Sonntag, April 10, 2011

Auferstehung und Transdimensionen

Im Rahmen der Frage nach dem Schöpfungshandeln Gottes wird von den Vertretern der Kirchen immer wieder betont, dass der Glaube und das, was in der Bibel dazu steht, stets mit der Naturwissenschaft vereinbar sei.

Diese Aussage verwunderte mich immer wieder, denn zum Beispiel die leibliche Auferstehung von Christus Jesus ist doch nicht im Erklärungssystem der Naturwissenschaft angesiedelt und gerät damit in einem Konflikt zur naturwissenschaftlichen Methode.

Dieser Konflikt Auferstehung vs. Naturwissenschaft scheint unauflösbar. Schließlich ist die Auferstehung dem Übrnatürlichen zugehörig und entzieht sich dem naturwissenschaftlichen Bereich. Wirklich?

In seinem neuen (dem zweiten) Jesus - Band scheut sich Papst Benedikt XVI. auch nicht vor dieser Frage. Zunächst erläutert er die Auferstehung Christi und stellt klar, dass diese Auferstehung nicht mit einem Wunder wie die Totenauferweckung von Lazarus verwechselt werden darf, sondern noch höher angesiedelt ist. Der auferweckte Lazarus war wieder lebendig und unterlag als solcher wieder der Sterblichkeit. Der Auferstandene hingegen war seit der Auferstehung nicht mehr sterblich, sondern hat zwar einen Leib, ist damit kein Geist, aber dieser Leib ist ganz anders, als vor dem Kreuzestod.

Die Kluft zur Naturwissenschaft wird damit sogar noch größer, wie es scheint. Doch dann gibt Benedikt XVI. folgende Erklärung nach der Beschreibung der Einmaligkeit dieser Auferstehung ab [1]:

Aber kann es wirklich so gewesen sein? Können wir - zumal als moderne Menschen - solchen Zeugnissen Glauben schenken? Das aufgeklärte Denken sagt Nein. Für Gerd Lüdemann zum Beispiel scheint es evident, dass infolge der 'Umwälzung des naturwissenschaftlichen Weltbildes... die traditionellen Vorstellungen von der Auferstehung Jesu als erledigt zu betrachten' seien... Aber was genau ist nun das 'naturwissenschaftliche Weltbild'? Wie weit reicht seine Normativität?..
Natürlich kann es keinen Widerspruch geben zu dem, was klare wissenschaftliche Gegebenheit ist. In den Auferstehungszeugnissen wird freilich von etwas gesprochen, was in unserer Erfahrungswelt nicht vorkommt. Es wird von etwas Neuem, bis dahin Einmaligem gesprochen - von einer neuen Dimension der Wirklichkeit, die sich zeigt. Das bestehende wird nicht bestritten. Es wird uns vielmehr gesagt: Es gibt eine Dimension mehr, als wir sie bisher kennen. Steht dies im Widerspruch zur Wissenschaft? Kann es wirklich nur das geben, was es immer gab? Kann es nicht das Unerwartete, das Unvorstellbare, das Neue geben? Wenn es Gott gibt, kann er nicht auch eine neue Dimension des Menschseins, der Wirklichkeit überhaupt schaffen? Wartet nicht eigentlich die Schöpfung auf diesen letzten und höchsten 'Mutationssprung'? Auf die Vereinigung des Endlichen mit dem Unendlichen, auf die Vereinigung von Mensch und Gott, auf die Überwindung des Todes?


In diesem Abschnitt spricht der Papst nicht einfach nur umgangssprachlich von einer neuen Dimension der Wirklichkeit, die zuvor nicht gekannt wurde, sondern er verwendet diesen Ausdruck in Bezug auf das naturwissenschafltiche Weltbild. In diesem Sinne sieht der Papst eben nicht diese einzigartige Auferstehung als jenseits des naturwissenschaftlichen Weltbildes, sondern er sieht diese Auferstehung als Teil eines nunmehr um weitere Dimensionen erweiterten Rahmen der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit. Interessant ist dabei auch noch, dass damit ein evolutionärer Prozess der Mutationssprünge hin zur Unsterblichkeit beschrieben wird. Dies ähnelt wieder sehr dem Evolutionsprozess wie er bei Teilhard de Chardin hin zum Omega-Punkt Christi formuliert wird [2].

Wie kann man diese Erweiterung um eine neue Dimension der Wirklichkeit in unserem modernen Weltbild naturwissenschaftlich zum Ausdruck bringen? Vollkommen unabhängig von einander hat Dr. Michael König dies im Rahmen seiner Urwort - Theorie im quantentheoretischen Rahmen getan. Interssant ist auch, dass König nicht die Dogmen der katholischen Kirche vertritt, sondern losgelöst davon dennoch in der christlichen Kernbotschaft der Auferstehung Christi zu ähnlichen Einsichten kommt. In der konkreten Sprache der Physik beschreibt er dies wie folgt [3]:

Der Auferstehungsleib, bestehend aus Fleisch und Knochen, muss daher aus dem ursprünglich physischen Körper, den Jesus vor seiner Kreuzigung besaß, durch einen Transformationsprozess, der als Auferstehung bezeichnet wird, hervorgegangen sein. Eine besondere Eigenschaft des Auferstehungsleibes ergibt sich aus der Schilderung, wie Jesus den Raum, in dem sich seine Jünger aufhielten, betrat. Er kam nicht durch die Tür, sondern konnte einfach mitten in diesem Raum eintauchen. Dies kann nur damit erklärt werden, dass er aus einem transdimensionalen Bereich in diesen Raum innerhalb der äußeren Raumzeit zurückgekehrt ist. Das bedeutet, dass dieser unsterbliche Auferstehungsleib über mehr Freiheitsgrade verfügt als gewöhnliche Materie.
Ein solcher Auferstehungsleib stellt den Endpunkt der spritiuellen Transformation vom Moment der Erleuchtung bis zum Moment der vollständigen Erlösung des Körpers dar. Ab dann gibt es keine Bindung mehr an die Struktur der äußeren Raumzeit. Der erlöste und physisch unsterbliche Körper besitzt nun den Freiheitsgrad, sich vollständig in den Hyperraum zurückzuziehen und nach Belieben wieder in die äußere Raumzeit zurückzukehren.
Hier berichten die Evangelien des Neuen Testaments von der Himmelfahrt Jesu und von seinem Versprechen, er werde wiederkommen.


Damit ist im Rahmen der Urwort - Theorie genau die erhoffte Erweiterung des naturwissenschaftlichen Weltbildes vollzogen. Und es wundert nicht, dass im Rahmen eines solchen Weltbildes die Hinwendung zu Gott wie selbstverständlich enthalten ist. Als Schlusswort soll Michael König aus seiner quantenphysikalischen Erkenntnis heraus das Fazit ziehen [4]:

Während seines öffentlichen Wirkens als Heiler hat Jesus immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig ihm das innige Verhältnis und die persönliche Beziehung zu Gott seien. Durch die Hinwendung zu Gott war er in der Lage, den Weg von der Erleuchtung bis zur Umwandlung seines gesamten Körpers in einen unsterblichen Auferstehungsleib zu gehen.
Er hat damit demonstriert, welches spirituelle Potential in jedem Menschen steckt, und er ist diesen Weg bis zu seiner Vollendung gegangen. Ein Mensch, der heute diesen Weg von der Erleuchtung bis zur physischen Unsterblichkeit gehen will, kann sich also ohne weiteres ein Beispiel an Jesus nehmen. Und er kann durch das Hilfeangebot, das Jesus gemacht hat, diesen Weg in beschleunigter Form durchlaufen.


Literatur

[1] Jesus von Nazareth, Band II, Benedikt XVI., Herder Verlag, 2011, Seite 271

[2a] Teilhard de Chardin, Die lebendige Macht der Evolution, Walter Verlag Olten und Freiburg, 1967

[2b] Teilhard de Chardin, Wissenschaft und Christus, Walter Verlag Olten und Freiburg, 1970

[3] Das Urwort, Dr. Michael König, Scorpio Verlag, 2010, Seite 224f.

[4] ebenda, Seite 225

3 Kommentare:

Wolf Dieter hat gesagt…

Das ist ja ein doller Philosophie-Esoterik-Mix...

Vielleicht holte Jesus das Brot für die Speisung der 4000 ja aus dem Subraum...

Valen hat gesagt…

Kleiner Linktip eines Historiker zum Thema Auferstehung: http://greatmindsongod.blogspot.com/2011/05/bart-ehrman-on-bibles-historical.html

Christoph Heilig hat gesagt…

Jaja... Bart Ehrman...
Wer an der Thematik wirklich interessiert ist, sollte sich mit "The Resurrection of the Son of God" von N.T. Wright beschäftigen (3. Band seiner NT-Theologie).