Donnerstag, Juli 30, 2009

Design-type thinking: Warum Menschen die Arme schwenken...

...wenn sie gehen: Dazu gibt es zwei Erklärungen. Die eine klingt plausibel und kann bequem am Schreibtisch erstellt werden. Sie besagt, dass das Schwingen der Arme ein Überbleibsel aus der Evolutionsgeschichte ist, als unsere Vorfahren noch auf allen Vieren ging.

Die andere Erklärung wurde von einem Ingenieur erstellt, der daran arbeitet, gehfähige Maschinen zu konstruieren. Er kam dahinter, dass die mit schwingenden Armen irgendwie besser funktionieren. Dies inspirierte Versuche am Menschen, bei denen sich zeigte, dass das Schwingen der Arme - obwohl es eine geringe Belastung der Armmuskulatur bedeutet - die Stabilisierung des Körpers erleichtert und dadurch eine bedeutende Menge Energie spart. Der Ingenieur wird wie folgt zitiert (Cosmos Online, Lisa Merolla):

"Damit ist die Theorie, dass das Schwingen der Arme ein rudimentäres Relikt unserer sich vierfüßig fortbewegenden Vorfahren ist, überholt" sagt Steve Collins, ein Ingenieur für Biomechanik an der Universität Michigan in den USA. "Stattdessen ist das Schwingen der Arme sinnvoller Bestandteil eines ökonomischen Gangs auf zwei Beinen."

Wenn Sinn und Zweck an einer Stelle gefunden wird, wo bisher eine Erklärung stand, die eigentlich erspart hätte, danach zu suchen, lacht das Herz des Ingenieurs (= Spezies mit notorisch teleologischer Denkweise). Vom Schreibtisch aus kann man natürlich immer noch entgegnen, dass das Schwingen der Arme trotzdem evolutionsgeschichtlich zu erklären sei und eben beim Menschen noch eine Funktion übernommen habe. Für die Praxis der biologischen Forschung sind solche Erklärungen freilich mehr wie des Reserverad im Auto oder die Verzierung am Kuchen: Nett wenn man sie hat, aber man kommt grundsätzlich auch ohne aus. Was man dagegen wirklich braucht wurde von Michael Ruse einmal so erklärt:

„Wir behandeln Organismen – zumindest ihre Bestandteile – als wären sie fabriziert, als wären sie designed und anschließend versuchen wir ihre Funktionsweise herauszufinden. Zielbezogenes Denken – teleologisches Denken – ist in der Biologie nur angemessen, weil, und wirklich nur weil, Organismen aussehen, als wären sie fabriziert, als wären sie von einer Intelligenz entworfen und in Tätigkeit gesetzt worden.“ ("Darwin and Design. Does Evolution have a purpose? Harvard University Press, p268)

Evolutionstheoretische Überlegungen haben als Kinder einer a-teleologischen Denkweise traditionell Schwierigkeiten hier mitzuhalten ("Zu den Segnungen der Evolutionsbiologie"). Darum darf man dann nur so forschen "als ob" ein rationales Design dahinter stecken würde, "als ob" z.B. der aufrechte Gang ein intelligentes Design repräsentiert.

Montag, Juli 06, 2009

Diskussionsforum

Das neue Studium Integrale Journal kann nun erworben werden. In diesem Thread möchte ich gerne meinen Artikel "Ursachen fossiler Muster. Vergleich von phylogenetischer und ökologischer Deutung am Beispiel des Komplexitätsgewinns der Krebstiere (Crustacea)" zur Diskussion stellen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dazu konstruktive Anfragen kämen. Zwei bitten jedoch:
  • Lest den Artikel bitte auch wirklich zuerst. Ich bin nicht bereit, mir Mühe für recherchierte Antworten zu machen, wenn der Fragesteller nichtmal bereit ist, das zu lesen, was er kritisiert. So ein Studium Integrale Journal wird man sich doch zumindest einmal leisten können, oder?
  • Bitte keine allgemeinen Anfragen zu Sintflut und anderen Themen, die ich nicht behandelt habe oder höchstens am Rande wo gestreift habe. Ich mag's nicht, wenn's immer so schnell off topic wird. Ich würde gerne mal sehr konkrete Punkte diskutieren. Versucht den Artikel doch einfach auf der Grundlage dessen was ich schreibe zu kritisieren - so, als käme er nicht von mir, sondern von einem "Normalen". Danke.