Die kambrische Explosion umfasst einen verhältnismäßig sehr kurzen geologischen Zeitraum in dem die grundlegenden Baupläne vieler mehrzelliger Tiere auftauchten, welche z.T. bis heute die Erde bewohnen. Aus nahe liegenden Gründen wurde und wird immer wieder versucht die kambrische Explosion zu relativieren. Die grundlegende Problematik wird in einem Beitrag auf Science Centric so beschrieben:
„Most animals, from humans to insects, are bilaterally symmetrical, meaning that they can be roughly divided into halves that are mirror images. The bilateral animals, or 'Bilateria,' appeared in the fossil record in the early Cambrian about 542 million years ago, quickly diversifying into all of the major animal groups, or phyla, still alive today. This rapid diversification, known as the Cambrian explosion, puzzled Charles Darwin and remains one of the biggest questions in animal evolution to this day. Very few fossils exist of organisms that could be the Precambrian ancestors of bilateral animals, and even those are highly controversial. Fossil traces are the most accepted evidence of the existence of these proto-animals.“
Eine neue Entdeckung zieht jedoch Interpretationen dieser präkambrischen fossilen Spuren, wonach diese durch bilateral symmetrisch aufgebaute Tiere verursacht seien, in Frage.
We used to think that it takes bilateral symmetry to move in one direction across the seafloor and thereby leave a track,' said Matz. 'You have to have a belly and a backside and a front and back end. Now, we show that protists can leave traces of comparable complexity and with a very similar profile.''
Der Biologe Mikhail Matz hat zusammen mit Kollegen Protisten entdeckt, die komplexe Spuren erzeugen die an jene von bilateral symetrisch aufgebauten Tieren erinnern – allerdings wurden die „gigantischen mobilen Protisten“ zunächst für Fäkal-Kügelchen gehalten...
Nachtrag: Siehe auch den Artikel zu dieser Entdeckung auf Bild der Wissenschaft online mit Verweis auf die Forschungsarbeit in Current Biology.


3 Kommentare:
Ein spannender Fund. Ich unterfüttere die Meldung mal mit ein bisschen Angegoogeltem:
Die ältesten Spurenfossilien von vermeintlich schlängelnden Lebewesen hat man bisher im Chorhat Sandstone (Indien) gefunden. Der Sandstein wird auf 1,632 bis 1,628 Milliarden Jahre bp datiert. Ein Bild:
http://www.sciencemag.org/
content/vol282/issue5386/
images/large/se4086871003.jpeg
Weitere proterozoische Spurenfossilien kann man an folgender Stelle schön sehen:
http://icb.oxfordjournals.org/
cgi/content/full/43/1/219
Oder auch ausführlich im Buch "The Rise of Animlas" besprochen finden (Seite 205 ff.) bei http://books.google.de
***
Zu MATZ' Schlussfolgerungen selbst würde ich denken, dass er sich vielleicht ein bisschen weit aus dem Fenster lehnt.
Immerhin jedoch müssten nach MATZ die Unikonta schon seit 1,63 Milliarden Jahren auf dem Planeten herum wuseln. Das wäre doch dann schon was :-)
Apropos vermeintliche präkambrische Fäkalien. Ich darf hier auf Richard Dawkins aufmerksam machen.
Der wird immer dann vulgär, wenn er seine Zunftkollegen dabei erwischt, wenn sie die kambrische Vervielfachung der Baupläne als das beschreiben was ist, nämlich ein großes biloglisches Rätsel.
Vergleiche hierzu die Nachbemerkung zu meinem neuen Website-Beitrag "Der deusche Dawkins":
http://www.kritische-naturgeschichte.de/Seiten/uebergroessen.html#dawkins
Gruß
Geoman
> vermeintliche
> präkambrische
> Fäkalien (Geoman)
Viele Meeresorganismen hüllen ihre Exkremente ein in >peritrophische Membranen<.
Die Riesenamöbenart Gromia sphaerica, die MATZ bei den Bahamas aufgespürt hat, hat ungefähr die Größe einer Weinbeere und eine prallelastische Außenhülle.
Solange sie nicht mit ihren Pseudopodien umher wandert, kann sie leicht mit einem Kotballen in einer peritropischen Membran verwechselt werden.
Ob Spuren peritrophischer Membranen bereits aus dem oberen Paläoproterozoikum bekannt sind, ist mir nicht bekannt. Amöben stellen solche Membranen nicht her. Sie bedienen sich stattdessen einfacher Exozytose.
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