Freitag, Mai 22, 2009

DSDM - Deutschland sucht den Medienstar...

... und er kommt aus der Nähe von Darmstadt und heißt "Ida". Näheres zur Person zu lesen gibt es bei Franzen et al. (2009)... oder einem beliebigen Boulevardblatt. Selbst Martin Neukamm von der AG Evolutionsbiologie meint, der "Sensationsfund" hätte "umwälzenden Folgen für unser Weltbild". Zweifellos haben wir es hier mit einem wunderbar erhaltenen Fossil zu tun, das viel Diskussionsstoff liefern wird. Es irritiert mich jedoch ein wenig, schon im Vorfeld dieser Debatten eine erstaunliche Medienkampagne wahrzunehmen. Nur deswegen habe ich mich auch entschlossen, schnell einen kurzen Blogeintrag zu schreiben, obwohl ich gerade eigentlich kaum Zeit habe. Erste kritische Anmerkungen zum "achten Weltwunder" gibt es etwa hier, hier und hier.




Franzen, J.L. et al. (2009) Complete Primate Skeleton from the Middle Eocene of Messel in Germany: Morphology and Paleobiology. PLoS ONE 4, e5723.

Dienstag, Mai 05, 2009

Über Fairness und geschaffene Arten

Dem Leser dieses Blogs wird sicher bekannt sein, dass ich an schöpfungsorientierter Systematik einiges zu Kritisieren habe und allgemein dem Versuch mit naturwissenschaftlichen Mitteln biblische Glaubensinhalte nachzuzeichnen mittlerweile sehr skeptisch gegenüberstehe. Ich habe mir um zu diesen Ergebnissen zu kommen auch einige Gedanken gemacht und viel gelesen. Und ich habe nicht vor, meine Kritik an der Baraminologie umfassend öffentlich zu machen, ehe ich nicht die vier prallgefüllten Leitz-Ordner, die Artikel zu diesem Thema aus den letzten hundert Jahren enthalten, durchgearbeitet habe. Was mich stört ist also nicht Kritik an sich (gerade an Ideen, die ich selbst auch nicht teile), sondern, wenn ich sehe, dass uninformierte Leute Äußerungen über die Positionen ihrer Gegner machen. Wer sich ein wenig mit Baraminologie beschäftigt hat, wird wissen, dass die Vorstellungen über die Anzahl der in ihnen enthaltenen geschaffenen Arten bei ungefähr 5 liegen dürfte, manche gehen auch von weniger aus. Nun schreibt Hemminger:

Das Grundtypen-Modell von Wort und Wissen besagt, dass die Schildkröten mit ihren heutigen 13 Familien vermutlich als rund 13 Grundtypen vor etwa 10.000 Jahren speziell erschaffen wurden. Zu den heutigen Arten entfaltet haben sie sich seither nur innerhalb dieser Grundtypen.


Man mag nun sagen: 'Ob nun 13, 5 oder 3 geschaffene Arten, das macht doch kaum einen Unterschied!' Und: 'Auch wenn man gemeinsame Abstammung mehrerer Familien annimmt, wird das Ganze nicht plausibler! Die gemeinsame Abstammung geht doch viel (!) weiter.'
Auch das mag stimmen, das sei dahingestellt. Was mich vielmehr stört ist, dass eine Aussage wie die Zitierte klarmacht, dass man sich eigentlich nicht mit der kritisierten Position auseinandergesetzt hat. Und die Schildkröten sind eben nicht nur irgendein Beispiel - sie sind DIE Organismengruppe schlechthin, die von schöpfungsgläubigen Forschern bisher untersucht wurde. Wer sich wirklich mit Baraminologie beschäftigt, kommt daran einfach nicht vorbei.
Recht zu haben entbindet nicht von der Pflicht, fair zu sein. Ich habe Hemminger auch schon über Sintflutgeologie sprechen hören. Es mag naturwissenschaftlich wenig bis nichts bringen, wenn man eben nicht alle Sedimente in das Sintflutjahr stellt, sondern nur einen Teil oder gar keine. Aber dennoch darf man sich nicht hinstellen und behaupten, die kritisierte Partei vertrete eben dies! Vor allem, da daran deutlich wird, dass man nichtmal die grundlegendsten Schriften des Gegenübers zu dem Thema gelesen hat. Sonst wüsste man das. Und sonst wüsste man zu Schildkröten-Baramins mehr zu sagen als die alte Familien-Formel herauszukramen.
Ich nehme Hemminger gerne ab, dass er den Naturwissenschaften und der Christenheit durch seine von ihm zweifellos als Aufklärungsarbeit verstandene Bemühungen helfen möchte. Und faire Kritik kann auch nur hilfreich sein und nicht schaden. Aber aus meinetwegen guten Motiven zu unlauteren Mitteln zu greifen und über andere herzuziehen, wo man sich vielleicht erstmal informieren sollte, das kann wohl kaum der richtige Weg sein.