Einleitung
In einem Blog-Beitrag hatte ich neulich eine Gliederung von Antwortversuchen auf die Ursprungsfrage vorgestellt, wie sie sich aus meiner Beschäftigung mit der Thematik ergeben hat. Ich stellte dabei ganz grundlegend eine teleologische Position einer ateleologichen gegenüber. Darüberhinaus schlug ich vor, für die naturwissenschaftlich relevanten Aspekte dieser Positionen die Bezeichnung der teleologischen/ateleologischen Perspektive zu wählen. Diese Sichtweisen der Welt wiederum sollten durch Repräsentanten im Streit um die Deutungshoheit vertreten sein. Durch einen abduktiven Schluss auf die beste Erklärung könnte man dann zwischen all diesen Ansätzen vergleichen und den besten Ansatz für ein in Frage stehendes Phänomen (z.B. Schneeflocke, Stein, Kornkreis, PC-Virus, HIV, btHomo, Pinot noir, wow-Signal, zerstochener Reifen, Mausefalle, Universum, Gott…) bestimmen. Für die belebte Welt wäre der nahezu durchgehend anerkannte Repräsentant für die ateleologische Perspektive wohl die Erweiterte Synthetiche Evolutionstheorie sensu Kutschera. Die teleologische Perspektive hat heute keinen vergleichbar ausgebauten Ansatz anzubieten. Die konkreten teleologischen Theorien nannte ich SD-Modelle bzw. Designer-Theorien. Sie postulieren (im Gegensatz zum "Intelligent Design") nicht nur einen anonymen Designer, sondern benennen diesen recht konkret und leiten aus seinen spezifischen Eigenschaften prüfbare Rahmenbedingungen ab: Wo wurde designt? Wann? Wie? usw. Die Plausibilität von SD-Modellen hängt natürlich immer auch von der Plausibilität des postulierten potentiellen Designers ab. Der Schluss auf die beste Erklärung (Design durch einen transsubjektiv anerkannten Uhrmacher) bei Paleys Uhr ist daher unproblematisch, während der potentielle Designer der SD-Modelle (Design durch übernatürliches Wesen), die für den Ursprung der Feinkonstanten postuliert werden könnten nur intersubjektiv anerkannt ist.
Design und Naturalismus sind kompatibel
Wie gesagt, stellte ich zwei Sichtweisen gegenüber, die sich darin unterschieden, dass sie entweder einen der Welt (oder Teilen davon) zugrundeliegenden Plan annahmen oder nicht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, der teleologischen Perspektive den (philosophischen) Naturalismus (im Sinne des Negierens der Realität übernatürlicher Entitäten) gegenüberzustellen. Ganz einfach deswegen nicht, weil es eine ganze Bandbreite naturalistischer SD-Modelle gibt. (Auf der anderen Seite könnten Repräsentanten der ateleologischen Perspektive durchaus übernatürliche Verweise enthalten: z.B.: aus Versehen erschaffendes Gott-Wesen.) Jeder naturalistisch eingestellte Archäologe beschäftigt sich mit diesem menschlichen Design, das in seinen Augen naturalistisch ist. Es gibt sicher auch genügend ID-Vertreter (also Vertreter der teleologischen Perspektive), die im Hinblick auf den menschlichen Geist keinen Dualismus vertreten, sondern annehmen, dass beim Denk- und Planprozess des Menschen "alles mit rechten Dingen" (sensu Mahner) zugeht. Gerade auch in protestantischen Kreisen. Und Design durch Tiere (etwa Schimpansen) funktioniert doch selbst nach Ansicht der allermeisten Christen "naturalistisch", oder nicht?
Nichtzuletzt wurde von Seiten der Teleologisten bis zum Exzess auf Forschungsprogramme wie SETI verwiesen und zugestanden, dass dort nach Design gesucht würde. Zigmal habe ich von Teleologisten gelesen, die Akzeptanz von biologischem Design wäre absolut kompatibel mit den philosophischen Naturalismus. Hinzu kommt das Selbstzeugnis von Leuten wie Richard Dawkins, Eugenie Scott, Martin Neukamm usw., die klar betonen, sie wären nicht gegen Design-Konzepte an für sich (auch nicht im Bezug auf die Biologie), sondern lediglich der Meinung, übernatürliche Design-Vorstellungen hätten keinen Platz in der Wissenschaft.
Teleologie und Naturalismus als Widerspruch
Nun fiel mir aber beim Korrekturlesen eines Textes eines Freundes die Gegenüberstellung von Teleologie mit dem (philosophischen) Naturalismus auf, die ich aus den oben genannten Gründen ablehnte. In einer Diskussion zu einem anderen Blog-Beitrag klang dieses Thema jedoch auch auf und daher habe ich mich entschlossen, einen kurzen Beitrag zu veröffentlichen, der als Diskussionsthread zu verstehen ist. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Zielgerichtetheit im Naturalismus letztendlich auf kausale Prozesse herunter gebrochen werden kann und nichts mit mythischen/vitalistischen/usw. Konzepten zu tun hat. Was ich aber beim besten Willen nicht einsehen kann ist, weshalb es deshalb nicht möglich sein sollte, eine bestimmte Unterklasse kausaler Prozesse als "teleologisch" zu bezeichnen. Es ist eine vollkommen andere Frage, ob kausale Prozesse tatsächlich in der Lage sind, komplexe Gefüge zu bilden, welche in der Lage sind, Zukünftiges zu simulieren und auf dieser Grundlage die Gegenwart zu gestalten (Emergenz). Aber davon vollkommen unabhängig scheint mir die Feststellung zu sein, dass teleologische Prozesse - was immer letztendlich "dahinter" steckt - als eigenständige Klasse eingeteilt werden können. Auch wenn Teleologie nur "nur eine Spielart des Determinismus" (Trotzki) ist, stellt sie doch auch in dieser Funktion als Teilbereich eine klar abgrenzbare Einheit zu ihrer Umgebung dar – worauf auch immer man sie letztendlich reduzieren mag.
Der eigentliche Widerspruch
Mich würde interessieren, was die Leser dieses Blogs dazu denken. Mich wundert es, wenn ich von ID-Seite höre, als Naturalist könne man eh nicht "Design" vertreten, weil es nur eine leere Metapher sei und auf er anderen Seite mit aller Deutlichkeit auf die Legitimität von manchen (naturalistischen) SD-Modellen in der Wissenschaft verwiesen wird. Teilweise wird sogar selbst naturalistisches Design vertreten (Tiere usw., s.o)! In meinen Augen ist das ein klarer Widerspruch und ich wüsste nicht, wie er aufzulösen wäre. Bin auf eure Kommentare gespannt!
In einem Blog-Beitrag hatte ich neulich eine Gliederung von Antwortversuchen auf die Ursprungsfrage vorgestellt, wie sie sich aus meiner Beschäftigung mit der Thematik ergeben hat. Ich stellte dabei ganz grundlegend eine teleologische Position einer ateleologichen gegenüber. Darüberhinaus schlug ich vor, für die naturwissenschaftlich relevanten Aspekte dieser Positionen die Bezeichnung der teleologischen/ateleologischen Perspektive zu wählen. Diese Sichtweisen der Welt wiederum sollten durch Repräsentanten im Streit um die Deutungshoheit vertreten sein. Durch einen abduktiven Schluss auf die beste Erklärung könnte man dann zwischen all diesen Ansätzen vergleichen und den besten Ansatz für ein in Frage stehendes Phänomen (z.B. Schneeflocke, Stein, Kornkreis, PC-Virus, HIV, btHomo, Pinot noir, wow-Signal, zerstochener Reifen, Mausefalle, Universum, Gott…) bestimmen. Für die belebte Welt wäre der nahezu durchgehend anerkannte Repräsentant für die ateleologische Perspektive wohl die Erweiterte Synthetiche Evolutionstheorie sensu Kutschera. Die teleologische Perspektive hat heute keinen vergleichbar ausgebauten Ansatz anzubieten. Die konkreten teleologischen Theorien nannte ich SD-Modelle bzw. Designer-Theorien. Sie postulieren (im Gegensatz zum "Intelligent Design") nicht nur einen anonymen Designer, sondern benennen diesen recht konkret und leiten aus seinen spezifischen Eigenschaften prüfbare Rahmenbedingungen ab: Wo wurde designt? Wann? Wie? usw. Die Plausibilität von SD-Modellen hängt natürlich immer auch von der Plausibilität des postulierten potentiellen Designers ab. Der Schluss auf die beste Erklärung (Design durch einen transsubjektiv anerkannten Uhrmacher) bei Paleys Uhr ist daher unproblematisch, während der potentielle Designer der SD-Modelle (Design durch übernatürliches Wesen), die für den Ursprung der Feinkonstanten postuliert werden könnten nur intersubjektiv anerkannt ist.
Design und Naturalismus sind kompatibel
Wie gesagt, stellte ich zwei Sichtweisen gegenüber, die sich darin unterschieden, dass sie entweder einen der Welt (oder Teilen davon) zugrundeliegenden Plan annahmen oder nicht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, der teleologischen Perspektive den (philosophischen) Naturalismus (im Sinne des Negierens der Realität übernatürlicher Entitäten) gegenüberzustellen. Ganz einfach deswegen nicht, weil es eine ganze Bandbreite naturalistischer SD-Modelle gibt. (Auf der anderen Seite könnten Repräsentanten der ateleologischen Perspektive durchaus übernatürliche Verweise enthalten: z.B.: aus Versehen erschaffendes Gott-Wesen.) Jeder naturalistisch eingestellte Archäologe beschäftigt sich mit diesem menschlichen Design, das in seinen Augen naturalistisch ist. Es gibt sicher auch genügend ID-Vertreter (also Vertreter der teleologischen Perspektive), die im Hinblick auf den menschlichen Geist keinen Dualismus vertreten, sondern annehmen, dass beim Denk- und Planprozess des Menschen "alles mit rechten Dingen" (sensu Mahner) zugeht. Gerade auch in protestantischen Kreisen. Und Design durch Tiere (etwa Schimpansen) funktioniert doch selbst nach Ansicht der allermeisten Christen "naturalistisch", oder nicht?
Nichtzuletzt wurde von Seiten der Teleologisten bis zum Exzess auf Forschungsprogramme wie SETI verwiesen und zugestanden, dass dort nach Design gesucht würde. Zigmal habe ich von Teleologisten gelesen, die Akzeptanz von biologischem Design wäre absolut kompatibel mit den philosophischen Naturalismus. Hinzu kommt das Selbstzeugnis von Leuten wie Richard Dawkins, Eugenie Scott, Martin Neukamm usw., die klar betonen, sie wären nicht gegen Design-Konzepte an für sich (auch nicht im Bezug auf die Biologie), sondern lediglich der Meinung, übernatürliche Design-Vorstellungen hätten keinen Platz in der Wissenschaft.
Teleologie und Naturalismus als Widerspruch
Nun fiel mir aber beim Korrekturlesen eines Textes eines Freundes die Gegenüberstellung von Teleologie mit dem (philosophischen) Naturalismus auf, die ich aus den oben genannten Gründen ablehnte. In einer Diskussion zu einem anderen Blog-Beitrag klang dieses Thema jedoch auch auf und daher habe ich mich entschlossen, einen kurzen Beitrag zu veröffentlichen, der als Diskussionsthread zu verstehen ist. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Zielgerichtetheit im Naturalismus letztendlich auf kausale Prozesse herunter gebrochen werden kann und nichts mit mythischen/vitalistischen/usw. Konzepten zu tun hat. Was ich aber beim besten Willen nicht einsehen kann ist, weshalb es deshalb nicht möglich sein sollte, eine bestimmte Unterklasse kausaler Prozesse als "teleologisch" zu bezeichnen. Es ist eine vollkommen andere Frage, ob kausale Prozesse tatsächlich in der Lage sind, komplexe Gefüge zu bilden, welche in der Lage sind, Zukünftiges zu simulieren und auf dieser Grundlage die Gegenwart zu gestalten (Emergenz). Aber davon vollkommen unabhängig scheint mir die Feststellung zu sein, dass teleologische Prozesse - was immer letztendlich "dahinter" steckt - als eigenständige Klasse eingeteilt werden können. Auch wenn Teleologie nur "nur eine Spielart des Determinismus" (Trotzki) ist, stellt sie doch auch in dieser Funktion als Teilbereich eine klar abgrenzbare Einheit zu ihrer Umgebung dar – worauf auch immer man sie letztendlich reduzieren mag.
Der eigentliche Widerspruch
Mich würde interessieren, was die Leser dieses Blogs dazu denken. Mich wundert es, wenn ich von ID-Seite höre, als Naturalist könne man eh nicht "Design" vertreten, weil es nur eine leere Metapher sei und auf er anderen Seite mit aller Deutlichkeit auf die Legitimität von manchen (naturalistischen) SD-Modellen in der Wissenschaft verwiesen wird. Teilweise wird sogar selbst naturalistisches Design vertreten (Tiere usw., s.o)! In meinen Augen ist das ein klarer Widerspruch und ich wüsste nicht, wie er aufzulösen wäre. Bin auf eure Kommentare gespannt!


9 Kommentare:
Strittig ist die Frage nach Design in der Biologie. Design impliziert Teleologie, sonst ist der Begriff fehl am Platz. Warum schreibt Raff, man solle bitte solche Begriffe vermeiden? Warum schreibt F. Crick, man müsse sich ständig ins Bewusstsein rufen, dass "Design" in der Biologie nicht im schöpferischen Sinne zu verstehen sei usw. usw.
„Man liest von Interessen und Strategien der Lebewesen, von Absichten, Wahlhandlungen und so weiter. Die typischen Begründungen für diesen Sprachgebrauch lauten, dass es sich nur um Metaphern oder um ‚als-ob-Aussagen’ handele, die man benutze, weil der zu beschreibende Sachverhalt ansonsten nicht oder nur sehr schwierig auszudrücken sei. Mir sind solche absichtlich falschen Redeweisen aus keiner anderen Wissenschaft bekannt, und mir ist auch nicht einsichtig, worin das Problem liegen soll, das zu dieser Redeweise zwinge.“
LEONHARD HW (2008) Recht und Grenzen evolutionsbiologischer Betrachtungen im Bereich des Humanen. In: ANTWEILER C, LAMMERS C & THIES N (Hg) Die unerschöpfte Theorie. Evolution und Kreationismus in Wissenschaft und Gesellschaft. Aschaffenburg, S. 143-156; Zitat S. 151.
Reinhard, das sind doch zwei komplett verschiedene Geschichten:
==> Du sprichst ein Vokabular an, das dem Bereich des (intentionalen) Designs entliehen ist und auch von Wissenschaftlern verwendet wird, welche diese Intentionalität für Illusion halten und auf ateleologische Prozesse zurükführen. Das ist die eine Sache und das mag man kritisieren können, da kenne ich mich zu wenig aus. Das ist es auch, was - soweit ich da erkenne - auf den letzten beiden WT-Tagungen zur Sprache kam.
==> Etwas ganz anderes ist es aber doch, wenn ein Naturalist (meinetwegen der von dir angeführte Crick - wobei ich bis heute nicht genau weiß, ob die "Directed Panspermia" nun nur ein Scherz war, oder mehr...) eben nicht denkt, dass dieses (intentionale) Design "nur eine Illusion" ist. Weil er eben ein naturalistisches SD-Modell vertritt. So wie wenn Du sagst, ein Schimpanse habe ein (sehr simples) Werkzeug durch gezieltes Zertrümmern auf dem Boden designt.
Hi Reinhard Junker!
"Strittig ist die Frage nach Design in der Biologie."
Doch nicht nur in der Biologie, sondern generell in der Natur.
"Design impliziert Teleologie, sonst ist der Begriff fehl am Platz."
Da empfehle ich, uns diese Implikation nicht vorzuenthalten. Ansonsten könntest Du gleich analog die Verwendung von Verben monieren.
"Warum schreibt Raff, man solle bitte solche Begriffe vermeiden? Warum schreibt F. Crick, man müsse sich ständig ins Bewusstsein rufen, dass "Design" in der Biologie nicht im schöpferischen Sinne zu verstehen sei usw. usw. [...]"
Vermutlich wegen Dir? ;-)
Unsaubere Definitionen lassen sich halt trefflich instrumentalisieren. Du dürftest ansonsten bei adäquater Vorgehensweise nicht im allgemeinen Sinne von Design, sondern nur von dessen Spezialfall "Intelligent-Design" reden. Zur Veranschaulichung: ;-)
● Design sensu RJ: Intelligentes Design, das sich gegebenenfalls recht dumm verhält ... .
● Design sensu Lamarck: Dummes Design, das sich gegebenenfalls recht intelligent verhält ... .
Und weil es so schön ist:
Def.: Design ist die Bezeichnung für eine gegebene Form. Nicht gegeben ist dadurch die causa dieser Form.
Cheers,
Lamarck
@ Christoph
"das sind doch zwei komplett verschiedene Geschichten:..."
Der Punkt ist der, dass Teleologie bei der Entstehung der Lebewesen hier ausdrücklich ausgeschlossen wird. Das machen diese und viele andere Zitate deutlich: Also: Naturalismus tatsächlich versus Teleologie in Ursprungsfragen in der Biologie.
Aber das macht doch kein Sinn, Reinhard:
Nur weil Crick diese Option (intentionales Design) ausschließt, heiß das doch nicht, dass der philosophische Naturalismus sie ausschließt!
Außedem, ich denke nicht, dass diese Option von vorneherein ausgeschlossen wird. Vielmehr ist es doch ganz einfach so, dass keine wirkliche Option gibt, kein SD-Modell, das soweit ausformuliert wäre, wie die (selber sehr schwachen) ateleologischen Modelle zum Ursprung des Lebens.
Also nochmal: Wenn der Naturalismus etwas ausschließt (zumindest,w enn er dogmatisch vertreten wird und nciht als Arbeitshypothese dient), dann sind das übernatürliche SD-Modelle. Mehr nicht.
Hi Christoph Heilig!
"Durch einen abduktiven Schluss auf die beste Erklärung könnte man dann zwischen all diesen Ansätzen vergleichen und den besten Ansatz für ein in Frage stehendes Phänomen (z.B. Schneeflocke, Stein, Kornkreis, PC-Virus, HIV, btHomo, Pinot noir, wow-Signal, zerstochener Reifen, Mausefalle, Universum, Gott…) bestimmen."
Hier genügt ein Wort: Wie?
Paleys Uhr ist deswegen unproblematisch, weil die prinzipielle Herkunft der Uhr generell bekannt ist und hier folglich vom Allgemeinen auf das Spezielle geschlossen werden kann (Deduktion):
● wenn Uhrmachermeister → Uhr dann Uhr → Uhrmachermeister
Anders sieht es bei Paleys Schluss aus:
● wenn […] → Welt dann Welt → […]
Ist schon der vorgenommene Analogieschluss recht schwach, so hängt das Auffüllen von »[…]« erst recht frei schwebend im Raum und kann willkürlich befüllt werden, etwa:
»[…]« ≡ »Mein Nachbar«.
Als Ideengeber ist dergleichen zwar tauglich; diese Ideen sind allerdings wertlos, wenn nicht die Prüfung von Evidenzen inkl. Nullhypothese erfolgt:
Da schwang er sich aus dem Sattel und begann die Arbeit, die ihm eine verhaßte war, weil er es niemals so weit gebracht hatte, Schluß auf Schluß zu bauen. Diese Kunst aber wird von einem jeden verlangt, der sich anmaßt, Spuren und Fährten lesen zu können. Auch ich stieg ab, doch nicht, um mich an dieser Arbeit zu beteiligen, sondern um es mir im Gras bequem zu machen und ihm zuzusehen.
Es war spaßhaft, wie unbeholfen er sich anstellte. Er hatte oft gesehen, mit welcher Sorgfalt ich so eine Spur behandelte. Sie durfte nur betrachtet, nicht aber berührt oder gar vernichtet werden. Er aber lief auf all diesen Eindrücken hin und her, trat sie nieder und löschte sie aus, ohne zu bedenken, daß dies ein unverzeihlicher Fehler war. Und als er damit fertig war, berichtete er:
»Sihdi, Du hast Unrecht, vollständig Unrecht. Das sind keine Menschen gewesen!«
»Was sonst?«
»Elefanten! Oder Nashörner! Oder Nilpferde! Solche große, mächtige Tiere!«
»Warum das?«
»Wegen der großen Stapfen. Solche Füße kann nur ein Elefant oder Hippopotamus haben!«
»Wie viel Beine hat ein Elefant?«
»Natürlich vier.«
»So stimmt es nicht. Die Untiere, die hier herumgelaufen sind, haben nicht vier, sondern nur zwei Beine gehabt.«
»Das muß ich bezweifeln! Wie willst Du das überhaupt wissen? Man sieht doch nicht die Tiere, sondern nur die Stapfen ihrer Füße; es ist also im höchsten Grade fraglich, ob zwei Stapfen oder ob vier Stapfen zu einem Exemplar gehören. Du stimmst für zwei, ich aber für vier, und es ist Dir doch wohl bekannt, daß die Mehrzahl stets den Sieg behält. Es sind also Elefanten oder Nashörner, nicht aber Menschen!«
»Hast Du die Spuren nicht vielleicht auch daraufhin betrachtet, ob Sporen an den Stiefeln waren?« […] [Karl May: Der 'Mir von Dschinnistan]
[Teil 1: Spur & Evidenz]
Cheers,
Lamarck
Lieber Lamarck,
Du hast in diesem Thread nun einmal die Wortwahl von Reinhard kritisiert und einmal etwas - was ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehe - zu meiner Wiederholung geschrieben, um die es hier nicht geht. Wenn Du meinst, ich würde diesen falsch darstellen, kannst Du das in den entsprechenden Beiträgen kommentieren.
Hier jedoch ging es doch um eine ganz simple Frage: "Kann man als Naturalist ein SD-Modell vertreten?" Was "Design" hier meint, ist klar. Es geht also nicht um die Frage, ob ateleologische Prozesse (Gendrift, Natürliche Selektion usw.) dasselbe leisten können, wie teleologische, also auch "Design" produzieren, sondern ob es im Rahmen des philosophischen Naturalismus soetwas wie"Zielgerichtetheit" (etwa beim menschlichen Planen) geben kann (bzw. geben dürfte), ungeachtet dessen, dass diese Teleologie natürlich letztendlich dennoch auf Kausalitäten heruntertebrochen werden könnte.
Grund: Teleologisten, die neuerdigns die These aufstellen, Naturalisten könnten gar nicht zu ihrem Lager gehören, obwohl es doch in zig Publikationen das Hauptargument "für" ID war, manche Design-Erklärungen(naturalistische) wären in der Wissenschaft ja erlaubt (==> Etwa "The Design Revolution" in praktisch jedem Kapitel!).
Hi Christoph Heilig!
"Du hast in diesem Thread nun einmal die Wortwahl von Reinhard kritisiert und einmal etwas - was ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehe - zu meiner Wiederholung geschrieben, um die es hier nicht geht. Wenn Du meinst, ich würde diesen falsch darstellen, kannst Du das in den entsprechenden Beiträgen kommentieren."
Hier beabsichtigte ich zunächst nur Begriffsbestimmung und Stringenz im Zusammenhang mit Spurenlesen; Spur & Evidenz eben.
"Hier jedoch ging es doch um eine ganz simple Frage: »Kann man als Naturalist ein SD-Modell vertreten?«"
Und hier haben wir das oben angesprochene in concreto:
Mit "SD-Modellen" (SD = Spezifisches Design) sprichst Du ja lt. Deines hier verlinkten Blog-Beitrags von einem "ganz bestimmten Designer".
Folglich kann jeder diese Frage mit ja beantworten; denn auch der "spezielle Designer" ist selbstverständlich abhängig von der Def. für Designer. Für den Naturalisten ist der Designer die nicht-subjektive Natur, aus der Design als Systemeigenschaft intrinsisch hervorgeht.
Andererseits hat sich der Ersatz des Begriffs 'Teleologie' durch 'Teleonomie' offenbar nicht bewährt, da hier dann noch eher Verwirrung geschaffen wird, wenn die basalen Begriffe unbestimmt bleiben.
"Was "Design" hier meint, ist klar. Es geht also nicht um die Frage, ob ateleologische Prozesse (Gendrift, Natürliche Selektion usw.) dasselbe leisten können, wie teleologische, also auch "Design" produzieren, sondern ob es im Rahmen des philosophischen Naturalismus soetwas wie"Zielgerichtetheit" (etwa beim menschlichen Planen) geben kann (bzw. geben dürfte), ungeachtet dessen, dass diese Teleologie natürlich letztendlich dennoch auf Kausalitäten heruntertebrochen werden könnte."
Da hast Du es doch schon: Der Naturalist muss also das intentionale menschliche Handeln letztlich auf Kausalitäten herunter brechen und vice versa!
Hier muss also erklärt werden, warum aus Unbelebten ein Subjekt entstehen kann. Ich bewerkstellige dies über den zwangsläufig eintretenden Selbsterhaltungstrieb zum ebenso zwangsläufig eintretenden "Schmerz dient zum lernen" (Dieses "dienen" ist natürlich ein teleologischer Begriff, hier entsteht tatsächlich entsprechendes emergent; ab diesem Punkt besteht Potential zum Subjekt).
Ich nehme an, hier wird dann sogleich deutlich, warum Wolf Singers Negation des Freien Willens absolut unproblematisch ist: Es kommt absolut auf die Perspektive an und sonst nichts. Und auf der Ebene von Wolf Singer ist Teleologie nur eine Illusion; in der Illusion unterliegt der Freie Wille dem schwachen Determinismus.
"Grund: Teleologisten, die neuerdigns die These aufstellen, Naturalisten könnten gar nicht zu ihrem Lager gehören, obwohl es doch in zig Publikationen das Hauptargument "für" ID war, manche Design-Erklärungen(naturalistische) wären in der Wissenschaft ja erlaubt (==> Etwa "The Design Revolution" in praktisch jedem Kapitel!)."
Nun ja, ich kann nun nicht gerade behaupten, Teleologisten würden es mir allzu schwer machen ... .
Cheers,
Lamarck
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