Donnerstag, November 20, 2008

AiG-reverse?

Früh übt sich, wer ein guter Darwinist werden will...

Zufall/Notwendigkeit oder Design? ;-)


Schon als kleiner Junge, ging ich öfters ins "Lädele" hier im Ort, in dem Schreibwaren und anderer Kleingram erstanden werden kann. Jedes mal habe ich einige dieser Zuckerröllchen mitbekommen. Zum Nachdenken haben mich die bunten Mischungen jedoch nie gebracht gehabt - bis ich das hier in der Mitte abgebildete Leckerli kürzlich in die Hand gedrückt bekam. Zufall, Notwendigkeit (Maschinenfehler/alle anderen Farben waren aus...) oder Design?

Methodologie in der Naturgeschichtsforschung

Es werden Artikel zweier Autoren vorgestellt, die eine besondere Methodologie der historischen Naturforschung im Vergleich zur experimentellen Forschung vertreten oder fordern.

Lars Vogt hat einen Artikel über die Nichtfalsifizierbarkeit von Cladogrammen und die Konsequenzen daraus geschrieben (Vogt 2008). Die Cladistik genießt weithin den Ruf, die wissenschaftlich objektivste Methode zu sein, um stammesgeschichtliche Abfolgen (den Verlauf der Evolution der Lebewesen) zu rekonstruieren und dass der Poppersche Falsifikationismus mittels cladistischer Verfahren in der Naturgeschichtsforschung angewendet werden könne. Vogt zeigt jedoch, dass Cladogramme prinzipiell nicht falsifizierbar sind. Es gebe keine gegenwärtige Beobachtung, die durch irgendwelche Abstammungshypothesen verboten würde, daher gebe es keinen Popperschen Test von Cladogrammen. Der Kongruenztest – also der Test auf Übereinstimmung von Dendrogrammen (Ähnlichkeitsbäumen) auf der Basis verschiedener Daten oder Datensätze – sei nur ein Test auf Apomorphie, d. h. ein Test darauf, ob bestimmte spezialisierte („abgeleitete“) Merkmale als von einem gemeinsamen Vorfahren abstammend interpretiert werden können. Vogt diskutiert drei Strategien, das Problem der Nichtfalsifizierbarkeit zu umgehen, und weist sie zurück. Er kommt zum Schluss, dass Cladogramme gegenwärtige Beobachtungen nicht erklären können und daher metaphysische Hypothesen repräsentieren.

Poppers Falsifikationismus sei aber von vielen Philosophen kritisiert worden. Es sei an der Zeit, dass eine eigene Philosophie der Phylogenetik entwickelt werde, die den spezifischen Anforderungen einer historischen Wissenschaft genügt, die nicht nach universalen Gesetzen und Regelhaftigkeiten sucht, sondern besondere historische Ereignisse zu rekonstruieren versucht. Der Falsifikationismus funktioniert für ihn jedenfalls im Bereich der Naturgeschichtsforschung nicht. Man könne eben keine Aussagen über universale Evolutionsgesetze testen. Die epistemische Situation in der Phylogenetik mache die Einzigartigkeit der phylogenetischen Forschung in den biologischen Wissenschaften aus.

Vogt mahnt allerdings nur eine Aufgabe an, ohne eine Lösung vorzuschlagen.

Eine eigene Methode in der Naturgeschichtsforschung beschreibt Carol Cleland. Sie stellt in zwei Artikeln nicht nur einen grundsätzlichen methodologischen Unterschied zwischen historischer und experimenteller Naturwissenschaft heraus, sondern beschreibt auch eine gangbare und zugleich die tatsächlich praktizierte Methode in der Naturgeschichtsforschung im Vergleich zur experimentellen Forschung (Cleland 2001; 2002). Darüber hinaus begründet sie, warum beide Bereiche methodisch verschieden vorgehen müssen. Cleland verbindet damit das Anliegen, zu zeigen, dass historische Wissenschaft gegenüber der experimentellen in puncto Testmöglichkeiten der Hypothesen nicht minderwertig sei.

Die Vorstellung, dass alle guten Wissenschaftler dieselbe Methode einsetzen, um Hypothesen zu testen, sei zwar populär, bewahrheite sich aber in der Praxis der historischen und experimentellen Wissenschaften nicht. Experimentelle Wissenschaft mache Vorhersagen und Tests unter möglichst kontrollierten Bedingungen, sind also zukunftorientiert, während historische Wissenschaft unbeobachtbare Ereignisse als Ursachen annehme, die nicht oder nur teilweise als Simulation im Labor nachgestellt werden können (z. B. wenn das Aussterben der Dinosaurier auf einen Meteoriteneinschlag zurückgeführt wird). Gegenwärtige Beobachtungen werden durch vergangene Ursachen erklärt.

Ähnlich wie Vogt anhand der speziellen Problematik der phylogenetischen Rekonstruktion stellt Cleland allgemein heraus, dass der Falsifikationismus Poppers in der Praxis nicht funktioniert, weder in der experimentellen noch in der historischen Forschung. Daher könne die Methode des Falsifizierens nicht als Begründung für eine Überlegenheit der experimentellen Wissenschaften ins Feld geführt werden. Falsifizierungen könnten außer auf einen Fehler bei der geprüften Hypothese auch auf einen Fehler bei den allen Tests zugrunde liegenden Hilfshypothesen hinweisen. In der experimentellen Forschung bestehe daher die Gefahr falscher Widerlegungen (false negatives). Ebenso könnten aber auch falsche Bestätigungen (false positives) eintreten, wenn statt der zu testenden Hypothese in Wirklichkeit eine der zugrundeliegenden Hilfshypothesen bestätigt wird. Daher versucht man, die zu testende Hypothese durch Variation der Randbedingungen und Hilfshypothesen vor irreführenden Widerlegungen zu schützen. Umgekehrt versucht man durch Variation der eigentlichen Hypothese diese vor irreführenden Bestätigungen zu „schützen“. Weil jedem Experiment zahlreiche Hilfshypothesen zugrunde liegen, ist das sinnvoll. Es werden aber in der Praxis der experimentellen Forschung keine Versuche einer Falsifizierung unternommen. Im experimentellen Bereich steht also eine bestimmte Hypothese im Vordergrund, die man durch Ausschalten falscher Bestätigungen und falscher Widerlegungen zu bestätigen versucht.

Ganz anders ist die Vorgehensweise beim Test historischer Hypothesen. „[T]here is little in the evaluation of historical hypotheses that resembles what is prescribed by falsificationism.“ Nach dem Geologen Chamberlain werden in der historischen Wissenschaft mehrere Hypothesen formuliert, nicht nur eine; und dann versucht man, bestätigende Befunde zu finden: sogenannte „smoking guns“. „A smoking gun is a trace that picks out one of the competing hypotheses as providing a better causal explanation for the currently available traces than the others.“ Ein berühmtes Beispiel sind die als „smoking guns“ eines Meteor-Impakts geltenden geschockten Quarze, deren Entstehung nur als Folgen eines Impakts bekannt ist. Historische Wissenschaften haben es also mit mehreren konkurrierenden Hypothesen über bestimmte vergangene Ereignisse zu tun und man sucht nach bestätigenden „smoking guns“, die durch eine der konkurrierenden Hypothesen am besten erklärt werden können.

Cleland wendet sich im Weiteren der Frage zu, woran es liegt, dass in den experimentellen und den historischen Wissenschaften methodisch verschieden vorgegangen wird und eine verschiedene Testsituation vorliegt. Der Grund: Es gibt eine Ursachen-Asymmetrie zwischen gegenwärtigen und vergangenen Ereignissen auf der einen Seite, und gegenwärtigen und zukünftigen Ereignissen auf der anderen Seite. Der Charakter der Information, die zum Test der Hypothesen genutzt wird, ist verschieden. Ein Vergleich kann die Situation in den historischen Wissenschaften deutlich machen: Ein Mörder hinterlässt viele Spuren, von denen u. U. eine einzige ihn verraten kann. Es liegt also eine „Asymmetrie der Überbestimmung“ vor: Ein Ereignis verursacht viele Spuren, und es genügen schon wenige Spuren oder nur eine einzige als Beleg für das stattgefundene Ereignis. Daraus erklärt sich die Vorgehensweise, nach smoking guns zu suchen. Es kann sein, dass dabei nur mit Wahrscheinlichkeiten argumentiert werden kann. Denn möglicherweise wurden entscheidende Spuren noch nicht gefunden oder die vorliegenden Spuren sind nicht eindeutig. Dennoch: Die Asymmetrie der Überbestimmung erlaubt es, aus nur einem Teil der Spuren auf ein vergangenes Ereignis zu schließen.

In der experimentellen Forschung ist die Situation dagegen genau umgekehrt: Für einen experimentellen Befund kann es viele verschiedene Erklärungen geben (eine Falsifikation kann die getestete Hypothese treffen, aber auch eine der begleitenden Hilfshypothesen oder der Befund selbst kann fehlerhaft sein). Es liegt eine „kausale Unterbestimmung“ der zukünftigen Ereignisse durch örtlich begrenzte („localized“) gegenwärtige Ereignisse vor. Daher besteht die Notwendigkeit, zusätzliche Kausalfaktoren aufzuspüren und zu prüfen.

Die Unterschiede in der Methodologie in Tabellenform:

experimentell

- zukunftsorientiert

- eine Hypothese wird geprüft

- Viele Tests, um irreführende Bestätigungen und Widerlegungen auszuschalten (Misstrauen gegenüber den Ergebnissen)

- Unterbestimmung der Zukunft (des experimentellen Ergebnisses)

historisch

- vergangenheitsorientiert

- mehrere Hypothesen werden geprüft

- Suche nach Bestätigungen durch „smoking guns“; Tests sind nicht möglich

- Überbestimmung der Vergangenheit (viele Spuren, die von einem einzigen Ereignis herrühren)


Folgerungen für die Schöpfungsforschung

Die vielfach geäußerte Kritik, schöpfungstheoretische Hypothesen seien nicht testbar bzw. falsifizierbar, ist angesichts der Kritik von Vogt und Cleland obsolet. (Es sei aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich Lars Vogt von ID klar distanziert; dasselbe dürfte für Carol Cleland gelten.) Wenn das beherrschende Thema historischer Forschung die Suche nach smoking guns ist, dann ist es legitim und auch sonst angewendeter Methoden gemäß, nach smoking guns für Schöpfung, für polyvalente Stammformen oder für biblisch bezeugte erdgeschichtliche Ereignisse zu suchen. Diese Suche könnte nur dann als „unwissenschaftlich“ abgetan werden, wenn schöpferische Eingriffe Gottes prinzipiell ausgeschlossen werden. Dafür kann es aber nur weltanschauliche Gründe geben.

Quellen

Cleland CE (2001) Historical science, experimental science, and the scientific method. Geology 29, 987-990.

Cleland CE (2002) Methodological and Epistemic Differences between Historical Science and Experimental Science. Phil. Sci. 69, 474-496.

Vogt L (2008) The unfalsifiability of cladograms and its consequences. Cladistics 24, 62-73.

Dienstag, November 18, 2008

Studium Integrale Journal


Das neue Studium Integrale Journal kann nun erstanden werden!
Inhaltsverzeichnis und Editorial des SIJ 15 (2) finden sich hier.







Samstag, November 15, 2008

ID in der Diskussion nach Dover

Der Dover-Prozess um ID, an sich meines Erachtens ein interessantes Beispiel für die gesellschaftlichen Begleiterscheinungen von ID in den USA, hat dazu geführt, dass sich einige Philosophen verstärkt mit von ID aufgeworfenen Sachfragen beschäftigen.

Dabei fällt auf, dass sie viel ungerechtfertigte Kritik an ID zurückweisen und sehr populäre wissenschaftsphilosophische Argumente, wonach der Schluss auf Planung aufgrund bestimmter Kriterien grundsätzlich wissenschaftlich nicht in Frage käme, als wenig fundiert einstufen. Ich möchte hier auf einige entsprechende Arbeiten hinweisen und einige Zitate anführen (Hervorhebungen von mir), die Interesse stimulieren könnten. Ich stimme nicht notwendigerweise mit Inhalt und Formulierung der zitierten Passagen überein.

Man beachte, dass drei der Autoren betonen Atheisten zu sein und keiner der Autoren mit Kritik an ID spart. Für ID-Vertreter ergibt sich hier die Möglichkeit von konstruktiver Kritik zu profitieren und gleichzeitig auf Argumente gegen ungerechtfertigte oder fragwürdige Kritikversuche zurückzugreifen.


Nagel, Thomas (2008): Public Education and Intelligent Design. Philosophy & Public Affairs 36 (no.2): 187-205

„But the conflicts aired in this trial—over the status of evolutionary theory, the arguments for intelligent design, and the nature of science—reveal an intellectually unhealthy situation. The political urge to defend science education against the threats of religious orthodoxy, understandable though it is, has resulted in a counterorthodoxy, supported by bad arguments, and a tendency to overstate the legitimate scientific claims of evolutionary theory.“

„The claim that ID is not a scientific theory implies that even if there were scientific evidence against evolutionary theory, which was originally introduced as an alternative to design, that would not constitute any scientific evidence for ID. We might have to give up evolutionary theory, but then we would be constrained by the canons or definition of science to look for a different scientific, i.e., nonpurposive, explanation of the development of life, because science prohibits us from even considering ID as a possible alternative explanation, one whose eligibility would otherwise be enhanced by the rejection of the leading scientific explanation, namely evolutionary theory.“


„So the purposes and intentions of God, if there is a god, and the nature of his will, are not possible subjects of a scientific theory or scientific explanation. But that does not imply that there cannot be scientific evidence for or against the intervention of such a non-law-governed cause in the natural order.“


Koperski, Jeffry (2008): Two bad ways to attack Intelligent Design and two good ones. Zygon, vol.43, no.2, 433-449

„That MN (Anmerkung: methodological naturalism) is responsible for rescuing science from supernatural design is doubtful. As far as I can tell, historical confrontations between naturalistic and design hypotheses were settled by inference to the best explanation using the explanatory virtues just mentioned. The appeal to MN is a more recent move.“


„ID critics have argued that MN is sacrosanct. In his Dover testimony, Pennock claimed that “This self-imposed convention of science, which limits inquiry to testable, natural explanations about the natural world, is referred to by philosophers as ‘methodological naturalism’ and is sometimes known as the scientific method” (Kitzmiller v. Dover 2005, 83). Naturalistic explanations are not merely desirable, they are “an essential attribute to science by definition and by convention” (p. 84). ID violates MN and thus “by definition” it cannot be science. As I read it, Pennock appears to have solved the demarcation problem. If so, why has this not appeared in the Journal of Philosophy?“


Fuller, Steven (2008): Dissent over Descent. Intelligent Design's Challenge to Darwinism. Icon Books, Crows Nest

„It is here that ID's creationism surfaces, specifically the ide that humanity is created 'in the image and likeness of God' – in imago dei, to recall St Augustine's 4th- century shorthand. Yet, contrary to the way in which its detractors depict it, ID is hardly a 'science stopping' form of creationism. On the contrary, ID was behind the great scientific revolution that has been underway in the West since the 17th century, and it continues to provide the most powerful reason for doing science: nature is constructed so that we may understand and exercise dominion over it.“


Monton, Bradley (2006): Is Intelligent Design Science? Dissecting the Dover Decision. http://philsci-archive.pitt.edu/archive/00002592/

„If our goal is to believe truth and avoid falsehood, and if we are rational people who take into account evidence in deciding what to believe, then we need to focus on the question of what evidence there is for and against ID. The issue of whether ID counts as “science” according to some contentious answer to the demarcation question is unimportant.“

„If science really is permanently committed to methodological naturalism, it follows that the aim of science is not generating true theories. Instead, the aim of science would be something like: generating the best theories that can be formulated subject to the restriction that the theories are naturalistic.“


„But if science is not a pursuit of truth, science has the potential to be marginalized, as an irrelevant social practice. If lots of evidence comes in against naturalism, investigation of the world that assumes naturalism has the potential to become otiose. Given the commitment to methodological naturalism, the success of science hinges on the contingent fact that the evidence strongly suggests that naturalism is true.
I maintain that science is better off without being shackled by methodological naturalism. Our successful scientific theories are naturalistic simply because this is the way the evidence points; this leaves open the possibility that, on the basis of new evidence, there could be supernatural scientific theories. I conclude that ID should not be dismissed on the grounds that it is unscientific; ID should be dismissed on the grounds that the empirical evidence for its claims just isn’t there.“

Dienstag, November 11, 2008

Systematik der Antworten auf Ursprungsfragen

Einleitung
In den letzten Wochen gab es auf diesem Blog einige Artikel, die mit "intelligent Design" zu tun hatten. Dabei wurden auch einige kritische Stimmen an meinen Gedanken dazu laut, auf die ich in den folgenden Tagen eingehen möchte. Zuvor jedoch möchte ich einen Beitrag online stellen, den ich wohl am besten gleich zu Beginn veröffentlicht hätte. Er gibt eine begriffliche Hinführung zu den Diskussionen von Einzelaspekten, die in den anderen Blog-Beiträgen bisher behandelt wurden. Dementsprechend habe ich bei den Quellen eine extra Kategorie gemacht, in denen nochmals alle hier auf dem Blog zum Thema erschienen Beiträge gelistet sind (auch wenn sie in diesem Beitrag alle nicht zitiert werden). Dieser Beitrag stellt eigentlich ihre Basis dar.

Zwei Posititionen
Die Frage nach den Ursachen für die Entstehung und Entwicklung des Universums, des Lebens und all seiner Folgephänomene einschließlich des Menschen, die Ursprungsfrage, durchzieht die menschliche Kulturgeschichte selbst, wie ein roter Faden. Soweit man die Geschichte menschlichen Denkens zurückverfolgen kann, findet man im Hinblick auf diese Ursprungsfrage (sofern die Existenz der Welt überhaupt anerkannt wurde, was bei der Frage nach ihrem Ursprung wohl gegeben ist) zwei einander diametral gegenüberstehende und alle möglichen Perspektiven abdeckende Positionen:
Neben der Position, der Welt – oder Teilen davon – läge ein Plan, ein Design, ein Zweck, ein Ziel zu Grunde (wir werden dies im folgenden als die „teleologische Position“ bezeichnen; griechisch τελεολογία im altgriechischen Sinn von τέλος, télos – Ziel, Sinn und λόγος, lógos – Lehre.), bestand auch zu allen Zeiten der Gedanken, es gäbe kein übernatürliches oder natürliches Wesen, das als Schöpfer agiert haben hätte können und folglich auch keinen Schöpfer. Für diese Menschen ergab sich die Notwendigkeit, dass die Welt inklusive das Leben auf unserer Erde ohne einen Eingriff von außen entstanden war, sich also selbst erschaffen haben musste (ateleologische Position) – ohne Ziel und ohne Zweck.
Alle theistischen Weltanschauungen nehmen beispielsweise eine teleologische Position im Hinblick auf den Ursprung zumindest mancher Aspekte des Universums ein.

Meta-Teleologie
Den Standpunkt zu vertreten, unsere Welt gehe letztendlich auf einen Plan zurück, bedeutet noch nicht, davon auszugehen, dass dieser Plan auch für uns Menschen in der Natur erkundbar ist (vgl. Ross 2005). Es besteht schließlich die Möglichkeit, dass das Ziel durch Prozesse verwirklicht wurde, die wir innersystemlich als „ungerichtet“ klassifizieren, die aber auf einer über unserem Universum stehenden Ebene teleologisch sind und einen Plan verwirklichen. Der allwissende Gott könnte für uns unvorhersagbare Prozesse, wie eine darwinsche Evolution, bis ins letzte Detail vorhersehen und – sollte er an ihrem Ergebnis interessiert sein – als „Design-Methode“ verwenen. Aus dem bloßen „Ergebnis“ würde ein „Ziel“ und aus dem innersystemlich ateleologischen Prozess der Ausdruck übersystemlicher Planung. Auf einer naturwissenschaftlichen Ebene jedoch könnte ein solcher Plan nie erfahren werden: Die Naturwissenschaft beschäftigt sich mit Phänomenen, die für die Empirie – zumindest indirekt – zugänglich sind. Sie schafft sich ihre Taxonomie für Kategorien wie „zielgerichtet“ und „ungerichtet“ selbst. Die Welt als Ganzes, der Blick auf sie aus der Vogelperspektive – gar der Vergleich zu hypothetischen anderen Welten – muss ihr verschlossen bleiben. Daher ist sie auch nur in der Lage innerhalb des Systems Vorgänge in die beiden Kategorien einzuteilen, ohne das System selbst evaluieren zu können. Der Glaube an einen Plan, der naturwissenschaftlich nicht belangbar und auf einer ganz anderen Ebene als die empirische Untersuchung der materiellen Welt anzusiedeln ist (das sogenannte NOMA-Prinzip, nach Gould 1999), muss also nicht automatisch mit der Annahme einhergehen, das „Design“ der Welt sei uns Menschen empirisch zugänglich. Da die letztgenannte Auffassung im Hinblick auf die Betrachtungsweise der Natur keinen Unterschied zur ateleologischen Position aufweist, wird im Folgenden dafür der Begriff der meta-teleologischen Perspektive gebraucht, da die Teleologie hier auf einer übergeordneten Ebene angesiedelt ist, die sich in der naturwissenschaftlichen Sichtweise – der Perspektive – der belebten Welt gar nicht niederschlagen kann.

Pseudo-Ateleologie
Aber auch die Annahme eines (nach innersystemlichen Kriterien tatsächlich) teleologischen Ursprungs unserer Welt bedingt noch lange nicht das Element der empirischen Zugänglichkeit des Designs. Selbst wenn man für die Entstehungsprozesse unserer Welt extrem teleologische Prozesse annimmt, wie Vertreter eines biblisch begründeten Schöpfungslehre etwa, der nach die gesamte Welt und alle Grundtypen des Lebens vor wenigen tausend Jahren direkt von Gott durch sein übernatürliches Wirken erschaffen wurden, ergibt sich daraus noch nicht, dass diese Teleologie auf naturwissenschaftlicher Ebene erkennbar sein muss. Ein Gott, der in seiner Allmacht das gesamte Universum durch sein Machtwort erschaffen kann, ist auch in der Lage, es so zu schaffen, dass es für uns aussieht, als sei es in einem Jahrmilliarden langen, ungerichteten Vorgang entstanden. Eine solche Sicht mag theologisch fragwürdig sein, da sie impliziert, Gott sei ein Betrüger (vgl. Junker 2005, 204; Knobel 2005). Man könnte hier jedoch gut begründet argumentieren, Gott habe dem Menschen nie zugesagt, dass die von ihm entwickelte naturwissenschaftliche Methodik jeden Aspekt der Realität zuverlässig ergründen kann. Das biblische Verständnis des de Menschen geschenkten Verstands fordert derartiges keineswegs. Doch dies hier auszuführen ginge zu weit. Wichtig ist: Eine teleologische Position zum Ursprung der Welt muss nicht automatisch mit einem Anspruch an (naturwissenschaftliche) Erkennbarkeit von Design in der Natur einhergehen muss. Wenn real-teleologische Prozesse zwar eine Rolle in der Weltgeschichte gespielt haben sollen, aber sich daraus keine Konsequenzen für die naturwissenschaftliche Ebene ergeben, so spreche ich von Pseudo-Ateleologie.

Die teleologische Perspektive

Diese Debatte, wie sie auch auf diesem Blog geführt wird, hat eindeutig Bezüge zu einer empirischen, naturwissenschaftlichen Ebene. Wäre dem nicht so, gäbe es wenig Konfliktpotential, gäbe es doch mit Hinblick auf objektivierbare Sachverhalte (Naturwissenschaft) keine Meinungsverschiedenheiten, sondern nur im Bezug auf individuelle Ansichten und Glaubensentscheidungen, die für den Bereich der Forschung bedeutungslos sind. Die Konzepte der Meta-Teleologie und Pseudo-Ateleologie weisen diese Verbindung nicht auf, da sie im Hinblick auf die empirisch erfassbare, naturwissenschaftlich zugängliche, Realität keinen Anspruch auf irgendeine Beeinflussung erheben. Allein die natürliche Ebene betrachtet – der einzige Bereich der für naturwissenschaftliche Betrachtungen von Interesse sein kann – unterscheiden sich diese Ansätze in keinster Weise von dem der ateleologischen Position. Für uns geht es also eigentlich um den Teilbereich innerhalb des Rahmens der teleologischen Position, der davon ausgeht, dass unsere Welt zumindest in Teilen auf nach innersystemlichen Kriterien teleologischen Prinzipien (die selbst natürlich auch übersystemlich sein können) entstand (anders als bei der Meta-Teleologie) und außerdem annimmt, diese teleologischen Elemente seien für die menschliche Empirie – zumindest theoretisch – zugänglich (anders als bei der Pseudo-Ateleologie). Das ist es, was ich die teleologische Perspektive nenne, da die reale Welt vor dem Hintergrund eines Plans und von dem Standpunkt einer erkennbaren und bedeutsamen Teleologie aus aktiv betrachtet und interpretiert wird. Die Teleologie ist hier kein meta-Phänomen, sondern integraler Bestandteil des Erkennungs-Prozesses.

Die ateleologische Perspektive
Für eine auf der Empirie verweisende Diskussion zur Ursprungsfrage spielen also zwei Perspektiven eine Rolle. Auf der einen Seite haben wir die ateleologische Perspektive, welche im Großen und Ganzen (mit einer Einschänkung, dazu warte auf einen Folgebeitrag) die ateleologischen Position beinhaltet und überdies den Bereich der teleologischen Position miteinschließt, der von lediglich übersystemlicher meta-Teleologie ausgeht (Theistische Evolution), sowie den Teil, der zwar von echter Teleologie ausgeht, jedoch auch davon, dass diese in der Natur verborgen ist und wir stattdessen eine ateleologische Illusion wissenschaftlich untersuchen. Auf der anderen Seite steht die teleologische Perspektive, welche den Anspruch erhebt, dass in unserer Welt nicht nur designt wurde, sondern dass so designt wurde, dass der Bezug auf den teleologischen Ursprung naturwissenschaftlich bedeutsam ist. Das heißt: Die Reduktion der zugelassenen Erklärungsansätze auf lediglich ateleologische Modelle würde uns einen fruchtbaren Zugang zur biologischen Realität auf einer an der Empirie orientierten Ebene verschließen.

Repräsentanten der teleologischen Perspektive
Im Rahmen der teleologischen Ursprungsposition wird von einem Ziel ausgegangen, das im Laufe der Entwicklung der Welt angepeilt wird, das also bereits zu Beginn ihrer Entstehung (oder zu Beginn des Entstehungsprozesses einer kleineren Untereinheit) bekannt sein muss. Dieses Ziel wird durch teleologische Prozesse verfolgt, welche auf das gewünschte Resultat ausgerichtet sind. In vielen Situationen muss zwischen verschiedenen Optionen entschieden werden, um dieses zu erreichen. In diesen Wahlmöglichkeiten, die im Hinblick auf das angepeilte Resultat genutzt werden, besteht auch der Unterschied zwischen teleologischen und rein deterministischen Prozessen. Beide führen zu einem Ergebnis, das bereits im Vorhinein feststeht. Während die letztgenannten jedoch gar nicht anders können, als dieses Ergebnis zu erreichen, geschieht das bei ersteren aufgrund im Hinblick auf das angepeilte Ziel getroffenen Entscheidungen an Stellen, an denen die weitere Entwicklung der Sache auch in eine ganz andere Richtung gehen könnte.
Hinter solchen Prozessen muss notwendigerweise eine Instanz stecken, die zum Wählen eines Ziels, zum Antizipieren und zweckmäßigen Arrangieren fähig ist. Sternberg (1982) hält dieses „goal-directed“ Verhalten als das entscheidende Kennzeichen von „Intelligenz“. Und Wechsler (1944) versteht unter diesem Begriff „the aggregate or global capacity of the individual to act purposefully, to think rationally, and to deal effectively with his environment“. Eine Instanz mit den oben genannten teleologischen Eigenschaften bzw. Fähigkeiten kann also wohl guten Gewissens als „Intelligenz“ bezeichnet werden, denn genau diese Merkmale sind es, die intelligente Agenten ausmachen – gleichgültig, ob es sich nun um Menschen, Tiere, Außerirdischen oder ein „intelligentes Universum“ selbst handelt. Die Produkte ihres Agierens können daher als Design bezeichnet werden. Ratzsch (2002, 3) definiert „Design“ beispielsweise als „a deliberately intended or produced pattern“. Auch wenn der „Designer“, welcher mit der teleologischen Ursprungsposition verbunden wurde, sehr häufig mit Gott und nur selten mit anderen geglaubten Wesen, die ebenfalls zu einem solchen teleologischen Handeln fähig gewesen wären, identifiziert wurde, hebt Bostom (2002) hervor, dass der intelligente Agent nicht notwendigerweise der „theistische Gott“ sein müsste:

We can take 'purposeful designer' in a very broad sense to refer to any being, principle or mechanism external to our universe responsible for selecting its properties, or responsible for making it in some sense probable that our universe should be fine-tuned for intelligent life.

Es ist einleuchtend, dass je nach angenommenem Designer ganz verschiedene Erwartungen an die biologische Realität gestellt werden. Auch die Geschichte des Design-Gedankens zeigt deutlich, dass die Interpretation bestimmter Elemente der Wirklichkeit als „Design“ in der Regel auch mit einer konkreten Zuordnung eines spezifischen Designers für dieses Phänomen einherging. Die durch die Spezifizierung erzeilten Erwartungen an die Struktur der Welt bilden mit anderen Rahmenbedingungen, die durch den spezifischen Designer gegeben werden, teleologische Erklärungen. Sie konstatieren nicht mehr nur „Design“ wie es im Zuge der allgemeinen teleologischen Perspektive geschieht, sondern ordnen dieses einem (kausalen) Ursprung zu. Aufgrund des Bezugs auf einen ganz bestimmten Designer und der Möglichkeit, daraus sehr spezialisierte Voraussagen Abzuleiten, sprechen wir hier von Modellen eines Spezifischen Designs (= SD-Modelle/Designer-Theorien; vgl. Heilig 2008f).
Designer (und auch Vorstellungen zum eigentlich selben Designer) unterscheiden sich in den Methoden, die sie verwenden bzw. die ihnen überhaupt zugänglich sind. Sie unterscheiden sich im Bezug auf die Zeitpunkte, die sie für ihr Agieren wählen. Sie unterscheiden sich nicht zu Letzt in dem, was sie planen und als Produkt umsetzen – dem „Design“. Zum Teil, weil sie gewissen Beschränkungen unterliegen, zum Teil, weil ihnen Persönlichkeit zugesprochen werden kann und über diese von den jeweiligen Teleologisten bestimmte Annahmen bestehen.
So lange die angenommenen Designer mit Naturkräften oder persönlichen, aber endlichen Göttern in Verbindung gebracht wurden, war die wissenschaftliche Ausformulierung eines SD-Modells praktisch nicht möglich oder bewegte sich zumindest in mystischen Sphären. Erst der Glaube an den wörtlich-verstandenen biblischen Schöpfungsbericht ermöglichte die Ausformulierung des ersten richtigen Versuchs einer Ursprungs-Erklärung. Natürliche Phänomene wurden auf real-kausale Ursachen zurückgeführt und einer der ersten Beiträge zur Aufklärung war geschaffen (vgl. beispielsweise Stephan 2001). Obwohl die Design-Methode selbst – Schöpfung durch das übernatürliche Machtwort des unendlichen Gottes – nicht Gegenstand objektivierbarer Forschung war, bot dieses Paradigma doch viele testbare Rahmenbedingungen: So sollte die Erde jung sein (im Bereich von 10 000 Jahren) und durch eine weltweite Wasserflut gekennzeichnet sein. Außerdem sollten die geschaffenen Lebewesen-Typen von Beginn an parallel existiert haben. Wie Laudan (1996, 210-230) unterstreicht, liegt damit eine wissenschaftlich testbare Theorie vor, wie man sich es nur wünschen kann – auch wenn der überwiegende Großteil der heutigen Wissenschaftler sagen würde, dass dieses Modell den Daten eben nicht stand halten konnte.

Repräsentanten der ateleologischen Perspektive
Auch im Rahmen der ateleologischen Perspektive kam es im Laufe der Geschichte zur Modell-Bildung. Diese erfolgte ganz simpel durch eine nähere Bestimmung des Mechanismus, der – wie von den Ateleologisten vertreten – die Komplexität des Lebens erklären sollte.
Ein solches Modell wurde erst im 19. Jahrhundert vorgeschlagen – und zwar von Darwin (1859). Bis dahin hatte diese Position als „Mechanismus“ nur den Lückenbüßer „Zufall“ anzubieten. Mit einem solchen Modell war im Streit um die Ursprungsfrage nicht viel zu gewinnen. Dass „Zufall“ lange Zeit die einzige ateleologische Alternative zum göttlichen Plan war, zeigt sich auch, wenn etwa der Naturtheologe William Paley (1802, 179) argumentiert, es sei ein eindeutiges Zeichen für einen teleologischen Ursprung des Menschen, dass seine Augen und Füße in dieselbe Richtung zeigen würden. Denn bei rein zufälliger Ausrichtung dieser Organe und Extremitäten wäre das ja nicht zu erwarten. Durch die von Darwin (1859) hinzugefügte Komponente der Notwendigkeit wurden solche Argumente hinfällig. Wer noch immer gegen die Fähigkeiten bloßen „Zufalls“ argumentiert, hat verpasst, dass das nicht mehr der aktuelle Prüfstein der Evolutionslehre sein darf. Was zu Paleys Zeiten korrekt war, wäre heute ein unfairer Schachzug.

Andere Klassifizierungs-Systeme
Ich möchte an dieser Stelle gerne auf Ratzschs (2002) Unterteilungen verweisen, die sich im Einzelnen wiederum sehr gut den hier vorgestellten Unterkategorien der teleologischen Position zuordnen lassen. Solche Zuordnungen sollten die Diskussion versachlichen, indem sie von vorne herein klar machen, welche Ansprüche und Inhalte mit einer bestimmten Aussage zur Ursprungsfrage verbunden sind. So wird auch klar, was eigentlich diskutiert wird. Beispielsweise im Bezug auf ID als desgignerunabhängige Designerkennungsmethode bzw. Ursprungserklärzung und Foschungsprogramm ohne Bezug auf den spezifischen Designer: Liefert "intelligent Design" eine Methode, welche der teleologischen Perspektive nützlich sein könnte? Geht es ohne SD? Wie in mehreren Beiträgen gezeigt (s.u.) ist diese Frage meines Erachtens ganz klar mit "Nein" zu beantworten.

Blog-Quellen zum Thema/Weiterführende Literatur
Bisher zu dem Thema auf diesem Blog erschienen:

Heilig C (2008a) Intelligentes, Optimales und spezifisches Design. Evolution und Schöpfung: http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2008/08/intelligentes-optimales-und.html.
  • Bei "ID" als Forschungsprogramm wird kein Bezug auf den Designer genommen. Der Verweis auf suboptimale Strukturen ist auf dieser Ebene kein Gegenargument, sondern erst im Kontext von SD. Ebenso ist Optimalität usw. jedoch nicht im Rahmen einer intelligenten (und zwar ausschließlich intelligenten!) Urheberschaft kein Argument. Dementsprechend ist ID auch keine Ursprungserklärung oder Theorie, sondern liefert lediglich den allgemeineren Rahmen, der jedoch mit Verweis auf den Designer spezifiziert werden muss.

Heilig C (2008b) Bin ich ein "ID-Vertreter?" Evolution und Schöpfung: http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2008/10/bin-ich-ein-id-vertreter.html.

  • Unterscheidung zwischen drei Bedeutungen von "intelligent Design" je nach Aussageabsicht des dem Design vorangestellten Adjektivs: 1) Abgrenzung zu nicht-intelligentem "Design" durch ateleologische Prozesse. 2) Betonung der Qualität des Designs. 3) Hinreichende Definierung des Designers. Das "ID" im ersten Sinn wird mit der "teleologischen Perspektive" gleichgesetzt. Die zweite Bedeutung entspricht einem SD-Modell. Die dritte entspricht der Auffassung, dass über den Designer nicht mehr bekannt sein muss, als dass er intelligent ist, um daraus eine Designerkennungsmethode und ein fruchtbares Forschungsparadigma abzuleiten. Letztere Einstellung wird als ungenügend ausgewiesen.

Heilig C (2008c) Welches naturwissenschaftliche Format nimmt "mein" ID ein? Und ist das überhaupt noch wichtig? Evolution und Schöpfung: http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2008/10/welches-naturwissenschaftliche-format.html.

  • Es macht keinen Sinn über die "Wissenschaftlichkeit" der übergeordneten (ateleologischen und teleologischen) Perspektive zu diskutieren. Vielmehr müssen deren Einzelmodelle individuell geprüft werden. Da diese keine Theorien im eigentlichen Sinne sind, sondern lediglich diese motivierende Rahmen darstellen, wird für sie der Begriff der "meta-naturwissenschaftlichen Hypothesen" vorgeschlagen.

Kritik gab es in den Diskussionen zu den gelisteten Beiträgen und auch hier:

Anwendungen etwa hier und hier. Vergleiche auch:

Zitierte Literatur

Bostrom N (2002) Anthropic bias: Obervation selection effects in science and philosophy. New York.

Darwin CR (1859) On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life. London.

Gould SJ (1999) Rocks of Ages: Science and Religion in the Fullness of Life. New York.

Heilig C (2008f) Das Analogieargument: Kritik und Gegenkritik. Sokrates 2, 18-39.

Junker R (2005) Leben – woher? Das Spannungsfeld Schöpfung/Evolution leicht verständlich dargestellt. Dillenburg, 3. Auflage.

Knobel C (2005) Erwachsene Schöpfung im Kontext der Astronomie. Diskussionsbeitrag SG W+W 1/2005: http://www.wort-und-wissen.de/disk/d05/1/d05-1.pdf.

Laudan L (1996) Beyond Positivism and Relativism. Westview Press.

Paley W (1802) Natural Theology, or Evidences of the Existence and Attributes of the Deity, Collected From the Appearances of Nature. London.

Ratzsch DL (2001) Nature, Design, and Science. The Status of Design in Natural Science. New York.

Ross M (2005) Whe Believes What? Clearing up Confusion over Intelligent Design and Young-Earth Creationism. Journal of Geoscience Education 53, 319-323.

Stephan M (2001) Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733): Sintlfutgeologie, Frühaufklärer und Fossilienforscher. Studium Integrale Journal 8, 94-98.

Sternberg RJ (1982) Handbook of human intelligence. Cambridge.

Wechsler D (1944) The measurement of adult intelligence. Baltimore.

Sonntag, November 09, 2008

Molekularer Maschinenbau

Der Informationsdienst Wissenschaft berichtet über neue Forschungsergebnisse von Wissenschaftern der Universität Würzburg:

Und es gibt sie doch: Maschinenbauer, die in Zellen dafür verantwortlich sind, molekulare Maschinen zusammenzubauen, die eine Vielzahl lebenswichtiger Prozesse in der Zelle ausführen, wie beispielsweise das richtige Umschreiben der Erbinformation in ein Protein. Das ist neu, denn bisher dachten Forscher, dass diese quasi wie von Geisterhand sich selbst organisieren.
Ähnlich der von Menschenhand gebauten Maschinen sind sie oft sehr komplex aufgebaut, statt aus Metall oder Plastik bestehen sie aus Proteinen oder Nukleinsäuren (DNA und RNA). Deshalb war es auch kaum zu glauben, dass sich diese hoch komplexen Maschinen spontan zusammenlagern sollten - wie dies einige Forscher behaupteten. "Diese Annahme ist jetzt eindeutig widerlegt. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zelle ähnlich vorgeht wie wir es von der Konstruktion einer Maschine in einer Fabrik kennen. Richtige Maschinenbauer sind da am Werk", so Utz Fischer.

Samstag, November 01, 2008

Diskussion über ID mit Wolf-Ekkehard Lönnig

Der Genetiker Wolf-Ekkehard Lönnig vom MPIZ (Köln) wird den Lesern dieses Blogs ein Begriff sein. In einem Blog-Beitrag (Heilig 2008a) schrieb ich:

[Detaillierte Komplexität] kann durchaus als Indiz dafür gewertet werden, dass der biologischen Realität ein Plan zu Grunde liegt, der nicht allein auf Zweckmäßigkeit und Überlebensvorteil reduziert werden kann, sondern auch andere – möglicherweise außerwissenschaftliche – Elemente (z.B. Ästhetik) enthält.

Herr Lönnig nahm diesen Beitrag als Anlass mich mit meiner These zu konfrontieren, für ID könne prinzipiell nur negativ argumentiert werden, ID sei also "nur" Evolutionskritik und könne nie mehr leisten. In der Tat legt das obige Zitat nahe, dass für "Design" positive Evidenz angeführt werden kann. Das bestreite ich auch keinesfalls. Meine These lautet lediglich: Wenn über den Designer nicht mehr vorausgesetzt werden kann, als dass er "intelligent" ( = zu teleologischem Handeln fähig) ist, dann muss die Argumentation stets auf einer negativen Ebene – auf der Ebene der Kritik der ateleologischen Alternative – verbleiben und ist nicht zwingend, solange kein Negativbeweis erfolgt. Selbstverständlich gibt es positive Argumente für Design. Wann immer diese jedoch von ID-Vertretern vorgebracht werden (z.B. Stephen C. Meyer), verlassen sie dabei den Bereich von ID und machen konkrete Aussagen zum spezifischen Designer (vgl. Heilig 2008b; 2008c), auch wenn das meistens nicht so eingeräumt wird. Im Bezug auf das Beispiel der "Detaillierten Komplexität" könnte man beispielsweise argumentieren (Heilig 2008e, 70f.):

Solche Strukturen sind nicht nur evolutionskritische Argumente, sie liefern auch wichtige Elemente für die SD-Modellbildung. Junker (2008) spezifiziert den Designer beispielsweise als übernatürlich und menschenähnlich und leitet daraus die Erwartung solcher Strukturen ab.

Umso mehr ergeben diese Strukturen in SD-Vorstellungen Sinn, die den Designer mit dem Gott der Bibel in Verbindung bringen: Passen sie nicht gut zu einem Gott, der nicht nur an die Verbreitung unserer Gene denkt, sondern seine Geschöpfe im „Überfluss“ beschenkt (vgl. Sacharja 1, 17; Joel 2, 24; 5. Mose 28,11; Johannes 15, 11)? Und wenn Jesus laut Lukas 12, 27 über die Lilien sagt, „[a]uch Salomo in aller seiner Herrlichkeit [ist] nicht gekleidet gewesen […] wie eine von ihnen“, unterstreicht er diesen Eindruck.

Nach einem langen Telefonat zu diesem Thema schrieb Herr Lönnig mir zu diesem Thema einige Mails und schlug mir vor, diese auf den Blog zu stellen. Ich gebe die Diskussion hier gerne wieder. Ich werde den Mailwechsel vollständig widergeben. Alle Einfügungen in eckigen Klammern kommen von Herrn Lönnig und sind Teil der ursprünglichen Mails. Um die Übersichtlichkeit ist es leider nicht sehr gut bestellt, ich habe das versucht, so gut wie möglich zu sortieren und widerzugeben.


Ein Schriftzug dergestalt, dass auf den beiden Flügeln eines Schmetterlings "Christoph Heilig ist klug, aber natürlich auch unvollkommen (wie wir alle)" stände, wäre eine unmittelbar positive Evidenz für ID. Übrigens würde kein Gericht der Welt bei der Überführung eines Täters von "negativer Evidenz, dass ateleologische Prozesse in dem Mordfall nicht ausreichen" sprechen. Was zählt ist die positive Evidenz für ID. Unsere (Lönnig und Meis) Arbeiten zu ID sind übrigens im Internet abrufbar:http://www.weloennig.de/RSGID1.html; http://www.weloennig.de/RSGID2.html;http://www.weloennig.de/RSGID3.html Auch dieser Punkt dürfte für Dich von Interesse sein: Hier eine Diskussion zu einem vermeintlichem "Missing Link" zu Utricularia von 2006, eine Link-Interpretation, die schon 1942 widerlegt wurde: http://www.weloennig.de/Polypompholyx.pdf


Ich antwortete darauf:

Ein Schriftzug dergestalt, dass auf den beiden Flügeln eines Schmetterlings ‚Christoph Heilig ist klug, aber natürlich auch unvollkommen (wie wir alle)‘ stände, wäre eine unmittelbar positive Evidenz für ID.
Und was ist mit einem Buchstaben? Und mit zwei? und mit drei? Wäre das positive Evidenz? Das wörtchen "und" oder "gott"? oder ein Sätzchen aus 15 Buchstaben? Oder was ist mit einem aus 62 Buchstaben wie in Ihrem Beispiel?
Übrigens würde kein Gericht der Welt bei der Überführung eines Täters von "negativer Evidenz, dass ateleologische Prozesse in dem Mordfall nicht ausreichen" sprechen. Was zählt ist die positive Evidenz für ID.
Das stimmt so nicht. Wenn nur gefragt wird, ob Intelligenz eine Rolle gespielt hat, dann wird negativ vorgegangen: Kann das Ganze nicht auch durch Zufall erklärt werden? Im spezifischen Mordfall ist das in der Tat nicht so, da zählt positive Evidenz: Was hat der Verdächtige für ein Alibi? Wissen wir, dass er schonmal gemordet hat? Hinterlässt er immer irgendwelche Signaturen bei seinen Opfern? Das hat aber mit ID nichts mehr zu tun, das ist eindeutig SD.

Herr Lönnig erwiderte darauf:

W.-E-L.: "Ein Schriftzug dergestalt, dass auf den beiden Flügeln eines Schmetterlings "Christoph Heilig ist klug, aber natürlich auch unvollkommen (wie wir alle)" stände, wäre eine unmittelbar positive Evidenz für ID."

C.H.: Und was ist mit einem Buchstaben? Und mit zwei? und mit drei? Wäre das positive Evidenz? Das Wörtchen "und" oder "Gott"? oder ein Sätzchen aus 15 Buchstaben? Oder was ist mit einem aus 62 [61] Buchstaben wie in Ihrem Beispiel?

W.-E.L.: Bill Dembski hat diese Frage, oder genauer das Prinzip dieser Frage, ausführlich in seinen Arbeiten diskutiert - für mich überzeugend. Wende bitte das folgende Beispiel auf Deine Frage an:

There now exists a rigorous criterion--complexity-specification--for distinguishing intelligently caused objects from unintelligently caused ones. Many special sciences already use this criterion, though in a pre-theoretic form (e.g., forensic science, artificial intelligence, cryptography, archeology, and the Search for Extra-Terrestrial Intelligence). The great breakthrough in philosophy of science and probability theory of recent years has been to isolate and make precise this criterion. Michael Behe’s criterion of irreducible complexity for establishing the design of biochemical systems is a special case of the complexity-specification criterion for detecting design (cf. Behe’s book Darwin’s Black Box).

What does this criterion look like? Although a detailed explanation and justification is fairly technical (for a full account see my book The Design Inference, published by Cambridge University Press), the basic idea is straightforward and easily illustrated. Consider how the radio astronomers in the movie Contact detected an extraterrestrial intelligence. This movie, which came out last year and was based on a novel by Carl Sagan, was an enjoyable piece of propaganda for the SETI research program--the Search for Extra-Terrestrial Intelligence. In the movie, the SETI researchers found extraterrestrial intelligence. (The nonfictional researchers have not been so successful.)

How, then, did the SETI researchers in Contact find an extraterrestrial intelligence? SETI researchers monitor millions of radio signals from outer space. Many natural objects in space (e.g., pulsars) produce radio waves. Looking for signs of design among all these naturally produced radio signals is like looking for a needle in a haystack. To sift through the haystack, SETI researchers run the signals they monitor through computers programmed with pattern-matchers. As long as a signal doesn’t match one of the pre-set patterns, it will pass through the pattern-matching sieve (even if it has an intelligent source). If, on the other hand, it does match one of these patterns, then, depending on the pattern matched, the SETI researchers may have cause for celebration.

The SETI researchers in Contact found the following signal:

11011101111101111111011111111111011111111111110111111111111111
11011111111111111111110111111111111111111111110111111111111111
11111111111111011111111111111111111111111111110111111111111111
11111111111111111111110111111111111111111111111111111111111111
11011111111111111111111111111111111111111111110111111111111111
11111111111111111111111111111111011111111111111111111111111111
11111111111111111111111101111111111111111111111111111111111111
11111111111111111111111101111111111111111111111111111111111111
11111111111111111111111111111101111111111111111111111111111111
11111111111111111111111111111111111111110111111111111111111111
11111111111111111111111111111111111111111111111111110111111111
11111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111
11111111011111111111111111111111111111111111111111111111111111
11111111111111111111111111111101111111111111111111111111111111
11111111111111111111111111111111111111111111111111111111110111
11111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111
11111111111111111111111111111111011111111111111111111111111111
11111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111
1111111111

In this sequence of 1126 bits, 1’s correspond to beats and 0’s to pauses. This sequence represents the prime numbers from 2 to 101,where a given prime number is represented by the corresponding number of beats (i.e., 1’s), and the individual prime numbers are separated by pauses (i.e., 0’s).

The SETI researchers in Contact took this signal as decisive confirmation of an extraterrestrial intelligence. What is it about this signal that decisively indicates design? Whenever we infer design, we must establish two things--complexity and specification. Complexity ensures that the object in question is not so simple that it can readily be explained by chance. Specification ensures that this object exhibits the type of pattern that is the trademark of intelligence.

To see why complexity is crucial for inferring design, consider the following sequence of bits:

110111011111

These are the first twelve bits in the previous sequence representing the prime numbers 2, 3, and 5 respectively.
Now it is a sure bet that no SETI researcher, if confronted with this twelve-bit sequence, is going to contact the science editor at the New York Times, hold a press conference, and announce that an extraterrestrial intelligence has been discovered. No headline is going to read, "Aliens Master First Three Prime Numbers!"

The problem is that this sequence is much too short (i.e., has too little complexity) to establish that an extraterrestrial intelligence with knowledge of prime numbers produced it.
A randomly beating radio source might by chance just happen to put out the sequence "110111011111." A sequence of 1126 bits representing the prime numbers from 2 to 101, however, is a different story. Here the sequence is sufficiently long (i.e., has enough complexity) to confirm that an extraterrestrial intelligence could have produced it.

Even so, complexity by itself isn’t enough to eliminate chance and indicate design. If I flip a coin 1,000 times, I’ll participate in a highly complex (or what amounts to the same thing, highly improbable) event. Indeed, the sequence I end up flipping will be one in a trillion trillion trillion . . . , where the ellipsis needs twenty-two more "tri llions." This sequence of coin tosses won’t, however, trigger a design inference. Though complex, this sequence won’t exhibit a suitable pattern. Contrast this with the sequence representing the prime numbers from 2 to 101. Not only is this sequence complex, it also embodies a suitable pattern. The SETI researcher who in the movie Contact discovered this sequence put it this way: "This isn’t noise, this has structure. http://www.discovery.org/scripts/viewDB/index.php?command=view&id=62

Und so verhält es sich auch mit den 61 Buchstaben, 10 Leerzeichen (Wortzwischenräumen), 2 Kommata und 2 Klammern in meinem Beispiel.* Es handelt sich um specified complexity: Wenn "Christoph Heilig ist klug, aber natürlich auch unvollkommen (wie wir alle)" auf Schmetterlingsflügeln stände, wäre das eine unmittelbar positive Evidenz für ID. Es ist allerdings nicht einfach, eine ganz genaue Grenze zu ziehen, aber bei ganzen sinnvollen Sätzen dürfte die Sache doch sehr, sehr interessant werden.

(Dem alten - und nun wirklich ausgesprochen bedauernswerten (siehe unten) - Herrn Prof. Behringer soll es übrigens wie Schuppen von den Augen gefallen sein, als er bei seinen gefälschten Fossilfunden seinen eigenen Namen entdeckte.**)


Und seine „Sternchen“:

*Siehe zu einer Buchstabenfolge auch: http://www.weloennig.de/Genduplikationen.html "Zur Veranschaulichung möchten wir ein Beispiel von J. F. Coppedge zitieren. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand zufällig aus einer Box mit Unmengen von Einzelbuchstaben unseres Alphabets nur einmal die Sequenz "the theory of evolution" zieht?

All that is needed is simply to get those twenty-three letters and spaces in proper order, selecting them at random from a set of twenty-seven objects (twenty-six letters and one space). By the multipication rule we learned, it will be 27 x 27 x 27...x 27 using the figure twenty-three times. The probability when computed is 1 in approximately 834,390,000,000,000,000,000,000,000,000,000; that is one success in over 8 hundred million trillion trillion draws. To get an idea of that number, let us imagine that chance is employing an imaginary machine which will draw, record and replace the letters at the speed of light, a BILLION draws PER SECOND! Working at that unbelievable rate, chance could spell "the theory of evolution" once in something over 26,000,000,000,000,000 years on the average!...a child could do it in a few minutes. Chance would take more than five million times as long as the earth has existed (if we use the five-billion-year rounded figure which some evolutionists now estimate as the age of the earth).
Auf die genetische Ebene übertragen heißt das für eine proteinkodierende Sequenz mittlerer Länge (Coppedge, p. 159):
With four kinds of nucleotides, and a chain 1,200 long, the total of possible arrangements would be 41200, which is approximately 10722.The letters of a gene, however, are read in triplet codons (comprising sixty-four kinds of triplets) of which there are 400 in this size chain. If computed in this way, there would be a total of 64400possible orders, and this turns out to the same as when figured by individual letters, namely 10722.
Auch wenn wir einen Toleranzspielraum von bis zu 50% einräumen, bleiben die Wahrscheinlichkeiten unvorstellbar gering. S. Pullen hat speziell zur Unwahrscheinlichkeit der Gesamtevolution durch Gen-Duplikationen umfangreiche Modellrechnungen vorgelegt (1998/2001: Evolution of New Genes from non-Random DNA - mit darauf folgenden 17 Internet-Unterkapiteln). Wenn auch diese Modelle sicher noch nicht das letzte Wort zu diesem Thema sind - die Situation ist in der biologischen Realität noch wesentlich komplexer, da [z. B.] das gesamte Gebiet der spezifischen raumzeitlichen Genregulation noch nicht in den Modellrechnungen mitberücksichtigt worden ist - so ist doch der Trend der Überlegungen sowohl bei Coppedge als auch bei Pullen in voller Übereinstimmung mit den beschreibenden und experimentellen Ergebnissen der Mutationsforschung mit ihren insgesamt in die Milliarden und Billionen gehenden spontanen und induzierten Mutationen.

**Um 1725 spielten zwei Professoren in Eiblstadt ihrem Kollegen Johannes Bartholomäus Adam Behringer einen bösen Streich: Sie ließen ihn über 2000 "Fossilien" finden, die extra für ihn geschnitzt worden waren. ...

http://www.br-online.de/wissen/forschung/fossil-skurril-DID118856132978/fossil-dinosaurer-faelschung-ID1188565449225.xml

und genauer:

http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/luegenst.htm

In einer späteren Mail führte Herr Lönnig aus:

W.-E.L.: Übrigens würde kein Gericht der Welt bei der Überführung eines Täters von "negativer Evidenz, dass ateleologische Prozesse in dem Mordfall nicht ausreichen" sprechen. Was zählt ist die positive Evidenz für ID."

C. H.: Das stimmt so nicht. Wenn nur gefragt wird, ob Intelligenz eine Rolle gespielt hat, dann wird negativ vorgegangen: ....

W.-E.L.: Welches Gericht fragt denn nur, ob Intelligenz eine Rolle gespielt hat? Es werden vielmehr mehrere Fragen gleichzeitig gestellt: Welche positiven Beweise sprechen für eine geplante (Un-)Tat? Welche positiven Beweise lassen auf einen bestimmten Täter schließen? Welche Täter kommen in Frage (Motive, Bekanntenkreis, außerhalb des Bekanntenkreises, Alibis etc.)?

C.H: ...Kann das Ganze nicht auch durch Zufall erklärt werden?

W.-E.L. Das Gericht prüft die behaupteten positiven Beweise der Anklage. Die Verteidigung wird alles tun, um darin Lücken zu entdecken. Erst wenn es der Letzteren gelingt zu zeigen, dass die Beweise nicht ausreichen und einen Zufallsprozess wahrscheinlich machen kann, wird es zum Freispruch "aus Mangel an Beweisen" kommen.

C. H.: Im spezifischen Mordfall ist das in der Tat nicht so, da zählt positive Evidenz: Was hat der Verdächtige für ein Alibi? Wissen wir, dass er schon mal gemordet hat? Hinterlässt er immer irgendwelche
Signaturen bei seinen Opfern? Das hat aber mit ID nichts mehr zu tun, das ist eindeutig SD.

W.-E.L.: ID wird hier sehr eng gefasst. Alle oben genannten Punkte gehören - ID auf die juristische Ebene angewandt - zum Design des Täters. Auch sein spezifisches Design ist intelligent. ID ist der Oberbegriff. Vielleicht könnte man in diesem Zusammenhang auch die Golden Record der NASA diskutieren: http://voyager.jpl.nasa.gov/spacecraft/goldenrec.html

Die oben genannten Thesen könnten wohl durch zahlreiche Fallbeispiele abgesichert werden. Ich möchte an dieser Stelle jedoch einen ganz anderen Ansatz wagen. Und zwar möchte ich wie folgt deduktiv vorgehen: So wie die Evolutionsbiologie die (Makro-)Evolution als Tatsache voraussetzt (obwohl diese weder induktiv noch sonstwie bewiesen werden kann - Stichworte "Entstehung des Lebens", "Kambrische Explosion", "Synorganisationen" (http://www.weloennig.de/RSGID1.html), Gesetz der rekurrenten Variation: http://www.weloennig.de/Loennig-Long-Version-of-Law-of-Recurrent-Variation.pdf, etc.), so möchte ich dem (übrigens viel besser beweisbaren) Anspruch des Apostels Paulus folgen, dass seine Ausführungen von Gott selbst inspiriert wurden (ich setze also im Folgenden die Richtigkeit seiner Aussagen als Tatsache voraus) und zitiere zu unserer Fragestellung den berühmten Text aus seinem Brief an die Römer 1, Verse 19-23:

...weil das, was man von Gott erkennen kann, unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbar gemacht. Denn seine unsichtbaren [Eigenschaften] werden seit Erschaffung der Welt deutlich gesehen, da sie durch die gemachten Dinge wahrgenommen werden, ja seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit, so daß sie unentschuldbar sind; denn obwohl sie Gott kannten, verherrlichten sie ihn nicht als Gott, noch dankten sie ihm, sondern sie wurden hohlköpfig in ihren Überlegungen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Obwohl sie behaupteten, sie seien weise, wurden sie töricht und verwandelten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in etwas gleich dem Bild des vergänglichen Menschen und von Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren.
J. Zink hat die Verse 19 und 20 recht frei wie folgt wiedergegeben:
Freilich, sie könnten ihn kennen. Gott hat ihnen deutlich gezeigt, wer er ist. Unsichtbar ist er, gewiß! Aber seine Schöpfung ist sichtbar. Seit es Menschen gibt, konnten sie seine Werke schauen, wenn sie nur nachdenken wollten! Seine ewige Macht und sein göttliches Wesen konnten sie sehen, und niemand befreit sie von ihrer Schuld, wenn sie sagen: Ich sehe ihn nicht!
Nimmt man also diesen Text als völlig sichere Wahrheit zur Grundfrage, ob intelligentes Design sowohl in der Natur vorkommt als auch erkennbar ist, dann gibt es nur eine verbindliche Antwort: Nicht nur das Design (und über die ID-Theorie hinaus, die sich auf die Frage nach der Erkennbarkeit von Design in der Natur beschränkt), sondern auch die "unsichtbaren Eigenschaften" des Designers* - "seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit" sind aufgrund der "Erschaffung der Welt" so völlig eindeutig und sicher zu erkennen, dass jeder Mensch, der diese Erkenntnis leugnet, "unentschuldbar" ist.

Mehr noch, solche Menschen sind gemäß diesem Pauluswort/Gotteswort nicht nur unentschuldbar, sondern auch "hohlköpfig in ihren Überlegungen und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert".

Demnach muss es eine natürliche Methode geben, die - frei von allen Vorurteilen - es jedem denkenden Menschen ermöglicht, von Gott durch die Schöpfung das zu erkennen, was er "ihnen offenbar gemacht" hat: "...seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit". Ich denke, dass auf dem wissenschaftlichen Niveau die ID-Theorie für den ersten Schritt, der Erkennbarkeit von Design in der Natur, einen ausgezeichneten Ansatz bildet (mit und ohne Offenbarung). Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang auch die weitere Argumentation, die Paulus niedergeschrieben hat:

Obwohl sie behaupteten, sie seien weise, wurden sie töricht...

Dr. Werner Gieffers hat diesen Punkt sehr schön veranschaulicht in seiner ausführlichen Buchbesprechung http://www.evokrit.de/buchbespr.php?%20hema=buch02&seid=6b54acc4bad00ee858099a5a53138661 - sehr treffend übrigens auch mit der Aussage:

Dass Kutschera es nicht mit dem Schöpfer hält, weiß der Leser schon zur Genüge. Dem Schöpfer aber Unsinnigkeiten oder Unfähigkeiten zu unterstellen, ist in einem Buch, dass Wissenschaftlichkeit beansprucht, vollkommen deplaziert. Mit Spott und Lästerungen wird doch die Evolutionslehre nicht zur bewiesenen Tatsache. Statt die Fehler anderer zu suchen, wäre der Autor besser beraten gewesen, sich um die vielen Fehler in seinem Buch zu bemühen.
...und verwandelten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in etwas gleich dem Bild des vergänglichen Menschen und von Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren.
Heute geschieht das u. a., indem man behauptet, dass sich "kriechende" und "vierfüßige Tiere" allein durch die Eigenschaften der Materie (Mutation, Selektion, Rekombination, Symbiosen etc.) "von selbst" entwickeln und sich weiter bis zum Menschen evolvieren konnten und dass überhaupt alle Lebensformen (einschließlich der ersten lebenden Zelle) ohne Ziel, Plan, Geist und Gott entstanden seien. Und ähnliches wird von Ursprung des Universums mit seinen Milliarden von Galaxien behauptet. Gott als Schöpfer existiert demnach nicht, - im klaren Kontrast zum oben zitierten Text, der im Vers 25 übrigens weiter von solchen Personen spricht, "die die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und eher der Schöpfung Verehrung und heiligen Dienst darbrachten als dem Schöpfer..."

Siehe dagegen Nobelpreisträger pro Intelligent Design:

http://www.weloennig.de/Nobelpreistraeger.pdf

Tatsache ist weiter, dass die Evolutionsbiologie, um einen konkreten Punkt herauszugreifen, nicht einmal in der Lage ist, den Ursprung der Langhalsgiraffen zufriedenstellend zu erklären: http://www.weloennig.de/Giraffe_Erwiderung.1a.pdf

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*Ein "Superintellekt" mit der Macht, das Universum und das Leben hervorzubringen, verdient es übrigens als "Gott" bezeichnet zu werden.

Um die Überschaubarkeit der Diskussion möglichst weit zu bewahren, nur einige kurze Anmerkungen zu dieser letzten Mail von Herr Lönnig, auf die ich bisher noch nicht per Mail geantwortet hatte. Ich kann dabei nicht auf alles eingehen. Ich denke jedoch, dass nicht alle Punkte von direkter Relevanz für das Thema sind und dass meine Meinung zu diesem aus den hier zitierten Quellen eigentlich zu genüge hervorgehen sollte

Welches Gericht fragt denn nur, ob Intelligenz eine Rolle gespielt hat? Es werden vielmehr mehrere Fragen gleichzeitig gestellt: Welche positiven Beweise sprechen für eine geplante (Un-)Tat? Welche positiven Beweise lassen auf einen bestimmten Täter schließen? Welche Täter kommen in Frage (Motive, Bekanntenkreis, außerhalb des Bekanntenkreises, Alibis etc.)?

In der Tat würde kein Gericht der Welt Frage stellen, die derart inhaltslos und uninteressant ist und obendrein methodisch kaum machbar ist, weil die Frage nach dem Design-Status ohne Vorgabe bestimmter Eigenschaften des Designers gar nicht möglich ist (vgl. Heilig 2008c). Ebenso interessieren uns im Bezug auf die Natur aber doch auch nicht „nur, ob Intelligenz eine Rolle gespielt hat“. Wir möchten auch wissen: „Welche positiven Beweise lassen auf einen bestimmten Täter schließen? Welche Täter kommen in Frage (Motive, Bekanntenkreis, außerhalb des Bekanntenkreises, Alibis etc.)?“ Mit „ID“ im eigentlichen Sinne (also dem Standpunk, dass Design in der Natur ohne Bezug zum Designer erkannt werden kann [Heilig 2008c, II]) hat das aber nichts mehr zu tun. Wenn Herr Lönnig die Gerichtsverhandlung ohne Bezug zum Mörder langweilig findet, müsste er selbiges eigentlich auch im Bezug auf ID meinen. Ja, ich kenne dieses Argument, von wegen, man würde einfach erstmal nach Design schauen und der Bezug zum spezifischen Designer könne später erfolgen, man hätte einfach noch nicht die Möglichkeit, auch den Designer festzustellen, erstmal wäre das bloße Design dran. Ich kenne das sehr gut (Heilig 2008d) - das Entscheidende ist nur: eine solche Design-Identifikation funktioniert nicht.

ID wird hier sehr eng gefasst. Alle oben genannten Punkte gehören - ID auf die juristische Ebene angewandt - zum Design des Täters. Auch sein spezifisches Design ist intelligent. ID ist der Oberbegriff.

ID wird hier nicht „sehr eng gefasst“! Es handelt sich hier um eine Beschränkung, welche sich ID-Vertreter unzählige Male selbst auferlegt haben. Wann immer Argumente mit suboptimalen Strukturen gegen Design in der Natur vorgebracht wurden, wird argumentiert, solche Kritik sei absolut verfehlt, weil das „intelligent“ in ID eine ausschließliche und hinreichende Beschreibung dessen sei, was über den Designer ausgesagt würde (Heilig 2008b). Es ist nicht konsiquent, sich einmal als „designerunabhängig“ (vgl. Heilig 2008d) auszugeben, um Kritik zu umgehen, die Möglich würde, wäre ein Bezug zum spezifischen Designer vorhanden (vgl. Haller & Heilig 2008) – und dann wieder zu behaupten, ID würde durchaus designerspezifische Voraussetzungen zulassen, wenn es dadurch möglich wird, positive Belege für Design zu formulieren (die dann allerdings wieder als Belege für ausschließlich intelligentes Design ausgegeben werden, wie man es etwa häufig bei Stephen C. Meyer findet).

Wenn Herr Lönnig meint, auch „spezifisches Design ist intelligent“, zeigt dies, dass er damit offensichtlich nicht dasselbe meint, wofür ich die Begriffe verwende (bzw. - in Fall von SD - eingeführt habe). Natürlich ist ein „spezifischer Designer“ auch ein „intelligenter Designer“! Aber nur weil ich „spezifisches Design“ erkennen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich auch „intelligentes Design“ erkennen kann. Herr Lönnig vermischt hier zwei Bedeutungen des Begriffs „intelligent Design“, die ich bereits in Heilig (2008c) differenziert habe: Unter „I.“ hatte ich dort das „ID“ beschrieben, bei dem das „intelligent“ lediglich als Verdeutlichung der teleologischen Komponente verwendet wird und zur Abgrenzung von nicht-intelligentem Design dient (vgl. Haller & Heilig 2008). In diesem Sinne ist ein „spezifisches Design […] intelligent“. Unter „II.“ hatte ich jedoch „ID“ beschrieben, als ein Paradigma, das nach eigener Aussage ohne Bezug auf die Natur des Designers und ausschließlich unter der Vorgabe, der Designer sei zu teleologischem Handeln fähig, Design in der Natur erkennen möchte. „ID“ und „SD“ sind hier zwei grundlegend verschiedene methodische Werkzeuge zur Design-Erkennung (wie ich bereits in Heilig 2008d betont hatte) und wovon letzteres theoretisch möglich ist, ersteres aber nicht (Heilig 2008c).

Zitierte Literatur:


Haller T & Heilig C (2008) Spinnen-Design oder Spinnen-"Design"? Essay zu einem vieldiskutierten Begriff. Studium Integrale Journal 15, 43-45.

Heilig C (2008a) Den Vögeln schöne Augen gemacht? Stud. Int. J. 15, 102-104.

Heilig C (2008b) Intelligentes, Optimales und Spezifisches Design. Evolution und Schöpfung.

Heilig C (2008c) Bin ich ein "ID-Vertreter?" Evolution und Schöpfung.

Heilig C (2008d) Das Analogieargument. Kritik und Gegenkritik. Sokrates. Die freie Zeitschrift für Philosophie 2, 19-38.

Heilig C (2008e) Intelligentes Design oder Theistische Evolution? Zum Verständnis von Gottes Schöpfungshandeln im Spannungsfeld von Wissenschafts-"Kultur" und christlicher Ursprungsperspektive. Unveröffentlichtes Manuskript.