Donnerstag, März 05, 2009

Kritische Anfragen an die Grundtypenbiologie

Zusammenfassung zu einem Vortrag auf der 26. Fachtagung für Biologogie von "Wort und Wissen"

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Theresa Haller & Christoph Heilig



Die Geschichte schöpfungsorientierter Biologie hat viele verschiedene Ansätze vorzuweisen, mit denen versucht wurde, die „geschaffenen Arten“ des biblischen Berichts zu identifizieren. Zu nennen ist hier aus jüngerer Vergangenheit vor allem die „Baraminology“ (Wood et al. 2003) und die Grundtypenbiologie (Scherer 1993). Letztere gruppiert Organismen aufgrund der direkten oder indirekten Verbindung durch Kreuzungen zu Grundtypen, welche auf polyvalente – genetisch vielseitige – Stammpopulationen zurückgehen sollen und deren Diversifikation durch mikroevolutive Verteilung des bestehenden Potentials erfolgt sein soll. Im Rahmen der biblischen Schöpfungslehre werden diese Grundtypen als Schöpfungseinheiten interpretiert (Junker 2004/2005). Für die Grundtypenbiologie ergeben sich zwei Problemfelder:


  1. Was ist ein Grundtyp (sensu Scherer) überhaupt im taxonomischen Sinn?

  2. Wie korrelieren Grundtypen und Schöpfungseinheiten?

Der Vortrag möchte auf einige Aspekte zu 1) aufmerksam machen, die in den Augen der Referenten zu Verwirrungen führen, sodass im Grunde gar nicht klar ist, was die taxonomische Einheit des Grundtyps (noch ohne jeden Schöpfungsbezug) überhaupt darstellen soll. Kurz soll auch noch auf den Punkt 2) eingegangen werden, da für die bei „Wort und Wissen“ praktizierte Gleichsetzung von Grundtypen und Schöpfungseinheiten kaum eine theoretische Grundlage besteht. Vielmehr ist diese Korrelation äußerst spekulativ. Auf die Baraminologie wird in diesem Kontext kurz eingegangen. Es sollte bedacht werden, ob „Wort und Wissen“ nicht Gefahr läuft, denselben Fehler zu machen, den wir aus der amerikanischen Sintflutgeologie kennen: Ein alles andere als zwingendes Verständnis des Bibeltextes wird als Grundlage für die ausführliche Repräsentation eines Modells nach außen hin verwendet (etwa im kritischen Lehrbuch!), ohne dass die entsprechende theoretische oder gar praktische Basis bestünde.



  • Junker R (2004) „Harter Kern“ und Hilfshypothesen von Forschungsprogrammen in der Schöpfungsforschung. http://www.wort-und-wissen.de/fachgruppen/wt/hartkern.pdf

  • Junker R (2005) Wissenschaft im Rahmen des Schöpfungsparadigmas. http://wort-und-wissen.de/artikel/a02/a02.pdf

  • Scherer S (Hg., 1993) Typen des Lebens. Berlin.

  • Wood TC (2005) A Creationist Review and Preliminary Analysis of the History, Geology, Climate, and Biology of the Galápagos Islands. Eugene.

  • Wood TC, Wise KP, Sanders R & Doran N (2003) A Refind Baramin Concept. OPBSG 3, 1-14.

5 Kommentare:

www.theologie-der-vernunft.de hat gesagt…

Führt diese ganze Diskussion nicht in eine völlig falsche Richtung?

Warum muss man ständig bestimmte natürliche Prinzipien der Biologie, die als kreativ=schöpferisch nachgewiesen werden, anzweifeln?

Wieso kann nicht der biologische Mechanismus, wie ihn die aktuelle Evolutionstheorie beschreibt, als Schöpfungs-wirklickeit, letztlich der Darwin-Code als Wort Gottes verstanden werden?

Dass die heutigen Ableitungen aus der Evolutionsbiologie ein Kurz-schluss sind, bei dem gemeisame menschliche Sinngebung ebenso wie Schöpfung verneint wird, mag sein.

Dann liegt aber das Problem darin, dass Evolutionslehre zu kurz gedacht wird, sich der Mensch als geistbegabtes soziales Kultwesen zum Affen macht, das sich auf gen- statt Genesismaximierung reduziert. (Selbst wenn dann nicht nur bei Ameisen, sondern selbst bei südafrikanischen Nacktmullen von einem "sozialen" verhalten gesprochen wird, weil eine umwelbedingte reproduktive Arbeitsteilung stattfindet, die nicht nur auf die jeweils eigene Fortpflanzung, sondern die der Gemeinschaft abzielt.)

Wenn ich die Evolutonsbiologie als Homo Spapiens weiterdenke, weiß dass wir heute als bewusste Wesen in einem Boot sitzen, alles miteinander verbunden ist, wir aufeinander angewiesen sind, dann leite ich aus der stinknatürlichen Biologiebeschreibung eine menschlich-kreative="schöpferische Bestimmung" ab, die einen Menschen machen müsste, wie ihn bereits das Gesetz Moses bietet.

Aber warum müssen wir dazu an der Grundtypenbiolie bzw. dem Mechanismus von Zufall und schöpfungstauglicher Notwendigkeit zweifeln, statt hierin über eine schöpferische Bestimmung (die wissenschaftlich beschriebene Grammatik allen natürlichen Werdens als ein natürliches Wort) nachzudenken?

Warum stellen wir nicht die gleichen kritischen Fragen, die wir an das Naturwissen stellen, an die Glaubensüberzeugungen, die bisher immer davon ausgingen, dass ein göttlicher Zielsetzer, ein mystischer Erklärungsgrund zu beweisen sei?

Marco hat gesagt…

Lieber Vernunfttheologe,

um ganz ehrlich zu sein: Ich verstehe kaum, was Du eigentlich sagen willst. Aber: Für W+W ist eine möglichst wörtliche Auslegung der Bibel zentral. Eine Theologie, die, vernünftigerweise oder nicht, Evolution, ein hohes Erdalter usw akzeptiert und gleichzeitig den Garten Eden, die Sintflut usw nicht als reale Urgeschichte sieht, wird von Wort und Wissen nie in Betracht gezogen werden. Dadurch ergeben sich dann die ganzen unterhaltsamen Konsequenzen und Widersprüche. Dass einer der letzten Beiträge z.B. mit "Molekulare Daten belegen: Konvergente Evolution komplexer Merkmalssysteme bei den Singvögeln (Passeri)" überschrieben wurde, grenz in meinen Augen in Anbetracht der Grundausrichtung dieses Blogs schon fast an Poesie!

Von Junker gibt es, glaube ich, Arbeiten, die den theologischen Zusammenhang genauer darlegen.

Gerhard hat gesagt…

Damit kein Missverständnis aufkommt, mir geht es nicht um das weitere banale Abstreiten der Glaubensgeschichten und Gestalten, wie wir es von der historischen Kritik bisher kennen.

Solange wir die Evolutuion ablehen, können im ewigen Werden und Vergehen nicht über ein ewiges Wort/ein schöpferische Vernünftigkeit nachdenken, die am Anfang des monotheisitischen Glaubens, wie der griechisch-jüdischen Glaubensreform stand.

Wer beispielsweise nach einem Holzschiff sucht, versäumt es möglicherweise, ebenso wie Schriftlehrer, die nur in noch älternen Volksmythen nachblättern, darin die Aussagen belegen wollen, die heute u.A. in der Evolutonslehre erklärten universalen Urprinzipien (lt. Brockhaus Arche) das gemeinsame Boot zu sehen bzw. einzusteigen, um in zeitgemäß sufgeklärter Weise über ein ewiges kreatives=schöpferisches Wort/Vernünftigkeit nachzudenken.

Die Trennung von realer Schöpfung, die weitere Vergötzung persönlicher Vorstellungen und damit einhergehend die Aufspaltung unseres Weltbildes kann dann nicht überwunden werden.

Christoph Heilig hat gesagt…

Die Arche des neuen Bundes ist - das sei nur nebenbei bemerkt - weder ein evolutionäres Entwicklingungsprinzip, noch eine mystisch-gnostische Verballhornung biblischer Grundbegriffe, sondern der eine Herr Jesus, Christus, Gottes Sohn, Erretter.

Das alles hat jedoch recht wenig mit diesm spezifischen Beitrag zu tun. Du kannst meinetwegen einen eigenen Blogbeitrag verfassen, in em Du deine Ansichten zur Ursprungsfrage darlegst. Aber ich sehe wenig Sinn darin, wenn Du unter jeden neuen Beitrag aufs Neue deine Grundsatzzweifel an der Existenzberechtigung eines Blogs solcher Ausrichtung äußerst. ;-)
Oder um's ganz direkt zu sagen: Sowas ist unproduktiv.

Also: Gerne räume ich Dir hier Platz für einen separaten Beitrag ein, bitte aber zugleich darum, dass Kommentare zu den Beiträgen in konkreterer Form abgegeben werden, als bisher von Dir.

Gerhard hat gesagt…

Vielen Dank,
für das Angebot eines eigenen Beitrages.

Ich werde gern darauf zurückkommen und will nicht weiter bei der Diskussion um die Grundtypenbiologie stören.

Nur soviel. Wenn wir den "Herrn Jesus Christus", den der Papst als "Schöpferische Vernunft" griechisch monistischer Herkunft bekent bzw. den Gottessohn, den die philosophische Bildung der Zeitenwende in den Prinzpien allen Werdens wahrnahm, als ewige "Arche" ernst nehmen würden, dann bräuchten wir nicht weiter über die Anerkennung alter Geschichten zu streiten. Entschuldigung: Auch nicht über Anerkennung der Grundtypenbiologie.

Denn dann könnte die weltweit geltende Erklärung des natürlichen Werdens als Arche, die Evolution Weise als ewiges Schöpfungswort verstanden werden. Wäre das nicht produktiv?

Ich bin gewiss:
Herr Jesus lebt wirklich,
die Arche steht vor uns.