Montag, Januar 12, 2009

Keine Chance für Antibiotikaresistenzen?

Michael J. Behe hat folgende Vorhersage in seinem Buch 'The Edge of Evolution' gemacht:

Ein konsequenter Darwinist muss davon ausgehen, dass Zufallsmutationen letztlich jedes Antibiotikum umgehen können – in Anbetracht all der prächtigen molekularen Maschinerie die dadurch hervorgebracht wurde... . Aber Intelligent Design sagt vorher, dass es immer echte Hoffnung gibt. Wenn wir das rechte Werkzeug finden (...) könnte dies die Vorstellung [Anm.: die Resistenzbildung] beenden. (...) In medizinischen Angelegenheiten ist ein Verständnis für die Fähigkeiten ungerichteter Mutationen kritisch. Und genauso kritisch ist es die Grenzen evolutionärer Prozesse festzustellen.“ (237)

Die Strategie ist in der Theorie ganz einfach: Wenn man einen Krankheitserreger bekämpfen will, dann muss man ein Gegenmittel finden, welches nicht durch geringfügige Anpassungen unschädlich gemacht werden kann. Wenn eine Anpassung zu viele Mutationen erfordern würde bzw. erst durch die Evolution komplex organisierter molekularer Systeme erfolgen könnte, wird sie in der Praxis niemals stattfinden. D.h. eine Resistenzbildung kann nicht erfolgen, weil sie die Fähigkeiten ungelenkter evolutionärer Prozesse übersteigen würde.

Resistenzbildung ist nicht immer das (alleinige) Resultat ungerichteter evolutionärer Prozesse, sondern kann auf Anpassungsmechanismen zurückgehen. Diese lassen sich jedoch im Prinzip erforschen, verstehen und neutralisieren/manipulieren. So gibt es Hinweise darauf, dass manche Zellen Mutationen gezielt die Mutationsrate erhöhen, was Teil eines Mechanismus zu sein scheint um in Stresssituationen eine schnelle Anpassung zu erreichen. Ein Team um den Studienleiter Floyd Romesberg hat 2005 berichtet, dass sie durch das Ausschalten eines Proteins (LexA) Bakterien (vorerst?)die Fähigkeit genommen haben, Resistenzen zu evolvieren (hier).

Jerry Coyne schrieb 2006 in Nature bezogen auf mangelhafte praktische und kommerzielle Anwendungen evolutionärer Ansätze (hier), dass „Evolution uns nicht bei der Vorhersage helfen kann, welche neuen Impfstoffe herzustellen sind, da Mikroben nicht vorhersagbar evolvieren.“

ID dagegen regt an sowohl Fähigkeiten als auch Grenzen ungerichteter evolutionärer Prozesse zu erforschen. Evolution ist keine überwältigende Naturgewalt sondern limitiert und letztlich beherrschbar. ID geht darüber hinaus logisch mit einer (in Biologie und Medizin bewährten wenngleich von Intentionalität entkoppelten) teleologischen Perspektive einher, die folgerichtig nach Anpassungsmechanismen fragt.

Das an sich ist natürlich noch keine Garantie Antibiotikaresistenzen unter Kontrolle zu bekommen aber immer hin eine hoffnungsvolle Perspektive und wesentlich mehr als eine darwinistische Denkweise bietet.


12 Kommentare:

Lamarck hat gesagt…

Hi Markus Rammerstorfer!


"[...] weil sie die Fähigkeiten ungelenkter evolutionärer Prozesse übersteigen würde."

Wohl Dein Lieblingsbegriff. Was aber soll denn ein ungelenkter Prozess genau sein?





Cheers,

Lamarck

Anonym hat gesagt…

Ich musste irgendwie an folgendes denken:

Da die Dinosaurier keine Meteoritenresistenz entwicklet haben, ist die ET widerlegt.

Marco hat gesagt…

Die dusseligen Biologen: Denken, dass Evolution alles kann und kommen nicht mal drauf, dass man Bakterien durch Medikamente möglichst hohe evolutive Hürden in den Weg legen musss...

Habe ich den Blogbeitrag so grob zusammengefasst?

Gut das es Behe und ID gibt. Sonst würden wir echt bald ohne wirksame Medikamente dastehen. Respekt, Hut ab und vielen Dank!

Anonym hat gesagt…

Schöne Sache - jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, daß sich alle Krankheitserreger beim Gesundheitsamt melden, um sich gegen das Evolvieren ihrer Resistenzgene impfen zu lassen

Christoph Heilig hat gesagt…

Der nächste anonyme Kommentar wird gelöscht. Ich habe oft genug gebeten, sih einen Nick zuzulege.

Wolf-Dieter hat gesagt…

"Die dusseligen Biologen: Denken, dass Evolution alles kann und kommen nicht mal drauf, dass man Bakterien durch Medikamente möglichst hohe evolutive Hürden in den Weg legen musss..."

Meine Güte, der Text sagt einfach, dass uns die Krankheitserreger immer einen Schritt voraus sein werden, falls evolutionäre Prozesse keine Grenzen haben, und dass wir sie irgendwann in den Griff kriegen können, falls es doch Grenzen gibt. Sollte eigentlich sogar ein Hauptschüler verstehen...

Marco hat gesagt…

@Wolf-Dieter

Hast Du was anderes gelesen als ich? Zitat:
"ID dagegen regt an sowohl Fähigkeiten als auch Grenzen ungerichteter evolutionärer Prozesse zu erforschen."
Prima, ID! Wie gesagt, da wären die Biologen/Mediziner sicher nicht drauf gekommen! Und dabei dieser Hauch von Arroganz, der dieser Banalität die rechte Würze verleiht... Sehr schön.

Dein schön arroganter Kommentar über die Hauptschüler passt da übrigens auch hervorragend ins Bild, weiter so!

Wolf-Dieter hat gesagt…

Wer posaunt denn ständig, dass evolutionäre Prozesse keine Grenzen kennen und Behe und Co. einfach nur fantasielos sind? Krankheitserreger sind doch die Lieblinge, wenn es darum geht, billige Punkte gegen die bösen Kreationisten zu machen.

Nirgends im Text wird behauptet, Biologen seien doof, es geht nur um, Zitat: "immer hin eine hoffnungsvolle Perspektive und wesentlich mehr als eine darwinistische Denkweise bietet".

Und Bescheidenheit ist ja wohl nicht gerade die Stärke unserer Evolutionsbefürworter, oder? Dein ursprünglicher Kommentar war ja auch nicht gerade frei von bemühtem Sarkasmus.

Marco hat gesagt…

Welcher Evolutionsbiologe behauptet, dass Evolution keine Grenzen ("Constraints") kennt?

Und du kannst schon zwischen "Bakterien können ziemlich flexibel evolvieren" und "Bakterien können in alles evolvieren" unterscheiden, oder?

Warum bietet die "darwinistische" Sicht nicht die Möglichkeit, dass man Wirkstoffe findet, die sich einer Resistenzbildung erfolgreich widersetzen? Viele Wirkstoffe *haben* genau das bisher getan, weil offensichtlich die evolutiven Hürden zu hoch sind.

Lamarck hat gesagt…

Hi Markus Rammerstorfer!


"»Ein konsequenter Darwinist muss davon ausgehen, dass Zufallsmutationen letztlich jedes Antibiotikum umgehen können – in Anbetracht all der prächtigen molekularen Maschinerie die dadurch hervorgebracht wurde... . Aber Intelligent Design sagt vorher, dass es immer echte Hoffnung gibt. [...]«"

Mutationen erfolgen definitionsgemäß spontan - d. h. immer zufällig; dies gilt selbst dann, wenn diese Mutationen beispielsweise 'induziert' werden - alles andere geht dann schon in Richtung rekombinante DNA.

Und natürlich könnten Parasiten im Prinzip letztlich jedes Antibiotikum umgehen - was nun nicht unbedingt bedeutet, dass es diesen auch gelingt. Vor diesem Hintergrund ist es keineswegs ausgeschlossen, dass die Verursacher von Infektionskrankheiten nicht auch ausgerottet werden könnten. Leben heißt sterben und die Gewinner von heute sind eben die Verlierer von morgen - dies gilt nicht nur für Individuen, sondern generell für Taxa.

Aber wie steht es diesbezüglich um 'intelligentem' Design? Ist hier ein Aussterbe-Ereignis ein 'dummer' Un-/Zufall oder 'intelligente' Sollbruchstelle?

Zwischen Wirt und Parasit besteht die Tendenz zu größtmöglicher Kooperation, da der Tod des Wirtes meist auch den Tod des Parasiten nach sich zieht. Hier findet folglich also Coevolution in Richtung eines eingespielten Parasit-Wirt-Systems statt (vgl. auch parasitophyletische Regeln).





Cheers,

Lamarck

Marco hat gesagt…

@ W.D.:
Oh, und noch was zum durchaus charakteristischen Zitat Zitat: "... immer hin [sic] eine hoffnungsvolle Perspektive und wesentlich mehr als eine darwinistische Denkweise bietet".

Ein Wunderheiler gibt dir auch bei vielen Krankheiten eine hoffnungsvollere Perspektive als die Schulmedizin. Dann sei mal konsequent und geh bei der nächsten schlimmen Diagnose mal lieber dorthin.

Davon abgesehen weiss man ja prinzipiell nicht (Lamarck deutet es an), ob der Designer nicht am Ende einen Bakterienplaneten intelligent designt hat, und wir sind alle nur die Vehikel der Krönung der Schöpfung!

MRS hat gesagt…

Mal davon abgesehen, dass auch der Entwicklung von Antibiotika Grenzen gesetzt sind. Jdenfalls wenn man den Kranken nicht gleich mitkillen möchte, was wohl immer noch die erfogreichste Strategie zur Bekämpfung von pathogenen MOs wäre.