sei eine zu triviale Ursache – für diese Welt werden nochweit aus trivialere (gar nicht künstliche!) Ursachen diskutiert. Einen solchen Verursacher einfach auszuschließen geht schondeswegen nicht einfach so.) Mit kleineren Einschränkungen hast Du ja auch Recht: Wenn Du was Künstliches findest, dann heißt es, dass es einen Verursacher geben muss, der sowas auch designen könnte – und wahrscheinlich sogar noch viel komplexere Dinge designen kann! Klar! Das stimmt. Keine Frage! Absolut keine Frage. Ich habe nie behauptet, die Feststellung von Künstlichkeit wäre eine Kleinigkeit! In keinster Weise ist sie das! Aber sie ist eben noch nicht der Feststellung von Design gleich und das kann sie auch keinesfalls sein, sonst begeht man einen Kategoriefehler. Klar ist es ne wichtige Feststellung, dass die Flagelle künstlich ist. Aber darum geht’s nicht bei ID: „purposeful arrangement“ – darum geht’s. Wer was anderes meint – okay, soll er eben sagen: „Die Flagelle/das Signal ist künstlich.“ Wenn er das auf negativem Argumentationsweg belegen kann – keine Frage! Nur zu. Das beweist viel (ein „Riesenschritt“, wie Martin sagt) – aber kein Design im speziellen, vorliegenden Fall. Und darum geht’s doch – darum, sagen zu können, ob Struktur X designt ist, oder nicht. Wem’s nur darum geht, irgend ne Intelligenz nachzuweisen, der sollte das so sagen – allerdings kann man das dann auch nicht mehr hinter nem angeblichen Forschungsprogramm verstecken, wenn doch dann ganz egal ist, was im Einzelfall rauskommt. Wem es nur um diese Feststellung geht, der kann doch gleich sagen: ich suche nach Künstlichkeit und will damit nen Gottesbeweis führen. (beziehungsweise den beweis eines Wesens, das sehr komplex ist – ob es sich für uns interessiert usw. ist dann natürlich immer noch ne andere Frage…).



13 Kommentare:

Markus hat gesagt…

Auf uncommondescent.com und anderen Blogs sind die Posts immer "aufklappbar" ("read more"). Ich glaube ein solches Feature wäre bei solchen ellenlangen Posts durchaus praktisch -> Übersichtlichkeit des Blogs.

Christoph Heilig hat gesagt…

Gute Idee! Darum kümmere ich mich gleich mal, sobald ich mit dem "finetuning" des Beitrags hier fertig bin.

Markus Rammerstorfer hat gesagt…

Optimal, trägt zur allgemeinen Verbesserung des Layouts bei.

Klaus Lange hat gesagt…

Absolut beeindruckend.

Endlich verstehe ich, warauf Du, Christoph, hinauswillst.

Ja, darauf zielt meine Forschung seit ca. zwei Jahren ab, ohne es so dirket formuliert haben zu können:

Mir geht es um artifizielle Signale in der Natur. Natürlich möchte ich damit ein gewichtiges Indiz in den Händen halten, dass Künstliches stets einem intelligenten Designprozess zugrundeliegt, auch wenn das Artefakt, das wir betrachten, selbst nicht designt, sondern nur eine sekundäre Folge eines Designprozesses sein kann.

Mathematische Strukturen sind für mich zum Beipsiel künstlich und diese in der Natur anzutreffen, lässt mich auf ein Designprozess schließen. Das Design liegt aber im Grundlegenden Axiomensystem und die ableitbaren Sätze aus ihnen sind dann die Kunstprodukte, die eine indirekte Folge des Axiomssystems sind (niemand ist ja verpflichtet bestimmte Sätze aus einem Axiomensystem abzuleiten). Selbstverständlich kann man zum Beispiel geradezu in Kauf nehmen, dass diese künstlichen Nebenprodukte entstehen. Ja, man kann es sogar direkt wollen, weil diese Nebenprodukte Ausgangsstoffe in einem weiteren Dresignprozess sein sollen etc.

Forschung wird dadurch aber nicht obsolet. Denn: Wenn wir eine künstlich verursachte Evolution betrachten, dann können darin Entwicklungszyklen künstlich angestoßen worden sein, oder künstlich in eine Richtung gelenkt worden sein etc.

Das ist mein Verständnis von einer Intelligent Design Forschung. Ich habe stets SETI als ernsthafte Anwendung als einer solchen ID Forschung gesehen: Signalerkennung auf Künstlichkeit, um eine Intelligenz dahinter zu detektieren. Künstliche Signale sind (Neben-)Produkt irgend eines intelligenten Designprozesses.

Wir müssen ID Forschung exakt diese Breite geben, dass stelle ich aber schon lange zur Diskussion. Daher auch meine Beiträge zur Junk-DNA: Je weniger Junk, desto plausibler die Künstlichkeit der DNA. Heutige Forschungsergebnisse belegen diesen Trend immer deutlicher.

Andreas hat gesagt…

@Markus + Christoph:
"So hat man die regelmäßigen Signale von Pulsaren als möglicherweise 'künstlich' eingestuft, weil man keine natürlichen Quellen für ein solches Signal kannte. Damit war aber noch nicht gesagt, dass dieses Signal eine Botschaft trägt oder gar mit dem Ziel andere Intelligenzen zu kontaktieren abgestrahlt wurde. Das Signal hätte genausogut ein nicht beabsichtigtes Abfallprodukt einer Alien-Intelligenz sein können. In dem Sinne hat Christoph recht, wenn er schreibt:
Durch die Evaluation natürlicher Prozesse kann höchstens auf Künstlichkeit, nicht aber auf Design geschlossen werden."
- Es kann doch offensichtlich nicht einmal auf "Künstlichkeit" geschlossen werden. Das folgt nur als eine *Möglichkeit* aus der Tatsache, das keine natürlichen Prozesse bekannt sind die diese Signale verursachen können.

Um überhaupt "Künstlichkeit" erkennen zu können braucht es doch schon ein spezifisches Modell, mit klaren Erwartungshaltungen wie ein Signal aussieht. Wenn es ein solches Modell aber gibt, dann sollte die Frage, ob ein konkretes Objekt nun "gewollt" wurde oder einfach nur als "Nebenprodukt" entstanden ist, leicht zu beantworten sein.

Mir kommt es so vor als diskutiert ihr die ganze Zeit über den zweiten Schritt ("Wie interpretiert man ein "Design-Signal" ?") ohne den ersten Schritt ("Wie sieht ein "Design-Signal" aus und wie können wir es erkennen ?") gemacht zu haben.

"Bakterienflagellen und DNA-Sequenzen besitzen eine innere Teleologie die von Absicht zeugt"
- Wie kommst du darauf ? Was genau verstehst du unter "innerer Teleologie" und wie erkennst du sie in DNA-Sequenzen und Flagellen ?

Andreas hat gesagt…

Noch etwas:
"Beziehungsweise: Die natürlichen Ursachen sind unangemessen. Auf Künstlichkeit schließen wir in der Regel negativ."
- Ganz und gar nicht. Wer tut so etwas ausser IDlern ? Welcher Gerichtsmediziner sagt z.B. "Ich kennen keinen natürlichen Prozess der dieses Messer im Rücken des Opfers produzieren könnte, also muss es einen "intelligenten Messerstecher" gegeben haben!". Ohne Hintergrundwissen darüber, was für Möglichkeiten Menschen haben um andere Menschen zu verletzen und zu töten sind Gerichtsmediziner völlig aufgeschmissen. Stellt euch doch einmal vor ihr reist 1000 Jahre in die Vergangenheit und tötet dort jemanden mit einem starkem Elektroschock - wie soll irgendjemand zu dieser Zeit dann erkennen das dem Ableben des Opfers "Künstlichkeit" zugrunde liegt ?
Wissenschaftler schliessen *nicht* eliminativ auf "Künstlichkeit*, Künstlichkeit kommt höchstens als eine *Möglichkeit* in Frage.

Marco hat gesagt…

@Klaus

Zum "Junk":

Einige Links:
http://genomicron.blogspot.com/2008/02/junk-dna-collection.html
Vor allem interessant, der Onion-Test:
http://genomicron.blogspot.com/2007/04/onion-test.html
Warum hat z.B. ne Küchenzwiebel ein Genom, dass 5 mal größer ist als das des Menschen? Alles Funktion? Oder doch ein bischen irrelevantes Zeug? Vor allem da die Mechanismen, durch die nicht-kodierende Elemente entstehen recht gut bekannt sind?

Für mich ist das ein super Beispiel für eine gescheiterte SD-Theorie: Die SD-Theorie "Mein Designer ist mit nennenswerten Mengen nicht-kodierender DNA Elemente nicht vereinbar" ist zum einen aus der Luft gegriffen, zum anderen sprechen die Fakten derzeit dagegen. Man kommt da eigentlich leicht wieder raus, entweder in dem man akzeptiert, dass dieser spezielle Designer zum Junk gezwungen war (wo gehobelt wird, fallen Späne), oder in dem man die spezielle SD-Theorie verwirft und eine neue bastelt. Was aber macht der brave SD-Theoretiker an dieser Stelle? Mein Tip: Er nennt das ganze halt seine "Position", räumt im Zweifelsfall fehlende Transsubjektivität ein und ist zufrieden.
-

"Mathematische Strukturen sind für mich zum Beipsiel künstlich." Für mich nicht. Wie willst Du jemanden von so einem Standpunkt überzeugen?

Christoph Heilig hat gesagt…

@Andreas:

Ich bitte dich hiermit offiziell, in diesem Thread nicht weiter zu posten. Es stört den Fluss der Diskussion hier und ich hatte das auch im Beitrag oben geschrieben. Ich hatte dort auch auf die Möglichkeit verwiesen, in meinem "Bin ich ein 'ID-Vertreter2?"-Artikel auf Dinge von hier einzugehen und Du bist dazu nicht bereit. Auf die Dinge wie "Künstlichkeits-Erkennung" usw. wird alles noch eingegangen werden. Aber nicht in diesem Kontext hier und nicht auf deinen zwischengestellten Kommentar.

Ich bitte dich, deine Kommentare - wenn Du sie hier auf dem Blog haben möchtest - im anderen Thread unterzubringen. Ich werde sie hier nicht einfach löschen, sondern Dir erst Gelegenheit geben, sie zu übertragen. In Zukunft aber - und nach Hinweis plus Ermahnung - werde ich soetwas einfach löschen. Ich habe keine Lust, wenn meine Entscheidung, Internes öffentlich zu diskutieren, durch die Unbeherrschtheit einiger Weniger zerstört wird, die sich nicht an das Vorgegebene halten können. Das ist auch nicht fair, den gegenüber, die durch die Verschiebung der Diskussion auf diese Plattform die Möglichkeit haben, Einblicke zu gewinnen, die ihnen sonst nicht möglich wären und Einwände diskutiert zu sehen, die sie vielleicht auch im Kopf hatten.</b

Christoph Heilig hat gesagt…

In einer Mail, meinte eben jemand, ein Schnipsel, der als Abfall vom Schnitzen entstehe, habe eine andere Qualität als ein System, das eine Funktion ausübt. Dass dieser Unterschied unwichtig sein solle, würde er nicht einsehen.
Des Weiteren meinte er, Szenarien wie das, dass die Flagelle als unbeabsichtiger Abfall entstünde, würden auf ihn nicht glaubhaft wirken. Er kommentierte dies mit der Feststellung : „In unserer Erfahrung entsteht nunmal kein Abfall, der eine Funktion ausübt.“

Zuerst: Es besteht kein Zweifel, dass der „Abfall“, den wir kennen – also die künstlichen Produkte, die jedoch kein Design sind – nicht sehr komplex ist. Strukturen, die Funktionen ausüben, sind zwangsläufig komplexer, da sie mehrere Teile benötigen, die aufeinander abgestimmt sein müssen usw. Keine Frage: Soetwas entsteht unserer Erfahrung nach nicht als Abfall!
Aber: Unsere Erfahrung ist schließlich auch nur auf menschliche (und einige tierische) Verursacher begrenzt! Natürlich sind wir Menschen recht limitiert und die Grenze dessen, was wir noch erreichen können, ohne viel nachdenken und planen zu müssen, liegt sehr niedrig. Aber im Rahmen von ID im klassischen Sinne besteht schlichtweg keine Möglichkeit, vorauszusetzen, dass der angenommene Verursacher ein zu uns vergleichbares Komplexitäts-Niveau aufweisen sollte. Er könnte ja auch nahezu oder ganz unendlich sein. Er hätte viel größere Möglichkeiten, etwas zu designen – und auch eine viel weiter oben (u.U. bis ins Unendliche verschobene) Obergrenze für das, was er ohne es planen zu müssen vollbringen kann. Klar! Wenn wir in einem Labor ein künstliches, funktionales Protein finden, dann nehmen wir auch an, es sei designt worden und nicht „nur“ künstlich. Ganz einfach, weil wir wissen, wie unwahrscheinlich es ist, dass ein Molekularbiologe dieses Protein ohne genaue Überlegungen darüber, wo im Sequenzraum funktionale Proteine zu finden sind, hergestellt hätte. Wir sehen in unserer Erfahrung in der Tat solche Strukturen nicht als Beiprodukt oder Abfall entstehen. Aber wir haben eben auch nur Erfahrungen mit Menschen von heute. In einem Labor in 200 Jahren würde die Situation vielleicht ganz anders aussehen, weil da Maschinen stehen werden, die mit einer ungeheuren Leistungsfähigkeit Aminosäure-Sequenzen auf Knopfdruck erzeugen – sodass hier auch mal was Funktionales darunter wäre.
Deswegen ist der Unterschied zwischen Sägespahn und Bakterienflagelle auf einer theoretischen Ebene tatsächlich unbedeutend. Dass wir darin einen qualitativen Unterschied zu sehen meinen liegt einfach daran, dass wir in unserer Vorstellung über Verursacher ganz stark Menschen-fixiert sind – eine Sache, die im Rahmen des klassischen ID eigentlich nicht möglich ist. Es mag einem bescheuert vorkommen, die Option eines zufällig Bakterien produzierenden Verursachers in Erwägung zu ziehen – aber man sollte sich klar sein, dass man sich dann bereits im Bereich von SD befindet (wenn auch noch keine Rede von einem ausformulierten SD-Modell sein kann).

Christoph Heilig hat gesagt…

@Marco: Meine Bitte auch an Dich:

Nutze doch den anderen Thread für solche Anfragen. Danke.

Marco hat gesagt…

Ok...

Reinhard Junker hat gesagt…

Markus schreibt:
Ein regelmäßig wiederkehrendes Radiosignal ist genauso wie ein Metallklotz extrem simpel (wenngleich jeweils Abfall?-Produkt einer komplexen Technologie). Wenn wir postulieren, dass Radiosignal sei stattdessen Träger eines komplizierten Codes und der Metallwürfel Behälter für einen Roboter, sieht die Sache anders aus.
Christoph verneint und schreibt:
Es ist exakt dieselbe Sache, nur dass es nun schon einen sehr komplexen Verursacher bräuchte, der sowas „aus Versehen“ macht.

Es gibt aber einen Unterschied: zweckmäßig ja oder nein? Wir kennen Künstlichkeit als Abfall, aber nicht Design. Zu behaupten, auch Design könnte Abfall sein, halte ich für unbegründet - eine wilde Spekulation. Ich komme weiter unten darauf zurück.

Markus:
Wenn ein Nachbau des Flagellums Intelligenz und absichtsvolle Planung benötigt, dann kann man das als absolute Untergrenze auch für den ursprünglichen Designer annehmen.
Christoph hält das für falsch: Damit setzt du voraus, dass die "teleologische Quelle" nicht mehr Dinge unbeabsichtigt produzieren kann, als dein hypothetischer Molekularbiologe - SD in Reinform!

Nein, sondern dass er mindestens so viel kann.

Christoph:
Nur weil eine nahezu gelähmte Person viel Absicht aufbringen müsste, um mit einem Stift auf ein Blatt Papier etwas zu kritzeln, weil es sie sehr anstrengt, heißt das doch nicht, dass das auch für mich durchdachtes Handeln erfordert...

Solange nicht geklärt ist, ob zweckvoller oder Nonsense-Abfall einen Unterschied macht, ist der Vergleich verfehlt bzw. er setzt voraus, dass dieser Unterschíed egal ist. Das wäre aber erst noch zu zeigen (s. o.).

Christoph:
Was für dich eine riesen Plan-Aktion braucht, kann für ein wahnsinnig komplexes Alien etwas sein, was es ganz ohne Überlegen hinbekommt.
Ja, aber das Argument war ja, dass dieser andere Designer mindestens so und soviel Design-Fähigkeit braucht. Damit hätten wir doch einen indirekten Rückschluss auf Design. Der als künstlich nachgewiesene „Abfall“ weist auf ein noch ausgeklügelteres Design hin.

Christoph
Wenn es für sie ein „Klacks“ ist, dann kann sie das ganze auch ohne Intention gemacht haben – sonst denkst du dir offensichtlich bereits einen Designer, für den das eben kein Klacks ist…
Aber er muss sehr intelligent sein. Wir haben damit eine Möglichkeit, indirekt auf Intelligenz und Intentionalität zu schließen. Ob ich nur den vermeintlichen Abfall als Indiz für Intentionalität finde oder das eigentliche Werk: Es ist eben so oder so ein Indiz darauf.

Markus:
Sogar Eisen-Quader wären streng genommen auch nicht unbeabsichtigt, benötigen sie doch irgendeine Technologie, die sie erzeugt – selbst wenn sie nur unbedeutendes Abfallprodukt dieser Technologie wären.
Christoph:
Doch. Gemäß der Definitionen sind sie unbeabsichtigt.

Welcher Definition? Christophs Hinweise auf Definitionen sind mir nicht klar geworden, ich habe in seinen beiden Texten „Bin ich ein ID-Vertreter“ auch nur eine Definition zu Design gefunden, nicht aber zu den anderen Begriffen.
Def. Design (bei „Bin ich ein ID-Vertreter?“):
a deliberately intended or produced pattern
künstlich = das, was natürliche Prozesse nicht zuwege bringen. (?)

Christoph:
Ich denke, du hast das gemacht, wovor ich vorher schon gewarnt habe: Du hast die Definitionen und den Satz um den es ging aus den Augen verlassen und hast dich so sehr auf der Beispiel-Ebene bewegt, dass du dabei plötzlich aus diesen induktiv neue Definitionen hergeleitet hast.

Da komme ich jetzt nicht mehr mit.

Markus:
Wenn Du was Künstliches findest, dann heißt es, dass es einen Verursacher geben muss, der sowas auch designen könnte – und wahrscheinlich sogar noch viel komplexere Dinge designen kann!
Eben. Darauf kommst ja an.
Christoph hat da ja zugestimmt: Klar! Das stimmt. Keine Frage!
Schreibt dann aber;
Ich habe nie behauptet, die Feststellung von Künstlichkeit wäre eine Kleinigkeit! In keinster Weise ist sie das! Aber sie ist eben noch nicht der Feststellung von Design gleich

Indirekt aber schon.


Christoph:
und das kann sie auch keinesfalls sein, sonst begeht man einen Kategoriefehler.

Wieso „Kategorienfehler“? Es ist einfach nur ein Fehlschluss in Christophs Augen.

Klar ist es ne wichtige Feststellung, dass die Flagelle künstlich ist. Aber darum geht’s nicht bei ID: „purposeful arrangement“ – darum geht’s.

Ja, und hat die Flagelle das nicht? Auch hier wie oben: Schluss Intelligenz und indirekt auf Intentionalität.

Christoph:
Aber wir haben eben auch nur Erfahrungen mit Menschen von heute. In einem Labor in 200 Jahren würde die Situation vielleicht ganz anders aussehen, weil da Maschinen stehen werden, die mit einer ungeheuren Leistungsfähigkeit Aminosäure-Sequenzen auf Knopfdruck erzeugen – sodass hier auch mal was Funktionales darunter wäre.

Das scheint mit genau Markus’ Argument zu sein: Markus: „Wenn ein Nachbau des Flagellums Intelligenz und absichtsvolle Planung benötigt, dann kann man das als absolute Untergrenze auch für den ursprünglichen Designer annehmen.“
Entsprechend gilt: Wenn wir funktionale Proteine finden, ist die Fähigkeit, sowas zu kreieren, die Untergrenze für einen Designer. Wahrscheinlich kann er aber viel mehr.

Christoph:
Deswegen ist der Unterschied zwischen Sägespahn und Bakterienflagelle auf einer theoretischen Ebene tatsächlich unbedeutend.

Da sind wir wieder beim qualitativen Unterschied, ob der angebliche Abfall einen Zweck erfüllt oder nicht. Das kriegt man nicht in den Griff, indem man einfach einen hypothetischen Designer postuliert, der zweckhafte Sachen als Abfall produzieren kann. Man nimmt irgendetwas Verrücktes an, um einen logischen Schluss zu vermeiden, wofür wir aber nicht den geringsten Anhaltspunkt haben. Das erscheint mir als eine Art Totschlagargument und erinnert irgendwie an die Multiversentheorie. Da nimmt man auch irgendwas Verücktes an, wofür es nicht den Hauch eines empirischen Anhaltspunkts gibt, um hier den Schluss auf Design im Weltraum zu vermeiden.

Christoph:
Dass wir darin einen qualitativen Unterschied zu sehen meinen liegt einfach daran, dass wir in unserer Vorstellung über Verursacher ganz stark Menschen-fixiert sind – eine Sache, die im Rahmen des klassischen ID eigentlich nicht möglich ist.

Wieso: ob etwas einen Zweck erfüllt, hängt doch nicht von unseren Vorstellungen über die möglichen Fähigkeiten eines Designers ab.

Es mag einem bescheuert vorkommen, die Option eines zufällig Bakterien produzierenden Verursachers in Erwägung zu ziehen – aber man sollte sich klar sein, dass man sich dann bereits im Bereich von SD befindet (wenn auch noch keine Rede von einem ausformulierten SD-Modell sein kann).

Es erscheint mir müßig, Designer ins Spiel zu bringen, denen man die Fähigkeit zu irgendwelchen völlig verrückten Sachen unterstellt. Siehe oben.

Christoph:
Man kann nun die Komplexität der Struktur beliebig steigern, du wirst niemals zu einem Punkt kommen, wo kein denkbarer Verursacher modellierbar ist, der zu ihrer Produktion nicht designen müsste.

Wirklich modellieren kann ich das nicht. Aber das kann ja mein Problem sein.

Markus Rammerstorfer hat gesagt…

Hallo Christoph,

vielleicht kann ich in den nächsten paar Tagen noch einen Diskussionsbeitrag für den Blog zu diesem Thema machen, weil mir was sagt, dass bei Deinem Ansatz irgendwo der Wurm drinnen ist;-) Wenn ich dann mal Zeit finde ;-/

LGM