Sonntag, April 26, 2009

Anonyme Designer..

... mit unbekannten Eigenschaften, Design-Methoden und Motiven hassen: Junk-DNA!

Eben erst habe ich wieder darauf hingewiesen, dass im Rahmen von ID (besser: AD = Anonymes Design) keine positiven Erwartungen zu formulieren sind. Junk-DNA kann im Rahmen von ID weder erwartet noch abgelehnt werden. Das habe ich bereits hier ausführlich begründet. Erwartungen dieser Art erfordern eine Spezifizierung des Designers, die im Rahmen von AD ja kategorisch abgelehnt wird. Dann kann man etwa von einem statisch-perfekt schaffenden Designer ausgehen, der soetwas nicht machen würde oder optional von einem „Extravagant Creator of Junk DNA“. Ich finde, das ist eine logische Sache. Dennoch hören AD-Vertreter nicht auf, mit ihrer No-Junk-DNA-"Erwartung" zu prahlen. Ich verstehe nicht, wie eine Bewegung, die jede Kritik im Sinne von "dummem Design" in der Natur als designerabhängig abtut, so agieren kann!
Neustes Beispiel - das mich dazu veranlasst hat, hier nochmal auf diesen Punkt hinzuweisen - auf Uncommon Descent. Einige der Kommentare zeigen meines Erachtens durchaus in die richtige Richtung. Bleibt zu hoffen, dass sie von den verantwortlichen AD-Vertretern endlich wahrgenommen werden!

Freitag, April 24, 2009

10 Thesen zur Ursprungsfrage

Ich habe gerade für eine Mail meine aktualisierten Gedanken zur Ursprungsfrage in einigen kurzen Thesen zusammengefasst. Ich stelle sie hier (um Punkt 6 und drei Links ergänzt) - zu Information und Diskussion - vor:



  1. Es gibt viele verschiedene Ursprungsvorstellungen (Kurzzeitkreationismus,Lamarck'sche Evolution, Darwinismus, SET usw.). Manche davon greifen auf teleologische Elemente zurück, manche sind komplett ateleologisch.
  2. Die teleologischen Ursprungsvorstellungen kann man als SD-Modelle bezeichnen. (Zu diesem Begriff und anderen, siehe hier.) Das leitet sich von "spezifischem Design" her - je nach Designer und seiner Identität (also je nach Antwort auf die W-Fragen - Wann, Wie, Wo, Von wem wurde designt?) ergeben sich ganz verschiedene Ursprungsvorstellungen.
  3. Einige dieser SD-Modelle fallen in den Bereich der Meta-Teleologie (z.B.Theistische Evolution), manche in den Bereich der Pseudo-Ateleologie (z.B. Omphalos-Hypothese).
  4. Andere SD-Modelle fallen in den Bereich der teleologischen oder der ateleologischen Perspektive und sind relevant für die Frage nach naturwissenschaftlich relevantem Design.
  5. Der Schluss auf dieses erkennbare Design erfolgt als a posteriori Feststellung nach einem abduktiven Schluss auf die beste Erklärung ("inference to the best explanation"), bei dem die vorliegenden Ursprungsvorstellungen miteinander verglichen werden. Ist der "Sieger" ein SD-Modell, so hat man auf Design geschlossen - man schaut also, wo die beste Erklärung anzusiedeln ist (in der teleologischen bzw. in der ateleologischen Perspektive).
  6. Bei diesem Schluss können auch weltanschauliche Elemente eine Rolle spielen, da die Plausibilität, die man einem SD-Modell zugesteht, nicht unmaßgeblich davon abhängt, für wie wahrscheinlich man den - oft nur zu glaubenden - potentiellen Designer hält. Der IBE ist daher letztendlich auch subjektiv.
  7. "Intelligent Design" wird mit drei Bedeutungen verwendet.
    1. Das "intelligent" drückt aus, dass der Designer besonders klug ist. Hier handelt es sich um eine noch sehr grob umrissene SD-Vorstellung, wie sie in der Naturtheologie vertreten wurde und meist als Strohmann in der Diskussion um "ID" auftaucht. Manchmal verwenden jedoch auch IDler selbst solche Vorstellungen, wenn etwa Optimalität bzw. Funktionalität von Junk-DNA als Beleg für Design genommen wird, was eine spezifische Designer-Vorstellung voraussetzt, auch wenn diese meist nicht explizit eingeräumt wird.
    2. Das "intelligent" dient zur Verdeutlichung, dass das "Design" wirklich einen teleologischen Ursprung hat. Das ist teilweise sinnvoll so zu nennen, da "ateleologisches Design" in der Praxis nicht mehr als Oxymoron gehandelt wird. In diesem Sinne ist ID mit der teleologischen Perspektive/Position gleichzusetzen.
    3. Das "intelligent" ist das ausschließliche Attribut des Designers, mehr wird zu seiner Identität nicht gesagt, es ist eine hinreichende Beschreibung. Alle weiteren Fragen zu seiner Identität (Person?) sind nicht von Bedeutung. Es geht lediglich darum, teleologisch Enstandenes von ateleologisch Entstandenem zu unterscheiden. Die Produkte des Designers sind nicht-ateleologisch generiert worden - mehr Rahmenbedingungen lassen sich nicht aufstellen. Man könnte hier auch von anonymem Design sprechen. ID in diesem Sinne ist eine Methodik zur Design-Erkennung bzw. ein Ansatz für ein teleologisches Forschungsprogramm.
  8. Designerkennung im Rahmen von AD (anonymem Design) muss rein negativ erfolgen (unter Ausschluss der ateleologischen Option). Das ist jedoch schon theoretisch nicht möglich, weil wir nicht die ateleologische Option als Ganzes betrachten können, sondern lediglich ihre Repräsentanten (z.B. SET). Würde eine solche Theorie widerlegt, dann würde daraus noch nichts für die Nachfolgertheorie folgen - sie könnte wieder aus dem Rahmen der ateleologischen Perspektive kommen.
  9. Argumentieren ADler nach eigener Aussage "positiv", so versteckt sich dahinter entweder eine eigentlich negative Argumentationsweise (s.o.), oder es wird zwar positiv argumentiert, aber es werden SD-Voraussetzungen gemacht.
    1. So ist es etwa beim im Rahmen von AD oft vorgebrachten Analogieargument: Uhren seien designt, Bakterien seien ähnlich wie Uhren, Bakterien müssten daher auch designt sein. Kritiker verweisen häufig auf Unterschiede zwischen den beiden Objekten, etwa auf die Fähigkeit zu 'Descent with Modification'. Klar ist, dass ein solcher Einwand nur dann zieht, wenn durch die genannte Differenz glaubhaft gemacht werden kann, dass die ateleologische Entstehung beim Bakterium plausibler wird, als bei der Uhr.
    2. Eigentlich immer stoppen Betrachtungen des Arguments jedoch hier und machen nicht den entscheidenden Schritt weiter: Was bei diesem Analogieargument eigentlich passiert ist, dass zwei Schlüsse miteinander verglichen werden. Der Schluss auf den Ursprung bei der Uhr mit dem Schluss auf den Ursprung beim Bakterium. Wir schließen bei der Uhr auf Design, weil die ateleologischen Repräsentanten (z.B. spontane Selbstorganisation) nicht plausibel sind und wir ein empirisch sehr stark belegtes SD-Modell haben (Uhrmacher)! Soll aus diesem Schluss auf Design nun etwas für den Schluss beim anderen Objekt (Bakterium) folgen, so ist es notwendig, dass sowohl die ateleologische Komponente vergleichbar ist (wie ja auch geprüft wird, s.o.) als auch die teleologische Komponente! Mit anderen Worten: Haben wir beim Bakterium plausiblere ateleologische Theorien, als bei der Uhr? UND: Haben wir für das Bakterium ebenso plausible SD-Modelle, wie bei der Uhr? Dieser letzte Schritt wird im Rahmen von AD natürlich unterlassen, ist aber unbedingt notwendig.
  10. Auch was potentielle Forschungsprogramme angeht kann der Weg der Design-Perspektive nur über SD- und nicht über AD-Methodik laufen, da Erwartungen nur auf der Grundlage von Voraussetzungen (über die W-Fragen) formuliert werden können.

Dienstag, April 07, 2009

Eine hungrige Gattung...

In der letzten Ausgabe von Studium Integrale Journal wurde über die Eidechsengattung Podarcis (Familie Lacertidae) berichtet (Heilig 2008). In einer vor wenigen Jahrzehnten auf einer kleinen Insel angesiedelten Population der Ruineneidechsen (P. sicula) waren bereits nach wenigen Generationen deutliche Anpassungen an die neue Umgebung beobachtet worden (Herrel et al. 2008). Aufgrund des neuen vegetarischen Speiseplans wurde eine Veränderung in Beißkraft und Schädelmorphologie etabliert. Eine neu aufgetauchte Struktur im Verdauungstrakt, welche den Weitertransport der schwerverdaulichen pflanzlichen Nahrung verlangsamte, wurde von den Autoren auf Makroevolution (Neukonstruktion) zurückgeführt. Heilig (2008) diskutiert aber auch Hinweise darauf, dass diese Struktur bereits in der Ausgangspopulation angelegt war und nicht neu entstand. Vergleichbare (homologe?) Strukturen tauchen etwa bei Podarcis lilfordi und der Lacertidae-Art Gallotia galloti auf (Herrel 2007). Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass alle drei Arten auf eine gemeinsame Stammpopulation zurückgehen, in welcher die genetische Information für diese Anpassung an eine bestimmte Ernährungssituation bereits latent enthalten war. Andernfalls müsste man konvergente Evolution annehmen. Nun lieferten Castilla et al. (2008) bereits den nächsten Beleg für rasch erfolgende Anpassung mit Bezug zur Ernährung der Gattung Podarcis. Ihre Resultate sollen im Folgenden kurz wiedergegeben werden.

Die Spanische Mauereidechse (Podarcis hispanica) ist, wie der Name vermuten lässt, in Spanien häufig anzutreffen und ernährt sich hauptsächlich von Insekten. Auf den spanischen Columbretes-Inseln lebt der endemische (nur dort vorkommende) Podarcis-Vertreter P. atrata, der längere Zeit als Unterart der Spanischen Mauereidechse (also als P. hispanica atrata) betrachtet wurde. Als in der letzten Eiszeit der Meeresspiegel um 120 m sank, fiel der Kanal zwischen Inseln und Festland trocken und P. atrata kolonisierte die Inselgruppe. Für die letzten 120 Jahre ist durch Beobachtungen sicher bekannt, dass die Eidechsen auf besagten Inseln mit dem Skorpion Buthus occitanus zusammenlebten. Skorpione kommen in trockenen Gegenden, die wenig Nahrung wie etwa Insekten bieten, überdurchschnittlich häufig vor. Auf den genannten Inseln erreichen sie eine Dichte von 0,7 Individuen pro Quadratmeter. Daher schienen die Skorpione eine potentielle Beute für die Eidechsen darzustellen und die Forscher fragten sich, ob P. atrata gelernt hätte, Jagd auf die Skorpione zu machen. Hinzu kommt, dass aufgrund der großen Skorpion-Dichte Begegnungen zwischen den beiden Arten in ihren Lebensräumen praktisch unvermeidbar (etwa bei denselben Zufluchtsorten vor Unwetter) sind, während es auf dem Festland nur selten zu Konfrontationen kommen dürfte. Hat sich dadurch eine neue Verhaltensweise gegenüber B. occitanus eingestellt?

Castilla und Mitarbeiter gingen dieser Frage nach, indem sie mit Skorpionen nach Eidechsen „angelten“ und beobachteten, wie die Reptilien auf die am Faden präsentierte potentielle Beute reagierten: Ignorierten sie den Skorpion, flohen sie vor ihm, oder versuchten sie ihn zu attackieren? Besonders bei den Männchen zeigen sich deutliche Unterschiede in den Verhaltensweisen zwischen den Land- und den Inselnbewohnern: Während auf dem Festland 73% flohen und keine von 15 männlichen Eidechsen (und auch keine der 15 weiblichen) versuchte, den Skorpion zu erwischen, flohen auf „Columbrete Grande“ nur 10% der Männchen, während 50% zum Angriff übergingen. Da Eidechsen durchaus auch zum Speiseplan von Skorpionen gehören, spekulieren die Autoren darüber hinausgehend über die Evolution von Abwehrmechanismen bei P. atrata und postulieren, dass diese das Gift (in nicht näher angegebener Dosis) tolerieren können. Sie schließen aber auch nicht aus, dass P. atrata (zusätzlich) gelernt haben könnte, die Skorpione so zu jagen, dass sie dabei nicht gestochen werden.

Bemerkenswert ist der Zeitrahmen, den die Autoren für all diese Veränderungen veranschlagen. Zwar genügten 100 Jahre nicht, um zwischen P. atrata und P. hispanica Unterschiede im Verhalten gegenüber der Bedrohung durch eine Schlange zu evolvieren (Van Damme & Castilla 1996), aber Ergebnisse wie die Eingangs genannten von Herrel et al. (2008) belegen in den Augen von Castilla et al. (2008)rapide Anpassungen von Eidechsen bei veränderten Umweltbedingungen. Obwohl nicht bekannt ist, wie lange die Eidechsen mit den Skorpionen bereits gemeinsam auf den Inseln vorkommen, meinen die Castilla et al. (2008) daher, 100 Jahre sollten genügen. Diese Offenheit für rasant ablaufende mikroevolutive Prozesse war bisher nicht üblich.

  • Castilla AM, Herrel A & Grosá A (2008) Mainland versus island differences in behaviour of Podarcis lizards confronted with dangerous prey: the scorpion Buthus occitanus. J. Nat. Hist. 42, 2331–2342.
  • Heilig C (2008) Ruineneidechsen: Makroevolution oder Polyvalenz? Rapide Anpassung, Makroevolution und Hinweise auf programmierte Variabilität bei Podarcis sicula (Sauria: Lacertidae). Stud. Int. J. 15, 76-88.
  • Herrel A (2007) Herbivory and foraging mode in lizards. In: Reilly SM, McBrayer LD & Miles DB (eds.) Lizard Ecology: The evolutionary consequences of foraging mode. Cambridge, 209-236.
  • Herrel A, Huyghe K, Vanhooydonk B, Backeljau T, Breugelmans K, Grabac I, Van Damme R, Castilla AM (1996) Chemosensory predator recognition in the lizard Podarcis hispanica: effects of predator pressure relaxation. J. Chem. Ecol. 22, 13–22.
  • Van Damme R & Irschick DJ (2008) Rapid large-scale evolutionary divergence in morphology and performance associated with exploitation of different dietary resource. Proc. Natl. Acad. Sci. USA 105, 4792-4795.

Samstag, April 04, 2009

Interessantes Paper von Dave Abel

David Abel, den ich bereits hier zitierte und vor einer halben Ewigkeit hier (ist ganz interessant, was er mir da schreibt) näher vorstellte, hat einen sehr interessanten Review-Artikel verfasst. Der eigentliche Hammersatz (wenn man weiß, wie er zu dechiffrieren ist) ist:

Organization requires 1) decision nodes, 2) steering toward a goal of formal function, 3) algorithmic optimization, 4) selective switch-setting to achieve integration of a circuit, 5) choice with intent.