Samstag, März 28, 2009

Kirche zeichnet Kritik an „theistischer Evolution“ aus

[Vorbemerkung von Christoph Heilig: Dieser Beitrag erschien im "Wort und Wissen Info 1/2009" und gibt als solcher die Position der Redaktion wider, nicht jedoch unbedingt in jedem Punkt meine eigene. Das nur, damit ich nacher nicht Rede und Antwort für jeden Nebensatz stehen muss... ;-) Mehr zu meiner Position in kompakter Form wie gehabt hier.]

Mit einem zweiten Preis beim Wettbewerb „Christentum und Kultur“ wurde eine Arbeit von Christoph Heilig (Illerkirchberg bei Ulm) über Kritik an „theistischer Evolution“ ausgezeichnet. Dieser Wettbewerb ist für Schüler der gymnasialen Oberstufe ausgeschrieben und wird seit sieben Jahren durch eine Kooperation der katholischen und evangelischen Landeskirche ermöglicht (www.ordinariat-freiburg.de/181.0.html). Im vergangenen Schuljahr wurden 57 Arbeiten eingereicht. Landesbischof Ulrich Fischer verlieh am 4. Februar 2009 die Auszeichnungen (www.ekiba.de/9480_9582.php).

Die Preisvergabe an Christoph Heilig ist insofern bemerkenswert, als seine Arbeit deutliche Kritik an der weithin vertretenen Position einer „theistischen Evolution“ vertritt. Diese Auffassung wird in allen neueren kirchlichen Stellungnahmen zugrunde gelegt und besagt, dass Gott die Welt durch einen Prozess erschaffen hat, der aus wissenschaftlicher Perspektive nicht von einer atheistischen und ungelenkten Entstehung der Welt zu unterscheiden ist. Gottes Plan ist hier nur ein außerweltliches Phänomen, das für naturwissenschaftliche Überlegungen bedeutungslos ist. In seiner eingereichten Arbeit macht Christoph Heilig deutlich, dass die Akzeptanz einer solchen Sicht auf die Ursprungsfrage nicht nur aus christlicher Sicht äußerst problematisch ist, sondern bereits auf der Ebene eines unspezifischen philosophischen Theismus kaum begründet vertreten werden kann. Heilig begründet, weshalb die christliche Sicht auf die Ursprungsfrage eine „teleologische Perspektive“ sein müsse, die auch naturwissenschaftliche Befunde vor dem Hintergrund des biblischen Schöpfungsglaubens zu interpretieren versucht. Er formuliert aber auch Kritik an bestimmten Argumentationsweisen im Rahmen des Ansatzes des Intelligenten Designs und stellt im Fazit fest: „Unsaubere Argumentation bezüglich der teleologischen Perspektive (oft von den eigenen Vertretern) hat ein Zerrbild erzeugt, das in der Tat theologisch äußerst fragwürdig ist.“ Er fügt dann aber hinzu: „Wird die teleologische Perspektive jedoch nicht überstrapaziert, so treten diese Schwierigkeiten nicht auf und man kann ‚ID‘ als Christ gelassen vertreten, ohne seinen Glauben von naturwissenschaftlichen Ergebnissen abhängig zu machen.“

Mit einem Verweis auf „intelligentes Design“ sei es dennoch nicht getan. Heilig lehnt das Bestreben der amerikanischen ID-Bewegung, ein „anonymes Design“ als Alternative zur gängigen Evolutionstheorie zu vertreten, ab. Hierbei wird die Identität des Designers nicht berücksichtigt. Erst der Verweis auf einen spezifischen Designer würde es erlauben, testbare Erwartungen abzuleiten, welche für naturwissenschaftliche Forschung interessant sein könnten. Die Bewertung solcher „SD-Modelle“ sei dann jedoch nicht objektiv möglich, sondern von weltanschaulichen Voraussetzungen abhängig. Eben diese Vorgehensweise praktiziert die „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“, indem sie versucht, aus dem von ihr vorausgesetzten spezifischen Design-Ansatz Anregungen für die Forschung abzuleiten (z. B. in der Frage des Alters; vgl. „Wie alt ist die Menschheit?“ von M. Brandt).

Die Preisvergabe zeigt, dass auch über ein Thema, das für viele Zeitgenossen nur noch wie ein rotes Tuch wirkt, konstruktiv diskutiert werden kann. Schließlich war die Jury – allen Vorbehalten gegenüber dem Reizwort „ID“ zum Trotz – bereit, eine aus ihrer Sicht differenzierte Kritik an der allgemein vertretenen Lehrmeinung einer „theistischen Evolution“ auszuzeichnen. Ein kleines Wunder angesichts der bisher entschiedenen Ablehnung einer teleologischen Perspektive in der Kirche. In der Laudatio wurde der Beitrag als „ungemein detailreich, äußerst klug und anspruchsvoll“ beschrieben. Ein Jury-Mitglied, das sich öffentlich auch schon deutlich kritisch zu einer teleologischen Perspektive geäußert hatte, lobte im persönlichen Gespräch mit dem Autor die Kritik der Arbeit an der theistischen Evolution ausdrücklich. Sachliches Hinterfragen kann also durchaus Gehör finden und auch fair bewertet werden. Auch wenn es in letzter Zeit ganz andere Erfahrungen gab, darf dies für Wort und Wissen auch als Ermutigung angesehen werden, weiterhin eine sachliche und faire Auseinandersetzung um die Ursprungsfrage zu führen.


2 Kommentare:

hallowach hat gesagt…

Ich würde gerne den Text in voller Länge lesen. Steht er zur Verfügung?

Christoph Heilig hat gesagt…

Auf Anfrage per Mail, ja. Teile davon werden in meinem Sammelband veröffentlicht werden.