Ronald Lärm
"Wer Fragen an Darwin stellt, begibt sich – jedenfalls im Bereich von Forschung und Lehre – auf vermintes Gelände. Wissenschaftler, die auch nur leise Zweifel zu äußern wagen, machten Erfahrungen, wie Häretiker bei religiösen Glaubenswächtern oder Dissidenten in autoritären Regimen machen können. Es scheint zu einem gewissen Reflex mancher wissenschaftlicher Meinungsführer geworden zu sein, jedes kritische Nachdenken über Darwin mit hysterischer Aufgeregtheit zu beantworten."
So schreibt Joachim Bauer (2008, 21f.) in seinem Buch " Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren". Und er hat Recht, denn er weiß es aus eigener Erfahrung. Jüngstes Beispiel kann man hier nachlesen. Dabei lässt sich Bauer nicht im entferntesten mit Kreationismus oder "intelligent design" in Verbindung bringen. Er führt in der Folge weiter aus: " Eine gegenüber kritische Stimmen routinemäßig vorgebrachte Unterstellung lautet, man gehöre zu den sogenannten Kreationisten [...]. Dieses Buch argumentiert weder für den Kreationismus noch für die Theorie des »intelligent design« [...].“ Bauers "Kritik betrifft einen ganz anderen Punkt, nämlich ob die Evolution tatsächlich nach dem Prinzip des Kampfes ums Dasein voranschreitet, ob Gene »egoistisch« sind und ob der Mensch , wie Darwin es formuliert, ein Wesen ist, welches dem Kampf ausgesetzt bleiben muss."
In "Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone" (2006, 173) drückte er es meines Erachtens nach noch etwas vorsichtiger aus , wenn er schrieb: "Survival of the fittest" ist möglicherweise nicht das einzige Leitprinzip der Evolution, sondern wäre zu ergänzen durch ein weiteres, eigenständiges biologischens Kernmotiv: die Suche nach Passung, Spiegelung und Abstammung zwischen biologischen Systemen." (Kursiv im Original). Mit seiner neuesten Veröffentlichung spricht er jedoch eine etwas direktere Sprache die sicher schon im Titel für einige Aufregung gesorgt hat: "Das kooperative Gen: Abschied vom Darwinismus". Dass dieser Abschied nicht allumfassend zu verstehen ist, wird dem Leser seiner Bücher natürlich schnell klar, wenn Bauer in Verbindung mit seiner Kritik verdeutlicht: "Darwins Abstammungslehre steht aufgrund einer überwältigenden Ansammlung von entsprechenden Funden und Beobachtungen außer Frage.“ („Prinzip Menschlichkeit“, 22)
Bauer geht es also nicht um Grundlegendes, vielmehr stellt er jedoch grundlegende Prinzipien der Evolutionstheorie in Frage. Dies ist natürlich gerade in Anbetracht dessen, was zum Darwinjahr für die Allgemeinheit wiederholt aufgewärmt wurde, für manch einen etwas verwirrend. Während "Mutation und Selektion" als die Triebwerke der Evolution beschrieben werden, liest man bei Bauer: "Aufgrund der durch ihn verursachten Einengung des Denkens ist der Darwinismus mittlerweile zu einer Art Albtraum geworden, von dem wir uns befreien sollten. Das große Rätsel der Biologie ist, warum anorganische (nichtbelebte) Moleküle einst eine Tendenz zur Bildung lebender Strukturen hatten und wie sich aus einfachen biologischen Systemen höhere (komplexe) Systeme, Lebewesen entwickeln konnten. Diese Fragen sind mit Darwins Prinzipien der Variation und Selektion und dem von ihm ins Zentrum gestellten Kampf ums Dasein nicht zu beantworten." (132). Für Bauer ist es nicht der Kampf ums Dasein, sondern wie er ergänzt, "Kooperation, Zugewandheit, Spiegelung und Resonanz." Sie wären "das Gravitationsgesetz biologischer Systeme."
An mehreren Stellen hebt er in Fußnoten den Stellenwert von Mutationen hervor:
"Unklar ist bis heute allerdings, welche Art von "Variation" im Bereich der Gene zur Bildung neuer Arten führt. Für die landläufige Meinung, genetischer Mutationen seien dafür verantwortlich, gibt es - worauf unter anderem Lynn Margulis (2002) hingewiesen hat - kein einziges Beispiel." (99)
"Für die Annahme, dass neue Arten durch Mutationen entstehen, gibt es, wie schon erwähnt, keinerlei Beweise. Wahrscheinlicher Ausgangspunkt für neue Arten sind Endosymbiose, Gentransfer oder Bastardbildungen." (118)
Aber es soll in diesem Beitrag weniger darum gehen, inwieweit man Bauers Sichtweise teilt oder nicht. Keine Frage, da befleißigen sich nicht wenige andere Interpretationswege zu gehen. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie man damit umgeht, wenn jemand scheinbar gesicherte wissenschaftliche Standards in Frage stellt.
Lesenswert ist, was Bauer selbst noch zu dieser Problematik sagt:
"Interessant ist, wie sich manche Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, in denen zum Teil äußerst eindrucksvolle kooperative Phänomene beschrieben werden, bei der Erläuterungen ihrer Daten mit zum Teil abenteuerlichen Erklärungen bemühen (müssen), Darwins These zu "retten", der zufolge der Konkurrenzkampf das grundlegende Prinzip biologischer Systeme sei. Unter angloamerikanischen Forschern gilt es als Sakrileg, Darwins Theorie des "struggle for life" in Frage zu stellen. Da die meisten Gutachter von hochrangigen internationalen Wissenschaftsjournalen auf solche Zweifel ungnädig reagieren, gehört es bei allen wissenschaftlichen Publikationen derzeit zum guten Ton, die eigenen Daten im Sinne der Darwinschen Theorie des " survival of the fittest" zu interpretieren. Darwinistisches Denken ist zu einer Form von "scientific correctness" geworden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der geschilderten Fehlentwicklungen, die sich in den Wissenschaften - vor allem in der Medizin - aus Darwins Denken ergeben haben, als bedenklich. Warum muss alles, was an wissenschaftlichen Daten vorgelegt wird, in die darwinistische Denkschablone eingepasst werden?" (129, 130)
Verständlich freilich, dass in Anbetracht dessen wohl heutzutage wenige überhaupt dazu bereit wären evolutionären Theorien zu widersprechen, wenn führende Wissenschaftler sie als eine unverrückbare Tatsache hinstellen und zu verstehen geben, dass sich nur jemand weigere, sie anzunehmen, der mit der Materie nicht vertraut sei.
Aber wie sagten schon Hoyle und Wickramsinghe: "Entweder glaubt man an diese Ideen, oder man wird unweigerlich als Ketzer gebrandmarkt." Das hat natürlich bisher auch dazu beigetragen, dass nur wenige Wissenschaftler bereit waren, eine teleologische Sichtweise unvoreingenommen zu untersuchen. Schade eigentlich.
Quellen:
- Handelsblatt 04. + 18.12. 2008, jeweils S. 9
- Bauer J. (2008) Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren; München: Wilhelm Heyne Verlag
- Bauer J. (2006) Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone; München: Wilhelm Heyne Verlag
- Hoyle F. und Wickramasighe C. (1981) Evolution aus dem All S.153
Anhang:
Handelsblatt vom 04.12.2008: Dummes Zeug über Darwin
Was ist Evolution? Die unterschiedliche Reproduktion von Genen. Das ist nicht nur die Lehrbuchdefinition, die unsere Studenten in der Evolutionsklausur als richtige Antwort herunterbeten, sondern auch das in Tausenden von Studien belegte beste Modell des evolutionären Prozesses. Einige Individuen haben mehr Nachkommen als andere, deshalb tauchen ihre Gene in der nächsten Generation öfter auf. Gene sollten also versuchen, den Organismus so zu gestalten, dass er sich möglichst erfolgreich fortpflanzen kann. Dabei arbeiten sie manchmal zusammen mit anderen Genen, manchmal aber auch nicht. So weit, so klar, oder?
Scheinbar nicht, denn nun erschien das Buch eines Freiburger Mediziners, Joachim Bauer, in dem er unbescheiden den „Abschied vom Darwinismus“ fordert. Der Titel des Buchs lautet „Das kooperative Gen“ und lehnt sich damit an den Klassiker von Richard Dawkins an, „Das egoistische Gen“.
Bauer, um es gleich vorwegzunehmen, hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie. Er postuliert wirres Zeug über Umweltkatastrophen, die den kooperativen Umbau des Genoms zur Folge hätten, was dann den Arten helfe, sich anzupassen, oder neue Arten entstehen lasse. Dieses Gerede ist bar jeglicher wissenschaftlicher Evidenz. Was nicht verwundert, denn Bauer ist bisher eher durch populärwissenschaftliche, psychosomatisch angehauchte Bücher aufgefallen.
Charles Darwin lag bekanntlich mit dem von ihm favorisierten Mechanismus der Weitergabe von Merkmalen daneben. Es scheint mir aber unfair, auf den Fehlern eines 150 Jahre alten Buches herumzureiten, das in so vieler Hinsicht so wichtig war und richtig lag. Bauers Thesen von Kooperativität, Kommunikation und Kreativität werden wissenschaftlich nicht erklärt und zeigen tiefstes Unverständnis und oberflächlich angelesenes Halbwissen. Um seine Gegner zu diskreditieren, scheut er sich auch nicht, aus dem Kontext gerissene Sätze zu zitieren. Dies alles ist dumm genug, um es geflissentlich zu ignorieren. Aber dieser Nonsens – mittlerweile ein Bestseller – wird in den Feuilletons der überregionalen Zeitungen auch noch wohlwollend besprochen! Die Ressortleiter schicken für solche Jobs wohl gerne die jungen Praktikanten vor, denen es vielleicht an wissenschaftlicher Bildung oder Zivilcourage mangelt. Herr Bauer würde in meiner Klausur in Evolutionsbiologie jedenfalls sicherlich durchfallen, denn mit Wissenschaft hat das alles herzlich wenig zu tun.
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Axel Meyer, Professor für Evolutionsbiologie,
Konstanz
Joachim Bauer, Autor von „Das kooperative Gen“, antwortet auf die Kritik des Evolutionsbiologen Axel Meyer (Handelsblatt vom 4. Dezember 2008):
Dogmatische Evolutionswächter
Werden darwinistische Dogmen infrage gestellt, können Evolutionsbiologen zu „Evolutionswächtern“ werden, deren intolerantes Gehabe an Ajatollahs erinnert. Kostprobe war die Kolumne Axel Meyers an dieser Stelle im „Handelsblatt“ vom 4. Dezember, in der er mein Buch „Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus (Hoffmann und Campe 2008) abkanzelte. Meyers allein seligmachende Antwort auf die Frage „Was ist Evolution?“ lautet: „Die unterschiedliche Reproduktion von Genen“, eine Antwort von rosenkranzartiger Schlichtheit. Von Studenten will Meyer sie „heruntergebetet“ haben. Seine Definition der Evolution ist so erhellend wie wenn man auf die Frage „Wie entstehen Städte?“ antworten würde: „Durch die unterschiedlich erfolgreiche Anhäufungen von Steinen.“ Erkenntnisse aus der Genomanalyse des Menschen und weiterer Arten scheinen von manchen Evolutionslehrstühlen nicht verstanden worden zu sein. Gene machen nur eine Bruchteil des Erbgutes aus (beim Menschen stellen etwa 24 000 Gene knapp zwei Prozent des Genoms). Der Rest wurde zu „Gen-Müll“ erklärt. Tatsächlich barg dieser aber die Antwort auf eine entscheidende Frage der Evolution: Wie entstehen Variationen und neue Arten?
Die seit Darwin geltende Theorie, sie seien das Ergebnis von sich addierenden kleinen, zufallsbedingten Veränderungen, ist nicht mehr haltbar. Neue Arten sind die Folge von schubweisen Veränderungen der genomischen Architektur, die von Organismen beziehungsweise deren Zellen selbst organisiert werden. Ebenso erwies sich Darwins Theorie, der gegeneinander geführte Kampf sei ein wesentlicher Selektionsfaktor, als unhaltbar. Auch optimierte Reproduktionsfähigkeit ist kein allein entscheidender Überlebensfaktor. Die meisten Arten sind globalen ökologischen Megakatastrophen zum Opfer gefallen.
Viele neue Fakten passen nicht ins darwinistische Schema. Da die Theorie aber mit einer Starrheit verteidigt wird, die an dogmatische Marxisten rinnert, wird kritischen Kollegen unterstellt, sie hätten „keine Ahnung von Evolutionsbiologie“.
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Prof. Dr. Joachim Bauer ist Mediziner und war in der
molekular- und neurobiologischen Forschung tätig. Heute arbeitet er als
Universitätsprofessor in der Abteilung für Psychosomatische Medizin des
Universitätsklinikums in Freiburg


14 Kommentare:
"Lesenswert ist, was Bauer selbst noch zu dieser Problematik sagt:
"Interessant ist, wie sich manche Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, in denen zum Teil äußerst eindrucksvolle kooperative Phänomene beschrieben werden, bei der Erläuterungen ihrer Daten mit zum Teil abenteuerlichen Erklärungen bemühen (müssen), Darwins These zu "retten", der zufolge der Konkurrenzkampf das grundlegende Prinzip biologischer Systeme sei. Unter angloamerikanischen Forschern gilt es als Sakrileg, Darwins Theorie des "struggle for life" in Frage zu stellen. Da die meisten Gutachter von hochrangigen internationalen Wissenschaftsjournalen auf solche Zweifel ungnädig reagieren, gehört es bei allen wissenschaftlichen Publikationen derzeit zum guten Ton, die eigenen Daten im Sinne der Darwinschen Theorie des " survival of the fittest" zu interpretieren. Darwinistisches Denken ist zu einer Form von "scientific correctness" geworden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der geschilderten Fehlentwicklungen, die sich in den Wissenschaften - vor allem in der Medizin - aus Darwins Denken ergeben haben, als bedenklich. Warum muss alles, was an wissenschaftlichen Daten vorgelegt wird, in die darwinistische Denkschablone eingepasst werden?" (129, 130)"
- Bauer interpretiert hier einen Widerspruch hinein wo keiner ist.
Eine einfache Wikipedia-Recherche hätte hier schon geholfen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Group_selection
und wenn man dann ins Detail gehen möchte findet man bei Pubmed:
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/
1077 Publikationen für den Suchbegriff "Evolution AND cooperation".
Ich schätze mal diese dogmatischen und ignoranten Reviewer 1077 Mal beide Augen zugedrückt haben.
Die wirklich interessante Frage ist doch ob Joachim Bauer wirklich so wenig über Evolutionsbiologie weiss, oder ob er mit voller Absicht die Fakten verdreht um eine Pseudokontroverse zu erschaffen und im Darwin-Jahr fette Tantiemen einzuheimsen (ich tippe auf die zweite Option).
"Verständlich freilich, dass in Anbetracht dessen wohl heutzutage wenige überhaupt dazu bereit wären evolutionären Theorien zu widersprechen, wenn führende Wissenschaftler sie als eine unverrückbare Tatsache hinstellen und zu verstehen geben, dass sich nur jemand weigere, sie anzunehmen, der mit der Materie nicht vertraut sei."
- Richtig. Moderne Synthese, neutrale Theorie, Evo-Devo etc. sind ja im wesentlichen exakt das gleiche was Darwin vor 150 Jahren beschrieben hat.
Eine unverrückbare Tatsache, ganz genau...
"Aber wie sagten schon Hoyle und Wickramsinghe: "Entweder glaubt man an diese Ideen, oder man wird unweigerlich als Ketzer gebrandmarkt." Das hat natürlich bisher auch dazu beigetragen, dass nur wenige Wissenschaftler bereit waren, eine teleologische Sichtweise unvoreingenommen zu untersuchen."
- Sehr lustig. Hoyle vergleicht Evolution mit einem Tornado der durch eine Müllhalde fegt und dabei eine 747 zusammensetzt. Niemand hat von ihm verlangt so einen Schwachsinn zu glauben, hierbei handelt es sich lediglich um sein persönliches Zerrbild von Evolution das mit der Realität so ziemlich gar nichts zu tun hat.
Hi!
"»Wer Fragen an Darwin stellt, begibt sich – jedenfalls im Bereich von Forschung und Lehre – auf vermintes Gelände. Wissenschaftler, die auch nur leise Zweifel zu äußern wagen, machten Erfahrungen, wie Häretiker bei religiösen Glaubenswächtern oder Dissidenten in autoritären Regimen machen können. [...]«"
Wenn es aufgrund solcher Verlautbarungen zu einem "gewissen Reflex" kommt, darf sich nun wirklich nicht gewundert werden. Merke: Zweifel ist eines, dummes Zeug ganz was anderes. Auch bei mir kommen "gewisse Reflexe" auf, wenn in Ermangelung von Begründungen als einziges 'Argument' die Märtyrerrolle übrig bleibt. Also an Joachim Bauer gerichtet: Heul doch! (Das genannte Zitat befindet sich übrigens auf den Seiten 19/20; auch weiteres befindet sich nicht unbedingt an angegebener Stelle ;-) )
"Bauers »Kritik betrifft einen ganz anderen Punkt, nämlich ob die Evolution tatsächlich nach dem Prinzip des Kampfes ums Dasein voranschreitet, ob Gene »egoistisch« sind und ob der Mensch , wie Darwin es formuliert, ein Wesen ist, welches dem Kampf ausgesetzt bleiben muss.«"
Der 'Kampf ums Dasein' wird bekanntlich höchst selten mit Klauen und Zähnen ausgeführt. Mancher mag gelegentlich auch mit dem Schlaf kämpfen. Und Gene sind ebenso wenig 'egoistisch' wie Atome – etwas anderes gilt für die Evolutionäre Spieltheorie, die Dawkins auf diese Weise arg unglücklich umschrieben hat.
"Während "Mutation und Selektion" als die Triebwerke der Evolution beschrieben werden, liest man bei Bauer: »Aufgrund der durch ihn verursachten Einengung des Denkens ist der Darwinismus mittlerweile zu einer Art Albtraum geworden, von dem wir uns befreien sollten. Das große Rätsel der Biologie ist, warum anorganische (nichtbelebte) Moleküle einst eine Tendenz zur Bildung lebender Strukturen hatten und wie sich aus einfachen biologischen Systemen höhere (komplexe) Systeme, Lebewesen entwickeln konnten.«"
Welche "Einengung des Denkens"? Und was mögen hier nun "höhere (komplexe) Systeme" genau sein? Ich spreche übrigens nie von einem Darwinismus, sondern von Evolutionstheorie(n) – beispielsweise von der Darwinschen Evolutionstheorie in der Diktion der 6. Auflage.
"»Diese Fragen sind mit Darwins Prinzipien der Variation und Selektion und dem von ihm ins Zentrum gestellten Kampf ums Dasein nicht zu beantworten.« (132). Für Bauer ist es nicht der Kampf ums Dasein, sondern wie er ergänzt, »Kooperation, Zugewandheit, Spiegelung und Resonanz.« Sie wären »das Gravitationsgesetz biologischer Systeme.« "
Viele sind wohl meist "stärker" als einzelne. Warum wohl bestehen wir aus 2 Billarden Zellen, von denen dem Prinzip nach jede einzelne selbstständig ist? Da hätte Bauer "Das egoistische Gen" doch mit Gewinn heranziehen können. Mutation & Selektion ist die Basis, alles andere sind hieraus rückkoppelnd Derivate, die bsw. gewisse Verstärker- bzw. Dämpfungsleistung aufbringen.
"»Interessant ist, wie sich manche Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, in denen zum Teil äußerst eindrucksvolle kooperative Phänomene beschrieben werden, bei der Erläuterungen ihrer Daten mit zum Teil abenteuerlichen Erklärungen bemühen (müssen), Darwins These zu "retten", der zufolge der Konkurrenzkampf das grundlegende Prinzip biologischer Systeme sei. Unter angloamerikanischen Forschern gilt es als Sakrileg, Darwins Theorie des "struggle for life" in Frage zu stellen. Da die meisten Gutachter von hochrangigen internationalen Wissenschaftsjournalen auf solche Zweifel ungnädig reagieren, gehört es bei allen wissenschaftlichen Publikationen derzeit zum guten Ton, die eigenen Daten im Sinne der Darwinschen Theorie des "survival of the fittest" zu interpretieren. Darwinistisches Denken ist zu einer Form von "scientific correctness" geworden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der geschilderten Fehlentwicklungen, die sich in den Wissenschaften - vor allem in der Medizin - aus Darwins Denken ergeben haben, als bedenklich. Warum muss alles, was an wissenschaftlichen Daten vorgelegt wird, in die darwinistische Denkschablone eingepasst werden?« "
Allgemeine Verschwörungstheorie ohne den geringsten Beleg und dies gar "vor dem Hintergrund der geschilderten Fehlentwicklungen [sic!], die sich in den Wissenschaften - vor allem in der Medizin - aus Darwins Denken ergeben haben"? – Da wird doch nicht jemand sein Süppchen damit kochen, das das "survival of the fittest" aus gewissen Gründen heuristisch so ungeheuer erfolgreich ist? Titel-Empfehlung für das nächste Werk: "Fehlentwicklungen der Medizin, resultierend aus der Ansicht, die Erde ist keine Scheibe" … .
Dogmatische Evolutionswächter? – Gewiss nicht, wenn wie hier Axel Meyer unbedingt Recht zu geben ist: Bauer hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie und postuliert wirres Zeug. Dazu bedarf es nur der Fähigkeiten eines durchschnittlichen Mittelstufenschülers.
Cheers,
Lamarck
Axel Meyer, schätze ich als versierten, wenn auch etwas laborfixierten* Erforscher der explosiven Buntbarschevolution außerordentlich.
Dennoch ist und denkt er viel zu schmalspurig um auch nur ansatzweise ein so großer Evolutionsbiologe wie etwa Stephen Jay Gould zu sein.
Der Ruhm, den ihm die Buntbarschforschung eingebracht hat, verleitet ihn aber zu glauben, er habe irgendetwas Relavantes über Darwin, Gott und die Welt zu sagen, was noch nicht gesagt worden ist.
Tatsächlich wird er aber immer dann trivial, wenn er nicht über die genetische Evolution oder Verwandtschaft von Buntbarschen oder auch einigen anderen Arten redet.
Die von ihm als Forscher angewandte Untersuchungsmethode (DNA-Sequenzvergleiche) ist dabei im Wesentlichen immer die Gleiche und bezüglich dieser Untersuchungsmethode (und deren Untiefen und Möglichkleiten) ist er ein überaus kenntnis- und lehrreicher Experte.
In seiner in den letzten Jahren zunehmend öffentlichen Funktion als Experte für Evolutionstheorien oder auch Evolutionstheoriegeschichte gilt dies nicht. Da präsentiert er sich als ziemlich trivialer Darwinismus-Dogmatiker.
Für ihn, die Evolutionsbiologie und seine Leser wäre es besser gewesen, wenn er bei seinen Leisten geblieben wäre.
Gruß
Geoman
* Ein Buntbarschliebhaber schrieb mir - nachdem er meinen 2001 in der Naturwissenschaftlichen Rundschau erschienenen Review-Beitrag über die explosive Artbildung bei ostafrikanischen Buntbarschen gelesen hatte -, dass Meyer wohl noch nie einen lebenden Buntbarsch gesehen habe.
Dies mag etwas übertrieben sein und sich zwischenzeitlich geändert haben, ist aber wohl kennzeichnend für Meyers Art die Welt zu erforschen.
Hi Geoman!
" [..]dass Meyer wohl noch nie einen lebenden Buntbarsch gesehen habe."
Das ist natürlich schwer erläuterungsbedürftig, findest Du nicht? ;-)
Cheers,
Lamarck
Hi Lamarck,
anlässlich Deiner berechtigt skeptischen Nachfrage habe ich in meinem Emailarchiv recherchiert.
Allerdings nicht mit viel Hoffnungen, da ich erst vor wenigen Wochen von Windows 98 (never change a running system...) auf XP umgestellt habe oder genauer gesagt worden bin... und nun nicht alles mehr da ist, wo es sein sollte oder könnte.
Mit etwas Glück habe ich folgende Passage aus einer Mail (04/2001) von einem nebenberuflichen Buntbarschforscher (der allerdings diverse Veröffentlichungen vorweisen kann) gefunden, einer Passage, der man indirekt entnehmen kann, was ich zuvor angedeutet habe:
"Meyer kennt eben die Fische nicht, Stiassny hingegen wohl (zumindest als Leichen)."
Anmerkung:
Die beiden angeführten Forscher hatten in 1999 in Spektrum der Wissenschaft über die Evolution der Buntbarsche publiziert.
Den Absender der Mail kann ich aus (wohl nachvollziehbar) vertraulichen Gründen hier nicht nennen, was natürlich in der Konsequenz bedeutet, dass niemand die bzw. meine Aussage ernst nehmen muss, soweit er daran zweifelt, dass ich eine seriöse Quelle zitiert habe. Dem hätte ich aus vertraulichen Gründen eben nichts entgegen zusetzen.
Gruß
Geoman
@Lamarck:
„(Das genannte Zitat befindet sich übrigens auf den Seiten 19/20; auch weiteres befindet sich nicht unbedingt an angegebener Stelle ;-) )“
Die angegebenen Seitenzahlen sind korrekt. Es handelt sich um die aktualisierte Taschenbuchausgabe von 2008. Schau bitte mal in deine Ausgabe,...vermutlich Vorgänger.
@Andreas
„- Bauer interpretiert hier einen Widerspruch hinein wo keiner ist.
Eine einfache Wikipedia-Recherche hätte hier schon geholfen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Group_selection”
Es war eigentlich klar, dass du mit dieser Argumentationsstrategie kommst...ist man ja von dir gewöhnt. Ob man Bauer in dieser Form einen akuten Mangel an evolutionsbilogischen Kenntnissen unterstellen kann, im Stile von „Eine einfache Wikipedia-Recherche hätte hier schon geholfen: http://en.wikipedia.org/wiki/Group_selection” „ halte ich für äußerst bedenklich. Bauer greift doch gerade derartige Beispiele in Kenntnis und Verständnis bestehender Selektionstheorien auf und kommt dann mit seiner Interpretation dazu ( gerade vorausgehend mit obigen Zitat z.B. in Verbindung mit der Ammöbe Dictyostelium und ihrer teilweise „Gruppenaufopferung” zum Zwecke des Fortbestandes ihr Art).
Aber darum sollte es ja nicht vordergründig gehen. Dass du und andere dem was entgegen zuhalten weißt, ist mir schon klar. Der wesentlich Punkt war, auf welche Weise man damit umgeht. Und hier scheint gerade in deinem Kommentar der Haupttenor erneut zum tragen zu kommen:
Axel Meyer schreibt: „Bauer, um es gleich vorwegzunehmen, hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie. „......Er postuliert wirres Zeug...... Dieses Gerede ist bar jeglicher wissenschaftlicher Evidenz.” (Nebenbei: Grüße auch ans breite Publikum: kein Grund zur Beunruhigung)
Du schreibst - souverän über den Dingen stehend - mal salopp ausgedrückt: Wenn der nur mal in eine Nachschlagewerk reingeschaut hätte....” (das ist normalerweise einem „dummen Schuljungen” gegenüber schon mal out)
Und: „Die wirklich interessante Frage ist doch ob Joachim Bauer wirklich so wenig über Evolutionsbiologie weiss, oder ob er mit voller Absicht die Fakten verdreht um eine Pseudokontroverse zu erschaffen und im Darwin-Jahr fette Tantiemen einzuheimsen (ich tippe auf die zweite Option). „
Es wird ihm also gravierende Unkenntnis und Unredlichkeit unterstellt. Du fährts also die selbe Tour, die im Beitrag beschrieben ist. Das stellt sich nebenbei auch noch die Frage, wem das - gerade hier auf dem Blog - weiterhelfen soll?
Ich kann Bauer verstehen, wenngleich ihm hier und dort auch Polemik vorgeworfen wird. Ich reagiere hier bestimmt nicht emotionnell und will auch niemanden verärgern, aber den Ausdruck „Dogmatische Evolutionswächter” finde ich in Anbetracht der Reaktionen ihm gegenüber durchaus passend. Auch, wenn er Parallelen zu autoritären Regimen und religiösen Glaubenswächtern bringt. Diese Art scheint schon immer Argumentationsmuster gewesen zu sein. Siehe auch hier, viel mir dazu noch ein:
(Johannes 7:48-49) Es glaubt doch niemand von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn? 49 Diese Volksmenge aber, die das GESETZ nicht kennt, verfluchte Leute sind sie."
"Es war eigentlich klar, dass du mit dieser Argumentationsstrategie kommst...ist man ja von dir gewöhnt."
- Welche Strategie meinst du damit ? Eine Aussage überprüfen und angesichts der Tatsachen zu kritisieren ? Wie konnte ich nur...
"Ob man Bauer in dieser Form einen akuten Mangel an evolutionsbilogischen Kenntnissen unterstellen kann, im Stile von „Eine einfache Wikipedia-Recherche hätte hier schon geholfen: http://en.wikipedia.org/wiki/Group_selection” „ halte ich für äußerst bedenklich. Bauer greift doch gerade derartige Beispiele in Kenntnis und Verständnis bestehender Selektionstheorien auf und kommt dann mit seiner Interpretation dazu ( gerade vorausgehend mit obigen Zitat z.B. in Verbindung mit der Ammöbe Dictyostelium und ihrer teilweise „Gruppenaufopferung” zum Zwecke des Fortbestandes ihr Art)."
- Und über diese "„Gruppenaufopferung” zum Zwecke des Fortbestandes..." wird seit Jahrzehnten diskutiert, hunderte von wissenschaftlichen Studien und Publikationen eingeschlossen. Kooperation ist schon seit langem ein Thema in der Evolutionsbiologie.
"Du schreibst - souverän über den Dingen stehend - mal salopp ausgedrückt: Wenn der nur mal in eine Nachschlagewerk reingeschaut hätte....” (das ist normalerweise einem „dummen Schuljungen” gegenüber schon mal out)"
- Wenn sich jemand wie ein dummer Schuljunge benimmt, dann sollte er sich nicht beschweren wenn er wie einer behandelt wird.
"Es wird ihm also gravierende Unkenntnis und Unredlichkeit unterstellt. Du fährts also die selbe Tour, die im Beitrag beschrieben ist. Das stellt sich nebenbei auch noch die Frage, wem das - gerade hier auf dem Blog - weiterhelfen soll?"
- OK, machen wir doch mal einen kurzen reality-check:
1. Kooperation ist seit Jahrzehnten ein Thema in der Evolutionsbiologie.
2. Hunderte von Gruppen forschen in diesem Gebiet, sie werden nicht diskrimiert und niemand hält sie vom publizieren in angesehen Journals ab.
3. Bauer zufolge wäre 1. und 2. undenkbar ("Sakrileg", "scientific correctness" etc.)
Wenn du angesichts dessen meinst es wäre nicht angemessen im entweder totale Inkompetenz und/oder Unredlichkeit zu attestieren, dann bin ich gespannt wieso.
"Ich kann Bauer verstehen, wenngleich ihm hier und dort auch Polemik vorgeworfen wird. Ich reagiere hier bestimmt nicht emotionnell und will auch niemanden verärgern, aber den Ausdruck „Dogmatische Evolutionswächter” finde ich in Anbetracht der Reaktionen ihm gegenüber durchaus passend."
- copy und paste von meiner letzten Antwort:
"Richtig. Moderne Synthese, neutrale Theorie, Evo-Devo etc. sind ja im wesentlichen exakt das gleiche was Darwin vor 150 Jahren beschrieben hat."
Diese "Evolutionswächter" scheinen nicht nur dogmatisch, sondern auch sehr nachlässig zu sein...
Ich bitte um Mäßigung: Sachen wie "dummer Schuljunge" möchte ich hier nicht lesen.
"Wenn es aufgrund solcher Verlautbarungen zu einem "gewissen Reflex" kommt, darf sich nun wirklich nicht gewundert werden. Merke: Zweifel ist eines, dummes Zeug ganz was anderes. Auch bei mir kommen "gewisse Reflexe" auf, wenn in Ermangelung von Begründungen als einziges 'Argument' die Märtyrerrolle übrig bleibt. Also an Joachim Bauer gerichtet: Heul doch!"
Stimmt. Zu den diversen Verlautbarungen fällt mir nur ein Kommentar ein: "Viel Lärm um nichts" ;-)
@Andreas:
"- Und über diese "Gruppenaufopferung zum Zwecke des Fortbestandes..." wird seit Jahrzehnten diskutiert, hunderte von wissenschaftlichen Studien und Publikationen eingeschlossen. Kooperation ist schon seit langem ein Thema in der Evolutionsbiologie."
Wo steht, dass Bauer mit "Kooperation", ein absolut neues Thema auspackt? Welche Bücher hast du eigentlich von ihm gelesen?
"- OK, machen wir doch mal einen kurzen reality-check:
1. Kooperation ist seit Jahrzehnten ein Thema in der Evolutionsbiologie.
2. Hunderte von Gruppen forschen in diesem Gebiet, sie werden nicht diskrimiert und niemand hält sie vom publizieren in angesehen Journals ab.
3. Bauer zufolge wäre 1. und 2. undenkbar ("Sakrileg", "scientific correctness" etc.)
Wenn du angesichts dessen meinst es wäre nicht angemessen im entweder totale Inkompetenz und/oder Unredlichkeit zu attestieren, dann bin ich gespannt wieso. "
Bauer gibt der "Kooperation" einen anderen, grundlegenderen Stellenwert, er beleuchtet dies aus einer anderen Perspektive. Sein Leitgedanke ist: "Wir sind nicht primär auf Egoismus und Konkurrenz eingestellt." Ich wüsste also nicht, wo er "Kooperation" in der Natur als neue Beobachtung attestiert oder von Gruppenselektion an sich keine Ahnung hätte.
Meiner Meinung nach schießt sich Bauer selber ins Knie. Auf der einen Seite will er eine neue Evolutionstheorie aufstellen, die meiner Meinung nach nicht so unbedingt neu ist. Auf der anderen Seite will er auf 'das Establishment' eindreschen. Das kann als Kombination nicht gut gehen.
Wenn man eine neue Theorie entwickelt hat, die etwas taugt, schreibt man das ordentlich zusammen und publiziert es in einem referierten Journal und diskutiert das mit der Fachwelt, auf Kongressen oder zumindest mit Fachleuten.
Schon die Wahl eines populärwissenschaftlichen Buchs hat ein G'schmäckle. Noch problematischer wird es, wenn man versucht, seine Theorie dadurch interessant zu machen, dass man eine andere angreift. Das war noch nie ein Argument für eine Theorie.
Im Urlaub habe ich das letzte Buch von Bauer gelesen und mein Eindruck, den ich in anderen Foren schon dargestellt habe, hat sich bestätigt. Eigentlich sind das drei Bücher. Ein kurzes, in dem eine Theorie bestenfalls skizziert wird. Klingt nicht schlecht, müsste aber detaillierter dargestellt werden. Ein anderes besteht aus eher wissenschaftshistorischen Skizzen (zu Lorenz und Darwin). Das kann man an anderer Stelle ausführlicher und besser nachlesen, hat in diesem Kontext eigentlich nichts zu suchen.
Und dann, vor allem passim, Darwin- und Dawkins-Bashing. Es wäre durchaus interessant, hier genauer hinzusehen, ob Bauer wirklich korrekt darstellt, was 'Darwinismus' eigentlich bedeutet. Lamarck hat das schon angedeutet, indem er beispielsweise von der 'Darwinschen Evolutionstheorie in der Diktion der 6. Auflage' spricht. Ich vermute, dass es eine Leerformel ist, vom 'Darwinismus' zu reden. Dieser Begriff ist meiner Meinung nach gar nicht definiert, genauer, es gibt keine allgemein gültige Definition. Es mag sein, dass es Autoren gibt, die unter 'Darwinismus' das verstehen, was Bauer kritisiert. Es mag auch Autoren geben, die meinen, alles, was die Zauberworte 'Variation' und 'Selektion' enthält, schon 'Darwinismus' sei.
Aus diesem Grund bin ich mir auch nicht sicher, ob man Bauer vorwerfen kann, er verstehe nichts von Evolutionsbiologie. Man könnte sich eventuell darauf einigen, dass man, falls man den Mund so voll nimmt, wie Bauer das tut, mehr wissen müsste, als er erkennbar schreibt (seine Terminologie zeigt nicht gerade, dass er die einschlägige Literatur kennt, und auch das eine oder andere Detail passt nicht so ganz). Ich bin mir aber nicht so sicher, ob jeder, der auf Bauer eindrischt, soviel Ahnung von Evolutionsbiologie hat wie Bauer.
Der Stil, mit dem der Evolutionsforscher Axel Meyer versucht, den Mediziner Bauer abzukanzeln, erinnert mich an typisches Pfaffengezänk, bei dem der eine Pfaffe dem anderen vorwirft, nicht die Spur einer Ahnung von der wahren Auslegung der Bibel zu haben:
"Herr Bauer (...) hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie (...) und würde in meiner Klausur Evolutionsbiologie sicherlich durchfallen, denn mit Wissenschaft hat das herzlich wenig zu tun."
Man braucht nur die Begriffe Evolutionsbiologie / Wissenschaft durch Bibel oder wahren Glauben zu ersetzen, um das zu verdeutlichen.
Dies wirft kein gutes Licht auf den Anspruch von Evolutionsbiologen (in diesem Fall Meyer) ernstzunehmende Wissenschaftler zu sein.
Gruß
Geoman
Hi Geoman!
"Mit etwas Glück habe ich folgende Passage aus einer Mail (04/2001) von einem nebenberuflichen Buntbarschforscher (der allerdings diverse Veröffentlichungen vorweisen kann) gefunden, einer Passage, der man indirekt entnehmen kann, was ich zuvor angedeutet habe:
"Meyer kennt eben die Fische nicht, Stiassny hingegen wohl (zumindest als Leichen)."
Anmerkung:
Die beiden angeführten Forscher hatten in 1999 in Spektrum der Wissenschaft über die Evolution der Buntbarsche publiziert."
Okay, ich sehe, was hier ethologisch in der Kritik gewesen sein muss.
Cheers,
Lamarck
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