Die spannende Frage ist natürlich: Wird hier Epizyklus auf Epizyklus geschichtet, wie Hunter anregt, oder hat man es hier klar und ausschließlich mit gesundem wissenschaftlichen Fortschritt zu tun?
Mittwoch, Januar 28, 2009
Von eleganten Ideen und hässlichen Fakten
Freitag, Januar 23, 2009
Baumsterben?
„Die Vorstellung eines 'Baum des Lebens' war absolut zentral für Darwins Denken, genauso wichtig wie natürliche Selektion ... Ohne ihn hätte es keine Evolutionstheorie gegeben. Der Baum hat auch geholfen eine evolutionäre Sichtweise durchzusetzen. Darwin hat erfolgreich argumentiert dass der 'Baum des Lebens' ein Faktum der Natur sei, klar für jeden zu sehen, wenngleich erklärungsbedürftig. Seine Erklärung war Evolution durch natürliche Selektion.“
„Mitte der 1980er Jahre war man optimistisch, dass molekulare Techniken letztlich den Stammbaum des Lebens in all seiner Herrlichkeit offenbaren würden. Ironischerweise geschah das Gegenteil.“
„Der 'Baum des Lebens' war nützlich ... er hat uns geholfen zu verstehen, dass Evolution real ist. Aber jetzt wo wir mehr von Evolution verstehen, ist es Zeit darüber hinaus zu gehen.“
Die üblichen Fragen:
1) Handelt es sich hier um einen gesunden Fortschritt evolutionsbiologischer Forschungen oder um Anzeichen fundamentaler Schwächen?
2) In welcher Beziehung stehen Informationen und Expertenmeinungen aus solchen 'Insiderdebatten' mit der Art wie Evolution in populären Medien präsentiert und vor allem plausibel gemacht wird?
3) Wie wird das 'Muster des Lebens' – speziell die Verteilung von Ähnlichkeiten und Unterschieden in der Organismenwelt - aus teleologischer Perspektive interpretiert?
Graham Lawton (2009): Why Darwin was wrong about the tree of life New Scientist, 21.01
Mittwoch, Januar 21, 2009
"Es hat schon etwas Schizophrenes"
Ganz so wörtlich wird es Prof. James A. Shapiro, Molekularbiologe an der Universität von Chicago, in einem Interview zu Fragen über das Beharren auf der konventionellen Evolutionstheorie wohl nicht gemeint haben. Dennoch nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn es um Gründe geht, die nach seiner Auffassung ein Umdenken schon lange überfällig werden ließen.
Das Interview stammt aus der aktuelle Zeitschrift "Natur + Kosmos" 02/2009, welche sich unter dem Titelthema "Die neue Sicht auf die Evolution" mit einer Reihe neu gewonnenem Wissen auseinander setzt. Unter presseportal.de konnte man gestern lesen, was die Richtung des Artikels kurz anreißen soll:
"Als erstes deutsches Printmedium wagt natur+kosmos in seiner Februarausgabe (Erscheinungsdatum 17. Januar 2009) eine Zusammenschau einiger der neuen Erkenntnisse.
In der breiten Öffentlichkeit existiert immer noch eine holzschnittartige Sicht der Evolution, bestimmt durch die übermächtige Rolle des blinden Zufalls und durch Bilder wie das des "egoistischen Gens" von Richard Dawkins. Doch Erkenntnisse der Genomsequenzierung, der Molekularbiologie und anderer Disziplinen weisen darauf hin, dass die Evolution ein weit komplexeres und vielschichtigeres Geschehen ist, als es dem gängigen Bild entspricht."
Weiter darüber befinden kann man das Ganze unter: www.natur.de. (Eine Verlinkung zum E-Book, um den gesamten Artikel zu lesen, war zumindest noch heute möglich.)
Zurück zu Shapiro, um dessen Interview es in diesem Beitrag gehen soll. Den Worten der Beitragsüberschrift ging die Feststellung voraus: "Die meisten Biologen scheuen sich, über Evolution anders zu denken als auf die Art, die sie gewohnt sind; Kollegen aus anderen Disziplinen tun sich da leichter." Weiter sagte er: "Aber es hat schon etwas Schizophrenes: Vielen Biologen ist mehr oder weniger bewusst, dass die konventionelle Sicht nicht mehr zu halten ist. Aber kaum einer sagt es öffentlich. Es ist praktisch ein Tabu." Auf die Frage, ob er von der Wissenschaftsgemeinde ausgegrenzt werde, da er dieses Tabu breche, antwortet Shapiro: "Persönlich, also von Kollegen, weniger - aber es wurde zum Beispiel mal ein Artikel von mir in einer der großen Fachzeitschriften nicht veröffentlicht, weil ich mich weigerte auf den Begriff "natural genetic engineering" (etwa: natürliche Systementwicklung im Genom) zu verzichten, den ich seit Jahren verwende. Die hatten das Gefühl, das wäre ein Zugeständnis an die Anhänger des "Intelligent Design". "Das ist die Angst vor Kreationisten? Die ist so stark?, fragt sein Gegenüber daraufhin. "Ja, weil die wirklich aggressiv sind. Und da neigen viele Wissenschaftler eher dazu, etwas zu verteidigen, was eigentlich überholt ist, statt zuzugeben, dass es noch offene Fragen gibt, wie die Evolution funktioniert."
Um keine falschen Schlüsse aufkommen zu lassen: Das Thema soll nicht provozieren oder eine Aussage überspitzt herausstellen. Mein Interesse galt vorrangig den Feststellungen Shapiros und da wundert es sicher nicht zuletzt auch Leser der Zeitschrift, wenn er zu dieser Wortwahl greift. Nach seiner Darlegung scheint ja schon eine bloße Überlegung, die nicht ganz kompatibel mit den Standardansichten zur Evolution ist, wohl eher im Gedankengang des Biologen verbleiben. Wenn schon durch die Begriffswahl der Eindruck von Zugeständnissen an ID erweckt werden könnte, dann fragt sich natürlich, wer überhaupt auspricht was er denkt, wenn es etwa um andere Schlussfolgerungen aus neuen Forschungsergebnissen geht oder gar das wesentliche Bild zur Evolutionstheorie in Frage gestellt wird. Oder geht es hier und dort vielleicht doch um die Deutungshoheit in der Ursprungsfrage?
"Gibt es denn gar keine Änderung?", fragt „Natur+Kosmos" in einer letzten Frage. Shapiro dazu: "Ganz langsam ändert sich etwas - die Fakten sprechen ja eine deutliche Sprache . Die Kollegen, die an der Genomsequenzierung arbeiten, an molekularen Stammbäumen usw. die ahnen alle, dass ihre Resultate dazu beitragen müssten, die Evolutionstheorie zu erneuern, dass Darwinismus nicht länger die Lösung ist und wir eine modernere, komplexere Theorie brauchen. Aber die meisten trauen sich nicht, es zuzugeben."
Ob man seiner Sicht zur Evolution zustimmen kann oder nicht, völlig egal, es scheint weiterhin schon im Ansatz erschwerend für Wissenschaftler zu sein, althergebrachte Auffassungen zur Evolution in Frage zu stellen.
Siehe vor diesem Hintergrund auch hier:
http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2007/12/mechanismen-der-macht.html
Dienstag, Januar 20, 2009
Auf der Seite der Vernunft
Interessant ist, dass evolutionäres Gedankengut, welches angeblich auf Vernunft und Wissenschaft gegründet ist, seine eigenen vorgeblichen Grundlagen erodiert (siehe Evolution der Unvernunft)**. Historisch gesehen ist evolutionäres Gedankengut keineswegs synonym mit wissenschaftlichem Fortschritt und verstandesmäßigem Verstehen der Welt gewesen. Folgend einige Ausführungen von Steve Fuller (siehe auch hier), die in diesem Zusammenhang interessant sein dürften:
„Die Idee einer Evolution wurde zu vielen verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten vorgebracht. Sie ist ein Merkmal der meisten großen Kosmologien, nicht zuletzt der 'karmischen' Religionen Indien und Chinas. Doch vor der Neuzeit war Evolution selten mit der Idee assoziiert, dass die Realität als 'Universum' konstituiert ist welches menschlicher Einsicht und Kontrolle zugänglich ist. Im Gegenteil tendierten für Evolution empfängliche Kulturen zu Irrationalismus 'Pluriversalismus' – was man heute als die These vom Multiversum bezeichnet -; dementsprechend gibt es keine letztliche Realität, geschweige denn eine, die alleine ernsthafte wissenschaftliche Untersuchungen wert wäre. Evolutionisten aller Epochen haben die Idee verinnerlicht, wonach Lebensformen einfach temporäre Arrangements von Materie in Bewegung sind, welche mit einer gewissen Regelmäßigkeit (wenn nicht Periodizität) kommen und gehen, deren Signifikanz vom Bezugsrahmen des Beobachters abhängt. Die Natur muss weder über Ursprung noch Plan verfügen, geschweige denn einen bestimmten Plan mit einzigartigem Ursprung – da ist nur der rastlose Rhythmus der Veränderung. Von diesem Standpunkt aus ist die Natur etwas, woran man sich anpasst und womit man umzugehen lernt, anstatt es zu verstehen oder zu überwinden.“ (p181)
Nach der Diskussion einiger Einwände fährt Fuller fort:
„Huxley argumentierte aufmerksam, dass die Logik des wissenschaftlichen Fortschritts es erfordert, dass die Gottes-Vergiftung [Anm.:***] der Entgiftung vorangeht, deshalb kommt Newton historisch vor Darwin: Der menschliche Zustand wäre armselig geblieben hätten die beiden in umgekehrter Reihenfolge gelebt. Anders gesagt, musste die Menschheit zuerst an ihren eigenen privilegierten Zugang zur Realität glauben um die anhaltenden Bemühungen, verbunden mit dem Streben nach Erkenntnis und ihrer Anwendung, zu rechtfertigen. Newtons zwanzigjährige theologisch motivierte Bemühungen welche in der Principia Mathematica mündeten verkörperten diese Zuversicht. Darwins eigenes zwanzigjähriges intensives Studium der Natur – Anfangs von einer ähnlichen Zuversicht getrieben – kam ironischerweise zu dem Schluss dass wir nicht so einzigartig sind und vom Rest der Natur letztlich eher graduell als qualitativ verschieden sind. Das große Rätsel welches Huxley dem 20sten Jahrhundert gestellt hat – und welches auch im 21sten Jahrhundert noch steht – ist, wie man wissenschaftliche Ambitionen von der Größenordnung eines Newton motiviert während man sich im Kielwasser von Darwins degradierender Sichtweise der Menschheit befindet.“ (p182)
Der etwas breitere Kontext von Fullers Ausführungen stellt sich wie folgt dar:
„Obwohl ich nicht aufrichtig sagen kann, dass ich an einen göttlichen personalen Schöpfer glaube, wurde noch keine plausible Alternative aufgezeigt um das Streben der Wissenschaft als Suche nach dem ultimativen systematischen Verständnis der Realität zu rechtfertigen. Obwohl sich die meisten Wissenschaftler heutzutage als Atheisten bezeichnen hat der Atheismus als positive Doktrin wenig für die Wissenschaft getan. Die Wissenschaftler die ihren Atheismus gerne teilen, rechtfertigen Wissenschaft üblicherweise nach einem von drei gleichermaßen unzureichenden Wegen: Erstens weisen sie auf die praktischen Vorteile der Wissenschaft hin, sowohl beabsichtigte als auch unbeabsichtigte. Aber die beiden Weltkriege im letzten Jahrhundert machten klar, dass die Wissenschaft so Geisel zufälliger Entwicklungen wird, welche in periodische anti-wissenschaftliche Rückschläge münden. Zweitens weisen Wissenschaftler auf ästhetische Faktoren als motivierend für ihr Handwerk hin. Während dies hinreichend für den wissenschaftlichen Praktiker sein mag, hilft es wenig, wenn es darum geht die wachsenden Kosten ... für die Gesellschaft zu rechtfertigen, welche die jeweiligen Aktivitäten ermöglicht. Zuletzt gibt es Wissenschaftler wie Richard Dawkins die den 'Atheismus' ganz einfach mit einer weltlichen Version der theologischen Rechtfertigung der Wissenschaft identifizieren.“ (p9)
Fuller, Steve (2008): Dissent over Descent. Intelligent Design's Challenge to Darwinism Icon Books, Crows Nest
* Auch ein erstklassiges Wort um weitere (zweckdienliche) Vorurteile ins Rennen zu schicken. Vergleiche dazu auch Forschung und Technik im Mittelalter.
** Um Missverständnisse zu vermeiden: Die hier vorgebrachten Gedanken und Zitate unterstützen keine Versuche evolutionsbiologische Ansätze als unwissenschaftlich zu disqualifizieren. Wissenschaftliche Argumente müssen wissenschaftlich kritisiert werden, wobei man natürlich auch gelegentlich über (versteckte) philosophisch-theologische Annahmen stolpern kann. Doch hier geht es um Denkvoraussetzungen und (mögliche) Konsequenzen evolutionistischer Positionen, nicht um Evolutionsbiologie (Beispiel für Evolutionsbiologie).
*** Man könnte hier eine elegante Umschreibung einfügen, aber die Kraft der ursprünglichen Formulierung und die durch sie offenbarte Denkweise soll dem Leser nicht vorenthalten werden.
Mittwoch, Januar 14, 2009
Axel Meyer - tragischer Prophet?
Dies alles ist dumm genug, um es geflissentlich zu ignorieren. Aber dieser Nonsens – mittlerweile ein Bestseller – wird in den Feuilletons der überregionalen Zeitungen auch noch wohlwollend besprochen! Die Ressortleiter schicken für solche Jobs wohl gerne die jungen Praktikanten vor, denen es vielleicht an wissenschaftlicher Bildung oder Zivilcourage mangelt.
Bauer, um es gleich vorwegzunehmen, hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie. [Sein] Gerede ist bar jeglicher wissenschaftlicher Evidenz. Was nicht verwundert, denn Bauer ist bisher eher durch populärwissenschaftliche, psychosomatisch angehauchte Bücher aufgefallen.
Ist Bauer ein Spielverderber? Oder gar ein fromm gewordener Wissenschaftler, der
zur Schöpfungslehre übergetreten ist? Beides nicht. Der ehemalige Genforscher - Spezialgebiet: Immunsystem und menschliches Gehirn - hat nur die akteulle Fachliteratur der Genomforscher genauer studiert als andere Evolutionstheoretiker.
Prof. Dr. Joachim Bauer ist Mediziner und war in der molekular- und neurobiologischen Forschung tätig. Heute arbeitet er als Universitätsprofessor in der Abteilung für Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums in Freiburg
Meisterstück oder Reklamationsfall?
Kaum ein Organ wird derart häufig im Streit um die Ursprungsfrage (von beiden Seiten!) bemüht, wie das Auge. Auf die zahlreichen Artikel dazu brauche ich wohl nicht extra zu verweisen.
Beim Durchblättern von "bild der wissenschaft" fiel mir daher der Verweis auf ein Buch von Simon Ings auf, das den Titel "Das Auge - Meisterstück der Evolution" trägt, für 23,00€ bei "Hoffmann und Campe" erschienen ist und auf 397 Seiten Wissenswertes über das Auge (in allen Variationen) zu berichten hat, etwa "wie Augen im evolutionären Überlebenskampf enstanden sind" (Heinz Horeis, "Auge um Auge. Ein meisterhaftes Buch über das Sehen, mit dessen evolutionärer Erfindung 'der Spaß begann'"; bild der wissenschaft 1/2009, S. 68).
Ich selbst habe das Buch nicht gelesen und habe es auch nicht vor, wollte hier aber kurz darauf verweisen, da ich dachte, es könnte den ein oder anderen Leser dieses Blogs interessieren. Außerdem konnte ich die Gelegenheit einfach nicht verstreichen lassen, die Einschätzung als "Meisterwerk der Evolution" dem Urteil des deutsche Physikers und Physiologens Hermann von Helmholtz aus dem Jahr 1871 gegenüberzustellen, der zu dem Schluss kommt, "dass er, wenn ihm ein Optiker ein so nachlässig gearbeitetes Instrument verkaufte, sich vollständig berechtigt halten würde, es ihm zurückzugeben" (Zitiert in: "Darwins intelligentes Design" von Julia Voss; Max Planck Forschung 4/2007, S. 25).
Montag, Januar 12, 2009
Keine Chance für Antibiotikaresistenzen?
Michael J. Behe hat folgende Vorhersage in seinem Buch 'The Edge of Evolution' gemacht:
„Ein konsequenter Darwinist muss davon ausgehen, dass Zufallsmutationen letztlich jedes Antibiotikum umgehen können – in Anbetracht all der prächtigen molekularen Maschinerie die dadurch hervorgebracht wurde... . Aber Intelligent Design sagt vorher, dass es immer echte Hoffnung gibt. Wenn wir das rechte Werkzeug finden (...) könnte dies die Vorstellung [Anm.: die Resistenzbildung] beenden. (...) In medizinischen Angelegenheiten ist ein Verständnis für die Fähigkeiten ungerichteter Mutationen kritisch. Und genauso kritisch ist es die Grenzen evolutionärer Prozesse festzustellen.“ (237)
Die Strategie ist in der Theorie ganz einfach: Wenn man einen Krankheitserreger bekämpfen will, dann muss man ein Gegenmittel finden, welches nicht durch geringfügige Anpassungen unschädlich gemacht werden kann. Wenn eine Anpassung zu viele Mutationen erfordern würde bzw. erst durch die Evolution komplex organisierter molekularer Systeme erfolgen könnte, wird sie in der Praxis niemals stattfinden. D.h. eine Resistenzbildung kann nicht erfolgen, weil sie die Fähigkeiten ungelenkter evolutionärer Prozesse übersteigen würde.
Resistenzbildung ist nicht immer das (alleinige) Resultat ungerichteter evolutionärer Prozesse, sondern kann auf Anpassungsmechanismen zurückgehen. Diese lassen sich jedoch im Prinzip erforschen, verstehen und neutralisieren/manipulieren. So gibt es Hinweise darauf, dass manche Zellen Mutationen gezielt die Mutationsrate erhöhen, was Teil eines Mechanismus zu sein scheint um in Stresssituationen eine schnelle Anpassung zu erreichen. Ein Team um den Studienleiter Floyd Romesberg hat 2005 berichtet, dass sie durch das Ausschalten eines Proteins (LexA) Bakterien (vorerst?)die Fähigkeit genommen haben, Resistenzen zu evolvieren (hier).
Jerry Coyne schrieb 2006 in Nature bezogen auf mangelhafte praktische und kommerzielle Anwendungen evolutionärer Ansätze (hier), dass „Evolution uns nicht bei der Vorhersage helfen kann, welche neuen Impfstoffe herzustellen sind, da Mikroben nicht vorhersagbar evolvieren.“
ID dagegen regt an sowohl Fähigkeiten als auch Grenzen ungerichteter evolutionärer Prozesse zu erforschen. Evolution ist keine überwältigende Naturgewalt sondern limitiert und letztlich beherrschbar. ID geht darüber hinaus logisch mit einer (in Biologie und Medizin bewährten wenngleich von Intentionalität entkoppelten) teleologischen Perspektive einher, die folgerichtig nach Anpassungsmechanismen fragt.
Das an sich ist natürlich noch keine Garantie Antibiotikaresistenzen unter Kontrolle zu bekommen aber immer hin eine hoffnungsvolle Perspektive und wesentlich mehr als eine darwinistische Denkweise bietet.
Freitag, Januar 09, 2009
Wehe denen, die widersprechen...
Ronald Lärm
"Wer Fragen an Darwin stellt, begibt sich – jedenfalls im Bereich von Forschung und Lehre – auf vermintes Gelände. Wissenschaftler, die auch nur leise Zweifel zu äußern wagen, machten Erfahrungen, wie Häretiker bei religiösen Glaubenswächtern oder Dissidenten in autoritären Regimen machen können. Es scheint zu einem gewissen Reflex mancher wissenschaftlicher Meinungsführer geworden zu sein, jedes kritische Nachdenken über Darwin mit hysterischer Aufgeregtheit zu beantworten."
So schreibt Joachim Bauer (2008, 21f.) in seinem Buch " Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren". Und er hat Recht, denn er weiß es aus eigener Erfahrung. Jüngstes Beispiel kann man hier nachlesen. Dabei lässt sich Bauer nicht im entferntesten mit Kreationismus oder "intelligent design" in Verbindung bringen. Er führt in der Folge weiter aus: " Eine gegenüber kritische Stimmen routinemäßig vorgebrachte Unterstellung lautet, man gehöre zu den sogenannten Kreationisten [...]. Dieses Buch argumentiert weder für den Kreationismus noch für die Theorie des »intelligent design« [...].“ Bauers "Kritik betrifft einen ganz anderen Punkt, nämlich ob die Evolution tatsächlich nach dem Prinzip des Kampfes ums Dasein voranschreitet, ob Gene »egoistisch« sind und ob der Mensch , wie Darwin es formuliert, ein Wesen ist, welches dem Kampf ausgesetzt bleiben muss."
In "Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone" (2006, 173) drückte er es meines Erachtens nach noch etwas vorsichtiger aus , wenn er schrieb: "Survival of the fittest" ist möglicherweise nicht das einzige Leitprinzip der Evolution, sondern wäre zu ergänzen durch ein weiteres, eigenständiges biologischens Kernmotiv: die Suche nach Passung, Spiegelung und Abstammung zwischen biologischen Systemen." (Kursiv im Original). Mit seiner neuesten Veröffentlichung spricht er jedoch eine etwas direktere Sprache die sicher schon im Titel für einige Aufregung gesorgt hat: "Das kooperative Gen: Abschied vom Darwinismus". Dass dieser Abschied nicht allumfassend zu verstehen ist, wird dem Leser seiner Bücher natürlich schnell klar, wenn Bauer in Verbindung mit seiner Kritik verdeutlicht: "Darwins Abstammungslehre steht aufgrund einer überwältigenden Ansammlung von entsprechenden Funden und Beobachtungen außer Frage.“ („Prinzip Menschlichkeit“, 22)
Bauer geht es also nicht um Grundlegendes, vielmehr stellt er jedoch grundlegende Prinzipien der Evolutionstheorie in Frage. Dies ist natürlich gerade in Anbetracht dessen, was zum Darwinjahr für die Allgemeinheit wiederholt aufgewärmt wurde, für manch einen etwas verwirrend. Während "Mutation und Selektion" als die Triebwerke der Evolution beschrieben werden, liest man bei Bauer: "Aufgrund der durch ihn verursachten Einengung des Denkens ist der Darwinismus mittlerweile zu einer Art Albtraum geworden, von dem wir uns befreien sollten. Das große Rätsel der Biologie ist, warum anorganische (nichtbelebte) Moleküle einst eine Tendenz zur Bildung lebender Strukturen hatten und wie sich aus einfachen biologischen Systemen höhere (komplexe) Systeme, Lebewesen entwickeln konnten. Diese Fragen sind mit Darwins Prinzipien der Variation und Selektion und dem von ihm ins Zentrum gestellten Kampf ums Dasein nicht zu beantworten." (132). Für Bauer ist es nicht der Kampf ums Dasein, sondern wie er ergänzt, "Kooperation, Zugewandheit, Spiegelung und Resonanz." Sie wären "das Gravitationsgesetz biologischer Systeme."
An mehreren Stellen hebt er in Fußnoten den Stellenwert von Mutationen hervor:
"Unklar ist bis heute allerdings, welche Art von "Variation" im Bereich der Gene zur Bildung neuer Arten führt. Für die landläufige Meinung, genetischer Mutationen seien dafür verantwortlich, gibt es - worauf unter anderem Lynn Margulis (2002) hingewiesen hat - kein einziges Beispiel." (99)
"Für die Annahme, dass neue Arten durch Mutationen entstehen, gibt es, wie schon erwähnt, keinerlei Beweise. Wahrscheinlicher Ausgangspunkt für neue Arten sind Endosymbiose, Gentransfer oder Bastardbildungen." (118)
Aber es soll in diesem Beitrag weniger darum gehen, inwieweit man Bauers Sichtweise teilt oder nicht. Keine Frage, da befleißigen sich nicht wenige andere Interpretationswege zu gehen. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie man damit umgeht, wenn jemand scheinbar gesicherte wissenschaftliche Standards in Frage stellt.
Lesenswert ist, was Bauer selbst noch zu dieser Problematik sagt:
"Interessant ist, wie sich manche Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, in denen zum Teil äußerst eindrucksvolle kooperative Phänomene beschrieben werden, bei der Erläuterungen ihrer Daten mit zum Teil abenteuerlichen Erklärungen bemühen (müssen), Darwins These zu "retten", der zufolge der Konkurrenzkampf das grundlegende Prinzip biologischer Systeme sei. Unter angloamerikanischen Forschern gilt es als Sakrileg, Darwins Theorie des "struggle for life" in Frage zu stellen. Da die meisten Gutachter von hochrangigen internationalen Wissenschaftsjournalen auf solche Zweifel ungnädig reagieren, gehört es bei allen wissenschaftlichen Publikationen derzeit zum guten Ton, die eigenen Daten im Sinne der Darwinschen Theorie des " survival of the fittest" zu interpretieren. Darwinistisches Denken ist zu einer Form von "scientific correctness" geworden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der geschilderten Fehlentwicklungen, die sich in den Wissenschaften - vor allem in der Medizin - aus Darwins Denken ergeben haben, als bedenklich. Warum muss alles, was an wissenschaftlichen Daten vorgelegt wird, in die darwinistische Denkschablone eingepasst werden?" (129, 130)
Verständlich freilich, dass in Anbetracht dessen wohl heutzutage wenige überhaupt dazu bereit wären evolutionären Theorien zu widersprechen, wenn führende Wissenschaftler sie als eine unverrückbare Tatsache hinstellen und zu verstehen geben, dass sich nur jemand weigere, sie anzunehmen, der mit der Materie nicht vertraut sei.
Aber wie sagten schon Hoyle und Wickramsinghe: "Entweder glaubt man an diese Ideen, oder man wird unweigerlich als Ketzer gebrandmarkt." Das hat natürlich bisher auch dazu beigetragen, dass nur wenige Wissenschaftler bereit waren, eine teleologische Sichtweise unvoreingenommen zu untersuchen. Schade eigentlich.
Quellen:
- Handelsblatt 04. + 18.12. 2008, jeweils S. 9
- Bauer J. (2008) Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren; München: Wilhelm Heyne Verlag
- Bauer J. (2006) Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone; München: Wilhelm Heyne Verlag
- Hoyle F. und Wickramasighe C. (1981) Evolution aus dem All S.153
Anhang:
Handelsblatt vom 04.12.2008: Dummes Zeug über Darwin
Was ist Evolution? Die unterschiedliche Reproduktion von Genen. Das ist nicht nur die Lehrbuchdefinition, die unsere Studenten in der Evolutionsklausur als richtige Antwort herunterbeten, sondern auch das in Tausenden von Studien belegte beste Modell des evolutionären Prozesses. Einige Individuen haben mehr Nachkommen als andere, deshalb tauchen ihre Gene in der nächsten Generation öfter auf. Gene sollten also versuchen, den Organismus so zu gestalten, dass er sich möglichst erfolgreich fortpflanzen kann. Dabei arbeiten sie manchmal zusammen mit anderen Genen, manchmal aber auch nicht. So weit, so klar, oder?
Scheinbar nicht, denn nun erschien das Buch eines Freiburger Mediziners, Joachim Bauer, in dem er unbescheiden den „Abschied vom Darwinismus“ fordert. Der Titel des Buchs lautet „Das kooperative Gen“ und lehnt sich damit an den Klassiker von Richard Dawkins an, „Das egoistische Gen“.
Bauer, um es gleich vorwegzunehmen, hat keine Ahnung von Evolutionsbiologie. Er postuliert wirres Zeug über Umweltkatastrophen, die den kooperativen Umbau des Genoms zur Folge hätten, was dann den Arten helfe, sich anzupassen, oder neue Arten entstehen lasse. Dieses Gerede ist bar jeglicher wissenschaftlicher Evidenz. Was nicht verwundert, denn Bauer ist bisher eher durch populärwissenschaftliche, psychosomatisch angehauchte Bücher aufgefallen.
Charles Darwin lag bekanntlich mit dem von ihm favorisierten Mechanismus der Weitergabe von Merkmalen daneben. Es scheint mir aber unfair, auf den Fehlern eines 150 Jahre alten Buches herumzureiten, das in so vieler Hinsicht so wichtig war und richtig lag. Bauers Thesen von Kooperativität, Kommunikation und Kreativität werden wissenschaftlich nicht erklärt und zeigen tiefstes Unverständnis und oberflächlich angelesenes Halbwissen. Um seine Gegner zu diskreditieren, scheut er sich auch nicht, aus dem Kontext gerissene Sätze zu zitieren. Dies alles ist dumm genug, um es geflissentlich zu ignorieren. Aber dieser Nonsens – mittlerweile ein Bestseller – wird in den Feuilletons der überregionalen Zeitungen auch noch wohlwollend besprochen! Die Ressortleiter schicken für solche Jobs wohl gerne die jungen Praktikanten vor, denen es vielleicht an wissenschaftlicher Bildung oder Zivilcourage mangelt. Herr Bauer würde in meiner Klausur in Evolutionsbiologie jedenfalls sicherlich durchfallen, denn mit Wissenschaft hat das alles herzlich wenig zu tun.
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Axel Meyer, Professor für Evolutionsbiologie,
Konstanz
Joachim Bauer, Autor von „Das kooperative Gen“, antwortet auf die Kritik des Evolutionsbiologen Axel Meyer (Handelsblatt vom 4. Dezember 2008):
Dogmatische Evolutionswächter
Werden darwinistische Dogmen infrage gestellt, können Evolutionsbiologen zu „Evolutionswächtern“ werden, deren intolerantes Gehabe an Ajatollahs erinnert. Kostprobe war die Kolumne Axel Meyers an dieser Stelle im „Handelsblatt“ vom 4. Dezember, in der er mein Buch „Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus (Hoffmann und Campe 2008) abkanzelte. Meyers allein seligmachende Antwort auf die Frage „Was ist Evolution?“ lautet: „Die unterschiedliche Reproduktion von Genen“, eine Antwort von rosenkranzartiger Schlichtheit. Von Studenten will Meyer sie „heruntergebetet“ haben. Seine Definition der Evolution ist so erhellend wie wenn man auf die Frage „Wie entstehen Städte?“ antworten würde: „Durch die unterschiedlich erfolgreiche Anhäufungen von Steinen.“ Erkenntnisse aus der Genomanalyse des Menschen und weiterer Arten scheinen von manchen Evolutionslehrstühlen nicht verstanden worden zu sein. Gene machen nur eine Bruchteil des Erbgutes aus (beim Menschen stellen etwa 24 000 Gene knapp zwei Prozent des Genoms). Der Rest wurde zu „Gen-Müll“ erklärt. Tatsächlich barg dieser aber die Antwort auf eine entscheidende Frage der Evolution: Wie entstehen Variationen und neue Arten?
Die seit Darwin geltende Theorie, sie seien das Ergebnis von sich addierenden kleinen, zufallsbedingten Veränderungen, ist nicht mehr haltbar. Neue Arten sind die Folge von schubweisen Veränderungen der genomischen Architektur, die von Organismen beziehungsweise deren Zellen selbst organisiert werden. Ebenso erwies sich Darwins Theorie, der gegeneinander geführte Kampf sei ein wesentlicher Selektionsfaktor, als unhaltbar. Auch optimierte Reproduktionsfähigkeit ist kein allein entscheidender Überlebensfaktor. Die meisten Arten sind globalen ökologischen Megakatastrophen zum Opfer gefallen.
Viele neue Fakten passen nicht ins darwinistische Schema. Da die Theorie aber mit einer Starrheit verteidigt wird, die an dogmatische Marxisten rinnert, wird kritischen Kollegen unterstellt, sie hätten „keine Ahnung von Evolutionsbiologie“.
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Prof. Dr. Joachim Bauer ist Mediziner und war in der
molekular- und neurobiologischen Forschung tätig. Heute arbeitet er als
Universitätsprofessor in der Abteilung für Psychosomatische Medizin des
Universitätsklinikums in Freiburg
Mittwoch, Januar 07, 2009
Teleologie vs. Naturalismus?
In einem Blog-Beitrag hatte ich neulich eine Gliederung von Antwortversuchen auf die Ursprungsfrage vorgestellt, wie sie sich aus meiner Beschäftigung mit der Thematik ergeben hat. Ich stellte dabei ganz grundlegend eine teleologische Position einer ateleologichen gegenüber. Darüberhinaus schlug ich vor, für die naturwissenschaftlich relevanten Aspekte dieser Positionen die Bezeichnung der teleologischen/ateleologischen Perspektive zu wählen. Diese Sichtweisen der Welt wiederum sollten durch Repräsentanten im Streit um die Deutungshoheit vertreten sein. Durch einen abduktiven Schluss auf die beste Erklärung könnte man dann zwischen all diesen Ansätzen vergleichen und den besten Ansatz für ein in Frage stehendes Phänomen (z.B. Schneeflocke, Stein, Kornkreis, PC-Virus, HIV, btHomo, Pinot noir, wow-Signal, zerstochener Reifen, Mausefalle, Universum, Gott…) bestimmen. Für die belebte Welt wäre der nahezu durchgehend anerkannte Repräsentant für die ateleologische Perspektive wohl die Erweiterte Synthetiche Evolutionstheorie sensu Kutschera. Die teleologische Perspektive hat heute keinen vergleichbar ausgebauten Ansatz anzubieten. Die konkreten teleologischen Theorien nannte ich SD-Modelle bzw. Designer-Theorien. Sie postulieren (im Gegensatz zum "Intelligent Design") nicht nur einen anonymen Designer, sondern benennen diesen recht konkret und leiten aus seinen spezifischen Eigenschaften prüfbare Rahmenbedingungen ab: Wo wurde designt? Wann? Wie? usw. Die Plausibilität von SD-Modellen hängt natürlich immer auch von der Plausibilität des postulierten potentiellen Designers ab. Der Schluss auf die beste Erklärung (Design durch einen transsubjektiv anerkannten Uhrmacher) bei Paleys Uhr ist daher unproblematisch, während der potentielle Designer der SD-Modelle (Design durch übernatürliches Wesen), die für den Ursprung der Feinkonstanten postuliert werden könnten nur intersubjektiv anerkannt ist.
Design und Naturalismus sind kompatibel
Wie gesagt, stellte ich zwei Sichtweisen gegenüber, die sich darin unterschieden, dass sie entweder einen der Welt (oder Teilen davon) zugrundeliegenden Plan annahmen oder nicht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, der teleologischen Perspektive den (philosophischen) Naturalismus (im Sinne des Negierens der Realität übernatürlicher Entitäten) gegenüberzustellen. Ganz einfach deswegen nicht, weil es eine ganze Bandbreite naturalistischer SD-Modelle gibt. (Auf der anderen Seite könnten Repräsentanten der ateleologischen Perspektive durchaus übernatürliche Verweise enthalten: z.B.: aus Versehen erschaffendes Gott-Wesen.) Jeder naturalistisch eingestellte Archäologe beschäftigt sich mit diesem menschlichen Design, das in seinen Augen naturalistisch ist. Es gibt sicher auch genügend ID-Vertreter (also Vertreter der teleologischen Perspektive), die im Hinblick auf den menschlichen Geist keinen Dualismus vertreten, sondern annehmen, dass beim Denk- und Planprozess des Menschen "alles mit rechten Dingen" (sensu Mahner) zugeht. Gerade auch in protestantischen Kreisen. Und Design durch Tiere (etwa Schimpansen) funktioniert doch selbst nach Ansicht der allermeisten Christen "naturalistisch", oder nicht?
Nichtzuletzt wurde von Seiten der Teleologisten bis zum Exzess auf Forschungsprogramme wie SETI verwiesen und zugestanden, dass dort nach Design gesucht würde. Zigmal habe ich von Teleologisten gelesen, die Akzeptanz von biologischem Design wäre absolut kompatibel mit den philosophischen Naturalismus. Hinzu kommt das Selbstzeugnis von Leuten wie Richard Dawkins, Eugenie Scott, Martin Neukamm usw., die klar betonen, sie wären nicht gegen Design-Konzepte an für sich (auch nicht im Bezug auf die Biologie), sondern lediglich der Meinung, übernatürliche Design-Vorstellungen hätten keinen Platz in der Wissenschaft.
Teleologie und Naturalismus als Widerspruch
Nun fiel mir aber beim Korrekturlesen eines Textes eines Freundes die Gegenüberstellung von Teleologie mit dem (philosophischen) Naturalismus auf, die ich aus den oben genannten Gründen ablehnte. In einer Diskussion zu einem anderen Blog-Beitrag klang dieses Thema jedoch auch auf und daher habe ich mich entschlossen, einen kurzen Beitrag zu veröffentlichen, der als Diskussionsthread zu verstehen ist. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Zielgerichtetheit im Naturalismus letztendlich auf kausale Prozesse herunter gebrochen werden kann und nichts mit mythischen/vitalistischen/usw. Konzepten zu tun hat. Was ich aber beim besten Willen nicht einsehen kann ist, weshalb es deshalb nicht möglich sein sollte, eine bestimmte Unterklasse kausaler Prozesse als "teleologisch" zu bezeichnen. Es ist eine vollkommen andere Frage, ob kausale Prozesse tatsächlich in der Lage sind, komplexe Gefüge zu bilden, welche in der Lage sind, Zukünftiges zu simulieren und auf dieser Grundlage die Gegenwart zu gestalten (Emergenz). Aber davon vollkommen unabhängig scheint mir die Feststellung zu sein, dass teleologische Prozesse - was immer letztendlich "dahinter" steckt - als eigenständige Klasse eingeteilt werden können. Auch wenn Teleologie nur "nur eine Spielart des Determinismus" (Trotzki) ist, stellt sie doch auch in dieser Funktion als Teilbereich eine klar abgrenzbare Einheit zu ihrer Umgebung dar – worauf auch immer man sie letztendlich reduzieren mag.
Der eigentliche Widerspruch
Mich würde interessieren, was die Leser dieses Blogs dazu denken. Mich wundert es, wenn ich von ID-Seite höre, als Naturalist könne man eh nicht "Design" vertreten, weil es nur eine leere Metapher sei und auf er anderen Seite mit aller Deutlichkeit auf die Legitimität von manchen (naturalistischen) SD-Modellen in der Wissenschaft verwiesen wird. Teilweise wird sogar selbst naturalistisches Design vertreten (Tiere usw., s.o)! In meinen Augen ist das ein klarer Widerspruch und ich wüsste nicht, wie er aufzulösen wäre. Bin auf eure Kommentare gespannt!

