Ronald Lärm hat kürzlich auf diesem Blog das umstrittene Buch von Joachim Bauer "Das kooperative Gen"
angesprochen. Ich selbst habe es noch nicht gelesen und werde es wohl auch nicht tun. Ich verfolge die Kontroverse daher nur am Rande. In der neuen "bild der wissenschaft" fiel mir dann aber eine kurze Besprechung von Judith Rauch auf. Nicht etwa, weil sie besonders spektakulär gewesen wäre, aber weil sie eingebettet war in Aussagen von niemand anderem als dem Bauer-Kritiker Axel Meyer selbst, der zusammen mit zwei anderen Experten (Ulrich Kutschera und Friedemann Schenk) Fragen der Leser zur Evolution beantwortete!
Es muss Meyer ganz schön stinken, über blinde Fische zu schreiben, während die Redaktion den Artikel durch eine solche Box - die auch noch positiv urteilt! - ver"schönert".
Da bekommt seine Aussage im Handelsblatt (Dezember 2008) gleich ein ganz anderes (prophetisches?) Gewicht:
Dies alles ist dumm genug, um es geflissentlich zu ignorieren. Aber dieser Nonsens – mittlerweile ein Bestseller – wird in den Feuilletons der überregionalen Zeitungen auch noch wohlwollend besprochen! Die Ressortleiter schicken für solche Jobs wohl gerne die jungen Praktikanten vor, denen es vielleicht an wissenschaftlicher Bildung oder Zivilcourage mangelt.
Amüsiert hat mich, wie unterschiedlich Bauers Qualifikationen von Meyer und Rauch beurteilt werden. Ich kann die Aussagen/Einschätzungen nicht beurteilen - was denn nun korrekt bzw. "am wenigsten irreführend" ist, ist mir eigentlich auch recht egal. Interessant ist die Gegenüberstellung aber allemal.
Meyer schreibt:
Bauer, um es gleich vorwegzunehmen, hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie. [Sein] Gerede ist bar jeglicher wissenschaftlicher Evidenz. Was nicht verwundert, denn Bauer ist bisher eher durch populärwissenschaftliche, psychosomatisch angehauchte Bücher aufgefallen.
In "bdw" lesen wir dagegen:
Ist Bauer ein Spielverderber? Oder gar ein fromm gewordener Wissenschaftler, der
zur Schöpfungslehre übergetreten ist? Beides nicht. Der ehemalige Genforscher - Spezialgebiet: Immunsystem und menschliches Gehirn - hat nur die akteulle Fachliteratur der Genomforscher genauer studiert als andere Evolutionstheoretiker.
Interessant auch, wie Bauer in seiner Erwiderung im Handelsblatt präsentiert wird:
Prof. Dr. Joachim Bauer ist Mediziner und war in der molekular- und neurobiologischen Forschung tätig. Heute arbeitet er als Universitätsprofessor in der Abteilung für Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums in Freiburg
4 Kommentare:
Da er auch hier passt, erlaube ich mir, meinen gestern zum Beitrag "'Wehe denen, die widersprechen...'" eingestellten Kommentar zu wiederholen:
Der Stil, mit dem der Evolutionsforscher Axel Meyer versucht, den Mediziner Bauer abzukanzeln, erinnert mich an typisches Pfaffengezänk, bei dem der eine Pfaffe dem anderen vorwirft, nicht die Spur einer Ahnung von der wahren Auslegung der Bibel zu haben:
"Herr Bauer (...) hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie (...) und würde in meiner Klausur Evolutionsbiologie sicherlich durchfallen, denn mit Wissenschaft hat das herzlich wenig zu tun."
Man braucht nur die Begriffe Evolutionsbiologie / Wissenschaft durch Bibel oder wahren Glauben zu ersetzen, um das zu verdeutlichen.
Dies wirft kein gutes Licht auf den Anspruch von Evolutionsbiologen (in diesem Fall Meyer) ernstzunehmende Wissenschaftler zu sein.
Gruß
Geoman
Hi Geoman!
"Dies wirft kein gutes Licht auf den Anspruch von Evolutionsbiologen (in diesem Fall Meyer) ernstzunehmende Wissenschaftler zu sein."
In jedem Pfäffle steckt a Päpstle ... . Deshalb an Dich: Wie nun soll ein 'ernstzunehmender Wissenschaftler' darlegen, dass Stuss vorliegt?!
(Nun verwendet Joachim Bauer nicht wenige Quellen/Zitate - aber 'interessant' ist, was er daraus im Zusammenhang mit seinem Gedankenstrang damit baumarktmäßig macht: Was nicht passt, wird passend gemacht ...).
Cheers,
Lamarck
Hi Lamarck,
Meyer redet bekanntlich - in jüngster Zeit zunehmend - auch viel Stuss.
Eigentlich ein Grund mehr für ihn, sich gegenüber anderen Forschern (mit abweichenden Meinungen) nicht wie der einzig Rechtgläubige aufzuspielen.
Gruß
Geoman
Ich habe und werde das Buch von Herrn Bauer nicht lesen. Ob er von Evolutionsbiologie Ahnung hat oder nicht spielt eigentlich keine Rolle: Letztlich ist HIV auch nur ein transposable element. Und das soll er mal mit seinen Koopertionsphantasien erklären. Dabei kann er gleich auch noch Tumoren als Kooperation von Genomen mit HTLV-I und -II besprechen. Genetische Erkrankungen, die durch Insertion endogener TEs erzeugt wurden? Und 40% des Genoms bestehen aus TEs? Klar, aber die meisten sind inaktiv. Erwähnt Herr Bauer eigentlich sleeping beauty, frog prince und piggy back? Könnte er ja mal in MedLine nachsehen. Auf die ArtKooperation mit dem jeweiligen Genom wird jeder gern verzichten.
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