Montag, Juli 06, 2009

Diskussionsforum

Das neue Studium Integrale Journal kann nun erworben werden. In diesem Thread möchte ich gerne meinen Artikel "Ursachen fossiler Muster. Vergleich von phylogenetischer und ökologischer Deutung am Beispiel des Komplexitätsgewinns der Krebstiere (Crustacea)" zur Diskussion stellen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dazu konstruktive Anfragen kämen. Zwei bitten jedoch:
  • Lest den Artikel bitte auch wirklich zuerst. Ich bin nicht bereit, mir Mühe für recherchierte Antworten zu machen, wenn der Fragesteller nichtmal bereit ist, das zu lesen, was er kritisiert. So ein Studium Integrale Journal wird man sich doch zumindest einmal leisten können, oder?
  • Bitte keine allgemeinen Anfragen zu Sintflut und anderen Themen, die ich nicht behandelt habe oder höchstens am Rande wo gestreift habe. Ich mag's nicht, wenn's immer so schnell off topic wird. Ich würde gerne mal sehr konkrete Punkte diskutieren. Versucht den Artikel doch einfach auf der Grundlage dessen was ich schreibe zu kritisieren - so, als käme er nicht von mir, sondern von einem "Normalen". Danke.

Sonntag, Juni 28, 2009

Evolutionspsychologie kritisch gesehen

Evolutionspsychologische Erklärungen für menschliche Verhaltensweisen sind in populären Medien stark angesagt (siehe z.B. für Untreue und Treue). Sie klingen immer irgendwie plausibel und können wohl auch nützlich sein, wenn man eigene Verhaltensweisen erklären/entschuldigen will. Die Kritik an der Evolutionspsychologie beschränkt sich allerdings nicht auf die Einsprüche notorischer Evolutionskritiker, sondern kommt auch von 'innen' (siehe z.B. hier "Evolution of the Mind: 4 Fallacies of Psychology"). Der neueste diesbezügliche Beitrag, in dem viele populäre Behauptungen der Evolutionspsychologen als wissenschaftlich zweifelhaft aufgezeigt werden, stammt von der Wissenschaftsjournalistin Sharon Begley in Newsweek ("Why do we Rape, Kill and Sleep Around?"):

"Trotzdem bleibt die Evolutionspsychologie in den Medien und auf dem Universitäts-Campus sehr populär; die Gründe sind offensichtlich. Sie beschäftigt sich mit "diesen sehr sexy Themen," sagt Hill*. "Alles dreht sich um Sex und Gewalt," und hat, wie er es nennt, eine "Obsession mit just-so stories aus dem Pleistozän". Nur wenige Leute - wenige Wissenschafter - kennen die empirischen Daten und theoretischen Argumente die sie unterspülen. "Die meisten Wissenschafter sind zu beschäftigt um Studien außerhalb ihres eigenen spezialisierten Forschungsgebietes zu lesen," sagt Hill."



*Kim Hill, Anthropologe.

Freitag, Juni 19, 2009

Spuren aus dem Präkambrium

Markus Rammerstorfer hatte auf diesem Blog vor einiger Zeit auf neue Belge für die Hypothese einzelliger Verursacher präkambrischer Spuren hingewiesen. Theresa HALLER (2009) führte das im Studium Integrale Journal ausführlicher aus. Darauf Bezug nehmend wies ich (HEILIG 2009a) auf einen vor kurzem bekannt gewordenen Fund hin. Diesen Beitrag stelle ich nun online:

Wissenschaftliche Erkenntnis ist immer vorläufig und kann durch neue Ergebnisse schnell hinfällig werden. Dies gilt in besonderer Weise für spekulative Hypothesen der historischen Wissenschaften. Möglicherweise bahnt sich das bereits für Aussagen an, die sich auf Schlussfolgerungen beziehen, über die Theresa HALLER (2009) im vorangehenden Beitrag berichtet. MATZ et al. (2008) hatten eine neue Deutungsmöglichkeit für präkambrische Spurenfossilien vorgestellt, die bisher als wichtiges Argument für die Existenz komplexer Zweiseitentiere (Bilateria) vor dem Kambrium gewertet wurden und belegen sollten, dass die „Kambrische Explosion“ gar nicht so explosiv gewesen müsse. Die Autoren beobachteten, dass riesige Einzeller auf dem Boden heutiger Meere Spuren hinterlassen können, welche in ihrer rinnenartigen Form an die besagten Fossilien aus dem Präkambrium erinnern. Mikhail Matz meinte auf der Grundlage dieser Ergebnisse: „Ich persönlich denke nun, dass das gesamte Präkambrium möglicherweise ausschließlich von Protisten beherrscht wurde.“ (Zitiert bei ANONYMUS 2008a)
Eine weitreichende Spekulation! Sie könnte sich nun jedoch als falsch herauszustellen: Ein Fund von Loren Babcock, dem ein Alter von 570 Millionen Jahren zugeschrieben wird, weist Spuren auf, die aussehen, als seien sie von einem mehrfüßigen Tier erzeugt worden. Damit verlegt der Fund die Existenz lauffähiger Meerestiere um gut 30 Millionen Jahre nach gängiger Datierung zurück, hinein ins Ediacarium. Die Entdecker mutmaßen, bei diesem Tier könne es sich um einen mit Beinen ausgestatteten Wurm, einen Hundertfüßer oder einen Doppelfüßer gehandelt haben (DAILY MAIL REPORTER 2008). Wobei hier kritisch anzumerken ist, dass die Doppelfüßer auf dem Land leben und ihre vielen Gliedmaßen kaum geeignet erscheinen, um ein solches Muster regelmäßiger und recht weit voneinander getrennter Punkte zu produzieren, wie Matz in persönlicher Kommunikation betont. Er würde auf einen Lobopoden wie Hallucigenia tippen. Doch auch für einen solchen Verursacher seien die Spuren ungewöhnlich regelmäßig und rund.

Matz selbst, der den Fund mir gegenüber als „fantastisch“ bezeichnete, meinte: Sollte sich Babcocks Deutung eines biologischen Ursprungs des Fossils und dessen Datierung bestätigen lassen, so würde dies tatsächlich sein eigenes – wohlweislich nicht in die Originalpublikation aufgenommenes – Statement zur präkambrischen Fauna (s.o.) widerlegen. Die wissenschaftsinterne Diskussion wird zeigen, wie belastbar der Fund ist. Auch Babcock erwartet angesichts des spektakulären Charakters des Fundes Skepsis von Kollegen und hält diese auch für angebracht, ist sich jedoch „ziemlich sicher – aber nicht zu 100%“, dass das Fossil von einem hundertfüßerartigen Arthropoden oder einem Wurm mit Beinen verursacht wurde (ANONYMUS 2008b). Der Fund eines entsprechenden Körperfossils könnte mehr Licht ins Dunkel bringen.
Bisher wurde lediglich ein Poster vorgestellt, dem jedoch schon einige technischen Details über das Fossil zu entnehmen sind (AHN et al. 2008). Eine Publikation in der Fachliteratur steht noch aus.
In Studium Integrale Journal werden zum einen Versuche, Evolutionsabläufe mit Plausibilität auszustatten, kritisch hinterfragt. Dazu zählt auch die Bewertung von Argumenten, mit denen die im Rahmen des Evolutionsparadigmas angenommene plötzliche Entstehung der Tierstämme entschärft werden soll. Zum anderen sollen aber auch Alternative entwickelt werden. Geht man nicht von einer evolutiven, sondern von einer ökologischen Ursache für die Fossilabfolge für höhere Organismengruppen aus (STEPHAN 2002; HEILIG 2009), dann vertritt man selbst (wie die kritisierten Evolutions-Vertreter) eine Existenz der Tiergruppen bereits vor ihrer fossilien Überlieferung. Im ökologischen Interpretationsrahmen ist das vereinzelte Auftreten von Spur- (oder auch Körper-)fossilien vor der eigentlichen Radiation der Tiergruppe durchaus zu erwarten, auch wenn dies die evolutionskritische Argumentation schwächt.


AHN SY, BABCOCK LE, REES MN & HOLLINGSWORTH JS (2008) Body and Trace Fossils from the Deep Spring Formation (Ediacaran), Western Nevada. Geological Society of America (Abstracts with Programs) 40, 143.

ANONYMUS (2008a) Discovery provides new perspective on animal evolution. Science Centric, Newsmeldung vom 5. Dezember: http://www.sciencecentric.com/news/article.php?q=08120530-discovery-provides-new-perspective-on-animal-evolution. Letzter Zugriff: 03.02.2009.

ANONYMUS (2008b) 570 Million Year Old Tracks In Nevada Are Earliest Animal Footprints Ever Found. Scientifblogging, Meldung vom 05. Oktober: http://www.scientificblogging.com/news_releases/570_million_year_old_tracks_in_nevada_are_earliest_animal_footprints_ever_found. Letzter Zugriff: 03.02.2009.

DAILY MAIL REPORTER (2008) Earliest animal footprints ever show creatures walked the earth 570 million years ago. Daily Mail, Meldung vom 07. Oktober: http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-1069605/Earliest-animal-footprints-creatures-walked-Earth-570million-years-ago.html. Letzter Zugriff: 03.02:2009.

HALLER T (2009) "Trauben" im Präkambrium? Stud. Int. J. 16, 58-59.

HEILIG C (2009a) Eine heiße Spur? Stud. Int. J. 16, 59-60.

HEILIG C (2009b) Ursachen fossiler Muster. Vergleich von phylogenetischer und ökologischer Deutung am Beispiel des Komplexitätsgewinns der Krebstiere (Crustacea). Stud. Int. J. 16, 22-35.

MATZ MV, FRANK TM & JUSTIN (2008) Giant Deep-Sea Protist Produces Bilaterian-like Traces. Current Biology 18, 1-6.

STEPHAN M (2002) Der Mensch und die geologische Zeittafel. Warum kommen Menschenfossilien nur in den obersten geologischen Schichten vor? Holzgerlingen.

Freitag, Mai 22, 2009

DSDM - Deutschland sucht den Medienstar...

... und er kommt aus der Nähe von Darmstadt und heißt "Ida". Näheres zur Person zu lesen gibt es bei Franzen et al. (2009)... oder einem beliebigen Boulevardblatt. Selbst Martin Neukamm von der AG Evolutionsbiologie meint, der "Sensationsfund" hätte "umwälzenden Folgen für unser Weltbild". Zweifellos haben wir es hier mit einem wunderbar erhaltenen Fossil zu tun, das viel Diskussionsstoff liefern wird. Es irritiert mich jedoch ein wenig, schon im Vorfeld dieser Debatten eine erstaunliche Medienkampagne wahrzunehmen. Nur deswegen habe ich mich auch entschlossen, schnell einen kurzen Blogeintrag zu schreiben, obwohl ich gerade eigentlich kaum Zeit habe. Erste kritische Anmerkungen zum "achten Weltwunder" gibt es etwa hier, hier und hier.




Franzen, J.L. et al. (2009) Complete Primate Skeleton from the Middle Eocene of Messel in Germany: Morphology and Paleobiology. PLoS ONE 4, e5723.

Dienstag, Mai 05, 2009

Über Fairness und geschaffene Arten

Dem Leser dieses Blogs wird sicher bekannt sein, dass ich an schöpfungsorientierter Systematik einiges zu Kritisieren habe und allgemein dem Versuch mit naturwissenschaftlichen Mitteln biblische Glaubensinhalte nachzuzeichnen mittlerweile sehr skeptisch gegenüberstehe. Ich habe mir um zu diesen Ergebnissen zu kommen auch einige Gedanken gemacht und viel gelesen. Und ich habe nicht vor, meine Kritik an der Baraminologie umfassend öffentlich zu machen, ehe ich nicht die vier prallgefüllten Leitz-Ordner, die Artikel zu diesem Thema aus den letzten hundert Jahren enthalten, durchgearbeitet habe. Was mich stört ist also nicht Kritik an sich (gerade an Ideen, die ich selbst auch nicht teile), sondern, wenn ich sehe, dass uninformierte Leute Äußerungen über die Positionen ihrer Gegner machen. Wer sich ein wenig mit Baraminologie beschäftigt hat, wird wissen, dass die Vorstellungen über die Anzahl der in ihnen enthaltenen geschaffenen Arten bei ungefähr 5 liegen dürfte, manche gehen auch von weniger aus. Nun schreibt Hemminger:

Das Grundtypen-Modell von Wort und Wissen besagt, dass die Schildkröten mit ihren heutigen 13 Familien vermutlich als rund 13 Grundtypen vor etwa 10.000 Jahren speziell erschaffen wurden. Zu den heutigen Arten entfaltet haben sie sich seither nur innerhalb dieser Grundtypen.


Man mag nun sagen: 'Ob nun 13, 5 oder 3 geschaffene Arten, das macht doch kaum einen Unterschied!' Und: 'Auch wenn man gemeinsame Abstammung mehrerer Familien annimmt, wird das Ganze nicht plausibler! Die gemeinsame Abstammung geht doch viel (!) weiter.'
Auch das mag stimmen, das sei dahingestellt. Was mich vielmehr stört ist, dass eine Aussage wie die Zitierte klarmacht, dass man sich eigentlich nicht mit der kritisierten Position auseinandergesetzt hat. Und die Schildkröten sind eben nicht nur irgendein Beispiel - sie sind DIE Organismengruppe schlechthin, die von schöpfungsgläubigen Forschern bisher untersucht wurde. Wer sich wirklich mit Baraminologie beschäftigt, kommt daran einfach nicht vorbei.
Recht zu haben entbindet nicht von der Pflicht, fair zu sein. Ich habe Hemminger auch schon über Sintflutgeologie sprechen hören. Es mag naturwissenschaftlich wenig bis nichts bringen, wenn man eben nicht alle Sedimente in das Sintflutjahr stellt, sondern nur einen Teil oder gar keine. Aber dennoch darf man sich nicht hinstellen und behaupten, die kritisierte Partei vertrete eben dies! Vor allem, da daran deutlich wird, dass man nichtmal die grundlegendsten Schriften des Gegenübers zu dem Thema gelesen hat. Sonst wüsste man das. Und sonst wüsste man zu Schildkröten-Baramins mehr zu sagen als die alte Familien-Formel herauszukramen.
Ich nehme Hemminger gerne ab, dass er den Naturwissenschaften und der Christenheit durch seine von ihm zweifellos als Aufklärungsarbeit verstandene Bemühungen helfen möchte. Und faire Kritik kann auch nur hilfreich sein und nicht schaden. Aber aus meinetwegen guten Motiven zu unlauteren Mitteln zu greifen und über andere herzuziehen, wo man sich vielleicht erstmal informieren sollte, das kann wohl kaum der richtige Weg sein.

Sonntag, April 26, 2009

Anonyme Designer..

... mit unbekannten Eigenschaften, Design-Methoden und Motiven hassen: Junk-DNA!

Eben erst habe ich wieder darauf hingewiesen, dass im Rahmen von ID (besser: AD = Anonymes Design) keine positiven Erwartungen zu formulieren sind. Junk-DNA kann im Rahmen von ID weder erwartet noch abgelehnt werden. Das habe ich bereits hier ausführlich begründet. Erwartungen dieser Art erfordern eine Spezifizierung des Designers, die im Rahmen von AD ja kategorisch abgelehnt wird. Dann kann man etwa von einem statisch-perfekt schaffenden Designer ausgehen, der soetwas nicht machen würde oder optional von einem „Extravagant Creator of Junk DNA“. Ich finde, das ist eine logische Sache. Dennoch hören AD-Vertreter nicht auf, mit ihrer No-Junk-DNA-"Erwartung" zu prahlen. Ich verstehe nicht, wie eine Bewegung, die jede Kritik im Sinne von "dummem Design" in der Natur als designerabhängig abtut, so agieren kann!
Neustes Beispiel - das mich dazu veranlasst hat, hier nochmal auf diesen Punkt hinzuweisen - auf Uncommon Descent. Einige der Kommentare zeigen meines Erachtens durchaus in die richtige Richtung. Bleibt zu hoffen, dass sie von den verantwortlichen AD-Vertretern endlich wahrgenommen werden!