...wenn sie gehen: Dazu gibt es zwei Erklärungen. Die eine klingt plausibel und kann bequem am Schreibtisch erstellt werden. Sie besagt, dass das Schwingen der Arme ein Überbleibsel aus der Evolutionsgeschichte ist, als unsere Vorfahren noch auf allen Vieren ging.
Die andere Erklärung wurde von einem Ingenieur erstellt, der daran arbeitet, gehfähige Maschinen zu konstruieren. Er kam dahinter, dass die mit schwingenden Armen irgendwie besser funktionieren. Dies inspirierte Versuche am Menschen, bei denen sich zeigte, dass das Schwingen der Arme - obwohl es eine geringe Belastung der Armmuskulatur bedeutet - die Stabilisierung des Körpers erleichtert und dadurch eine bedeutende Menge Energie spart. Der Ingenieur wird wie folgt zitiert (Cosmos Online, Lisa Merolla):
"Damit ist die Theorie, dass das Schwingen der Arme ein rudimentäres Relikt unserer sich vierfüßig fortbewegenden Vorfahren ist, überholt" sagt Steve Collins, ein Ingenieur für Biomechanik an der Universität Michigan in den USA. "Stattdessen ist das Schwingen der Arme sinnvoller Bestandteil eines ökonomischen Gangs auf zwei Beinen."
Wenn Sinn und Zweck an einer Stelle gefunden wird, wo bisher eine Erklärung stand, die eigentlich erspart hätte, danach zu suchen, lacht das Herz des Ingenieurs (= Spezies mit notorisch teleologischer Denkweise). Vom Schreibtisch aus kann man natürlich immer noch entgegnen, dass das Schwingen der Arme trotzdem evolutionsgeschichtlich zu erklären sei und eben beim Menschen noch eine Funktion übernommen habe. Für die Praxis der biologischen Forschung sind solche Erklärungen freilich mehr wie des Reserverad im Auto oder die Verzierung am Kuchen: Nett wenn man sie hat, aber man kommt grundsätzlich auch ohne aus. Was man dagegen wirklich braucht wurde von Michael Ruse einmal so erklärt:
„Wir behandeln Organismen – zumindest ihre Bestandteile – als wären sie fabriziert, als wären sie designed und anschließend versuchen wir ihre Funktionsweise herauszufinden. Zielbezogenes Denken – teleologisches Denken – ist in der Biologie nur angemessen, weil, und wirklich nur weil, Organismen aussehen, als wären sie fabriziert, als wären sie von einer Intelligenz entworfen und in Tätigkeit gesetzt worden.“ ("Darwin and Design. Does Evolution have a purpose? Harvard University Press, p268)
Evolutionstheoretische Überlegungen haben als Kinder einer a-teleologischen Denkweise traditionell Schwierigkeiten hier mitzuhalten ("Zu den Segnungen der Evolutionsbiologie"). Darum darf man dann nur so forschen "als ob" ein rationales Design dahinter stecken würde, "als ob" z.B. der aufrechte Gang ein intelligentes Design repräsentiert.

